Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Die Wendung zum Subjekt in Michel Foucaults Werk

Title: Die Wendung zum Subjekt in Michel Foucaults Werk

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 50 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Daniel Poli (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Erst die späten Werke Michel Foucaults, die einen Wechsel der Perspektive auf das Subjekt vollziehen, lassen das Gesamtwerk des Theoretikers als solches erkennen und bieten den Schlüssel zum Verständnis dessen, was Foucaults theoretisches sowie politisches Anliegen war. Der viel zitierten These, es gebe einen radikalen Bruch in Foucaults Werk, möchte die Arbeit Foucaults eigenes Verständnis einer Kontinuität entgegensetzen. Statt zu postulieren, Foucault spräche in seinem Spätwerk „zum ersten Mal seit gut zehn Jahren wieder von einer freien Subjektivität“, wird dargelegt, das Foucault das Phänomen der Subjektivierung über die Zeit aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert hat, nämlich zunächst von außen und später von innen.
Die Hinwendung zum Subjekt in den späten Werken steht dabei in einem engen Zusammenhang mit einer „Ästhetik der Existenz“, die Foucault in den antiken Überlieferungen findet und hieraus eine Ethik formuliert. Das ethische Interesse in Foucaults spätem Werk war jedoch nicht mit einer Abkehr von einem politischen Interesse verbunden, einem Rückzug in eine privatistische Moral. Im Gegenteil rückte Foucault die Praxis der Ethik oder „die Politik als eine Ethik“ in den Mittelpunkt seiner letzten Schriften, weil er erkannte, dass unsere politische Kultur einen bestimmten Modus der politischen Beziehung auf das Selbst beinhaltet. Denn nur die „Selbstpolitik“ könne uns von einer „Seele“ und einer „Selbstbeziehung“ befreien, die von sehr spezifischen Kräften des Wissens, der Macht und der Subjektivierung definiert worden seien.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Foucaults Machtkonzept

3. Die äußeren Subjektkonstitutionen

3.1 Biomacht

3.2 Die nicht-diskursiven Praktiken der Subjektkonstitution

3.2 Die diskursiven wissenserzeugenden Praktiken der Subjektkonstitution

4. Die Selbstkonstitution

4.1 Pastoralmacht als Negativfolie der Selbstkonstitution

4.2 Die Selbstkonstitution in der Antike

4.2.1 Die Selbstpraktiken der klassischen griechischen Antike

4.2.2 Die Selbstpraktiken der Spätantike

4.3 Selbstanteil an der äußeren Subjektkonstitution

5. Ethik, Freiheit und Widerstand

5.1 Selbstkonstitution als Freiheit zu, eine Ethik

5.2 Selbstkonstitution als Widerstand

5.3 Freiheit von als Voraussetzung der ethischen Praxis

6. Grenzen der Freiheit: Gesellschaftliche Normierungen

6.1 Hegemonie und symbolische Kämpfe

6.2 Die Grenzen der Freiheit heute

7. Fazit

8. Literaturangaben

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Gesamtwerk von Michel Foucault unter der zentralen Forschungsfrage, wie sich die Perspektive auf das Subjekt über die Zeit hinweg verändert hat und welche Kontinuität trotz der oftmals angenommenen Brüche besteht. Dabei wird analysiert, wie externe Machtstrukturen das Subjekt formen und welches Potenzial für eine ethische Selbstkonstitution und politischen Widerstand in Foucaults spätem Denken liegt.

  • Die Analyse des foucaultschen Machtkonzepts als produktives und zentrumsloses System.
  • Untersuchung der äußeren Subjektkonstitution durch Biomacht und Disziplinierungstechniken.
  • Die Verschiebung zur Selbstkonstitution und der Ästhetik der Existenz als Form ethischer Praxis.
  • Reflexion des Widerstandspotenzials und der Freiheitspraxis innerhalb gesellschaftlicher Machtbeziehungen.
  • Erweiterung der foucaultschen Theorie durch die Konzepte Hegemonie und symbolische Kämpfe.

Auszug aus dem Buch

Die nicht-diskursiven Praktiken der Subjektkonstitution

In „Überwachen und Strafen“ (Surveiller et punir. La naissance de la prison) beginnt Foucault damit, die nicht-diskursiven Praktiken der körperlichen Disziplinierung seit dem 18. Jahrhundert zu schildern und die Veränderungen der Techniken der Disziplinierung bis zur Moderne, bis zur „Geburt des Gefängnisses“ aufzuzeigen.

Foucault schildert zu Anfang die Technik des Marterns am Beispiel einer öffentlichen Hinrichtung zur Mitte den 18. Jahrhunderts. Diese Zeremonie der Grausamkeit, in der brutal gefoltert, der Delinquent gevierteilt und zum Ende verbrannt wurde, stelle die gängige Praxis der feudalen Gerichtsbarkeit dar. Die Schädigungen des Körpers bis zu seiner vollständigen Zerstückelung und Zerstörung solle die geschädigte Integrität des Körpers des souveränen Herrschers wieder herstellen, die durch die Tat des Delinquenten verursacht wurde. Diese absolutistische Strafpraxis sei gekennzeichnet durch die zeremoniale Öffentlichkeit der Marter auf der einen Seite und durch die Heimlichkeit des gerichtlichen Verfahrens auf der anderen, worin der Angeklagte seine Tat zu gestehen habe und notfalls auch durch Folter zum Geständnis gezwungen werde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt die These auf, dass Foucaults Werk eine kontinuierliche Perspektivverschiebung auf das Subjekt darstellt und nicht in einen radikalen Bruch zerfällt.

2. Foucaults Machtkonzept: Erläutert Macht als strategische Intersubjektivität und produktives Netz, das nicht bloß unterdrückt, sondern Identitäten konstituiert.

3. Die äußeren Subjektkonstitutionen: Analysiert Biomacht als politische Technologie zur Verwaltung der Bevölkerung und die Disziplinierung individueller Körper.

4. Die Selbstkonstitution: Untersucht den Perspektivwechsel hin zu den „Künsten der Existenz“ und wie das Subjekt an seiner eigenen Formung mitwirkt.

5. Ethik, Freiheit und Widerstand: Diskutiert, wie Selbstkonstitution als Widerstandspraxis fungieren kann und welche Rolle Freiheit dabei spielt.

6. Grenzen der Freiheit: Gesellschaftliche Normierungen: Kritisiert die Vernachlässigung der Kategorie des sozialen Kampfes und schlägt eine Erweiterung durch Konzepte von Gramsci und Bourdieu vor.

7. Fazit: Führt die Analyse zusammen und betont die Notwendigkeit, Machtanalysen mit einer Dimension des symbolischen Kampfes zu ergänzen.

8. Literaturangaben: Listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Subjektkonstitution, Machtkonzept, Biomacht, Selbstkonstitution, Ästhetik der Existenz, Widerstand, Freiheitspraxis, Gesellschaftstheorie, Hegemonie, Symbolische Macht, Disziplinierung, Pastoralmacht, Subjektivierung, Gouvernementalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung von Michel Foucaults Verständnis des Subjekts und zeigt auf, dass sein Werk trotz verschiedener Schwerpunkte eine Kontinuität in der Analyse von Macht und Subjektivierung aufweist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den zentralen Themen gehören das Machtkonzept, die Subjektkonstitution durch externe Machtpraktiken, die ethische Selbstformung (Sorge um sich) sowie das Potenzial für politischen Widerstand.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Foucaults spätes Interesse an Ethik und Lebenskunst als Fortsetzung seiner Machtanalyse zu deuten und zu zeigen, wie individuelle Freiheit innerhalb gesellschaftlicher Zwänge existieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturstudie, die Foucaults Schriften im Kontext kritischer Gesellschaftstheorie interpretiert und durch Ansätze von Gramsci und Bourdieu ergänzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung externer Machtpraktiken (Biomacht, Disziplinierung), den Übergang zur internen Selbstkonstitution in der Antike und die heutige Relevanz von Ethik als Widerstand gegen Konformismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Machtkonzept, Biomacht, Subjektivierung, Ästhetik der Existenz, Freiheitspraxis und symbolische Kämpfe.

Wie unterscheidet Foucault die alte und die neue Pastoralmacht?

Die alte Pastoralmacht war religiös motiviert und zielte auf das Heil im Jenseits, während die moderne, staatliche Pastoralmacht auf die Gesundheit, Sicherheit und soziale Normierung der Bevölkerung ausgerichtet ist.

Warum schlägt der Autor eine Erweiterung durch Bourdieu und Gramsci vor?

Der Autor argumentiert, dass Foucaults Machtanalyse zu wenig darauf eingeht, wie genau gesellschaftliche Normen entstehen und durch soziale Kämpfe veränderbar sind; Konzepte wie Hegemonie und symbolische Macht füllen hier diese Lücke.

Excerpt out of 50 pages  - scroll top

Details

Title
Die Wendung zum Subjekt in Michel Foucaults Werk
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Course
Projektkurs: Machttheorien
Grade
1,3
Author
Daniel Poli (Author)
Publication Year
2000
Pages
50
Catalog Number
V8664
ISBN (eBook)
9783638155755
ISBN (Book)
9783638697521
Language
German
Tags
Foucault Subjekt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Poli (Author), 2000, Die Wendung zum Subjekt in Michel Foucaults Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8664
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  50  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint