Die Mafia GmbH & Co KG

Der Mythos vom Drogenunternehmen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Legale Markt
2.1 Der Markt
2.2 Der rationale Akteur
2.3 Eingeschränkte Rationalität und Transaktionskosten
2.4 Institutionen
2.5 Zusammenfassung

3. Der illegale Markt
3.1 Der kleine Unterschied
3.2 Handeln ohne den Staat
3.3 Handeln gegen den Staat
3.4 Transaktionskosten auf dem illegalen Markt

4. Der Drogenmarkt
4.1 Drogen als illegales Gut
4.2 Organisationsformen auf dem Drogenmarkt

5 Die Mafia
5.1 Der Begriff der Mafia
5.2 Die Ursprünge der Mafia
5.3 Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Mafia
5.4 Das Ende des Mythos

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Drogen sind ein Teil unserer Gesellschaft. Egal, ob frei erhältliche Drogen wie Tabak und Alkohol, „weiche“ Drogen wie Haschisch und Marihuana oder „harte“ Drogen wie Heroin, Kokain oder LSD, die Palette ist breit gefächert. Die meisten Drogen besitzen doch wenigstens einige positive Eigenschaften wie betäubende bzw. schmerzstillende, leistungssteigernde oder stimmungshebende Wirkung. Der Drogenmissbrauch beginnt dort, wo die Drogen nur des Rausches, des „High - Seins“ wegen konsumiert werden. Die menschliche Gier nach immer mehr führt bei jeder Droge früher oder später zur Abhängigkeit, und letztendlich leider viel zu oft zum Tod.

Daher sind die meisten Drogen weltweit illegal. Fast alle Staaten der Welt verbieten den Handel mit und den Konsum von Drogen. Dennoch findet beides statt. Das Verbot von Drogen hat einen illegalen Markt geschaffen. Drogen gehören zur Unterwelt, der Welt des Verbrechens.

Die meisten Drogen wirken auf pflanzlicher Basis. Von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zum Konsum werden die Drogen oft über die halbe Welt transportiert. Das Drogengeschäft muss daher organisiert sein; ein klassisches Beispiel von organisierter Kriminalität.

In diesem Zusammenhang ist häufig von der Drogenmafia die Rede. Die Mafia ist dabei ein Synonym für eine geheimnisvolle, verschworene weltweit operierende Verbrecherorganisation, die buchstäblich überall ihre Finger im Spiel hat. Medien, Justiz- und Ermittlungsbehörden zeichnen dabei häufig das Bild eines Unternehmens, eines regelrechten Konzerns: Die Mafia- Drogen- GmbH & KO KG als Global Player des internationalen Drogenmarktes, um es mal überspitzt darzustellen.

Wie realistisch ist dieses Bild von der Mafia als Drogenunternehmen? Um dieser Frage nachzugehen ist es notwendig, den Drogenmarkt zu verstehen. Dies setzt wiederum die Kenntnis der fundamentalen Marktprinzipien voraus. Daher werde ich zunächst die Grundprinzipien, die auf dem legalen Markt herrschen, aus Sicht der Institutionen Ökonomie aufzeigen. Von dieser Basis aus ist es einfach, den illegalen Markt im Allgemeinen und anschließend den Drogenmarkt im Speziellen mit den Besonderheiten, die den Unterschied zum legalen Markt ausmachen, zu beschreiben.

Zuletzt wird es darum gehen herauszufinden, was denn die Mafia wirklich ist, wo ihre Wurzeln liegen und wie sie agiert.

Als Ergebnis soll nachgewiesen werden, dass die Mafia ein durchaus effizientes Organisationsmodell besitzt, das aber weit davon entfernt ist, ein Unternehmen zu sein.

2. Der Legale Markt

2.1 Der Markt

Die Grundlage allen wirtschaftlichen Handelns ist zu aller erst einmal die Arbeitsteilung. Wenn ein einzelner Mensch nicht mehr alles, was er zum Leben benötigt, selbst produziert, weil er sich auf das konzentriert, was er am besten kann, so muss er die restlichen Güter von anderen Spezialisten beziehen. Die arbeitsteiligen Spezialisten treffen sich, um ihre Waren und Dienstleistungen zu tauschen. Es entsteht ein Markt, an dem wirtschaftliches Handeln in Form von Tauschgeschäften betrieben wird. Um Güter zu erhalten, muss man eigene Güter oder auch Geld anbieten.

Zur Herstellung eines Gutes sind zunächst Kosten auf zuwenden: Zeit, Rohstoffe, Arbeitskraft usw. Das Tauschobjekt sollte daher einen vergleichbaren Wert aufweisen, um die Kosten zu decken. Tatsächlich wird der Preis einer Ware von zwei weiteren Faktoren bestimmt: Angebot und Nachfrage. Hohes Angebot und niedrige Nachfrage führen zu niedrigen Preisen. Umgekehrt werden die Preise steigen, wenn das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt.

2.2 Der rationale Akteur

Mit dem Prinzip von Angebot und Nachfrage und des Gütertausches ist gewissermaßen die Bühne für das wirtschaftliche Handeln vorgestellt. Nun ist es daran, den Akteur auf dieser Bühne zu betrachten. Dieser soll zunächst einmal der Einfachheit halber ein „reinrassiger“ Homo Oeconomicus sein. Reinrassig deshalb, weil zunächst einmal von seiner vollständigen Rationalität ausgegangen werden soll. Der rationale Akteur ist ein Nutzenmaximierer. Es geht ihm nicht allein darum, wie oben beschrieben seine Produktionskosten wieder einzufahren. Er möchte Profit machen, d.h. größter möglicher Nutzen bei gleichzeitig geringsten möglichen Kosten. Die Kosten/Nutzen Kalkulation verläuft rational, d.h. objektiv, frei von Gefühlen. Darüber hinaus Handelt der Homo Oeconomicus opportunistisch. Er wird alles tun, was ihn seinem Ziel näher bringt.

Um nun zu verstehen, welche Rolle die Institutionen in diesem Drama spielen, muss man sich zunächst zwei Probleme vor Augen führen. Man stelle sich vor, zwei prähistorische Menschen treffen sich in der Wildnis, um zu handeln. Im Idealfall würden beide ihre Waren tauschen und wieder abziehen. Nun könnte aber Händler A zu der Erkenntnis gelangen, dass es weitaus profitabler sei, B zu überwältigen und dessen Waren mitzunehmen. Da er danach seine Waren und die von B besitzt, ist diese Variante diejenige mit dem größten Nutzen. Umgekehrt kann natürlich auch B zuschlagen, wenn A Tauschen will. Schließlich könnten A und B auf die Idee kommen, sich gegenseitig zu bekämpfen, wovon dann natürlich keiner profitiert. Diese Variante eines Gefangenendilemmas zeigt die Möglichkeit einer freien Marktwirtschaft auf drastische Weise: Fressen oder gefressen werden. Dazu später mehr.

2.3 Eingeschränkte Rationalität und Transaktionskosten

Das zweite Problem betrifft die Rationalität als solche. Voraussetzung für Rationalität ist Informiertheit. Vollständige Rationalität verlangt folgerichtig nach vollständiger Informiertheit. Vollständige Informiertheit bedeutet, dass der Akteur alle Handlungsoptionen kennt und alle Folgen seines Handelns abwägt. Dies versetzt ihn in die Lage, die optimale Handlungsstrategie zu wählen, die ihm den größten Nettonutzen verspricht. Nun sind aber die kognitiven Fähigkeiten des Menschen begrenzt. Das bedeutet, dass der Mensch nicht in der Lage ist, alle Informationen, die er erhält, auch zu verarbeiten. Er wäre schlicht überfordert und ein Großteil der Information ging unweigerlich verloren. Doch selbst wenn der Mensch über die nötige „brainpower“ verfügte, würde die vollständige Informiertheit an an den Transaktionskosten scheitern. Diese können als die „Kosten der Marktnutzung“[1] verstanden werden. Darunter fallen nicht nur Informationskosten, sondern z. B. auch Vertrags- oder Transportkosten. Das Hauptinteresse soll aber den Informationskosten gelten. Informationen sind in der Regel nicht kostenlos erhältlich. Selbst wenn man kein Geld bezahlen muss, um Informationen zu erhalten, so muss man doch mindestens Zeit investieren, um die Information zu besorgen, aufzunehmen und zu verarbeiten. Diese Zeit fehlt unter Umständen für produktive Tätigkeiten.

Wenn die Grenzkosten der Informationsbeschaffung deren Grenznutzen überschreiten, dann ist es nicht mehr profitabel nach Informationen zu streben. Man begnügt sich mit den Informationen, die man hat. Kognitive Limitierung und Transaktionskosten führen dazu, dass der Akteur nur begrenzt informiert ist. Begrenzte Informiertheit lässt allerdings auch nur begrenzte Rationalität zu. Daher wird im Folgenden davon ausgegangen, dass der Homo Oeconomicus nur begrenzt rational handeln kann[2]. Kann ein Akteur nur begrenzt rational handeln, so bedeutet dies, dass er zur Entscheidungsfindung nicht alle Handlungsoptionen heranziehen kann. Es entsteht Unsicherheit. Je weniger Informationen zur Verfügung stehen, desto mehr Unsicherheit entsteht. Auch im oben erwähnten Gefangenendilemma entsteht Unsicherheit, nämlich in der Form, dass die Akteure nicht wissen, ob der jeweils andere auf Tausch oder auf Plündern aus ist.

Wird die Unsicherheit zu groß, sind die Gewinne und Risiken des Handelns unberechenbar. Der Akteur entscheidet sich dann seine Handlung einzustellen, bzw. gar nicht erst auszuführen. Ohne wirtschaftliches Handeln entsteht kein Markt. Eine vollkommen freie Marktwirtschaft scheitert also letzten Endes an der Unsicherheit.

2.4 Institutionen

Welche Rolle spielen nun die Institutionen in diesem Zusammenhang? Dazu zunächst ein paar Gedanken über den Begriff der Institutionen. North nennt Institutionen: „die vom Menschen erdachten Beschränkungen menschlichen Interaktion. Dementsprechend gestalten sie die Anreize menschlichen Tausches, sei dieser politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlichen Natur.[3]

[...]


[1] Coase, R. [1937], zit. n.: Voigt, S. [2002]: S. 30.

[2] Vgl.: Voigt, S. [2002]: S. 28f.

[3] North, D. C. [1992]: S. 3.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Mafia GmbH & Co KG
Untertitel
Der Mythos vom Drogenunternehmen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Die Mafia – Netzwerk und Organisation
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V86829
ISBN (eBook)
9783638027366
ISBN (Buch)
9783638927550
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde im Januar 2008 überarbeitet.
Schlagworte
Mafia, GmbH, Netzwerk, Organisation
Arbeit zitieren
Tobias Gräf (Autor), 2005, Die Mafia GmbH & Co KG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86829

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