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Eine Gruppe palästinensischer Drogenhändler in Berlin

Innere soziale Ordnung und äußere Einflüsse

Title: Eine Gruppe palästinensischer Drogenhändler in Berlin

Seminar Paper , 2007 , 42 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Ulrike Heitmüller (Author)

Politics - Methods, Research
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Diese Hausarbeit handelt von einer Gruppe palästinensischer Drogenhändler, die in einem Berliner Park ihrer Tätigkeit nachgehen.
Ich wollte wissen, warum die Männer – Frauen sah ich nie - mit Drogen handeln und beschloss, eine Fallstudie über sie zu verfassen. Ich hatte die Hypothese, dass sie sich nicht in die Gesellschaft einfügen wollen: Drogenhandel als Protest.
Ich ging in den Park und stellte mich vor: eine Studentin und Journalistin, die eine Hausarbeit und Zeitungsartikel über ihre Zusammenarbeit schreiben möchte.
Wir sprachen viermal längere Zeit miteinander - zwischen sieben und 35 Minuten - und ich sah sie regelmäßig etwa ein- bis dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von etwa drei Monaten.
Es hat sich gezeigt, dass die Männer, mit denen ich gesprochen habe, noch mit 30 Jahren ziemlich planlos in den Tag hinein leben. Sie organisieren ihre kleine „Arbeit“, aber sie organisieren nicht ihr Leben. Im Gegenteil: Sie schimpfen auf George W. Bush, Deutschland und „die Juden“, und sie behaupten, dass sie gar nicht anders könnten als mit Drogen zu handeln. Das verrät Scham - damit schien die Protest-Hypothese erledigt.
Ich fragte mich: Warum leben sie so? Ist wirklich der Rest der Welt „Schuld“ an ihrem „Schicksal“? Wäre das eine tragfähige Hypothese? Schaffen sie es nicht, ihr Leben zu gestalten?
Ich beschloss, Governance anhand der äußeren Einflüsse (Kapitel 2) und der inneren sozialen Ordnung (Kapitel 3) ihrer Gruppe zu untersuchen. Als analytische Instrumente sollten mir vor allem Theorien der Entscheidungsprozesse und des Neuen Institutionalismus dienen: Wie wirken Individuum, Gruppe und Umgebung auf einander? Welche Möglichkeiten haben die palästinensischen Drogenhändler, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen - und sie dann auch durchzusetzen? Welche Institutionen fördern, welche behindern sie, welche können sie ihrerseits gestalten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Palästinensische Drogenhändler

2. Äußere Einflüsse - Die Erzählungen der Drogenhändler

2.1 Volkszugehörigkeit: Palästinenser - und „die Juden“

2.1.1 Geschichte, Herkunft und die Registrierung bei der UNRWA

2.1.2 Die Abgrenzung gegenüber „den Juden“

2.2 Aufenthaltsstatus und rechtliche Restriktionen

2.2.1 Palästinenser in Deutschland und Berlin

2.2.2 Verschiedene Arten des Aufenthaltsstatus

2.2.3 Palästinenser in Berlin ohne Aufenthaltserlaubnis

2.2.4 Warum dealen die Männer trotzdem? Entscheidungstheorie

2.2.5 Was wird hier gespielt?

2.3 Weitere äußere Einflüsse

2.3.1 Noch ein Spiel: Drogenhändler gegen Polizei

2.3.2 Die Deutschen

2.3.3 Die anderen Palästinenser in Berlin

2.3.4 Das kriminelle Milieu

3. Innere soziale Ordnung - Beobachtungen

3.1 Arbeitsaufteilung: Rollen und Jobs

3.1.1 Jobs im Drogenhandel

3.1.2 Palästinensische verglichen mit afrikanischen Dealergruppen

3.1.3 Mimetische Isomorphie - Legitimität oder Inkrementalismus?

3.2 Hierarchie mit vielen Brüchen

3.2.1 Rangordnung und gesellschaftliche Stellung

3.2.2 Veränderungen innerhalb der Gruppe

3.3 Zwei Standorte: Zwei Untergruppen - aber ohne scharfe Trennung

3.4 Netzwerk und Kultur

4. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Fallstudie untersucht die soziale Organisation und das Handeln einer Gruppe palästinensischer Drogenhändler in einem Berliner Park, um aufzuzeigen, wie äußere gesellschaftliche Einflüsse und interne Gruppenstrukturen ihre Lebens- und Entscheidungsprozesse prägen.

  • Governance und institutionelle Einflüsse auf palästinensische Migranten
  • Strukturen der internen sozialen Ordnung und Hierarchiebildung
  • Entscheidungstheoretische Analyse des Drogenhandels als "Okkasionalismus"
  • Vergleich zwischen palästinensischen und anderen Dealergruppen im urbanen Raum
  • Auswirkung von Rechtsstatus und Diskriminierung auf kriminelle Lebensläufe

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Warum dealen die Männer trotzdem? Entscheidungstheorie

Die Männer sind - dies ist das wahrscheinlichste Mosaik, das sich aus ihren Bemerkungen und Informationen aus anderen Quellen zusammenlegen lässt - als Jugendliche oder junge Erwachsene ohne ihre Herkunftsfamilie mit Hilfe von Schleusern illegal aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. Entweder haben ihre Familien zusammengelegt, oder sie haben es selber irgendwie geschafft, das Geld dafür zusammenzubekommen - in einem libanesischen Flüchtlingslager ist beides nicht einfach, ebenso wenig wie die Reise selbst. Die Männer sind also nicht schwach oder lebensuntüchtig. Sie tun aber, als bekämen sie in Deutschland kein Bein an den Boden.

Entweder ist ihr ganzes Gehabe eine Lüge - sie dealen also nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Etwa, weil sie damit so viel Geld verdienen, dass die Summe von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (davon können auch Geduldete profitieren) und Umsatz aus dem Drogenhandel höher ist als der Verdienst aus einem legalen Job - den sie mit Aufenthaltserlaubnis ja auch erst einmal suchen müssten. Für diese These spricht der Chic mancher Jüngerer. Dagegen sprechen die nicht behandelten Zähne, geflickte Hosen - und wer mag schon sein Leben im Wohnheim verbringen? Außerdem halte ich die Verdienstchancen beim Verkauf von Cannabisprodukten an Endverbraucher für eher gering.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Palästinensische Drogenhändler: Die Autorin begründet ihr Forschungsinteresse an einer spezifischen Gruppe von Dealern und stellt ihre Hypothesen sowie die methodische Vorgehensweise ihrer Feldforschung vor.

2. Äußere Einflüsse - Die Erzählungen der Drogenhändler: Dieses Kapitel analysiert, wie historische Herkunft, prekärer Aufenthaltsstatus und die Konfrontation mit deutschen Institutionen sowie der Polizei die Situation der Händler determinieren.

3. Innere soziale Ordnung - Beobachtungen: Hier werden die Binnenstrukturen der Gruppe, wie Arbeitsteilung, Hierarchien und die informelle Netzwerkdynamik innerhalb des Parks, detailliert untersucht.

4. Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und die Isolation der Gruppe als Ergebnis eines komplexen Wechselspiels zwischen staatlicher Governance und individueller Handlungsunfähigkeit interpretiert.

Schlüsselwörter

Palästinenser, Drogenhandel, Berlin, Governance, Aufenthaltsstatus, Entscheidungstheorie, Inkrementalismus, Soziale Ordnung, Netzwerk, Milieu, Migration, Libanon, Ethnographie, Kriminalität, Subkultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhalten und die soziale Struktur einer kleinen, isolierten Gruppe palästinensischer Drogenhändler in einem Berliner Park und deren Interaktion mit staatlichen Institutionen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die soziologische Analyse von Migrationsbiografien, die Auswirkung rechtlicher Rahmenbedingungen wie des Aufenthaltsgesetzes und die Dynamik krimineller Netzwerke.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu verstehen, warum diese Männer trotz der Möglichkeiten durch deutsche Integrationsangebote am Drogenhandel festhalten und welche Governance-Strukturen ihre Entscheidungen beeinflussen.

Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer empirischen Fallstudie, die qualitative Beobachtungen im Park sowie Experteninterviews (Polizei, Migrationsberatung) nutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung äußerer Einflüsse (Rechtsstatus, Polizei, Gesellschaft) und der inneren sozialen Ordnung (Rollenverteilung, Hierarchien, Gruppenidentität).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Palästinenser, Governance, Entscheidungstheorie, Inkrementalismus, soziale Ordnung und Netzwerk charakterisiert.

Welche Rolle spielt der Begriff "Okkasionalismus" für die Dealer?

Der Begriff beschreibt den Modus der Improvisation und des planlosen Abwartens, in dem die Männer sich befinden, da sie keine langfristigen Lebensperspektiven entwickeln können.

Wie bewertet die Autorin die Wirkung des Berliner Erlasses E.Lib.3?

Die Autorin stellt fest, dass der Erlass zwar einigen Palästinensern geholfen hat, die Drogenhändler im Park jedoch weiter isoliert und in ihrer prekären Lage zementiert hat.

Warum gibt es laut der Autorin kaum "Frauen" in der Drogenszene?

Die Autorin führt dies auf die spezifische Herkunftskultur und die soziologische Isolation der alleinstehenden Männer um die 30 Jahre zurück, die kaum familiäre Anbindungen in Deutschland besitzen.

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Details

Title
Eine Gruppe palästinensischer Drogenhändler in Berlin
Subtitle
Innere soziale Ordnung und äußere Einflüsse
College
University of Hagen  (LG Soziologie II / Handeln und Strukturen)
Course
Modul
Grade
1,7
Author
Ulrike Heitmüller (Author)
Publication Year
2007
Pages
42
Catalog Number
V86813
ISBN (eBook)
9783638897594
ISBN (Book)
9783638897624
Language
German
Tags
Eine Gruppe Drogenhändler Berlin Modul
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Heitmüller (Author), 2007, Eine Gruppe palästinensischer Drogenhändler in Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86813
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