Möglichkeiten und Beeinträchtigungen der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Möglichkeiten der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern
2.1 Die Notwendigkeit der Kooperation
2.2 Formen der Kooperation
2.2.1 Formen der Beratung
2.2.2 Formen der Elternbildung und Elterinformation
2.2.3 Formen der Elterintegration
2.2.4 Formen der Elternarbeit
2.2.5 Formen der Elternmitsprache
2.3 Bedeutung der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern
2.3.1 Kooperation zur Förderung der Entwicklung des Kindes
2.3.2 Kooperation zur Entlastung des Lehrers und Förderung der Schulgemeinschaft
2.3.3 Kooperation zur Vermittlung zwischen Schule und Leben

3. Beeinträchtigungen der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern
3.1 Erwartungen als Beeinträchtigung der Kooperation
3.2 Angst als Beeinträchtigung der Kooperation
3.2.1 Lehrerangst
3.2.2 Elternangst
3.3 Abhängigkeitsverhältnis als Beeinträchtigung der Kooperation
3.3.1 Abhängigkeit durch Rollenverteilung
3.3.2 Abhängigkeit durch Leistungsorientierung
3.3.3 Abhängigkeit durch Erwartungen der Lehrer an die Eltern
3.4 Kompetenzkonflikt als Beeinträchtigung der Kooperation
3.5 Sprache und Kommunikation als Beeinträchtigung der Kooperation
3.6 Belastung als Beeinträchtigung der Kooperation
3.6.1 Lehrerbelastung
3.6.2 Elternbelastung

4. Schlussbemerkung

5. Literaturnachweis

1. Einführung

Der Klassenlehrer hat neben seiner eigentlichen Arbeit im Unterricht, der Unterrichtsvorbereitung, der Organisation der Klasse, der Wissensvermittlung, der sozialen Förderung seiner Schüler, der Leistungsbeurteilung und vieler weiterer Tätigkeiten auch die Aufgabe der Zusammenarbeit mit den Eltern.

„Überzeugende Partnerschaft, Mitwirkung von Eltern in Schulangelegenheiten, bei Konferenzen und Pflegschaften und ihrer Mitarbeit und Miterziehung im Unterrichts- und Schulgeschehen sind die Elemente einer demokratisch ausgerichteten Schule, die sich im Interesse der ihr anvertrauten Schüler und ihrer Entwicklung offen hält gegenüber dem Leben und dessen Anregungen und Anstöße für die eigene Bildung- und Erziehungsarbeit nutzt.“ (Aurin, 1990, S. 16)

Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Möglichkeiten der Kooperation es gibt aber vor allem welche Faktoren eine Kooperation zwischen Eltern und Lehrern beeinträchtigt, so dass eine Erziehungspartnerschaft oft keinen Anklang seitens der Lehrer- und Elternschaft findet. Ich gehe unter Punkt 2 sowohl auf die Möglichkeiten einer Kooperation ein, indem ich zum einen die „Notwendigkeit der Kooperation“ begründe und zum anderen sowohl die „Formen der Kooperation“ sowie die bedeutungsvollen Aspekte einer Erziehungspartnerschaft, sprich welche positiven Auswirkungen die Kooperation zwischen Eltern und Lehrern auf die Schule und besonders auf die Schüler hat, bespreche. Im Anschluss werden unter Punkt 3 beeinträchtigende Faktoren erläutert und analysiert, die sich negativ auf eine wirkungsvolle und bedeutsame Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern auswirken.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass vor allem einem Klassenlehrer die primäre Aufgabe der Kooperation mit Eltern zukommt, in dieser Arbeit jedoch allgemein von der Eltern – Lehrer Kooperation die Rede ist und nicht von der Eltern – Klassenlehrer Kooperation, da die folgenden Punkte bezüglich der Möglichkeiten und Beeinträchtigungen der Kooperation statusübergreifend und nicht exemplarisch an der Klassenlehrertätigkeit festzumachen sind.

2. Möglichkeiten der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern

2.1 Die Notwendigkeit der Kooperation

Die Eltern haben, nach der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 6, die Erziehung ihrer Kinder als primäre Aufgabe wahrzunehmen. Kurt Aurin beschreibt die Aufgaben der Eltern ihren Kindern gegenüber aus pädagogischer Sicht wie folgt: „Eltern nehmen für ihre Kinder nicht nur eine Vorbild- und Orientierungsfunktion wahr, sondern haben für sie zunächst die Aufgabe der Pflege und des Schutzes vor Gefährdungen, ferner der Entlastung und Befreiung von Sorgen, von Unbill, von Verletzungen und Kränkungen.“ (Aurin, 1990, S. 8) Sowohl aus rechtlicher als auch aus humanwissenschaftlicher Sicht sind die Eltern somit die wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes, sind für dessen Wohlbefinden verantwortlich und beeinflussen die Verhaltens-, Denk- und Handlungsweisen ihres Sprösslings seit dessen Geburt nachhaltig.

Auch die Schule hat die Aufgabe der Erziehung der Kinder, wobei eine Einschränkung deutlich gemacht werden muss. Da sich die Kinder nur einen Teil ihres Lebens in der Institution Schule aufhalten, „umfaßt [sic] [sie] nicht das Ganze der Erziehung“ (Aurin, 1990, S. 9). Die Schule hat lediglich eine unterstützende Funktion bezüglich der Erziehung inne, wohingegen die Eltern, als Erziehungsberechtigte, die primäre Erzieherrolle einnehmen.

Diese Tatsache macht deutlich, dass die Eltern, als primäre erzieherische Instanz im Leben der Kinder die wichtigsten (Erziehungs-) Partner der Schule sein sollten. Auch kann die Notwendigkeit einer solchen Kooperation durch eine weitere Wechselwirkung zwischen Schule und Elternhaus begründet werden.

Der Einfluss, den die Eltern auf die Kinder haben, hat nachhaltige Folgen auf die „Möglichkeiten, Wirkungsweise und Effektivität pädagogischen Handelns in öffentlichen Erziehungseinrichtungen“ (Grabbe, 1983, S. 16). Sowohl die Schulleistungen als auch die Lernmotivation hängen von der Erziehung und von „der Art und Weise der Intensität der elterlichen Anteilnahme“ (Grabbe, 1983, S. 17) ab. Interessieren sich die Eltern zum Beispiel nicht für die schlechten Schulnoten oder die ständigen Einträge im Hausaufgabenheft des Kindes wegen nicht erledigter Hausaufgaben, kann es problematisch für den Lehrer sein, das betreffende Kind mit Blick auf eine optimale Förderung ausreichend zu motivieren, da der Rückhalt in der Familie fehlt und sich dadurch möglicherweise eine belastende Gleichgültigkeit beim Schüler einstellen könnte. Die Schulen hingegen haben durch Erziehungskonzepte, das Unterrichtsgeschehen und damit einhergehende Erfolge bzw. Misserfolge des Kindes einen erheblichen Einfluss auf das Elternhaus, das Familienleben und -klima.

Eine Kooperation zwischen Eltern und Schule ist somit unumgänglich, wobei die Übereinkunft beider Erziehungspartner bezüglich des obersten Ziels, sprich die Entwicklung und Förderung des Kindes, die Basis einer solchen Partnerschaft bedeutet. „Wenn Schulen dieser Rückhalt des Elternhauses fehlt, ist all ihre Arbeit auf Sand gebaut.“ (Aurin, 1990, S. 10)

2.2 Formen der Kooperation

Im Folgenden werden die Formen der Kooperation anhand einer Zusammenstellung von Norbert Huppertz (1990) kurz aufgezeigt, wobei auf eine Wertung, Kritik, mögliche Probleme oder gar eine Beschreibung der Bedeutung der einzelnen Formen für die Kooperation zwischen Eltern und Lehrern an dieser Stelle verzichtet wird, da dies zum Teil thematisch in den Punkten 2.3 und 3 zu finden sein wird.

2.2.1 Formen der Beratung

Zu den Formen der Beratung gehört zum einen die Beratung der Eltern durch den Lehrer bezüglich schulischer Themen, wie z.B. eventuelle Fördermaßnahmen, die Optimierung der Schulleistungen oder außerschulische Themen, wie z.B. die elterliche Erziehung des Kindes. Eine Beratung kann jedoch auch von Eltern für andere Eltern durchgeführt werden, um z.B. eine Entlastung für den Lehrer hervorzurufen oder die beraterischen Fähigkeiten des Lehrkörpers bezüglich eines speziellen Themas zu unterstützen. Diese Beratungen können zum einen durch eine flüchtige Kontaktaufnahme erfolgen, wie z.B. durch informelle Gespräche bei einem Sprechtag für Eltern, dem Tag der offenen Tür oder gar im privaten Bereich. Zum anderen kann eine Beratung durch den gängigsten Fall, dem vertieften Einzelkontakt, erfolgen. Dazu zählen die Sprechstunde, Hausbesuche, Telfongespräche und der Elternabende.

2.2.2 Formen der Elternbildung und Elterinformation

Unter diesen Formen sind vor allem die Mittel und Wege zu verstehen, über die die Lehrkraft Informationen an die Eltern bezüglich unterrichtsrelevanter Aspekte oder aber bezüglich allgemeiner erzieherischer Fragen übermittelt, um die Eltern zu bilden bzw. sie über verschiedenste Themen zu informieren. Unterrichtsbezogene Informationen, z.B. über das Unterrichtsgeschehen oder den -ablauf, können die Eltern während einer Hospitation oder gar der Beteiligung im Unterricht selbst erhalten. Allgemeine Fragen kann der Lehrer mittels eines Elternbriefes oder auch durch ein Treffen und einer dort stattfindenden Konversation beantworten.

2.2.3 Formen der Elterintegration

Diese Formen dienen der förderlichen Integration von Eltern in den Schulalltag der Kinder. Dazu zählen Schulfeste, gemeinsame Ausflüge oder Feiern, wie Geburtstage, Weihnachtsfeiern oder Abschlussfeiern.

2.2.4 Formen der Elternarbeit

Diese Formen dienen der produktiven Einbindung der Eltern in schulische und außerschulische (Unterrichts-) Prozesse. So können Eltern bei der Organisation von Schulfeiern oder ähnlichen Veranstaltungen behilflich sein. Des Weiteren können sie aktiv den Unterricht mitgestalten, wie z.B. bei der Berufsberatung oder bei der Arbeit an speziellen Themen, für die die Lebens- oder Praxiserfahrungen von Eltern von Bedeutung sein können. Auch können die Eltern als Betreuer fungieren, sowohl bei Schulausflügen, Projekten oder gar der Hausaufgabenbewältigung.

2.2.5 Formen der Elternmitsprache

Die Elternvertretung, sowohl in der einzelnen Schule als auch auf regionaler, Landes- oder gar Bundesebene (Arbeitsgemeinschaft des Bundeselternrates) dient dazu, „daß [sic] Eltern aus der Verantwortung für ihre Kinder und deren Entwicklung Rechte und Interessen wahrnehmen können und diese bei der Gestaltung des Unterrichts- und Schulgeschehens und darüber hinaus bei der Weiterentwicklung und Reform unserer Schulen Rechnung getragen wird“ (Aurin, 1990, S. 11). So können Eltern unter anderem über die Auswahl von Schulbüchern mitentscheiden oder aber auch über die Durchführung und Organisation von Ausflügen und Festen.

2.3 Bedeutung der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern

2.3.1 Kooperation zur Förderung der Entwicklung des Kindes

Wie schon unter Punkt 2.1 erwähnt, kommt der Förderung der Entwicklung des Kindes die größte und eine übergeordnete Bedeutung der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern zu. Jede Form der (Erziehungs-) Partnerschaft (siehe Punkt 2.2) zwischen Elternhaus und Schule dient diesem gemeinsamen Ziel. Würde kein Konsens zwischen den beiden Erziehungspartnern bestehen, hätte das, laut Grabbe (1983), einen erheblichen negativen Einfluss auf das Kind, da sich die individuellen Erziehungs- und Fördermaßnahmen von Eltern und Lehrern gegenseitig blockieren und somit die Arbeit und das Bemühen einer dieser beiden gegensätzlichen Pole ohne Wirkung sein könnte. „Die gleichgerichteten Interessen bei den Erziehungspartnern Lehrer und Eltern zielen auf Wohlbefinden und Lernerfolg des Kindes. Seine Selbstverwirklichung, seine emotionale und psychische Stabilisierung sowie die Förderung seiner intellektuellen Möglichkeiten und die Entwicklung seiner Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln sind unbestrittene Erziehungsziele.“ (Grabbe, 1983, S. 58 f) Dieser Konsens zwischen Eltern und Lehrern bezüglich der Erziehungsstile und Fördermaßnahmen wird jedoch von Natur aus nie hundertprozentig erreicht, so dass vor allem ein kontinuierlicher Informationsaustausch und eine „gemeinsame Reflexion über pädagogische Ziele, Methoden und Maßnahmen“ (Grabbe, 1983, S. 71) entscheidend sind für die optimale Förderung der Entwicklung des Kindes. Nur wenn ein Lehrer die familiären Verhältnisse und Hintergründe mit Blick auf die Persönlichkeit und Kompetenzen des Schülers kennt und versteht und je mehr die Eltern Einblicke in die pädagogischen Maßnahmen des Lehrers haben, um so geringer sind Verständnisschwierigkeiten zwischen Lehrern und Eltern, was die gemeinsame und einvernehmliche Förderung der Entwicklung des Kindes positiv beeinflusst.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Beeinträchtigungen der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V86710
ISBN (eBook)
9783638021678
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Beeinträchtigungen, Kooperation, Eltern, Lehrern
Arbeit zitieren
Martin Weller (Autor), 2006, Möglichkeiten und Beeinträchtigungen der Kooperation zwischen Eltern und Lehrern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86710

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