Hochbegabung und Förderungsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2005

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Hochbegabung? Ein Definitionsversuch
2.1. bestimmte Arten von Hochbegabung

3. Gesellschaft und Hochbegabung

4. Feststellung und Messung von Hochbegabung

5. Hochbegabung und Schule: Arten der Begabtenförderung

6. Die soziale Struktur von Hochbegabten

7. Fazit und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes im Wintersemester 2004/2005 mit dem Titel „Die Elite und die anderen – Untersuchungen an Berliner Schulen“ beschäftigte sich unsere Gruppe mit der Schülerwahrnehmung von Schülern in Schulen mit besonderen Zweigen. Dafür führten wir Untersuchungen an zwei Schulen mit bilingualen Zweigen durch. Die Auswertung und die Ergebnisse dieser Untersuchung werden im Sommersemester 2005 vorliegen.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich – im Sinne einer theoretischen Vorüberlegung – erst einmal grundsätzlich mit dem Thema Hochbegabung und dem Umgang mit Hochbegabten. Dabei geht es im ersten inhaltlichen Kapitel (Kapitel 2) zunächst um eine erste Begriffsdefinition.

Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit dem Umgang der deutschen Gesellschaft mit Hochbegabung. Darin wird dargelegt, dass der „deutsche Weg“ in dieser Frage nicht zwangsläufig auch die in anderen Nationen vertretene Herangehensweise ist.

Im 4. Kapitel gehe ich intensiver auf die verschiedenen Möglichkeiten der Feststellung und Messung von Begabung bzw. Hochbegabung ein. Dabei werden sowohl Intelligenztest als auch andere Verfahren der Erkennung wie z.B. Verhaltensmerkmale berücksichtigt.

Das 5. Kapitel beschäftigt sich mit dem Umgang mit Hochbegabung an Schulen. Hierbei wird insbesondere auf die unterschiedlichen Förderungsarten wie Akzeleration und Enrichment eingegangen.

Im 6. Kapitel wird abschließend die soziale Struktur von Hochbegabten thematisiert. Dabei wird der Fokus auf Persönlichkeitsmerkmale gelegt, sowie auf die häufig diskutierte Frage eingegangen, ob bzw. wie Genie und Wahnsinn zusammen hängen.

2. Was ist Hochbegabung? Ein Definitionsversuch.

Genauso vielfältig wie die Literatur zum Thema Hochbegabung ist, so existieren auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Definitionen. Nach Feger (1988) existierten bereits 1964 113 verschiedene Definitionen (vgl. Feger/Prado, 2000, S. 38). Zudem variieren die Begrifflichkeiten und deren Gebrauch von Land zu Land. Eine größere Anzahl an begrifflichen Abstufungen wie die Unterscheidung nach Begabung, Hochbegabung und Höchstbegabung trägt noch dazu erschwerend zum Verständnis bei.

Wohl aber wird deutlich, dass sich die Begrifflichkeiten nicht nur gewandelt, sondern auch im Zuge der voranschreitenden Forschung konkretisiert haben. So ist festzustellen, dass man früher unter Hochbegabung allein eine hohe Ausprägung des Intelligenzquotienten, also eine intellektuelle Frühentwicklung, verstand. Heute geht man hingegen von einem viel umfassenderen Begriff aus. Unter Hochbegabung versteht man heute viel mehr herausragende Fähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen aus denen im Vergleich zu den Gleichaltrigen/Peers hohe Leistungen resultieren. Begabung ist jedoch nur die notwendige Bedingung um herausragende Leistungen zu bringen. Zudem haben viele andere Faktoren wie „Interesse, Durchsetzungskraft, Motivation und Persönlichkeit“ (Witz, 2000, S. 9) entscheidenden Einfluss auf die Leistungen von Hochbegabten. Dies bedeutet, dass Begabung allein nicht ausreicht um herausragende Leistungen zu erbringen. Vielmehr ist es das Zusammenspiel vieler Faktoren, was bei einigen Personen mit besonderer Veranlagung zu besonderen Leistungen führt. Das Fehlen dieses Zusammenspiels hat hingegen bestenfalls eine durchschnittliche Leistung zur Folge.

Dennoch herrscht weiterhin Uneinigkeit, ab welcher Ausprägung des Intelligenzquotienten man von Hoch- bzw. Höchstbegabung spricht. In der Literatur sind Werte zwischen 120 und 155 für Hochbegabung sowie IQ-Ausprägungen zwischen 155 und 170 für Höchstbegabung zu finden. Auf Grundlage dieser unterschiedlichen Maßstäbe ist es schwer eine valide Aussage über den Anteil an Hoch- bzw. Höchstbegabten in der deutschen Bevölkerung zu treffen. Abhängig davon welchen Maßstab man benutzt, schwankt dieser Wert zwischen 0,5 und 5% innerhalb der deutschen Bevölkerung (vgl. Wirtz, 2000, S. 9).

2.1. bestimmte Arten von Hochbegabung

In der Literatur werden vor allem sechs verschiedenen Arten von Begabung unterschieden, welche ich im Folgenden etwas genauer charakterisieren möchte. Trotz aller methodisch notwendigen Abgrenzungen, ist es jedoch wichtig festzuhalten, dass sich häufig die unterschiedlichen Begabungsformen mischen und so ein individueller Typ der Begabung entsteht. Genauso ist ein Hochbegabter nicht automatisch in allen Bereichen hochbegabt, sondern kann trotz einer beispielsweise hoch ausgeprägten sprachlichen Begabung Defizite bezüglich der mathematischen Intelligenz aufweisen. Allen Hochbegabten gemein ist jedoch ein hoher Grad an Abstraktionsfähigkeit (vgl. Wirtz, 2000, S. 10).

Die sprachliche, mathematische und räumliche Begabung zählen zu den Grundintelligenzen, die in jedem Menschen vorhanden sind und in den meisten Intelligenztests auch abgefragt werden.

Die sprachliche Begabung bezieht sich auf besondere Fähigkeiten beim Erlernen von Fremdsprachen, was sich zum Beispiel durch einen großen Wortschatz, Interesse und schnelle Auffassungsgabe bezüglich Grammatik und sprachlicher Strukturen äußert. Da es sich bei Sprache um ein komplexes und abstraktes System handelt, mit dem abstrakte Inhalte ausgedrückt werden können, wird auch hier eine gewisse Abstraktionsfähigkeit vorausgesetzt.

Mathematische Begabung ist auch gekennzeichnet durch eine schnelle Auffassungsgabe vor allem bei der Lösung abstrakter Probleme. Neben besonderen Fähigkeiten beim Rechnen ist es jedoch auch ein Gefühl für Zahlen, was die mathematische Begabung ausmacht. Junge Hochbegabte zeichnen sich zudem oft durch ein autodidaktisches Aneignen der einfachen Rechenoperationen aus. Später entwickeln sie früher als durchschnittlich begabte Kinder Interesse an formalen Denkoperationen. Diese kognitive Entwicklungsstufe erreichen Kinder nach dem Stufenmodell von Piaget zumeist erst mit 11 Jahren.

Die räumliche Intelligenz umfasst neben der aufmerksamen Wahrnehmung der Umgebung auch die Erinnerung an räumliche Gegebenheiten sowie das Abschätzen von Richtungen und Entfernungen (vgl. Wirtz, 2000, S. 11f).

Die musisch-künstlerische Intelligenz gehört zu den Begabungen, die sich bereits in frühester Kindheit zeigt. Vor allem wird dies durch ein hohes Maß an Kreativität deutlich. Um musisch-künstlerische Intelligenz feststellen zu können, bedarf es jedoch einiger Persönlichkeitsmerkmale bei deren Fehlen es kaum zur Entdeckung dieser Begabung kommen kann. So ist es zum Beispiel notwendig, dass die begabte Person keine Probleme beim Präsentieren der eigenen Fähigkeiten in der Öffentlichkeit vor Publikum hat z.B. Vorsingen etc. (vgl. Holling/Kanning, 1999, S. 96ff).

Trotzdem soziale Intelligenz wohl zu den wichtigsten Intelligenzen gehört, ist die Forschung um diesen Bereich der Intelligenz am wenigsten ausgeprägt. Unter sozialer Begabung versteht man sowohl die nach innen, auf die eigene Person, als auch die nach außen, auf andere Personen, gerichtete Fähigkeit Gefühle und Emotionen zu deuten. Empathie, was neben den rein sprachlichen Signalen auch den Klang der Stimme, Gesten und Körperhaltung betrifft, gewinnt dabei an besonderer Bedeutung, da es sich dabei um die Basis für Menschenkenntnis handelt.

Die Ausprägung der emotionalen Intelligenz ist neben anderen Umgebungsfaktoren wie Schichtzugehörigkeit und Zufall der entscheidende Faktor ob Hochbegabung zu Erfolg führt oder nicht (vgl. Wirtz, 2000, S. 13).

Sportmotorische Begabung zeichnet sich durch eine herausragende Koordination der Bewegungsabläufe aus. Gleichwohl ist es eine aufgrund von fehlenden einheitlichen Qualitätskriterien und Definitionen schwer zu erkennende Begabung. Hier werden meist nur die Hochbegabten entdeckt, die durch eine hohe Leistung aufgefallen sind, ergo werden nur die Hochleistenden entdeckt und nicht die Hochbegabten bei denen sich die Begabung nicht in Leistung manifestiert (sog. Underachiever) (vgl. Holling/Kanning, 1999, S. 94, Freund-Braier, 2001, S. 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung und Förderungsmöglichkeiten
Hochschule
Universität Potsdam
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V86211
ISBN (eBook)
9783638016513
ISBN (Buch)
9783638919043
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochbegabung, Förderungsmöglichkeiten
Arbeit zitieren
Magistra Artium Claudia Kunze (Autor), 2005, Hochbegabung und Förderungsmöglichkeiten , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86211

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