Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Großstadt in Erich Kästners Kinderkrimi „Emil und die Detektive“.
•Wie stellt Kästner das Berlin der Weimarer Zeit dar?
•Welche Funktion übt die Metropole in Bezug auf die Kriminalhandlung aus?
•Warum wählt Kästner gerade eine Großstadt als Schauplatz seiner Verfolgungsjagd?
Der Handlungsraum Großstadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts war durchaus nicht üblich für einen Kinderroman.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzungen
2.1 Großstadt
2.2 Die Kriminalliteratur
2.2.1 Der Kriminalroman in der Kinder- und Jugendliteratur
2.2.2 Emil und die Detektive als Thriller
3. Erich Kästners Berlin Kontakte
4. Großstadt und Kriminalität in der Weimarer Zeit als Gegenstand in der Kinderliteratur
5. Darstellung und Funktion von Großstadt in „Emil und die Detektive“
6. Reflexion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Metropole Berlin als Schauplatz und funktionales Element in Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“. Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass der Krimi untrennbar mit dem Großstadtmilieu der Weimarer Zeit verbunden ist und durch die Wahl dieses Handlungsraums neue Maßstäbe in der Kinderliteratur setzte.
- Analyse von Berlin als Symbol der Moderne und technischer Fortschrittsraum.
- Untersuchung der Funktion der Großstadt für die Kriminalhandlung und Verfolgungsjagd.
- Gegenüberstellung von großstädtischem und kleinstädtischem Milieu.
- Einordnung des Romans in den Kontext der Kinder- und Jugendliteratur der 1920er Jahre.
- Reflexion über die Darstellung von Kindern als aktive, handlungsfähige Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
Darstellung und Funktion von Großstadt in „Emil und die Detektive“
„Emil und die Detektive“ ist einer der ersten Großstadtromane für Kinder. Mit seinem ersten Kinderbuch setzt Erich Kästner neue Akzente in der Kinderliteratur. Zu Kästners Zeit spielt die Großstadt als Handlungsort für einen Kinderroman eine eher randständige Rolle, denn „die Stadt oder gar die Großstadt [gelten] nicht als eigentümliche Aktionsorte von Kinderliteratur“.
Kästner lässt den Leser Berlin erschließen, indem er ihn die Stationen der Verfolgungsjagd regelrecht von Emil „erlaufen“ lässt. Ferner stellt Kästner Berlin als sehr positiv dar und lässt den Vorteil des neuen Handlungsraumes Großstadt erkennen: die Kinder sind fähig außerhalb der dauerhaften Überwachung von Erwachsenen zu handeln und zu lernen. Berlin fungiert also als Freiraum und als „Lehrmeister“, der Emil lehrt sich in der Großstadt eigenständig zurechtzufinden, Gefahren zu meistern und mit ihnen zu wachsen.
An vielen Stellen fällt auf, dass Kästner die Großstadt und das Landleben nicht gegeneinander ausspielt, sondern dass beides nebeneinander existieren und sich gegenseitig tolerieren kann. Dieses wird in einem Gespräch deutlich, das Emil mit dem „Professor“, einem Kind aus seiner Detektivgruppe, führt.
„, Berlin ist natürlich großartig. Man denkt, man sitzt im Kino. Aber ich weiß nicht recht, ob ich immer hier leben möchte.’ (...), Man gewöhnt sich dran’, sagte der Professor. ,Ich hielte es wahrscheinlich wieder nicht in Neustadt aus, mit drei Plätzen und dem Amselpark.’ ,Man gewöhnt sich dran’, sagte Emil, ,aber schön ist Berlin. Keine Frage, Professor. Wunderschön’“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die Hypothese und den Aufbau der Arbeit, wobei der Fokus auf der Verbindung zwischen dem Roman und dem Großstadtmilieu liegt.
2. Abgrenzungen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, indem die Begriffe „Großstadt“ sowie „Kriminalliteratur“ (inklusive der Subgattungen Detektivroman und Thriller) definiert und auf die Kinderliteratur angewendet werden.
3. Erich Kästners Berlin Kontakte: Hier werden Kästners biografische Bezüge zu Berlin dargestellt, insbesondere wie seine persönlichen Erfahrungen in der Stadt und sein berufliches Umfeld den Roman beeinflussten.
4. Großstadt und Kriminalität in der Weimarer Zeit als Gegenstand in der Kinderliteratur: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext und den Wandel der Kinderliteratur in der Weimarer Republik, in der die Großstadt erstmals verstärkt als Handlungsort auftaucht.
5. Darstellung und Funktion von Großstadt in „Emil und die Detektive“: Der Hauptteil analysiert, wie die Stadt Berlin als Freiraum, Lehrmeister und technischer Unterstützer für die kindlichen Protagonisten dient.
6. Reflexion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung der Großstadt für die Einzigartigkeit und den Erfolg von Kästners Roman.
Schlüsselwörter
Erich Kästner, Emil und die Detektive, Großstadt, Berlin, Weimarer Republik, Kinderkrimi, Kriminalliteratur, Detektivroman, Thriller, Kinderliteratur, Urbanisierung, Verfolgungsjagd, Sozialmilieu, Moderne, Kindheitserlebnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie Erich Kästner die Großstadt Berlin in seinem Kinderroman „Emil und die Detektive“ darstellt und welche funktionale Rolle sie für die Handlung spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Kriminalliteratur, der Bedeutung der Großstadt als literarischer Handlungsraum und der Analyse des spezifischen Milieus der Weimarer Zeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie Kästner das Berlin der damaligen Zeit darstellt und ob der Roman in dieser Form auf dem Land hätte stattfinden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Begriffe der Kriminalliteratur und den historischen Kontext der Weimarer Republik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Berlin als Freiraum für Kinder, den technischen Aspekten einer Großstadt, die bei der Verbrecherjagd helfen, und der sozialen Struktur der Stadt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Erich Kästner, Großstadt, Kinderkrimi, Berlin, Kriminalliteratur und Weimarer Republik.
Warum wählt die Autorin gerade diesen Roman für die Untersuchung?
Da „Emil und die Detektive“ sowohl eine Kriminalgeschichte als auch eine Großstadtgeschichte ist, eignet sich das Werk hervorragend, um die Verknüpfung dieser Elemente zu erforschen.
Welche Rolle spielt die Anonymität der Großstadt in der Analyse?
Die Autorin arbeitet heraus, dass Kästner die Anonymität sowohl als Nachteil (Isolation) als auch als strategischen Vorteil für die Verbrecherjagd interpretiert.
- Quote paper
- Nina Lamprecht (Author), 2006, Darstellung und Funktion von Großstadt im 'Kinderkrimi' von Erich Kästner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86289