„Bereits im Februar 1993 schien in New York die Apokalypse nahe. Islamisten inszenierten in einem Garagendeck des World Trade Centers eine riesige Explosion. Sechs Menschen wurden getötet, über 1000 verletzt. Nur glückliche Umstände, Statik und Schwäche der Bombe verhinderten schon damals den ersten terroristischen Super-GAU.“ Rolf Tophoven, der Mitbegründer und stellvertretende Leiter des Institutes für Terrorismusforschung in Bonn scheint dabei zwei wichtige Komponenten zu vergessen, die 1993 zum optimalen Gelingen fehlten. Zum einen war dies das dilettantische Vorgehen der Terroristen selbst, gepaart mit den zum damaligen Zeitpunkt äußerst freizügig gestalteten Einreisebestimmungen der USA. Zum anderen betraf dies einen sehr weltlichen Aspekt im terroristischen Kalkül: das Geld, das zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion notwendig war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
1.4 Forschungsstand
2. Begriffsbestimmung zum Terrorismus
2.1 Terrorismusbestimmung durch die Vereinten Nationen und die Europäische Union
2.2 Operationalisierung des Terrorismusbegriffs
3. Die Anfänge der Privatisierung des Terrorismus am Beispiel der PLO und der Hisbollah
3.1 PLO – Finanzierung durch Wohlfahrtsorganisation
3.2 Hisbollah – vom staatlich geförderten Terrorismus zur privaten Finanzierung
4. Terrorismusfinanzierung aus legalen Quellen
4.1 Das islamische Finanzwesen und islamische Banken
4.1.1 Die Evolution des islamischen Finanzwesens
4.1.2 Das Zinsverbot riba
4.1.3 Die Rolle islamischer Banken bei der Terrorfinanzierung
4.2 Die islamischen Hilfsorganisationen
4.2.1 Die Anfänge der islamischen Hilfsorganisationen
4.2.2 Das Wirken islamischer Hilfsorganisationen vor dem 11. September 2001
4.2.3 Das Wirken islamischer Hilfsorganisationen nach dem 11. September 2001
4.3 Scheinbar legale Quellen
5. Terrorismusfinanzierung aus illegalen Quellen
5.1 Illegaler Handel mit Edelsteinen
5.2 Drogenschmuggel
5.3 Zigarettenschmuggel
6. Möglichkeiten des Transfers terroristischer Gelder
6.1 Offizielle Zahlungssysteme
6.2 Alternative Zahlungssysteme – hawala-Transfer
7. Optionen für den Kampf gegen die Finanzen des Terrorismus
7.1 Zusammenfassung
7.2 Konsequenzen für die Bekämpfung der Terrorfinanzierung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Methoden und Strukturen der Finanzierung des radikalen Islamismus aufzuzeigen und zu analysieren, wie sich dieser Terrorismus zunehmend von staatlicher Unterstützung emanzipiert hat.
- Wandel von staatlich finanzierter Gewalt hin zur privaten Selbstfinanzierung.
- Die Rolle des islamischen Finanzwesens und karitativer Einrichtungen als Finanzquellen.
- Symbiotische Verbindungen zwischen Terrororganisationen und organisierter Kriminalität.
- Alternative Transferwege wie das hawala-System als Mittel zur Geldverschleierung.
- Die Herausforderungen einer wirksamen internationalen Terrorismusfinanzierungsbekämpfung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Bereits im Februar 1993 schien in New York die Apokalypse nahe. Islamisten inszenierten in einem Garagendeck des World Trade Centers eine riesige Explosion. Sechs Menschen wurden getötet, über 1000 verletzt. Nur glückliche Umstände, Statik und Schwäche der Bombe verhinderten schon damals den ersten terroristischen Super-GAU.“ Rolf Tophoven, der Mitbegründer und stellvertretende Leiter des Institutes für Terrorismusforschung in Bonn scheint dabei zwei wichtige Komponenten zu vergessen, die 1993 zum optimalen Gelingen fehlten. Zum einen war dies das dilettantische Vorgehen der Terroristen selbst, gepaart mit den zum damaligen Zeitpunkt äußerst freizügig gestalteten Einreisebestimmungen der USA. Zum anderen betraf dies einen sehr weltlichen Aspekt im terroristischen Kalkül: das Geld, das zur Vorbereitung und Durchführung der Aktion notwendig war.
Als 1995 der Hauptverantwortliche des ersten Terroranschlags auf das Welthandelszentrum, Ramzi Yousef, in Islamabad festgenommen und in die USA ausgeflogen wurde, sagte dieser beim Überflug der Stadt New York und dem Betrachten der Zwillingstürme: „Wenn ich mehr Geld und Zeit gehabt hätte, um eine größere Bombe zu bauen, stünden die Türme nicht mehr.“ In der Tat müssen in den frühen 1990er Jahren die Finanzstrukturen des Terrornetzwerkes al-Qaida erst schwach ausgebildet gewesen sein, um einen Anschlag von der Größenordnung des World Trade Centers effektiv ausführen zu können: „This self-sufficiency hurt the early cells of Al Qaeda, notably the first WTC bombing cell in 1993. In the early part of the 1990s, Al Qaeda did not have the necessary ressources, or at least chose not to use them for its operational cells.” Fast zwei Jahre später, nach seiner Verhaftung im Januar 1995, kam Ramzi Yousef nicht umhin, wieder und wieder zu betonen, er hätte bei der Planung der Anschläge nicht über genügend Geld verfügt: So hätte er beispielsweise den Plan verwerfen müssen, Giftgas einzusetzen und selbst der Einsatz eines Lastkraftwagens wäre zu teuer gewesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, beleuchtet die historische Bedeutung von Finanzstrukturen für Terroranschläge wie das World Trade Center 1993 und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Finanzierung des modernen Terrorismus.
2. Begriffsbestimmung zum Terrorismus: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, dass eine allgemeingültige Definition von Terrorismus aufgrund politischer Konnotationen schwierig ist und operationalisiert den Begriff anhand trinitarischer Komponenten.
3. Die Anfänge der Privatisierung des Terrorismus am Beispiel der PLO und der Hisbollah: Dieses Kapitel analysiert den Prozess der Emanzipation von staatlichen Geldgebern hin zur wirtschaftlichen Autarkie durch Unternehmensgründungen und Finanznetzwerke.
4. Terrorismusfinanzierung aus legalen Quellen: Hier werden das islamische Finanzwesen sowie Hilfsorganisationen beleuchtet und ihre missbräuchliche Nutzung zur Spendenakquisition und Geldverschiebung für terroristische Zwecke diskutiert.
5. Terrorismusfinanzierung aus illegalen Quellen: Dieses Kapitel untersucht die symbiotische Beziehung zwischen organisierter Kriminalität und Terrorismus, insbesondere bei Schmuggelaktivitäten wie Drogen, Edelsteinen und Zigaretten.
6. Möglichkeiten des Transfers terroristischer Gelder: Dieses Kapitel behandelt die Nutzung sowohl offizieller als auch alternativer, inoffizieller Zahlungssysteme wie den hawala-Transfer zur grenzüberschreitenden Verschiebung terroristischer Gelder.
7. Optionen für den Kampf gegen die Finanzen des Terrorismus: Abschließend werden die Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Bekämpfung der Terrorfinanzierung bewertet sowie Herausforderungen und notwendige Strategien diskutiert.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Terrorismusfinanzierung, Islamismus, al-Qaida, Hisbollah, PLO, Geldwäsche, hawala-Transfer, islamisches Finanzwesen, Hilfsorganisationen, organisierte Kriminalität, Sanktionen, transnationale Netzwerke, Wirtschaft, Schurkenstaaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die komplexen Methoden und Strukturen, mit denen der islamistische Terrorismus seine Aktivitäten finanziert, und wie sich die Finanzierung über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel vom staatlich geförderten Terrorismus zur Privatisierung, die Rolle von religiös begründeten Finanzsystemen und die enge Verflechtung mit der organisierten Kriminalität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage der Arbeit lautet: "Wie finanziert sich der islamistische Terrorismus?" und analysiert die verschiedenen legalen und illegalen Quellen sowie Transferwege.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung von Presseberichten, offiziellen behördlichen Dokumenten und Erkenntnissen internationaler Gremien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse historischer Beispiele (PLO/Hisbollah), die Ausleuchtung legaler Finanzstrukturen (Banken, Spenden), illegaler Erwerbsquellen (Schmuggel) und der globalen Transfermechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Terrorismusfinanzierung, al-Qaida, hawala-System, Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Islamismus und internationale Sicherheitsarchitektur.
Wie unterscheidet sich die Finanzierung von al-Qaida von der PLO?
Während die PLO frühzeitig eigene Wirtschaftsunternehmen wie die Samed gründete, agiert al-Qaida als dezentrales Netzwerk, das seine Finanzierung stärker über Privatspenden und inoffizielle Hilfsorganisationen diversifiziert.
Warum ist der Kampf gegen die Terrorfinanzierung so schwierig?
Da die Finanzquellen oft auf legalen Strukturen wie karitativen Spenden basieren und Transfermethoden wie der hawala-Transfer keine Spuren im offiziellen Bankensystem hinterlassen, sind sie für Behörden äußerst schwer zu kontrollieren.
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- Magister Artium Yves Dubitzky (Author), 2005, Finanzierung des islamistischen Terrorismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86446