Die gemeinsame Sicherheits-, Außen- und Verteidigungspolitik der EU ist Themenschwerpunkt dieser Arbeit. Hierbei wird zunächst eine Überblick über die geschichtliche Entwicklung der EU geben, wobei der Sicherheits-, Außen- und Verteidigungspolitische Aspekt im Zentrum der Bearbeitung steht. Im Anschluss daran werden die die Institutionen vorgestellt, die untereinander kooperieren und handeln, und deren Zusammenhänge aufgezeigt. Ebenfalls wird das „Drei-Säulen-Modell“ der EU kurz beleuchtet. Dabei wird von Interesse sein, warum besonders die zweite Säule, der gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitische Bereich, erst 1987, mit der Einführung der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA), zunehmend an Bedeutung gewann. Ein weiterer Aspekt wird die Handlungsfähigkeit der GASP und der ihr anhängigen Organisationen sein. Der Grad zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Handlungsfähigkeit und der Tatsache nicht handeln zu können oder zu dürfen, wird dabei hinterfragt und erklärt. Der letzte Teil dieser Arbeit wird sich mit den Änderungen des Verfassungsvertrags hinsichtlich der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik befassen. Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine kurze Zusammenfassung über die Aspekte dieser Arbeit und einen möglichen Ausblick in die Zukunft. Die Arbeit soll unter der Leitfrage betrachtet werden, ob durch die Schaffung der GASP die EU außenpolitisch handlungsfähiger geworden ist, und ob der Verfassungsvertrag die Handlungsfähigkeit verstärken könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der Europäischen Union (EU) unter besonderer Berücksichtigung des außen- und sicherheitspolitischen Aspekts
2.1 Sicherheits-, Verteidigungs- und Außenpolitische Institutionen
2.2 Das „Drei-Säulen-Modell“ der EU nach dem Maastrichter Vertrag
2.3 Die Zusammenarbeit der Institutionen auf dem Gebiet der zweiten Säule
3 Der „außen- und sicherheitspolitischer Bereich“ als Hoheitsgebiet der Nationalstaaten
3.1 Die Notwendigkeit einer Gemeinsamen und Außen- und Sicherheitspolitik der EU in Anbetracht komplexer weltpolitischer Herausforderungen
3.2 Eine Gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik stärkt die Rolle der EU in der Welt und gegenüber den USA
4 Der EU-Verfassungsvertrag
4.1 Zum Problem der Ratifizierung des EU-Verfassungsvertrags
4.2 Die Neuerungen des EU-Verfassungsvertrags
4.3 Der Außenminister
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die Handlungsfähigkeit der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Schaffung der GASP zu einer außenpolitischen Stärkung der EU beigetragen hat und ob der EU-Verfassungsvertrag geeignet wäre, diese Handlungsfähigkeit weiter zu optimieren.
- Historische Entwicklung der sicherheits- und außenpolitischen Integration der EU
- Analyse der institutionellen Strukturen und des Drei-Säulen-Modells
- Einfluss nationalstaatlicher Interessen auf die GASP im internationalen Kontext
- Herausforderungen durch die Ratifizierung des EU-Verfassungsvertrags
- Rolle und Befugnisse eines künftigen EU-Außenministers
Auszug aus dem Buch
3 Der „außen- und sicherheitspolitische Bereich“ als Hoheitsgebiet der Nationalstaaten
Ein gemeinsames europäisches Verteidigungsbündnis war schon zu Beginn der europäischen Integration, Anfang der 50er Jahre angedacht. Dieses kam jedoch nicht zu Stande, was vor allem an der Diskussion über die Rolle Westdeutschlands lag. Wie bereits im 1. Kapitel erwähnt, ist der Integrationsprozess im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik langwierig, dazu bis heute nicht supranational organisiert und noch lange nicht abgeschlossen ist. Im internationalen System ist das Streben nach Macht der zentrale Aspekt der Nationalstaaten, da davon auszugehen ist, dass je mehr Macht ein Staat besitzt, desto schneller er seine Ziele und Interessen durchsetzen kann. Ein gutes Beispiel ist der bereits im 2. Kapitel angesprochene „Pleven-Plan“, der Frankreich womöglich eine Vormachtsstellung in der EVG eingeräumt hätte. Letztendlich konnte Frankreich seine Idee der „Dritten Kraft“ aber nicht mehr konsequent verfolgen.
Die Macht eines Nationalstaats definiert sich vor allem über seine wirtschaftliche und militärische Stärke. Die Handlungsspielräume der Nationalstaaten im internationalen System sind durch die Zahl der Großmächte bestimmt, wobei Nationalstaaten in einem System mit bipolaren Bedingungen meist weniger folgenreich agieren können, als bei einer Nicht-Bipolarität. Zur Zeit des „Kalten Kriegs“ standen sich die USA und die Sowjetunion, als die einzig verbliebenen „Großmächte“ nach dem 2. Weltkrieg, in politischer und militärischer Weise gegenüber. In Anbetracht dieses bipolaren Systems hätten andere Staaten, trotz eigener bedeutsamer Machtressourcen, kaum die Möglichkeit gehabt selbst zu einem Pol zu werden und dabei seine eigene Sicherheit, sein eigenes Überleben, zu gewährleisten. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache, und des noch relativ jungen und andauernden Integrationsprozesses, ist es fraglich, ob eine supranationale Orientierung der EU, hinsichtlich ihrer militärischen Fähig- und Möglichkeiten, überhaupt notwendig gewesen wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der sicherheits- und außenpolitischen Zusammenarbeit der EU ein und erläutert die Leitfrage der Untersuchung.
2 Die Entwicklung der Europäischen Union (EU) unter besonderer Berücksichtigung des außen- und sicherheitspolitischen Aspekts: Dieses Kapitel skizziert den geschichtlichen Werdegang von den Anfängen der EU bis hin zur Etablierung des Drei-Säulen-Modells und der GASP.
3 Der „außen- und sicherheitspolitischer Bereich“ als Hoheitsgebiet der Nationalstaaten: Hier werden die Gründe für die Dominanz nationalstaatlicher Interessen und die Schwierigkeiten bei der Abgabe von Kompetenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik erörtert.
4 Der EU-Verfassungsvertrag: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Neuerungen des Verfassungsvertrags, insbesondere in Bezug auf die Ratifizierungsproblematik und die Rolle des Außenministers.
5 Schluss: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die zukünftigen Aussichten auf eine stärkere Handlungsfähigkeit der EU in der Außenpolitik.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, GASP, ESVP, EU-Verfassungsvertrag, Nationalstaaten, Intergouvernementalismus, Außenminister, Hoher Vertreter, Machtpolitik, Krisenmanagement, Integration, Bipolarität, Diplomatie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und die Strukturen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union unter besonderer Berücksichtigung der Spannung zwischen nationalen Interessen und dem Ziel einer supranationalen Handlungsfähigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der EU, die Bedeutung des Drei-Säulen-Modells, die Rolle nationaler Machtinteressen sowie die potenziellen Auswirkungen des EU-Verfassungsvertrags auf die außenpolitische Kohärenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, ob die EU durch die Etablierung der GASP außenpolitisch handlungsfähiger geworden ist und ob der EU-Verfassungsvertrag diese Entwicklung maßgeblich verstärken könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die den historischen Kontext, institutionelle Rahmenbedingungen und theoretische Konzepte (wie das des Intergouvernementalismus) kombiniert, um den Status quo der europäischen Außenpolitik zu bewerten.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Institutionenentwicklung, eine Untersuchung der Machtstrukturen innerhalb der Nationalstaaten sowie eine kritische Prüfung der Reformansätze durch den EU-Verfassungsvertrag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie GASP, ESVP, europäische Integration, intergouvernementale Zusammenarbeit, Machtpolitik und die Rolle des EU-Außenministers charakterisieren.
Welche Rolle spielt der geplante EU-Außenminister für die Handlungsfähigkeit?
Der Außenminister soll laut Arbeit als einendes Element dienen, das der EU eine einheitliche politische Stimme gibt, die Außendarstellung verbessert und die Koordination der GASP sowie der ESVP zentralisiert.
Warum wird die Ratifizierung des Verfassungsvertrags als schwierig beschrieben?
Die Schwierigkeiten resultieren aus den negativen Volksentscheiden in Frankreich und den Niederlanden sowie spezifischen Änderungswünschen einzelner Mitgliedstaaten wie Polen, die das Gleichgewicht innerhalb der Union neu verhandeln möchten.
- Quote paper
- Andreas Berkenkamp (Author), 2007, Die gemeinsame Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union - Entwicklungen und Handlungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86627