Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen

Am Beispiel der Pharmaunternehmen Sanofi-Synthélabo und Aventis S.A.


Diplomarbeit, 2007

105 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Aufgabenstellung und Verfahrensweise
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise dieser Arbeit

2. Begriffsabgrenzung und Formen von Unternehmenszusammenschlüssen
2.1 Unterteilung nach der Bindungsintensität
2.2 Unterteilung nach Leistungsstufen

3. Die fünf Wellen von Merger & Acquisitions
3.1 Historischer Überblick der ersten Fusionswellen
3.2 Die fünfte Welle von M&A
3.3 Trends der fünften Fusionswelle
3.4 Zwischenfazit

4. Der M&A-Prozess: Das Drei-Phasen-Modell
4.1 Planungs- und Entscheidungsphase (Pre-Merger-Phase)
4.2 Durchführungs- und Transaktionsphase (Merger-Phase)
4.3 Integrations- und Implementierungsphase
4.4 Erfolgsfaktoren des M&A-Prozesses
4.4.1 Vision und Strategie:
4.4.2 Unternehmenskultur
4.4.3 Kommunikation
4.4.4 Personalmanagement
4.4.5 Change Management
4.4.6 Integrationsgeschwindigkeit

5. Ziele und Motive von Unternehmenszusammenschlüssen
5.1 Steigerung des Unternehmenswertes durch Synergierealisierung
5.1.1 Ausschöpfung des Synergiepotenzials
5.1.2 Fundament zur Synergierealisierung
5.2 Synergien nach ihrer Entstehungsart
5.2.1 Economies of Scale:
5.2.2 Economies of Scope:
5.2.3 Markt- und Wettbewerbssynergien
5.3 Weitere Ziele von Unternehmenszusammenschlüssen
5.3.1 Erzielung steuerlicher Vorteile
5.3.2 Rationalisierungen der Organisationsstruktur
5.3.3 Nutzen aus Wissenstransfer
5.3.4 Nutzung von Wachstumspotenzialen
5.3.5 Persönliche Motive

6. Erfolgsmessung bei Unternehmenszusammenschlüssen
6.1 Verfahren zu Erfolgsmessung
6.1.1 Jahresabschlussorientierte Messverfahren
6.1.2 Kapitalmarktorientierte Messverfahren
6.1.3 Insider – Befragungen
6.1.4 Untersuchungen von Desinvestitionsprojekten
6.2 Problematik der Messbarkeit des Erfolges

7. Die pharmazeutische Industrie
7.1 Die Branche im Überblick
7.2 Marktdynamik
7.3 Komplexität und Mehrebenenwettbewerb
7.4 M&A in der Pharmazie

8. Der Unternehmenszusammenschluss Sanofi – Aventis
8.1 Die Unternehmen vor der Fusion
8.1.1 Das Unternehmen Sanofi - Synthélabo
8.1.2 Das Unternehmen Aventis S.A.
8.2 Sanofi-Aventis: „Der Weg zur Fusion“
8.2.1 Ziele des Zusammenschlusses
8.2.2 Die Übernahmeschlacht zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis
8.3 Der Konzern Sanofi- Aventis
8.4 Erfolgsträchtigkeit des Unternehmenszusammenschlusses
8.4.1 Anmerkung zur Erfolgsbewertung
8.4.2 Die Unternehmensentwicklung von Sanofi-Aventis
8.4.3 Interpretation der Zahlen
8.4.4 Zwischenfazit

9. Fazit
9.1 Zusammenfassung
9.2 Kritische Stellungnahmen und Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die fünf Merger Wellen

Abbildung 2: Misserfolgsanalysen von Beratungen und Wissenschaft

Abbildung 3: Komponenten des M&A-Erfolges

Abbildung 4:Konstellation der Unternehmenskulturen

Abbildung 5: Fundament der Synergieerzielung

Abbildung 6: Systematisierung von Verkaufsmotiven

Abbildung 7: Prinzipskizze Einfacher Unternehmenswertvergleich

Abbildung 8: Prinzipskizze Total Shareholder Return

Abbildung 9: Prinzipskizze Soll-Ist-Vergleich

Abbildung 10: Zeitlicher Bezugspunkt und gemessene Effekte

Abbildung 11: Prinzipskizze Erfolgsmessung anhand der Marktkapitalisierung

Abbildung 12: Kapitalmarktorientierte Erfolgsanalyse mit Marktindizes

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Harte und Weiche Faktoren des M&A Erfolges

Tabelle 2: Mögliche Synergiepotenziale

Tabelle 3: Die größten Zusammenschlüsse in der Pharmazie seit 1995

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Aufgabenstellung und Verfahrensweise

1.1 Problemstellung

Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft, turbulente Märkte, verkürzte Produktlebenszyklen und ein verschärfter Wettbewerb führen zu einer ständigen Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds und stellen nur einen Teil der herausfordernden Rahmenbedingungen dar, mit welchen die heutigen Unternehmen konfrontiert werden (vgl. Wirtz, 2003, S. 5). Damit Unternehmen eine gesicherte Position im globalen Wettbewerb einnehmen bzw. erhalten können, wird es notwendig, dass sie sich an die zunehmenden, externen Anforderungen anpassen (vgl. Seidenschwarz, 2006, S. 2).

Eine solche Anpassung kann im Bestreben nach einem kontinuierlichen und rentablen Unternehmenswachstum gesehen werden. Dieses Ziel kann durch eine Umstrukturierung der internen Unternehmensorganisation oder durch externe Wachstumsstrategien erreicht werden. Der Zusammenschluss von Unternehmen kann hierbei eine strategische Alternative zu einem organisatorischen Ausbau darstellen, um ein externes Unternehmenswachstum zu erreichen und die Wettbewerbsposition zu sichern (vgl. Seidenschwarz, 2006, S. 8). Durch die Nutzung externer Wachstumsstrategien und die damit verbundene Kombination von Produktions-faktoren wird im Vergleich zu einem internen Unternehmenswachstum, ein sprunghafter Anstieg des unternehmerischen Leistungspotenzials ermöglicht (vgl. Wirtz, 2003, S. 5). Unternehmenszusammenschlüsse stellen hierbei kein neues Instrument in der Wirtschaftswelt dar, sondern Anpassungsmaßnahmen, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Unternehmenspraxis existieren (vgl. Lugert, 2005 I, S. 13).

Begriffe wie Fusionen, Unternehmenskäufe oder -verkäufe, Kooperationen, strategische Allianzen, Akquisitionen und Ähnliche, sind keine Unbekannten mehr. Nationale oder grenzüberschreitende Unternehmenszusammenschlüsse, gleich welcher Form und Ausgestaltung, erfahren bereits seit mehreren Jahren eine erhebliche Aufmerksamkeit (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 1). Auf Grund der hohen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen wird dieses Themengebiet nicht nur durch eine Vielzahl an wissenschaftlicher Fachliteratur behandelt, sondern stößt auch auf ein breites Interesse der Massenmedien (vgl. Bartoszewski, 2006, S. 6). Gerne werden in Berichten der Medien exorbitante Übernahmebeträge aufgeführt, die sich dem Vorstellungsvermögen des Otto-Normal-Bürgers entziehen (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 1). Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000, mit einem Transaktionsvolumen von rund 198 Milliarden Euro, ist dabei nur ein repräsentatives Beispiel von so genannten „Mega-Fusionen“, mit Übernahmebeträgen von mehreren Milliarden Euro (vgl. Wirtz, 2003, S. 6). Trotz der hohen Aufmerksamkeit und Beachtung, die den Zusammenschlüssen von Unternehmen als strategisches Instrument für ein schnelles externes Unternehmenswachstum zu teil wird, herrscht immer noch ein erhebliches Diskussionspotenzial über die Erfolgsträchtigkeit solcher Unternehmenszusammenschlüsse (vgl. Kleinert/Klodt, 2002, S. 27).

„Merger & Acquisitions“ lautet die angloamerikanische Überschrift vieler wirtschaftlicher Bücher, Zeitschriften und anderer Publikationen, die sich mit der Untersuchung von Unternehmenszusammenschlüssen beschäftigen. Obwohl zum heutigen Zeitpunkt eine Vielzahl an wissenschaftlichen Untersuchungen und Werken existiert, kann das Gebiet der „Merger and Acquisitions“, nicht als klar und eindeutig definiert betrachtet werden (vgl. Jansen, 2000, S. 43f.). Vielmehr herrschen stark kontroverse Diskussionen über Faktoren oder Voraussetzungen, die den Erfolg einer Fusion oder Akquisition beeinflussen. Auch über die Zielsetzung und die Motive, welche einer Entscheidung zu einem Unternehmenszusammenschluss zugrunde liegen können, existieren keine allgemein gültigen Aussagen (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 12; Bühner, 2002, S. 53-62).

Die Leitidee, dass durch einen Unternehmenszusammenschluss der Unternehmens-wert und das Unternehmenswachstum gefördert werden sollen, ist hingegen unstrittig. Untersuchungen über den Erfolg von Unternehmenszusammenschlüssen haben jedoch eine Erfolgsquote von weniger als 40 % ausgewiesen. Diese Untersuchungsergebnisse wecken erhebliche Zweifel daran, ob Fusionen und Akquisitionen wirklich das richtige Mittel sind, um eine Steigerung des Unternehmenswertes und ein angemessenes Unternehmenswachstum, durch einen Unternehmenszusammenschluss zu erzielen (vgl. Wirtz, 2003, S. 7). Exemplarisch kann hier, die indessen aufgelöste Fusion zwischen der Daimler Benz AG und der Chrysler Corporation aufgeführt werden, die gegenteilig zu einer Unternehmenswerterhöhung, eine Wertvernichtung durch Milliardenverluste darstellte. Auch der im Jahr 2000 aufgelöste Zusammenschluss zwischen BMW und Rover bietet ein plakatives Beispiel für misslungene M&A-Aktivitäten (vgl. Bartoszewski, 2006, S. 8-13).

Unternehmenstransaktionen mit mehreren Milliarden Euro an Transaktionsvolumina sind zwar beeindruckend, jedoch zeigten die empirischen Erfolgsstudien, dass mehr als 50 %, bis teilweise sogar 76 %, aller Unternehmenszusammenschlüsse als Misserfolg betrachtet werden können (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 10f.). So beeindruckend die einzelnen Transaktionsvolumina auch sein mögen, so hoch können auch die Verluste sein, die durch einen gescheiterten Unternehmens-zusammenschluss entstehen, wie die Beispiele Daimler-Chrysler und BMW-Rover anschaulich bewiesen haben. Die Ergebnisse der Erfolgsuntersuchungen und die dadurch nachgewiesene Vielzahl von erfolglosen Zusammenschlüssen in der Unternehmenspraxis stellen dabei die Erfolgsträchtigkeit von Unternehmens-zusammenschlüssen erheblich in Frage.

1.2 Vorgehensweise dieser Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das komplexe Themengebiet der Unternehmenszusammenschlüsse genauer zu betrachten und die Frage nach der Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen zu beantworten. Dabei liegen der Untersuchung die Fragen zugrunde: Warum kommen Unternehmens-zusammenschlüsse zustande? Wie sind diese für einen Erfolg zu gestalten? Wann ist ein Unternehmenszusammenschluss erfolgreich und wann kann ein solcher als Misserfolg bezeichnet werden?

Um eine Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen zu schaffen, sollen im nachfolgenden Kapitel eine Begriffsabgrenzung der Anglizismen „Merger & Acquisitions“ vorgenommen werden und einige Formen von Unternehmens-zusammenschlüssen aufgeführt und genauer erläutert werden, welche für die nachfolgende Arbeit von Relevanz sind.

Im Arbeitsteil 3 wird auf den historischen Kontext des Untersuchungsgebiets eingegangen und die Entwicklung von Unternehmenszusammenschlüssen in der Vergangenheit betrachtet. In diesem Rahmen sollen einige Tendenzen aufgeführt werden, die aus der damaligen Entwicklung abgeleitet werden können und auf den heutigen M&A-Markt Einfluss nehmen.

In Kapitel 4 wird als grundlegende Erfolgsvoraussetzung der M&A-Prozess, also der Ablauf eines Unternehmenszusammenschlusses, beschrieben. Der Prozess von Merger & Acquisitions wird hierbei in drei Phasen eingeteilt und genauer erläutert. Nachdem auf die einzelnen Prozessphasen eingegangen wurde, werden einige ausgewählte Erfolgsfaktoren betrachtet, die mit dem M&A-Prozess in Verbindung stehen und häufig in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur aufgeführt werden.

Das darauf folgende Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Suche nach Motiven und Zielen von Unternehmenszusammenschlüssen. Im Rahmen dieser Untersuchung wird die Unternehmenswertsteigerung durch die Realisierung von Synergie-potenzialen, als Rahmenmotive für Unternehmenszusammenschlüsse angenommen. Dabei soll auf verschiedene Voraussetzungen eingegangen werden, die für die Entstehung von Synergien notwendig sind. Des Weiteren werden die Synergieeffekte nach ihrer Entstehungsart systematisiert. Darüber hinaus werden als weitere Ziele von Unternehmenstransaktionen, die Erzielung steuerlicher Vorteile, die Rationalisierung der Organisationsstruktur, der Nutzen aus Wissenstransfer und die Ausnutzung von Wachstumspotenzialen sowie persönliche Motive, erläutert.

Schließlich wird im Abschnitt 6 auf den Begriff des Erfolgs genauer eingegangen. Dabei sollen jahresabschlussorientierte und kapitalmarktorientierte Messverfahren sowie die Verfahren der Insider-Befragung und die Analyse von Desinvestitions-projekten kurz vorgestellt werden. Die Erläuterung zu den einzelnen Messverfahren schließen die theoretischen Ausführungen zum Theoriegebäude von Unternehmens-zusammenschlüssen im Rahmen dieser Arbeit ab.

Um einen Praxisbezug zur Thematik von Merger & Acquisitions herzustellen, wird in den Kapiteln 7 und 8 die pharmazeutische Industrie hinsichtlich der Fragestellung, nach der Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen, genauer betrachtet. Hierbei soll die Branche und der Markt der Pharmaindustrie genauer beschrieben werden, bevor auf den Unternehmenszusammenschluss der französischen Pharmaunternehmen Sanofi-Synthélabo und Aventis im Jahr 2004 eingegangen wird.

Der Unternehmenszusammenschluss zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis soll hierbei als Beispiel einer erfolgreichen Fusion dienen. Um den Fusionserfolg von Sanofi-Aventis zu bestätigen, werden einige Ziele des Zusammenschlusses aufgeführt, deren Erreichung durch eine Darstellung der bisherigen Unternehmensentwicklung anhand finanzwirtschaftlicher Kennzahlen der Unternehmen nachgewiesen werden soll.

2.Begriffsabgrenzung und Formen von Unternehmenszusammenschlüssen

„Unternehmenszusammenschlüsse (international als mergers and acquisitions bezeichnet) entstehen durch die Verbindung von bisher rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen zu größeren Wirtschaftseinheiten“ (Wöhe/Döring, 2000, S. 320).

Ausprägung und Form von Unternehmenszusammenschlüssen können dabei nach der Bindungsintensität und nach der Art der verbundenen Wirtschaftsstufen unterteilt werden (vgl. Wöhe/Döring, 2000, S. 320).

2.1 Unterteilung nach der Bindungsintensität

Die Unterteilung von Unternehmenszusammenschlüssen nach der Bindungsintensität erfolgt durch den Grad der Beeinflussung einer Unternehmenstransaktion auf die rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit der zusammengeschlossenen Unternehmen (vgl. Vogel, 2002, S. 5). Die Einteilung von Transaktionsformen nach ihrer Bindungsintensität ermöglicht es, die unterschiedlichen Folgen eines Unternehmenszusammenschlusses aus Unternehmenssicht aufzuzeigen (vgl. Bubik, 2005, S. 4).

Das Begriffspaar Merger & Acquisition wird im Rahmen dieser Arbeit als Sammelbegriff für die Gesamtheit aller Unternehmenszusammenschlüsse und die damit verbundenen Aufgaben verstanden (vgl. Jansen, 2000, S. 44). Die Erscheinungsformen von Unternehmensverbindungen lassen sich zunächst in Kooperationen und Konzentrationen grob unterteilen. Die Transaktionsformen Fusion und Akquisition sind hierbei den konzentrischen Unternehmensverbindungen zuzuordnen und sollen im Zuge der hier vorgenommenen Begriffsabgrenzung voneinander differenziert werden (vgl. Ziegler, 1997, S. 7). Auf eine Darstellung und Detailbetrachtung, aller in der Wirtschaftswelt existierenden Erscheinungsformen, wird im Umfang dieser Arbeit verzichtet.

Unternehmenszusammenschlüsse in Form von Kooperationen zeichnen sich dadurch aus, dass beide Unternehmen ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbstständigkeit beibehalten (vgl. Vogel, 2002, S. 12). Kooperationen dienen der Erfüllung bestimmter Aufgaben, die im gemeinschaftlichen Interesse der Partnerunternehmen liegen. Dabei soll das gemeinschaftliche Ziel durch Verbundvorteile, die durch eine Zusammenlegung bestimmter Unternehmensfunktionen entstehen können, realisiert werden (vgl. Lugert, 2005 I, S. 28). Zu Unternehmenskooperationen zählen, als besondere Ausgestaltungsformen, Joint Ventures, strategische Allianzen, Konsortien oder Kartelle, deren Quintessenz auf die gemeinsame Erfüllung betrieblicher Funktionen abzielt und eine zweckgebundene Zusammenarbeit darstellt (vgl. Vogel, 2002, S. 12 -18).

Auf der Gegenseite zu den Kooperationen befinden sich die Unternehmens-konzentrationen, welche nicht nur bestimmte Unternehmensaufgaben vereinen, sondern alle Funktionen der zusammengeschlossenen Unternehmen erfüllen. Konzentrische Transaktionsformen beeinflussen sowohl die rechtliche, als auch die wirtschaftliche Selbstständigkeit der beteiligten Unternehmen (vgl. Wöhe/Döring, 2000, S. 321).

Wenn es sich um eine Verschmelzung, Vereinigung oder einen Zusammenschluss von Unternehmen handelt, findet in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur der Begriff „Merger“ Anwendung, wobei häufig der Fusionsbegriff einen Vorzug erfährt (vgl. Lugert, 2005 I, S. 20). Formen der Unternehmensvereinigung, bei welchen die wirtschaftliche Selbstständigkeit aufgegeben wird, werden durch die Begriffe Fusion und Akquisitionen unterschieden, die nach dem Grad der Aufgabe ihrer Selbstständigkeit voneinander abgegrenzt werden (vgl. Vogel, 2002, S. 6). Dabei wird unter Einbeziehung von wirtschaftlichen und rechtlichen Kriterien, im Wesentlichen zwischen einer konzernmäßigen Akquisition und einer Fusion als Ausgestaltungsformen von Unternehmensverknüpfungen unterschieden.

Der Erwerb eines Unternehmens in Teilen oder im Gesamten wird als Akquisition bezeichnet. Hierbei wird die wirtschaftliche Selbstständigkeit des übernommenen Unternehmens eingeschränkt oder völlig aufgegeben. Die rechtliche Selbstständigkeit des Unternehmens bleibt hingegen erhalten (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 24). Daher ist eine Veränderung der Rechtspersönlichkeit einer Unternehmung nicht notwendig. Das akquirierte Unternehmen wird somit Bestandteil eines Unternehmensverbundes (vgl. Vogel, 2002, S. 6). Entsteht aus einer Mehrzahl von Akquisitionen, ein Unternehmensverbund aus mehreren rechtlich selbstständigen Unternehmen, unter einer einheitlichen Leitung, so wird dieser gemäß § 18 AktG als Konzern bezeichnet, wobei die geführten Unternehmen als Konzernunternehmen eingebunden werden (vgl. Wirtz, 2003, S. 15; §§ 18ff AktG).

Eine Akquisition kann durch einen Anteilserwerb (Share Deal) oder einen Vermögenserwerb (Asset Deal) vollzogen werden (vgl. Lugert, 2005 I, S. 23). Werden alle Einzelwirtschaftsgüter des Verkäuferunternehmens in das Vermögen des Käufers übernommen, so handelt es sich um einen Asset Deal. Hierbei wird das vollständige Eigentum des gekauften Unternehmens erworben und alle Bilanzpositionen (Aktiva und Passiva) des Verkäuferunternehmens, in die Bilanz des Käuferunternehmens aufgenommen und dort bilanziert. Bei einem Share Deal handelt es sich hingegen um einen Beteiligungserwerb in Form einer mehrheitlichen Übernahme von Unternehmensanteilen durch das Käuferunternehmen. Somit sind hier die gesellschaftsrechtlichen Anteile des akquirierten Unternehmens der Kaufgegenstand, wodurch das Unternehmen an sich bestehen bleibt (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 28). Die mehrheitliche Beteiligung oder der Kauf eines gesamten Unternehmens wird als konzernmäßige Akquisition bezeichnet. Durch eine solche Akquisition, ändert sich die Eigentümerstruktur des übernommenen Unternehmens und es findet eine Einschränkung oder völlige Aufgabe der wirtschaftlichen Selbstständigkeit statt (vgl. Wirtz, 2003, S. 16).

Die engste Form eines Unternehmenszusammenschlusses ist die Fusion. Diese liegt dann vor, wenn mindestens eines der beteiligten Unternehmen rechtlich unselbstständig wird. Dies wird auch meist mit dem bereits erwähnten Begriff „Merger“ gleichgesetzt (vgl. Lugert, 2005 I, S. 20). Hierbei werden im Wesentlichen, „Fusionen durch Aufnahme“ und „Fusionen durch Neugründung“, voneinander getrennt betrachtet (vgl. Vogel, 2002, S. 6). Erfolgt eine Fusion durch Aufnahme, so verliert ein Unternehmen seine Rechtspersönlichkeit und wird in das Käuferunternehmen vollständig eingegliedert (vgl. Stegmann, 2004, S. 4). Geben die an einem Zusammenschluss beteiligten Unternehmen ihre Eigenständigkeit auf, um ein neues Unternehmen zu gründen, so liegt eine „Fusion durch Neugründung“ vor (vgl. Lugert, 2005 I, S. 21f.). Ein Beispiel für Ersteres ist die Fusion zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis, im August 2004. Wohingegen es sich bei der Fusion zwischen der Hoechst AG und Rhône-Poulenc zu Aventis, um eine Fusion durch Neugründung handelte. Ein Unternehmenszusammenschluss in Form einer Fusion hat auf Grund der hohen Intensität, die gravierendsten Auswirkungen auf die beteiligten Unternehmen, woraus die größten Chancen und Risiken aller Transaktionsformen für eine Unternehmung entstehen (vgl. Bubik, 2005, S. 8).

In der hier vorgenommenen Abgrenzung von Unternehmenszusammenschlüssen nach der Bindungsintensität werden also die Begriffe Fusion und Akquisition durch die Art der Übernahme und durch die Beeinflussung der rechtlichen Selbstständigkeit voneinander differenziert.

Es ist anzumerken, dass der bereits des Öfteren verwendete Ausdruck Merger & Acquisitions (M&A) keine allgemein gültige, in der Literatur vorhandene, Definition erfährt. Im Groben beschreibt M&A alle Vorgänge, die mit dem Unternehmenskauf oder –verkauf in Verbindung stehen (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 23). Daher wird das aus dem angelsächsischen Sprachraum stammende Begriffspaar Merger & Acquisitions, im Folgenden als Synonym für Unternehmenszusammenschlüsse verwendet. Werden des Weiteren Fusionen und Akquisitionen gemeinsam genannt, so ist damit die Gesamtheit aller Unternehmenstransaktionen gemeint.

2.2 Unterteilung nach Leistungsstufen

Unterteilt man die Unternehmenszusammenschlüsse nach der Art der verbundenen Wirtschaftsstufen, so werden vertikale, horizontale und konglomerate Zusammenschlüsse getrennt voneinander betrachtet (vgl. Lucks/Meckl, 2002, S. 25).

Die genaue Ausrichtung der Zusammenschlüsse ist in den verschiedenen Branchen unterschiedlich. Beispielsweise ist die Automobilindustrie stark durch eine Markt- und Produkterweiterung getrieben, was häufig zu vertikalen Fusionen bzw. Akquisitionen führt. Hingegen ist die Finanz- und Pharmabranche eher durch horizontale Unternehmensvereinigungen geprägt (vgl. Bubik, 2005, S. 100).

Schließen sich zwei Unternehmen aus der gleichen Produktions- und Handelsstufe zusammen, wie beispielsweise zwei Pharmaunternehmen, so liegt ein horizontaler Zusammenschluss vor, wobei die Leistungsbreite meist unverändert bleibt. Folglich handelt es sich hierbei um eine Ausdehnung eines Unternehmens, innerhalb bereits vorhandener Geschäftsbereiche (vgl. Wöhe/Döring, 2000, S. 322). Im Zuge dieser Arbeit, mit dem untersuchten Unternehmenszusammenschluss zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis, wird ein Beispiel dieser Transaktionsrichtung aus der Unternehmenspraxis dargestellt.

Werden vor- oder nachgelagerte Wirtschaftsstufen durch Unternehmens-zusammenschlüsse vereint, so bezeichnet dies einen vertikalen Zusammenschluss. Vertikale Zusammenschlüsse können sowohl in Form von Vorwärts-, als auch Rückwärtsintegrationen auftreten (vgl. Bubik, 2005, S. 11). Ein solcher Zusammenschluss liegt beispielsweise bei einer Unternehmenstransaktion zwischen einem Produktions- und Lieferunternehmen oder zwischen einem Hersteller- und Vertriebsunternehmen vor (vgl. Lugert, 2005 I, S. 43).

Um die Begriffsabgrenzung abzuschließen, sind zu den genannten Formen noch die Konglomerate hinzuzufügen. Konglomerate Zusammenschlüsse liegen vor, wenn zwischen den beteiligten Unternehmen keine Gemeinsamkeiten bezüglich der bedienten Märkte und der Produktpaletten bestehen und sich die Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen oder Wertschöpfungsstufen zusammenschließen. Durch solche Zusammenschlüsse erwirbt das Käuferunternehmen ein oder mehrere Geschäftsfelder, die sich von den Bisherigen grundlegend unterscheiden. Ziel dieser Zusammenschlüsse ist die Streuung von Branchen- und Produktrisiken, um das Unternehmensrisiko zu vermindern (vgl. Lugert, 2005 II, S. 46).

3. Die fünf Wellen von Merger & Acquisitions

Unternehmenszusammenschlüsse wurden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten als Instrument externer Wachstumsstrategien immer bedeutender. Viele Untersuchungen, die in der Literatur bezüglich dieses Themas zu finden sind, stehen dieser Wachstumsoption hinsichtlich der ernüchternden Ergebnisse vergangener Zusammenschlüsse kritisch gegenüber. Auf Grund des fortwährenden Struktur-wandels der globalen Wirtschaft werden jedoch die Bedeutung und die Notwendigkeit von M&A-Aktivitäten deutlich hervorgehoben (vgl. Bubik, 2005, S. 1).

Schon Ende des 19. Jahrhunderts trat der Begriff Merger & Acquisitions während der ersten Übernahmewelle von 1895 – 1904 auf. Bereits zu dieser Zeit stellten Fusionen und Akquisitionen ein bedeutendes Mittel zur Umstrukturierung von Unternehmen dar. In Deutschland wurde dieses Untersuchungsgebiet erst zu Beginn der 1980er Jahre durch die wirtschaftswissenschaftliche Forschung thematisiert (vgl. Vogel, 2002, S. 3f.).

Die Anzahl von Fusionen und Übernahmen ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit kontinuierlich angestiegen. In den Jahren von 1990 bis 2000 hat sich das Transaktionsvolumen von etwa 290 Milliarden US Dollar auf ca. 3.500 Milliarden US Dollar fast verzwölffacht. In diesem Zeitraum sind die Transaktionszahlen von rund 9.000 auf 37.000 weltweite Unternehmenszusammenschlüsse gestiegen (vgl. Möschel, 2002, S. 271). Der kontinuierliche Anstieg der Transaktionszahlen und Transaktionsvolumina fand im Jahr 2000 sein vorläufiges Maximum (vgl. Vogel, 2002, S. 28). In diesem Jahr wurde ein weltweites Gesamtvolumen von 3.684 Milliarden US Dollar angekündigt, wobei die USA und Europa zusammen einen Anteil von 82 % am weltweiten M&A-Markt hielten (vgl. Vogel, 2002, S. 28f.). Betrachtet man die historische Entwicklung des M&A-Marktes, so sind seit Ende des 19. Jahrhunderts zyklische Wellen zu erkennen, innerhalb derer die ersten gehäuften Unternehmenszusammenschlüsse aufgetreten sind. Vergleicht man die einzelnen Zeiträume mit den damals vorherrschenden Gegebenheiten in der Wirtschaftswelt, so ist festzustellen, dass eine Anhäufung von Unternehmenszusammenschlüssen immer dann aufgetreten ist, wenn die Wirtschaftslage hohe Investitions- und Gewinn-möglichkeiten durch positive Wachstumsraten versprach (vgl. Jansen, 2001, S. 3).

3.1 Historischer Überblick der ersten Fusionswellen

Die folgende Grafik soll die fünf verschiedenen Mergerwellen veranschaulichen, bei denen zahlreiche Unternehmenszusammenschlüsse innerhalb abgrenzbarer Zeiträume stattfanden.

Abbildung 1: Die fünf Merger Wellen

(Quelle: Wirtz, 2003, S. 88.)

Die erste Fusionswelle setzte bereits am Ende des 19. Jahrhunderts infolge der industriellen Revolution in den Vereinigten Staaten ein und war überwiegend durch horizontale Unternehmenszusammenschlüsse gekennzeichnet (vgl. Müller-Stewens/Spickers u.a., 1999, S. 2). Der landesweite Ausbau der Eisenbahn und der rasante Aufbau der Schwerindustrie ermöglichten den Großunternehmen die Erzielung hoher Skalenerträge. Des Weiteren wurde durch den schnell fortschreitenden technischen Fortschritt die Massenproduktion ermöglicht, was ein stark erhöhtes Synergiepotenzial mit sich brachte (vgl. Kleinert/Klodt, 2002, S. 28). Durch eine einsetzende Rezession, dem Börsencrash von 1904 und durch die damalige Verabschiedung des Sherman Act, welcher die Willkür von horizontalen Unternehmenszusammenschlüssen gesetzlich regulierte und somit die Entstehung von Monopolen eindämmte, endete die erste Welle (vgl. Bubik, 2005, S. 15).

Auslöser für die zweite Welle von 1916 bis 1929 war der allgemeine Wirtschaftsaufschwung, der von zunehmenden Finanzierungsmöglichkeiten der wachsenden Kapitalmärkte begleitet wurde. Bedingt durch den 1914 verabschiedeten Clayton Antitrust Act, wurde der Entstehung von Monopolen weiter entgegengewirkt (vgl. Wirtz, 2003, S. 89). Im Vergleich zur ersten Fusionswelle kam es deshalb verstärkt zu vertikalen und konglomeraten Zusammenschlüssen (vgl. Müller-Stewens/Spickers, 1999, S. 2). Die zweite Fusionswelle fand nach dem Zusammenbruch der Kapitalmärkte („Black Friday“) und der einsetzenden Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 ihr Ende (vgl. Bubik, 2005, S. 16).

Durch einen weltweiten Wirtschaftsaufschwung in den 60er Jahren kam es erneut zu einer Anhäufung konzentrierter Unternehmenszusammenschlüsse. Da durch die kartellrechtlichen Rahmenbedingungen u.a. durch den Celler Kefauver Act von 1950, weitere horizontale Zusammenschlüsse von Großunternehmen nur eingeschränkt möglich waren, wird diese Welle auch als Ära der Konglomerate bezeichnet. Diese konglomeraten Zusammenschlüsse waren überwiegend dadurch gekennzeichnet, dass viele Unternehmen versuchten, sich in neuen Geschäftsfeldern zu positionieren und neu entstehende Synergiepotenziale zu nutzen (vgl. Bubik, 2005, S. 16). Auch diese Fusionswelle wurde durch eine abrupte Rezession infolge des Börsenzusammenbruchs von 1970 beendet (vgl. Jansen, 2001, S. 3).

Im Gegensatz zu den anderen Fusionswellen wurde die vierte Fusionswelle nicht durch einen Boom am Kapitalmarkt ausgelöst. Vielmehr waren eine liberalere Handhabung der früheren Monopolgesetzgebung (vgl. Müller-Stewens/Spickers u.a., 1999, S. 3.) und die 1983 durchgeführte expansive Geldpolitik der USA, deren Folge ein Anstieg der Börsenwerte war, Auslöser für diese Welle. Darüber hinaus intensivierte sich durch die zunehmende Globalisierung der Konkurrenzdruck, der wiederum zu einer Verstärkung der Konzentrationsaktivitäten führte (vgl. Bubik, 2005, S. 19f.). Die 1989 einsetzende wirtschaftliche Rezession beendete, wie auch zuvor, den Anstieg der Transaktionszahlen (vgl. Wirtz, 2003, S. 90).

Durch die Bildung globaler und grenzenloser Unternehmens-, Wettbewerbs- und Kommunikations-Systeme lässt sich Mitte der neunziger Jahre eine fünfte Welle von vermehrten Unternehmenstransaktionen erkennen. Das internationale strategische Management wurde immer mehr durch das externe Unternehmenswachstum, durch grenzüberschreitende Unternehmenskäufe und anderen Unternehmens-zusammenschlüssen beeinflusst und danach ausgerichtet. Im Jahr 1996 waren 2.901 grenzüberschreitende Unternehmenszusammenschlüsse zu verzeichnen, was einen Anteil von gerade nur 25 % aller weltweiten M&A-Aktivitäten darstellte. Im Jahre 2000 hingegen wuchs der Anteil mit 7.355 abgeschlossenen Transaktionen auf 41 Prozent. Dies entsprach einem weltweiten Volumen des M&A-Marktes von rund 3,5 Billionen US Dollar (vgl. Jansen, 2001, S. 3f.).

3.2 Die fünfte Welle von M&A

Die in Abbildung 1 erkennbare fünfte Fusionswelle begann Anfang 1993 in den Vereinigten Staaten und setzte sich ab Mitte der 1990er in Europa fort. Da diese Welle erhebliche Auswirkungen auf den heutigen M&A-Markt hat, soll sie im Folgenden genauer betrachtet werden (vgl. Bubik, 2005, S. 2).

Im Jahr 2000 fand ein beeindruckender Anstieg des gesamten Transaktionswertes statt, der sich im Vergleich zum Jahr 1999 in den USA auf 32 % und 58 % in Europa belief. Hingegen damaliger Prognosen kehrte sich dieser Trend im Jahr 2001 jedoch wieder um, sodass das weltweite Volumen der angekündigten Transaktionen um 41 % auf 2.170 Milliarden US Dollar überraschend stark sank (vgl. Vogel, 2002, S. 28f.).

Bis zum Börsencrash im Jahr 2000 fanden 36.700 Unternehmenszusammenschlüsse statt, die sich in ihrer Summe auf einen Wert von ca. 3.490 Milliarden US Dollar belaufen haben. Mit dem weltweiten Einbruch der Börsenkonjunktur und nicht zuletzt durch die Terroranschläge am 11. September 2001, gingen die Transaktionszahlen in den nachfolgenden Jahren erheblich zurück. Im Jahr 2002 reduzierte sich das Transaktionsvolumen auf ca. 35 % vom Höchstwert des Jahres 2000 (vgl. Jansen, 2001, S. 4).

Seit dem Jahr 2003 ist ein neuer Anstieg der Transaktionszahlen und des Transaktionsvolumens am M&A-Markt zu erkennen (vgl. Kuhner/Maltry, 2006, S. 2). Der M&A-Markt hat sich von den rückläufigen Zahlen an Unternehmens-zusammenschlüssen schnell erholt, sodass bereits im Jahr 2004 ein Anstieg der globalen Transaktionsvolumina auf ca. 1.800 Milliarden US Dollar zu verzeichnen war, wobei diese im Jahr 2003 noch etwa 1.400 Milliarden US Dollar betrugen. Ende des Jahres 2005 stieg mit 24.806 gezählten Transaktionen das Volumen auf etwa 2.059 Milliarden US Dollar weiter an (vgl. Mittermair/Knourek, 2006, S. 25).

Aus der fünften Welle von Unternehmenszusammenschlüssen lassen sich mehrere Trends ableiten, die den damaligen M&A-Markt erheblich beeinflusst haben und dies auch noch bis heute tun. Im Folgenden soll auf sechs unterschiedliche Ausprägungen eingegangen werden, die aus der bisherigen Entwicklung des M&A-Marktes abgeleitet werden können (vgl. Jansen, 2001, S. 4).

3.3 Trends der fünften Fusionswelle

In einer globalen Betrachtungsweise lässt sich ein eindeutiger Trend zu Cross border transactions (zu Deutsch: grenzüberschreitende Fusionen) feststellen. Der Anteil dieser Transaktionen, gemessen an der Gesamtzahl der weltweiten Unternehmenszusammenschlüsse, ist im Jahr 2000 von 35 % auf 40 % angestiegen. Nach einer längeren Phase der Stagnation in den 1990er Jahren von etwa 25 % konnte seit 1997 eine erhebliche Steigerung dieser Aktivitäten gemessen werden (vgl. Jansen, 2001, S. 5). Verglichen mit 1.800 Milliarden US Dollar im Jahr 2004, haben die weltweiten Unternehmenszusammenschlüsse im Jahr 2005 ein Volumen von 2.059 Milliarden US Dollar erreicht, was einer Steigerung von 19 % entspricht (vgl. Mittermair/Knourek, 2006, S. 25).

Es ist davon auszugehen, dass die zunehmende Globalisierung und das damit verbundene Zusammenwachsen der internationalen Märkte, weiterhin zu einer Verstärkung von grenzüberschreitenden M&A-Aktivitäten führen (vgl Mittermair/ Knourek, 2006, S. 21; Jansen, 2000, S. 39).

Ein weiterer Trend lässt sich in einem Branchenwechsel erkennen. Während der letzten Jahre der fünften Fusionswelle wurden vermehrte Unternehmens-zusammenschlüsse in der New Economy festgestellt, welche die klassischen Produktionsunternehmen ablösten (vgl. Jansen, 2001, S. 5).

Im Laufe der Jahre 1993 bis 2000 waren feindliche Übernahmen stark in die Diskussion geraten. Es wurde zunehmend deutlicher, dass dieses Mittel kein geeignetes Instrument für Unternehmen darstellt (vgl. Jansen, 2000, S. 40). Im Jahr 2000 war von den 30 größten Transaktionen nur eine einzige feindliche Übernahme erfolgreich. Betrachtet man die finanzielle Dimension bei Unternehmenszusammenschlüssen, so wird der Trend sinkender feindlicher Übernahmen besonders deutlich. Im Jahr 2000 sank der Anteil solcher Transaktionen von 705 Milliarden auf 127 Milliarden US Dollar, wobei gleichzeitig die Erfolgquote dieser Zusammenschlüsse stark zurückging. In Folge dieser Entwicklung kann davon ausgegangen werden, dass die im Jahr 1999 vermehrt aufgebauten Verteidigungsstrategien der einzelnen Unternehmen, ihre Wirksamkeit bewiesen haben (vgl. Jansen, 2001, S. 6).

Einhergehend mit Desinvestitionsstrategien, die als Folge von Restrukturierungs-maßnahmen oder sogar zu Auflösungen von Unternehmenszusammenschlüssen durchgeführt wurden, ist seit dem Jahr 2000 auch ein Trend von vermehrten Abspaltungen zu erkennen (Demerger) (vgl. Jansen, 2000, S. 40). Beispiele wie BMW-Rover, die durch den durchgeführten Demergerprozess erheblich Kurssteigerungen erzielen konnten oder die Neustrukturierungsmaßnahmen der damaligen Aventis S.A., können als Belege dieses Trends angesehen werden (vgl. Jansen, 2001, S. 6).

Auch eine Erhöhung der durchschnittlich ausgezahlten Akquisitionsprämien ist seit dem Jahr 2000 deutlich geworden, was für die Käuferunternehmen eine Erhöhung der Fusionskosten zu Folge hat und somit die Rentabilitätserwartungen sowie den Amortisierungszeitraum von Unternehmenszusammenschlüssen erheblich beeinflusst (vgl. Jansen, 2001, S. 6).

Ebenso ist bei der Durchführung von Unternehmenszusammenschlüssen im Bereich der Finanzierung ein Wandel zu verzeichnen. So ging im ersten Quartal 2001 die Kaufkraft von Börsenpapieren zurück und führten schließlich zu einem Anstieg der Barangebote bei Unternehmenstransaktionen (vgl. Jansen, 2001, S. 6).

Diese Trends begründen eine wesentliche Veränderung der Integrationskompetenz. Die hohe Komplexität der Integrationsanforderungen, die an die Unternehmen gestellt werden, bildete sich erst auf Grund der ständigen Veränderungen im Zeitraum der fünften Fusionswelle heraus (vgl. Jansen, 2001, S. 7). Die Tendenz zu grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschlüssen bringt neue Anforderungen für das regionale und nationalkulturelle Integrationsmanagement mit sich. Diese neuen Kompetenzforderungen gewinnen in fast allen Bereichen einer Unternehmung zunehmend an Bedeutung. Bei feindlichen Übernahmen besteht die Problematik darin, dass zwischen den beteiligten Unternehmen erhebliche Spannungen entstehen, welche die Synergieerzielung erheblich beeinträchtigen und somit den Erfolg eines Zusammenschlusses stark gefährden. Hohe Prämienzahlungen an die Zielaktionäre führen zu nachhaltigen Rationalisierungsmaßnahmen, um Akquisitionskosten und die damit verbundenen Integrationsaufwendungen zu amortisieren. Um dies zu gewährleisten, sind zielgerichtete, strategische Entscheidungen von großer Bedeutung, welche vor allem in einem nachhaltigen Post Merger Management zu treffen sind. Fehler im Bereich des Post Merger Managements, können durch die Tendenz steigender Barangebote nicht mehr länger durch einen positiven Börsenerfolg ausgeglichen werden, was die Bedeutung zielgerichteter Strategien unterstreicht (vgl. Jansen, 2001 S. 8).

Somit wird deutlich, dass die genannten Merkmale der fünften Fusionswelle erhebliche Anforderungen an das Management mit sich bringen. Dies lässt die Notwendigkeit einer neuen Kernkompetenz deutlich werden, die eine verstärkte Professionalisierung des Akquisitionsmanagements als Hauptaufgabe begreift (vgl. Jansen, 2001, S. 8).

3.4 Zwischenfazit

Die Charakteristiken der fünf Fusionswellen lassen darauf schließen, dass diese in enger Verbindung mit der Globalisierung und der damit einhergehenden Liberalisierung der Weltmärkte sowie der Intensivierung des Welthandels stehen. Um in einem derart dynamisierten Wettbewerb eine gesicherte Position einzunehmen, fanden eine Vielzahl von Zusammenschlüssen verschiedener Unternehmen statt, die bereits vor ihrem Zusammenschluss hohe Marktanteile in ihrer Branche besaßen. Solche Unternehmenszusammenschlüsse werden in der Literatur als so genannte Megafusionen oder Megamerger beschrieben (vgl. Möschel, 2002, S. 271- 273). Diese spektakulären Unternehmenszusammenschlüsse mit ihren beeindruckenden Finanzvolumina werfen die Frage nach den Erfolgen bzw. Misserfolgen solcher Fusionen auf. Tatsache ist, dass so enorm und beeindruckend die Anzahl und Volumina der verschiedenen Fusionsaktivitäten auch waren bzw. sind, so steht ihnen auch eine sehr hohe Zahl an Misserfolgen gegenüber (siehe Abbildung 2), welche die Frage nach dem „Warum ?“ aufkommen lassen (vgl. Jansen, 2001, S. 8).

Abbildung 2: Misserfolgsanalysen von Beratungen und Wissenschaft

(Quelle: Jansen, 2001, S. 9.)

Um eine hinreichende und wissenschaftlich belegte Erfolgskontrolle durchzuführen, werden repräsentative Messmethoden benötigt. Jedoch besitzen die bisher angewandten und entwickelnden Messmethoden starke Schwächen, da diese sich in der Regel auf quantitative Werte konzentrieren. In Kapitel 6 dieser Arbeit wird auf einige solcher Messverfahren zur Erfolgsbestimmung und die damit verbundenen Probleme genauer eingegangen.

Die Ursachen für diese Misserfolge sind vielfältig und werden häufig in der Literatur diskutiert. Bei der Erfolgsbestimmung von Unternehmenszusammenschlüssen ergibt sich, zurückführend auf die Komplexität dieser Problematik, dass nicht nur die „Hard Facts“ für das Erfolgpotenzial ausschlaggebend sind, sondern die Kompetenz die Prozesse an sich korrekt und vorausschauend zu steuern und sich in komplizierten Phasen des Fusionsvorgangs auf das Wesentliche zu konzentrieren (vgl. Uder/Kramarsch, 2001, S. 103). Es zeigt sich häufig, dass das Management die notwendigen Anstrengungen zur Erreichung der gesetzten Ziele schlichtweg unterschätzt. Darüber hinaus werden die möglichen Synergieeffekte eines Unternehmenszusammenschlusses nicht realistisch eingeschätzt, sodass das Erhoffte nicht eintritt und nur der Wunsch nach Synergien übrig bleibt, der nie verwirklicht werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten

Details

Titel
Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen
Untertitel
Am Beispiel der Pharmaunternehmen Sanofi-Synthélabo und Aventis S.A.
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
105
Katalognummer
V86675
ISBN (eBook)
9783638007351
ISBN (Buch)
9783656057826
Dateigröße
2330 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfolgsträchtigkeit, Unternehmenszusammenschlüssen
Arbeit zitieren
Christian Rotter (Autor), 2007, Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86675

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