Begriffe wie Fusionen, Unternehmenskäufe oder -verkäufe, Kooperationen, strategische Allianzen, Akquisitionen und Ähnliche, sind keine Unbekannten mehr. Nationale oder grenzüberschreitende Unternehmenszusammenschlüsse, gleich welcher Form und Ausgestaltung, erfahren bereits seit mehreren Jahren eine erhebliche Aufmerksamkeit. Auf Grund der hohen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung von Unternehmenszusammenschlüssen wird dieses Themengebiet nicht nur durch eine Vielzahl an wissenschaftlicher Fachliteratur behandelt, sondern stößt auch auf ein breites Interesse der Massenmedien. Gerne werden in Berichten der Medien exorbitante Übernahmebeträge aufgeführt, die sich dem Vorstellungsvermögen des Otto-Normal-Bürgers entziehen. Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000, mit einem Transaktionsvolumen von rund 198 Milliarden Euro, ist dabei nur ein repräsentatives Beispiel von so genannten „Mega-Fusionen“, mit Übernahmebeträgen von mehreren Milliarden Euro. rotz der hohen Aufmerksamkeit und Beachtung, die den Zusammenschlüssen von Unternehmen als strategisches Instrument für ein schnelles externes Unternehmenswachstum zu teil wird, herrscht immer noch ein erhebliches Diskussionspotenzial über die Erfolgsträchtigkeit solcher Unternehmenszusammenschlüsse.
Die Leitidee, dass durch einen Unternehmenszusammenschluss der Unternehmens-wert und das Unternehmenswachstum gefördert werden sollen, ist hingegen unstrittig. Untersuchungen über den Erfolg von Unternehmenszusammenschlüssen haben jedoch eine Erfolgsquote von weniger als 40 % ausgewiesen. Diese Untersuchungsergebnisse wecken erhebliche Zweifel daran, ob Fusionen und Akquisitionen wirklich das richtige Mittel sind, um eine Steigerung des Unternehmenswertes und ein angemessenes Unternehmenswachstum, durch einen Unternehmenszusammenschluss zu erzielen Exemplarisch kann hier, die indessen aufgelöste Fusion zwischen der Daimler Benz AG und der Chrysler Corporation aufgeführt werden, die gegenteilig zu einer Unternehmenswerterhöhung, eine Wertvernichtung durch Milliardenverluste darstellte. Auch der im Jahr 2000 aufgelöste Zusammenschluss zwischen BMW und Rover bietet ein plakatives Beispiel für misslungene M&A-Aktivitäten. (...) Ergebnisse der Erfolgsuntersuchungen und die dadurch nachgewiesene Vielzahl von erfolglosen Zusammenschlüssen in der Unternehmenspraxis stellen dabei die Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen erheblich in Frage.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabenstellung und Verfahrensweise
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise dieser Arbeit
2. Begriffsabgrenzung und Formen von Unternehmenszusammenschlüssen
2.1 Unterteilung nach der Bindungsintensität
2.2 Unterteilung nach Leistungsstufen
3. Die fünf Wellen von Merger & Acquisitions
3.1 Historischer Überblick der ersten Fusionswellen
3.2 Die fünfte Welle von M&A
3.3 Trends der fünften Fusionswelle
3.4 Zwischenfazit
4. Der M&A-Prozess: Das Drei-Phasen-Modell
4.1 Planungs- und Entscheidungsphase (Pre-Merger-Phase)
4.2 Durchführungs- und Transaktionsphase (Merger-Phase)
4.3 Integrations- und Implementierungsphase
4.4 Erfolgsfaktoren des M&A-Prozesses
4.4.1 Vision und Strategie:
4.4.2 Unternehmenskultur
4.4.3 Kommunikation
4.4.4 Personalmanagement
4.4.5 Change Management
4.4.6 Integrationsgeschwindigkeit
5. Ziele und Motive von Unternehmenszusammenschlüssen
5.1 Steigerung des Unternehmenswertes durch Synergierealisierung
5.1.1 Ausschöpfung des Synergiepotenzials
5.1.2 Fundament zur Synergierealisierung
5.2 Synergien nach ihrer Entstehungsart
5.2.1 Economies of Scale:
5.2.2 Economies of Scope:
5.2.3 Markt- und Wettbewerbssynergien
5.3 Weitere Ziele von Unternehmenszusammenschlüssen
5.3.1 Erzielung steuerlicher Vorteile
5.3.2 Rationalisierungen der Organisationsstruktur
5.3.3 Nutzen aus Wissenstransfer
5.3.4 Nutzung von Wachstumspotenzialen
5.3.5 Persönliche Motive
6. Erfolgsmessung bei Unternehmenszusammenschlüssen
6.1 Verfahren zu Erfolgsmessung
6.1.1 Jahresabschlussorientierte Messverfahren
6.1.2 Kapitalmarktorientierte Messverfahren
6.1.3 Insider – Befragungen
6.1.4 Untersuchungen von Desinvestitionsprojekten
6.2 Problematik der Messbarkeit des Erfolges
7. Die pharmazeutische Industrie
7.1 Die Branche im Überblick
7.2 Marktdynamik
7.3 Komplexität und Mehrebenenwettbewerb
7.4 M&A in der Pharmazie
8. Der Unternehmenszusammenschluss Sanofi – Aventis
8.1 Die Unternehmen vor der Fusion
8.1.1 Das Unternehmen Sanofi - Synthélabo
8.1.2 Das Unternehmen Aventis S.A.
8.2 Sanofi-Aventis: „Der Weg zur Fusion“
8.2.1 Ziele des Zusammenschlusses
8.2.2 Die Übernahmeschlacht zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis
8.3 Der Konzern Sanofi- Aventis
8.4 Erfolgsträchtigkeit des Unternehmenszusammenschlusses
8.4.1 Anmerkung zur Erfolgsbewertung
8.4.2 Die Unternehmensentwicklung von Sanofi-Aventis
8.4.3 Interpretation der Zahlen
8.4.4 Zwischenfazit
9. Fazit
9.1 Zusammenfassung
9.2 Kritische Stellungnahmen und Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen (Merger & Acquisitions) und analysiert, warum Zusammenschlüsse trotz hoher Erwartungen oft scheitern. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie M&A-Prozesse gestaltet werden müssen, um erfolgreich zu sein und wie dieser Erfolg messbar gemacht werden kann, wofür die Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis als Praxisbeispiel dient.
- Grundlagen und Formen von Unternehmenszusammenschlüssen
- Historische Entwicklung von Fusionswellen
- Phasenmodell des M&A-Prozesses und kritische Erfolgsfaktoren
- Ziele, Motive und Synergiepotenziale von Fusionen
- Methoden der Erfolgsmessung (jahresabschlussorientiert vs. kapitalmarktorientiert)
- Fallstudie: Der Zusammenschluss von Sanofi und Aventis
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Unternehmenskultur
Einer der wohl am häufigsten diskutierten Erfolgsfaktoren von Unternehmenszusammenschlüssen ist die Unternehmenskultur. Die Koordination und Integration von zuvor autonomen Unternehmenskulturen ist eine der wichtigsten, komplexesten und konfliktträchtigsten Anforderungen von M&A (vgl. Knyphausen-Aufseß /Schweizer, 2006, S. 261). Jede Fusion und besonders grenzüberschreitende Unternehmenszusammenschlüsse führen zwangsläufig zu einem Aufeinandertreffen von bisher voneinander völlig unabhängigen und autonomen Unternehmenskulturen. Häufig dominiert die Unternehmenskultur des größeren Unternehmens, was dazu führt, dass dem schwächeren Unternehmen nach einem Zusammenschluss die Kultur des Käufers aufgezwungen wird und somit erhebliche Spannungsfelder mit einem erhöhten Konfliktpotenzial erzeugt werden (vgl. Uder/Kramarsch, 2001, S. 107).
Die Kultur eines Unternehmens richtet alle Unternehmensmitglieder auf gemeinsame Ziele aus und stellt einen gelebten Ausdruck aller Werte, Denkweisen und Umgangsformen eines Unternehmens dar (vgl. Bielenberg, 2006, S. 147). Eine in einem Unternehmen ausgebildete Kultur ist ein historisches und ganzheitlich bedingtes Traditionsverhalten mit einer sozialen Struktur, die sich nur schwer verändern lässt (vgl. Guserl, 2002, S. 141f.). Die Unternehmenskultur begleitet den gesamten M&A-Prozess und ist somit in jeder Phase zu berücksichtigen. Bereits in der Planungsphase sollte eine Diagnose der eigenen Kultur stattfinden, was jedoch in der Praxis nur äußerst selten der Fall ist. In der Transaktionsphase muss die Kultur des potenziellen Transaktionspartners analysiert und mit der Eigenen verglichen werden. Mit dem Anfang der Integrationsphase beginnt der Akkulturationsprozess, welcher die Anpassung der Unternehmenskulturen zu einem „cultural fit“ als Ziel begreift (vgl. Jaeger, 2001, S. 70f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabenstellung und Verfahrensweise: Einleitung in die Problematik externer Wachstumsstrategien und Erläuterung des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2. Begriffsabgrenzung und Formen von Unternehmenszusammenschlüssen: Definition der wesentlichen Fachbegriffe wie Fusion und Akquisition sowie Differenzierung nach Intensität und Leistungsstufen.
3. Die fünf Wellen von Merger & Acquisitions: Historische Einordnung der M&A-Entwicklung in fünf zyklische Phasen und Analyse aktueller Trends.
4. Der M&A-Prozess: Das Drei-Phasen-Modell: Detaillierte Betrachtung des Ablaufs von der Planung über die Durchführung bis zur Integration sowie Untersuchung relevanter Erfolgsfaktoren.
5. Ziele und Motive von Unternehmenszusammenschlüssen: Analyse der strategischen Beweggründe für Fusionen, insbesondere der Generierung von Synergieeffekten.
6. Erfolgsmessung bei Unternehmenszusammenschlüssen: Darstellung verschiedener wissenschaftlicher Verfahren zur quantitativen und qualitativen Bewertung von Fusionserfolgen.
7. Die pharmazeutische Industrie: Branchenspezifische Analyse der Dynamiken, Komplexität und der Bedeutung von M&A für Pharmaunternehmen.
8. Der Unternehmenszusammenschluss Sanofi – Aventis: Fallbeispiel der Fusion zwischen Sanofi-Synthélabo und Aventis zur Demonstration der Erfolgsträchtigkeit anhand realer Unternehmenskennzahlen.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion der Untersuchungsmethode.
Schlüsselwörter
Merger & Acquisitions, M&A, Unternehmenszusammenschluss, Synergie, Unternehmenskultur, Erfolgsmessung, Pharmazeutische Industrie, Post-Merger-Integration, Due Diligence, Unternehmenswert, Skaleneffekte, Strategisches Management, Wachstum, Sanofi, Aventis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen, wobei sie insbesondere die Herausforderungen und Faktoren analysiert, die über Gelingen oder Scheitern von Fusionen und Akquisitionen entscheiden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben den theoretischen Grundlagen zu M&A-Prozessen, Erfolgsfaktoren und Messmethoden liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der pharmazeutischen Industrie als Anwendungsbereich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum M&A-Aktivitäten häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben und wie ein Unternehmen sein Vorgehen strategisch anpassen kann, um durch solche Zusammenschlüsse tatsächlich einen nachhaltigen Unternehmenswert zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer anwendungsorientierten Fallstudie zur Fusion der Unternehmen Sanofi-Synthélabo und Aventis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der M&A-Prozessphasen, die Untersuchung von Synergiemotiven und die Vorstellung von Verfahren zur Erfolgsmessung, gefolgt von einer tiefgehenden Branchenanalyse und dem Fallbeispiel Sanofi-Aventis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind M&A, Synergiepotenziale, Post-Merger-Integration, Unternehmenskultur und die spezifische Fallbetrachtung der Pharma-Fusion von Sanofi und Aventis.
Warum ist die Unternehmenskultur ein so zentraler Aspekt dieser Arbeit?
Die Arbeit identifiziert kulturelle Unterschiede als einen der am häufigsten unterschätzten Risikofaktoren. Ein mangelnder "cultural fit" führt oft zu Spannungen, die das Synergiepotenzial einer Fusion gefährden.
Was ist das Ergebnis der Fallstudie Sanofi-Aventis?
Die Fallstudie kommt zu dem Ergebnis, dass der Zusammenschluss nach den gesetzten Kriterien als erfolgreich zu bewerten ist, da das Unternehmen Ziele wie Umsatzwachstum, Synergierealisierung und Wettbewerbsfähigkeit durch die Fusion nachweislich erreichen konnte.
- Quote paper
- Christian Rotter (Author), 2007, Erfolgsträchtigkeit von Unternehmenszusammenschlüssen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86675