Diese Arbeit soll eine überblicksartige Darstellung der erweiterten Version der Prototypentheorie sein. Anfangs möchte ich auf die Standardversion der Theorie und ihre Grenzen eingehen, da ich dies als eine Basis für die weitere Darstellung unerlässlich halte. Das Modell der Familienähnlichkeit soll besondere Beachtung in der darauf folgenden Darstellung der erweiterten Version der Prototypentheorie finden.
Ein kurzes Kapitel wird jeweils Lakoffs ICM und der Anwendung der erweiterten Version gewidmet. Abgeschlossen wird mit der Kritik an der erweiterten Version.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Standardversion der Prototypentheorie und ihre Grenzen
3. Die erweiterte Version
3.1. Die Entstehung einer neuen Version der Prototypentheorie
3.1.1. Lakoffs Konzept der idealisierten kognitiven Modelle
3.2. Modell der Familienähnlichkeit
3.3. Anwendung der neuen Version
3.4. Kritik an der neuen Version
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit bietet eine überblicksartige Darstellung der erweiterten Version der Prototypentheorie. Ziel ist es, die Entwicklung von der klassischen Standardversion hin zu einem differenzierteren Modell aufzuzeigen, welches insbesondere die Rolle der Polysemie und der Familienähnlichkeit integriert.
- Grundlagen der klassischen Prototypentheorie und ihre definitorischen Grenzen
- Die Entstehung und theoretische Fundierung der erweiterten Prototypentheorie
- Lakoffs Konzept der idealisierten kognitiven Modelle (ICM)
- Das Modell der Familienähnlichkeit als zentrales Strukturprinzip
- Kritische Würdigung der erweiterten Theorie im Hinblick auf Beliebigkeit und Anwendbarkeit
Auszug aus dem Buch
3.2. Modell der Familienähnlichkeit
Der Begriff der Familienähnlichkeit entstammt dem Philosophen Wittgenstein. Wittgenstein meinte, dass sich keine allgemeinen Merkmale für z.B. alle Sprachen oder Spiele finden lassen. Seiner Meinung nach gäbe es zwar unter einigen Spielen Gemeinsamkeiten, unter anderen hingegen keine. Er nannte diese Verhältnisse „Familienähnlichkeit“ - familienähnliche Begriffe enthalten keine Merkmale, die für alle Einzelbeispiele gemeinsam zutreffen. Sein berühmtes Beispiel der Spiele sei hier der Anschaulichkeit halber noch einmal zitiert:
„Betrachte z.B. einmal die Vorgänge, die wir „Spiele“ nennen. Ich meine Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiele, Kampfspiele usw. Was ist allen diesen gemeinsam? [...] wenn du sie anschaust, wirst du zwar nicht etwas sehen, was allen gemeinsam wäre, aber du wirst Ähnlichkeiten, Verwandtschaften sehen, und zwar eine ganz Reihe. [...] Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. [...] Ich kann diese Ähnlichkeiten nicht besser charakterisieren als durch das Wort „Familienähnlichkeiten“; denn so übergreifen und kreuzen sich die verschiedenen Ähnlichkeiten, die zwischen den Gliedern einer Familie bestehen: Wuchs, Gesichtszüge, Augenfarbe, Gang, Temperament […]“
Auf die Sprachwissenschaft übertragen bedeutet „Familienähnlichkeit“, dass Begriffe ähnlich, d.h. verwandt sind wie die Mitglieder einer Familie. „Familie“ steht hier für eine bestimmte Menge oder Klasse. Die Glieder einer Familie laut der Wittgensteinschen Familienähnlichkeit sind durch lokale Übereinstimmungen miteinander verknüpft, nicht durch ein gemeinsames Merkmalsband. Eine Familie besteht aus mindestens zwei Exemplaren mit mindestens einem gemeinsamen Merkmal. Das wäre vergleichbar mit Mutter und Vater einer menschlichen Familie. Doch nicht allen Familienmitgliedern muss ein Merkmal gemeinsam sein, d.h. Cousins und Cousinen müssen sich nicht ähnlich sein in Erscheinung oder Charakter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Entstehungskontext der Arbeit als Seminarbeitrag und benennt die verwendete Literatur sowie die methodische Herangehensweise.
2. Die Standardversion der Prototypentheorie und ihre Grenzen: Dieses Kapitel definiert die klassische Prototypentheorie als psycholinguistischen Ansatz und arbeitet deren Grenzen bei der Abgrenzung von Kategorien und der Beschreibung komplexer Strukturen heraus.
3. Die erweiterte Version: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die Entstehung der erweiterten Theorie, führt Lakoffs kognitive Modelle sowie das Modell der Familienähnlichkeit ein und diskutiert kritisch deren Anwendbarkeit und theoretische Belastbarkeit.
Schlüsselwörter
Prototypentheorie, Familienähnlichkeit, Semantiktheorien, idealisierte kognitive Modelle, ICM, Polysemie, Kognitive Linguistik, Sprachwissenschaft, Kategoriebildung, Prototypizität, Lexikalische Semantik, Wissensrepräsentation, Wittgenstein, Merkmalssemantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den theoretischen Grundlagen der sogenannten „erweiterten Version“ der Prototypentheorie innerhalb der Linguistik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Übergang von der klassischen Standardversion der Prototypentheorie zu neueren Modellen, insbesondere unter Einbeziehung von Familienähnlichkeit und idealisierten kognitiven Modellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine überblicksartige Darstellung der erweiterten Theorie, um aufzuzeigen, wie diese versucht, die Grenzen der klassischen Kategorisierung und Polysemieprobleme zu überwinden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufbereitung vorhandener wissenschaftlicher Diskurse zu semantischen Modellen, ergänzt durch Fallbeispiele zur Veranschaulichung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Lakoffs Konzept der ICM, das Modell der Familienähnlichkeit nach Wittgenstein, Anwendungsbereiche in der Textsemantik sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Prototypentheorie, Familienähnlichkeit, Polysemie, kognitive Modelle (ICM) und semantische Kategoriebildung.
Wie definiert Lakoff den Zusammenhang zwischen Kategorien und Denken?
Lakoff geht davon aus, dass Menschen die Welt durch idealisierte kognitive Modelle (ICM) strukturieren und dass Denken durch analoges Kategorisieren auf Basis von Erfahrungen gesteuert wird.
Warum wird das Konzept der Familienähnlichkeit kritisiert?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Gefahr einer „totalen Beliebigkeit“, da ohne zentrale Kriterien unendliche Ketten von Begriffen gebildet werden können, die die Unschärfe der Grenzen eher vergrößern als lösen.
Welche Rolle spielt das „Vogel-Beispiel“ in der Arbeit?
Es illustriert die Multireferentialität: Ein Wort kann auf Basis der erweiterten Theorie auf verschiedene Kategorien verweisen (z.B. „Vogel“ als Tier, aber auch als „Flugzeug“ oder „seltsamer Mensch“), was die Polysemie verdeutlicht.
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- Susanne Staples (Autor), 2006, „Semantiktheorien“ - Die erweiterte Version der Prototypentheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86714