Die grotesk - karnevalesken Körperwelten der Caprichos von Goya


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein geschichtlicher Rückblick

3. Francisco de Goya

4. Die Caprichos
4.1 Der Karnevalismus
4.2 Das Groteske

5. Die Verarbeitung der grotesk-karnevalesken Elemente in den Caprichos

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Noch heute begeistern die Bilder von Goya. Ausgestellt im Museo del Prado, zusammengestellt in Katalogen, werden sie von Millionen Menschen betrachtet und immer wieder entdeckt man neue Facetten der Interpretation seiner Kunst und ist überrascht wie andere Personen seine Bilder, Druckgraphiken und Radierungen deuten, da er es verstanden hat, eine reich und breite Ausdrucksskala mit malerischen Mitteln zu gestalten. Wenn man sich intensiver mit seiner Kunst auseinandersetzen will, kommt man nicht daran vorbei, sich mit dem Künstler Goya zu beschäftigen, sein Leben und Umfeld kennenzulernen. Sein Lebenswerk insgesamt zu betrachten und zu analysieren, dazu bedarf es weit mehr als einer Belegarbeit. Deshalb ist mein Ziel dieser Arbeit, ein ganz bestimmtes Phänomen zu untersuchen, das sich mit einem kleinen Teil seiner Arbeiten befaßt. Dieses Phänomen bezieht sich unmittelbar auf die Caprichos1, einem Zyklus seiner Arbeit, in Verbindung zu einer Volkskultur, welche die europäischen Malerei und Literatur beeinflußte. Konkret formuliert, werde ich mich mit den Körperwelten in den Caprichos unter dem Gesichtspunkt von karnevalesken und grotesken Einflüssen beschäftigen. Um die grotesken und karnevalesken Einflüsse überhaupt zu erkennen, zu wissen, in welcher Art und Weise sie sich in der Malerei und Kunst entfalten, ist ein Diskurs zur Groteske und zum Karnevalismus notwendig. Nach diesen Gesichtspunkten werde ich danach einige Caprichos, in denen diese karnevalesken, grotesken Elemente zu finden sind, beschreiben bzw. analysieren und mich zum Schluß mit dem Ziel ihrer Verwendung auseinandersetzen.

Bei meinen Recherchen zum Bildmaterial und zu Goyas Leben, habe ich mich in erster Linie auf Goya. Leben und Werk2 von Pierre Gassier, Juliet Wilson und François Lachenal und auf Goya - das druckgraphische Werk3 von Alfonso E. Pérez Sánchez und Julián Gállego, aus dem auch die verwendeten Caprichos entnommen sind, gestützt, die mir sehr viele wertvolle Informationen liefern konnte. Dagegen waren Informationen zu den kulturtypologischen Begriffen Karnevalismus und Groteske weitaus schwieriger zu finden. Doch bin ich in Metzler Literatur Lexikon4, Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie5 und in erster Linie in Michail M. Bachtins Veröffentlichung Literatur und Karneval6 und in im Buch Volkskultur. Zur Wiederentdeckung des vergessenen Alltags7 fündig geworden. Zur Darstellung der geschichtlichen Umstände und der zeitgenössischen Malerei dienten mir die Spanische Literaturgeschichte8 und die Spanische Kunstgeschichte9. Weitere Quellen meiner Arbeit sind im Literaturverzeichnis mit angegeben.

Doch zunächst folgen ein kurzer geschichtlicher Rückblick in Goyas Zeitalter und ein Gliederungspunkt zu seinem Leben, da man, wie am Beginn meiner Einleitung schon erwähnt, nicht seine Kunstwerke analytisch betrachten kann, ohne sich mit seinem gesellschaftliches Umfeld und seiner Person auseinanderzusetzen.

2. Ein geschichtlicher Rückblick

Francisco de Goya hat höchst bedeutende Epochen der spanischen Geschichte miterlebt, die ihn in seiner Kunst und seinem Denken prägten .Ein Zitat aus Goya – Leben und Werk10 bringt diese Zeit knapp formuliert gut zum Ausdruck.

Die Freuden und Hoffnungen des aufgeklärten Spaniens unter Karl III., die Mißwirtschaft unter Karl IV., die Leiden seiner Heimat unter französischer Besatzung und schließlich die chaotischen Jahre, in denen der Liberalismus und die Tyrannei Ferdinand VII. aufeinanderprallten11

In diesem Zitat sind alle markanten Etappen Spaniens des 18. und 19.Jh. kurz und prägnant zusammengefaßt, doch sollte man sie doch etwas ausführlicher beschreiben, um einen besseren gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Überblick über diese Zeit zu bekommen.

Schon unter Fernando VI. konnte Spanien einen ökonomischen Aufschwung erreichen, der mit der Thronbesteigung von Carlos III. im Jahr 1759, durch weitere Reformen vorangetrieben werden konnte. Carlos III. verstand es sein Land zu modernisieren. Er überragte auch Fernando VI. durch seine städtischen Reformen und der Verbesserung des sozialen und ökonomischen Standards der spanischen Stadtbevölkerung. Vor allem in Madrid, wurden neue Straßen, Fußwege und ein Kanalisationssystem errichtet und die Hauptstadt entwickelte sich zu einer europäischen Metropole.12 Carlos III. konnte die Macht und den Einfluß der Kirche schwächen und strebte eine allgemeine Intellektualisierung an. Doch großen Teilen der spanischen Gesellschaft, besonders dem Adel, der um seine Privilegien zitterte, gefiel diese Politik nach französischen Vorbild nicht und sie entwickelten dadurch ein starkes Nationalbewußtsein, das eine Rückbesinnung auf traditionelle spanische Werte implizierte und sich in der Ablehnung alles Französischen äußerte13.

1788 bestieg Carlos IV. den Thron, der ein sehr schwacher Herrscher war. Somit gelang es auch der Kirche wieder stärker ihren Einflußbereich geltend zu machen. Da sich die katholische Kirche in Spanien den aufklärerischen Ideen aus Frankreich besonders stark entgegenstellte, bedeutet das die Einschränkung von Reformen und die Einschränkung der Pressefreiheit um die Verbreitung der aufklärerischen Ideen zu verhindern. Doch Carlos IV. musste 1808 auf den Thron verzichten, als Napoleon auf seinem Expansionszug durch Europa auch ganz Spanien besetzte und seinen Bruder Joseph auf den Thron setzte. Dieser Übergriff löste am 2. Mai in Spanien einen Volksaufstand gegen die Besatzer aus, der sich zum Unabhängigkeitskrieg ausweitete, der erste nationale Befreiungskrieg gegen Napoleon war, und dem erst nach 5 Jahren mit der Vertreibung der Franzosen und der Reinthronisierung Fernandos VII. ein Ende gesetzt werden konnte.14

Die nächsten Jahre sind die chaotischen Jahre, wie es schon im oben angeführten Zitat beschrieben wurde, die vom andauernden Kampf zwischen den absolutistas und liberales geprägt wurden, durch den die liberale Intelligenz letztlich ins Exil getrieben wurde. Nach und nach errangen auch alle spanischen Überseebesitzungen mit Ausnahme von Cuba, Puerto Rico und den Philippinen ihre Unabhängigkeit und Spanien verlor seinen Rang als Weltmacht15.

Im nächsten Gliederungspunkt möchte ich nun den Künstler Francisco de Goya vorstellen.

3. Francisco de Goya

Francisco de Goya, wurde am 30. März 1746 in Fuendetodos unweit von Saragossa geboren, und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater José Goya arbeitete als Vergolder und seine Mutter Gracia Lucientes entstammte dem verarmten Adel, dem spanischen Hidalgo. Über seine Kindheit wird in den beiden Büchern Goya das druckgraphische Werk16 und Goya Leben und Werk17 sehr wenig berichtet, da auch nach ihren Aussagen sehr wenig über seine Kindheit bekannt ist, abgesehen von den nachträglich entstandenen Legenden. Bekannt ist aber, daß er mit 14 Jahren in die Ausbildung von José Luzán Martínez, einem provinziellen Maler, ging und auf diese Weise die Malerei, doch in erster Linie die Nachahmung von Stichen erlernen konnte. Die Ablehnung gegen die getreue Nachahmung, die sich in diesen vier Jahren immer stärker entwickelte, prägte dann auch gravierend sein künstlerisches Schaffen. 1763 geht Goya das erste Mal nach Madrid um sich an einem Wettbewerb für ein Stipendium der Königlichen Akademie San Fernando zu beteiligen, doch dieser und auch der nächste Versuch, drei Jahre später, bleiben erfolglos. Erst im Jahr 1970, findet er bei einem Wettbewerb der Akademie von Parma in Italien lobende Erwähnung. Kurz darauf erhält er in Sarragossa seinen ersten wichtigen Auftrag, eine Freskomalerei eines Gewölbes in der Kirche El Pilar, der ihm weitere lohnende Aufträge bringt.18

[...]


1 Los Caprichos ist der Name von einer druckgraphischen Serie Goyas, darauf wird später noch genauer eingegangen.

2 Gassier, Pierre; Wilson, Juliet; Lachenal François: Goya. Leben und Werk, Köln 1994 [reprint der Ausgabe Freiburg /office du Livre 1971]

3 Pérez Sánchez, Alfonso E.; Gállego, Julián: Goya. Das druckgraphische Werk; München, New York 1954

4 Schweikle, Günther und Irmgard (Hg.): Metzler Literatur Lexikon, Begriffe und Definitionen, Metzler Verlag: Stuttgart

5 Nünning, Ansgar (Hg.): Metzler Lexikon Literatur und Kulturtheorie, Metzler Verlag: Stuttgart, Weimar 1993

6 Bachtin, Michail: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur, Fischer Verlag: Frankfurt am Main 1990

7 Van Dülmen, Richard; Schindler, Norbert (Hg.): Volkskultur. Zur Wiederentdeckung des vergessenen Alltags (16.-20.Jahrhundert), Fischer Verlag: Frankfurt am Main 1987

8 Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte. Metzler Verlag: Stuttgart, Weimar 1997

9 Hänsel, Sylvaine; Karge, Henrik (Hg.): Spanische Kunstgeschichte: eine Einführung, Dietrich Reimer Verlag: Berlin 1992

10 vgl. Pierre Gassier..., 1994

11 vgl. Pierre Gassier..., 1994:17

12 vgl. Pierre Gassier,...1994:29

13 Diese Rückbesinnung auf traditionelle Werte äußerte sich auch noch durch das Trage einer bestimmten volkstümlichen Tracht durch den Adel und einer bestimmten Art zu reden dem Majismo, vgl. Sylvaine Hänsel 1992:132

14 vgl. Hans -Jörg Neuschäfer 1997:187

15 vgl. Hans-Jörg Neuschäfer 1997:232-233

16 vgl. Alfonso E.Pérez Sánchez ,...1954

17 vgl. Pierre Gassier,...1994

18 vgl. Pierre Gassier,... 1994:29

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die grotesk - karnevalesken Körperwelten der Caprichos von Goya
Hochschule
Universität Potsdam  (Romanistik)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V86485
ISBN (eBook)
9783640178933
ISBN (Buch)
9783640179947
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körperwelten, Caprichos, Goya, Seminar
Arbeit zitieren
Janka Wunderlich (Autor), 2000, Die grotesk - karnevalesken Körperwelten der Caprichos von Goya, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86485

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