In der folgenden Hausarbeit wollen wir der Fragestellung nachgehen, wie LehrerInnen einen positiven Beitrag zur Diagnosefindung vom Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom
(AD(H)S) und/ oder von Hochbegabung im Schulalltag leisten können und wie es ihnen möglich gemacht werden kann, beide Phänomene besser voneinander differenzieren zu können.
Wir erachten es als essentiell, dass angehende LehrerInnen sich der Tatsache bewusst sind, dass ihnen im Schulalltag Kinder begegnen werden, die aufgrund von psychischen Störungen oder aber auch einer sehr hohen Intelligenz einer besonders hohen Aufmerksamkeit bedürfen.
Da wir im Seminar „Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen“ von Tobias Schürmann unter anderem das AD(H)-Syndrom näher kennen lernen durften und uns persönlich die Ähnlichkeiten des Verhaltens mancher hochbegabter Kinder mit dem von AD(H)S Betroffenen interessieren, haben wir beschlossen, uns in dieser Hausarbeit speziell diesen beiden Themen zu widmen.
Wie wir in den von uns bereits absolvierten Schulpraktika selbst feststellen mussten, ist es für Lehrpersonen anscheinend ein größeres Problem, als von uns bislang angenommen, AD(H)S oder Hochbegabung richtig zu erkennen. Jede der durch uns besuchten Klassen wies zumindest einen Schüler auf, auf den Symptome des AD(H)S und/ oder der Hochbegabung, welche wir beide im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit noch näher erläutern werden, zutrafen. Dennoch konnten uns die betreffenden LehrerInnen selten eine eindeutige Diagnose zu den Schülern nennen und oftmals erschien es uns auch so, dass die Lehrkräfte es nicht als ihre Aufgabe
ansahen, sich der Diagnosefindung ungeklärter Fälle anzunehmen. Auch die Eltern erwiesen sich in den meisten Fällen nicht als geeignete Instanz um festzustellen, ob ihr Kind von AD(H)S betroffen oder hochbegabt ist, da sie häufig eher dazu tendieren die Probleme ihres Kindes in einer Hochbegabung zu suchen, anstatt in Erwägung zu ziehen, dass ihr Kind an einer psychischen Störung leiden könnte.
Um in unserem späteren Berufsleben jedoch selbst kompetente Beobachtungen durchführen zu können, um so der richtigen Diagnosefindung zuträglich zu sein und jedem Schüler eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Lernumgebung schaffen zu können, wollen wir uns im Folgenden mit Punkten beschäftigen, anhand derer man betroffene SchülerInnen gezielter erkennen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist AD(H)S?
a) Formen
b) Geschichte
c) Pathogenese
d) Diagnose: Symptomatik und Klassifikation
e) Komorbidität
f) Differentialdiagnose
3. Was ist Hochbegabung?
a) Definitionen von Hochbegabung
b) Diagnose von Hochbegabung
c) Risikogruppen
4. Probleme bei der Differentialdiagnose von AD(H)S und Hochbegabung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte im Schulalltag einen positiven Beitrag zur Diagnosefindung von AD(H)S und Hochbegabung leisten können und wie diese beiden Phänomene besser voneinander differenziert werden können, um eine passgenaue Förderung zu ermöglichen.
- Grundlagen und Symptomatik von AD(H)S
- Konzepte und Diagnose von Hochbegabung
- Herausforderungen der Differentialdiagnose
- Risikogruppen wie Underachiever
- Rolle und Diagnosekompetenz von Lehrpersonen
Auszug aus dem Buch
4. Probleme bei der Differentialdiagnose von AD(H)S und Hochbegabung
Beim AD(H)S bestehen einige Besonderheiten in der Verarbeitung von Informationen, die den betroffenen Kindern eine Menge Probleme bereiten können. Das genaue Registrieren von Signalen, welche über die Sinnesorgane Augen und Ohren eintreffen, ist für solche Kinder oftmals schwierig und erschwert somit deren Verarbeitung und folglich auch das Lernen. Die so genannte selektive Wahrnehmung funktioniert bei Betroffenen also nicht korrekt.
Vor allem das ‚genaue Hinschauen’ bereitet vielen AD(H)S-Kindern Schwierigkeiten, sie wirken oft verwirrt, uninteressiert oder teilnahmslos. Dabei können sie sich in ihren Gedanken verlieren und abwesend in ihrer Traumwelt schweben oder überall mit ihren Augen unterwegs sein und alles um sie herum gleichzeitig sehen, ohne auf wichtige Dinge zu reagieren. So kann es oft in Unterrichtssituationen auftreten, dass strenges Schauen oder ein warnender Blick der Lehrperson überhaupt nicht wahrgenommen wird und sich dann der betroffene Schüler über einen für ihn plötzlichen Ausbruch seitens der Lehrperson wundert. Eben diese andere Seh-Wahrnehmung und das häufig flüchtige, ungenaue Hinschauen können auch beim Schreiben und Lesen für AD(H)S-Kinder zum Problem werden, denn wo sich die Motorik und die visuelle Wahrnehmung verknüpfen, klappt die gleichzeitige Umsetzung beider Elemente nur bedingt. Um richtig und gut Lesen und Schreiben zu können, müssen sie lernen die Schriftzeichen genau anzuschauen, sich ihre Eigenschaften einzuprägen und diese letzten Endes sorgfältig und mit Geduld aufs Papier bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autoren begründen das Interesse an der Thematik AD(H)S und Hochbegabung aufgrund ihrer praktischen Erfahrungen und erläutern das Ziel der Arbeit, Lehrkräften Hilfen zur besseren Diagnose und Differenzierung an die Hand zu geben.
2. Was ist AD(H)S?: Dieses Kapitel beleuchtet die Formen, die geschichtliche Entwicklung, die Pathogenese, die medizinischen Diagnosekriterien sowie Komorbiditäten und Differentialdiagnosen des Störungsbildes.
3. Was ist Hochbegabung?: Es werden verschiedene Definitionen, Methoden der Diagnostik und Risikogruppen wie Underachiever im Kontext der Hochbegabung analysiert.
4. Probleme bei der Differentialdiagnose von AD(H)S und Hochbegabung: Das Kapitel erläutert die Schwierigkeiten bei der Unterscheidung der beiden Phänomene, insbesondere bei der Wahrnehmungsverarbeitung und bei besonders problematischen Fallkonstellationen wie dem hochbegabten ADHS-Kind.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Resümee, dass Lehrkräfte bei der Diagnosefindung auf interdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen sind und Kinder langfristig beobachten müssen, um eine korrekte Diagnose und Förderung sicherzustellen.
Schlüsselwörter
AD(H)S, Hochbegabung, Diagnose, Lehrerkompetenz, Differentialdiagnose, Lernumgebung, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Underachiever, Förderung, Wahrnehmungsstörung, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung für Lehrkräfte, im Schulalltag AD(H)S und Hochbegabung bei Schülern sicher zu erkennen und voneinander zu differenzieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die medizinischen und pädagogischen Grundlagen von AD(H)S, die Definitionen und Diagnose von Hochbegabung sowie die Problematiken bei der Unterscheidung dieser beiden Phänomene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, angehenden Lehrkräften Kriterien und Beobachtungspunkte aufzuzeigen, damit diese kompetenter und gezielter auf auffällige Schüler reagieren und zu einer korrekten Diagnosefindung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Reflexion eigener Erfahrungen aus dem Schulpraktikum und dem Seminarstudium.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Begrifflichkeiten und Symptomatiken von AD(H)S und Hochbegabung sowie eine detaillierte Analyse der Schwierigkeiten bei der Differentialdiagnose.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere AD(H)S, Hochbegabung, Differentialdiagnose, Lehrerkompetenz, Underachiever sowie die Bedeutung der langfristigen Beobachtung im schulischen Kontext.
Warum ist die Differentialdiagnose zwischen AD(H)S und Hochbegabung so schwierig?
Aufgrund der teils überlappenden Symptomatiken, wie Unaufmerksamkeit oder motorischer Unruhe, ist eine Abgrenzung ohne fachliche Expertise und genaue Beobachtung über verschiedene Lebensbereiche hinweg für Lehrkräfte oft kaum möglich.
Was sind laut der Arbeit die Gefahren einer Fehldiagnose bei Schülern?
Fehldiagnosen können dazu führen, dass Kindern eine notwendige Förderung verwehrt bleibt, sie falsch mit Medikamenten behandelt werden oder sie in unpassende Förderprogramme eingestuft werden, die sie über- oder unterfordern.
- Quote paper
- Nicola Hengels (Author), Marta Kulaszewska (Author), 2007, Diagnosefindung bei AD(H)S oder Hochbegabung im Schulalltag - Zappelphilipp oder doch HomoSuperSapiens?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86592