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Hinrichtungen im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. - Massenspektakel für einen blutrünstigen Pöbel?

Die Reaktion der stadtrömischen Plebs – Versuch einer Rekonstruktion

Title: Hinrichtungen im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. - Massenspektakel für einen blutrünstigen Pöbel?

Term Paper , 2007 , 29 Pages

Autor:in: Florian Gils (Author)

World History - Early and Ancient History
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Über Sinn, Zweck und Symbolgehalt der „Spiele“ -und mithin der öffentlichen Hinrichtungen- im Imperium Romanum ist bereits viel geschrieben worden. Dies soll daher nicht Ziel der vorliegenden Arbeit sein. Vielmehr soll es darum gehen, die Reaktion des „einfachen Volkes“ auf die ihnen gebotene „Unterhaltung“ -mit Schwerpunkt auf den Hinrichtungen- zu untersuchen. Mangels Quellenlage mag dieses Unterfangen auf den ersten Blick aussichtslos erscheinen. Es existieren weder Statistiken über die Anzahl der durchgeführten Veranstaltungen, noch über die Anzahl der daran „Beteiligten“. Finden sich in den Quellen Hinweise, sind sie zumeist einseitig, entstellend oder voreingenommen.
Um dem Phänomen so weit als möglich auf den Grund zu gehen, wird sich daher der erste Teil dieser Arbeit mit der Frage beschäftigen, wie häufig, in welcher Form und in welchem Umfang überhaupt Hinrichtungen stattfanden. Denn wirft man einen Blick in die Forschung zum Thema „Römische Unterhaltung“, so drängt sich unvermittelt der Eindruck auf, als seien täglich Ströme von Blut durchs Kolosseum und andere gleichartige Einrichtungen geflossen, hunderte von Menschen und Tieren bestialisch getötet worden, um einem ewig nach Blut lechzenden städtrömischen Pöbel zur Unterhaltung zu dienen.
Die Untersuchung soll daher dazu dienen, zu ergründen, ob diese Betrachtungsweise den Tatsachen entspricht (oder zumindest entsprechen könnte) und wie diese Ereignisse auf den „einfachen Römer“ gewirkt haben könnten: waren Hinrichtungen ein alltägliches Erlebnis, das man sich an jedem beliebigen Tag anschauen konnte oder ein eher seltenes Spektakel, das man nicht alle Tage geboten bekam und das sich anzusehen daher lohnend war?
Der zweite Teil dieser Arbeit wird sich dann damit beschäftigen, wie das Verhalten der Zuschauer in den überlieferten Berichten dargestellt wird. Da uns Quellen aus den einfachen Schichten der Bevölkerung fehlen, muß dies anhand der Hinweise in der vorwiegend senatorischen Überlieferung auf die Reaktionen der Zuschauer zu den Spielen allgemein und den Hinrichtungen im Besonderen untersucht werden und der Versuch unternommen werden, daraus Rückschlüsse auf den tatsächlichen Zustand zu ziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. panem et circenses

2.1 venationes

2.2 Gladiatorenkämpfe

3. Das römische Rechtssystem

3.1 Todeswürdige Verbrechen

4. Ausmaß der blutigen Veranstaltungen

5. Verbrecher und Kriegsgefangene

5.1 Kriegsgefangene

5.2 Verbrecher - in einem System ohne Gnade?

6. Zusammenfassung

7. Die Reaktion der plebs

7.1 Die plebs im Spiegel der Überlieferung der honestiores

7.2 Zwischen den Zeilen lesen

7.3 Zusammenfassung

8. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Ziel der Arbeit ist es, die Reaktion des einfachen römischen Volkes auf öffentliche Hinrichtungen zu untersuchen, um den historisch weit verbreiteten Eindruck einer blutrünstigen, nach ständigem Massenspektakel verlangenden Masse zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren.

  • Analyse der Häufigkeit und des Umfangs von Hinrichtungen im Imperium Romanum.
  • Untersuchung des römischen Rechtssystems in Bezug auf die Verhängung der Todesstrafe.
  • Differenzierung zwischen verurteilten Verbrechern und Kriegsgefangenen bei Großveranstaltungen.
  • Deutung der Reaktionen der Zuschauerschaft anhand antiker schriftlicher Quellen.
  • Kritische Reflexion der senatorischen Überlieferung zur plebs.

Auszug aus dem Buch

3.1 Todeswürdige Verbrechen

Es ist unbestreitbar, daß im Imperium Romanum die Todesstrafe auf einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz fußte und die Hinrichtung derjenigen, die sich eines Verbrechen der schwersten Kategorie schuldig gemacht hatten, gemeinhin als berechtigt und notwendig angesehen wurde. Doch welcher Art waren diese Verbrechen?

Versucht man, zusammenzufassen, was in den unterschiedlichen Quellen als mit dem Tode zu ahnden genannt wird, so stößt man auf folgende Tatbestände:

Mord (mit Verwandten-/Elternmord als besonders „abscheulicher“ Variante)

Mord oder Verschwörung gegen das Leben des Herren (nur auf Sklaven zutreffend)

Magie (mit dem Ziel der Schädigung/Vernichtung von Menschenleben)

Brandstiftung (in bewohnten, besonders städtischen Gebieten)

Tempelraub/Religionsfrevel

Aufruhr

(Hoch)Verrat

Unzucht (eher selten genannt)

Desertion

Mit Beginn der Kaiserzeit kam noch der Tatbestand der maiestas, des Angriffes auf Wohl und Leben des Kaisers in Wort und Tat hinzu.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung steckt das Forschungsziel ab, die Reaktion der plebs auf Hinrichtungen trotz schwieriger Quellenlage zu untersuchen und den Mythos der blutgierigen Massen zu prüfen.

2. panem et circenses: Dieses Kapitel erläutert den Kontext der Arenaspiele, unterteilt in venationes am Morgen, Hinrichtungen am Mittag und Gladiatorenkämpfe am Nachmittag.

3. Das römische Rechtssystem: Es wird dargelegt, dass das römische Recht kein rechtsfreier Raum war, sondern ein geregeltes System, das die Todesstrafe nur für schwerste Verbrechen vorsah.

4. Ausmaß der blutigen Veranstaltungen: Eine Untersuchung des Festkalenders zeigt, dass blutige Spektakel im Vergleich zu unblutigen Veranstaltungen einen sehr geringen Anteil am römischen Kalender ausmachten.

5. Verbrecher und Kriegsgefangene: Die Arbeit differenziert zwischen den bei Großereignissen eingesetzten Kriegsgefangenen und verurteilten Verbrechern, um die vermeintlichen Opferzahlen zu relativieren.

6. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert, dass Hinrichtungen an offizielle Abläufe gebunden waren und kein wahlloses Schlachten zur Unterhaltung stattfand.

7. Die Reaktion der plebs: Es wird analysiert, wie die Oberschicht die plebs wahrnahm und dass die Reaktion des Volkes auf Hinrichtungen situativ und keineswegs einheitlich war.

8. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Bild der blutrünstigen Antike stark durch spätere Rezeption und antike Rhetorik geprägt ist, die einer modernen wissenschaftlichen Prüfung nicht standhält.

Schlüsselwörter

Imperium Romanum, Hinrichtungen, Arena, plebs, Römisches Recht, Gladiatoren, venationes, Todesstrafe, antike Unterhaltung, Quellenkritik, Massenpsychose, Senecas Briefe, historische Rekonstruktion, Rechtsstaatlichkeit, Kaiserzeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der öffentlichen Hinrichtungen im Imperium Romanum des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. und prüft kritisch, ob diese als bloßes Massenspektakel für ein blutgieriges Volk zu verstehen sind.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Im Zentrum stehen der römische Festkalender, das römische Rechtssystem, die Unterscheidung zwischen Kriegsgefangenen und Verbrechern in der Arena sowie die kritische Auseinandersetzung mit der senatorischen Literatur über die plebs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die historischen Fakten zur Häufigkeit und zum Charakter der Hinrichtungen von den rhetorisch überformten Berichten antiker Autoren zu trennen und die Reaktion der stadtrömischen Bevölkerung differenzierter zu rekonstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse, die antike Berichte, Inschriften und rechtliche Rahmenbedingungen heranzieht, um die gängige Forschungsthese von der "bluttriefenden Arena" zu relativieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert das römische Rechtssystem, die Organisation der Arenaspiele, die Unterscheidung verschiedener Gruppen von Arenaopfern und die schriftlichen Zeugnisse über das Verhalten der Zuschauer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Imperium Romanum, Hinrichtungen, Arena, plebs, Römisches Recht und die kritische Distanz zur antiken Überlieferung.

Welche Rolle spielt Seneca in der Argumentation der Arbeit?

Seneca dient als Paradebeispiel für die senatorische Sichtweise auf die plebs; der Autor nutzt Senecas Briefe, um dessen polemische Kritik an der emotionalen Menge offenzulegen und kritisch zu hinterfragen.

Warum differenziert der Autor zwischen Kriegsgefangenen und verurteilten Verbrechern?

Diese Differenzierung ist essentiell, da viele Berichte über "Massenschlachtungen" in der Forschung unkritisch auf alle Arenaopfer übertragen werden, obwohl die rechtliche und funktionale Stellung dieser Gruppen grundlegend verschieden war.

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Details

Title
Hinrichtungen im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. - Massenspektakel für einen blutrünstigen Pöbel?
Subtitle
Die Reaktion der stadtrömischen Plebs – Versuch einer Rekonstruktion
College
University of Frankfurt (Main)  (Seminar für Griechische und Römische Geschichte I)
Course
Öffentliche Unterhaltung im Imperium Romanum
Author
Florian Gils (Author)
Publication Year
2007
Pages
29
Catalog Number
V86488
ISBN (eBook)
9783638027199
ISBN (Book)
9783640146642
Language
German
Tags
Hinrichtungen Jahrhundert Massenspektakel Pöbel Unterhaltung Imperium Romanum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Gils (Author), 2007, Hinrichtungen im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. - Massenspektakel für einen blutrünstigen Pöbel?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86488
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