Begriffe wie Mittelalter, Neue Zeitgeschichte sind erst im 18 JH. entstanden. Sie sind eng mit der Philosophischen Idee des Fortschritts verbunden. Neben einer Ideengeschichte wird auch dargestellt, was so neu an der aufklaehrerischen Idee des Fortschritts war, das daraus ein neues Bild von Geschichte, von Zeit, Zukunft und Vergangenheit entstand, letztlich auch die Idee einer Epoche, die man Mittelalter nannte. Die Arbeit hinterfragt die Theorien und Untersuchungen zu dem Thema (hier besonders Koselleck) und fragt auch nach der modernen Idee des Fortschritts (und ihrer Haltbarkeit im Angesicht der Postmoderne).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fortschritt
1.1 Antike
1.2 Mittelalter und religiöser Bereich der Neuzeit
1.3 Renaissance
1.4 Aufklärung
Die Erfahrung der "neuen Zeit"
Der neue Begriff der "Geschichte"
Die "Erfindung des Mittelalters"
Resümee
Kritische Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entstehung und Begriffsbildung von "Fortschritt" und "Mittelalter" bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, um zu ergründen, wie diese Kategorien das moderne Geschichtsverständnis maßgeblich geprägt haben.
- Historische Entwicklung des Fortschrittsbegriffs von der Antike bis zur Aufklärung.
- Die Entstehung der Vorstellung einer "neuen Zeit" und die damit verbundene Beschleunigungserfahrung.
- Der Wandel des Geschichtsbegriffs hin zum Kollektivsingular als Voraussetzung für die "Erfindung des Mittelalters".
- Kritische Reflexion der "Erfindung des Mittelalters" als Spiegelbild der Moderne.
Auszug aus dem Buch
1. Fortschritt
Fortschritt ist eine Relationsbestimmung. Wie bei anderen Begriffen der Geschichte, veranschaulicht eine räumliche Metaphorik den sonst schwer vorstellbaren Ablauf von Zeit und Geschichte. Während im physisch- räumlichen das hier und da durch das "Schreiten" mit einander in Verbindung gebracht wird, verdeutlicht es in der zeitlichen Interpretation die Beziehung zwischen: früher, jetzt und dann. Als allgemeine Relationskategorie ist "Fortschritt" so neutral wie elastisch, um alle geschichtlichen Bewegungen benennen zu können, die sich zeitlich vollziehen.
Seit der frühsten Vergangenheit sind historische Ereignisse und Erfahrungen mit Hilfe von geeigneter Terminologie miteinander in Beziehung gesetzt worden. Es mag unter diesem Gesichtspunkt überraschen das der heute so geläufige Ausdruck "Fortschritt" erst im späten 18. Jahrhundert geprägt wurde. Die älteren Verlaufs- und Relationsbestimmungen haben sich eher auf eine Vielfalt historischer Bewegungen oder Veränderungen bezogen. Erst in der Aufklärung wurden sie zu einem gemeinsamen Begriff, dem der Geschichte selber, gebündelt. Wir haben bereits einen wesentlichen Schritt zu unserem Untersuchungsergebnis getan, wenn wir mit Koselleck konstatieren, daß die Begriffe "Fortschritt" und "Geschichte" damals gleichzeitig als neue Kollektivsingulare auftauchten. Zunächst einmal soll die Begriffsbildung des "Fortschritts" untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die vielschichtigen Assoziationen des Mittelalterbegriffs und führt in die Fragestellung ein, wie die Begriffe "Fortschritt" und "neue Zeit" zu einer Neuordnung des historischen Bewusstseins im 18. Jahrhundert beitrugen.
Fortschritt: Dieses Kapitel analysiert die begriffsgeschichtliche Entwicklung von "Fortschritt" von der antiken Relationsbestimmung hin zum geschichtsphilosophischen Kollektivsingular der Aufklärung.
Die Erfahrung der "neuen Zeit": Hier wird erläutert, wie sich durch den Wandel von Zeitwahrnehmung und Erfahrungsrhythmen eine offene Zukunft konstituierte, die eine planbare, lineare Geschichtsbetrachtung erst ermöglichte.
Der neue Begriff der "Geschichte": Dieses Kapitel beschreibt den Übergang von einer Vielzahl einzelner Geschichten hin zu einem übergreifenden Kollektivsingular der Geschichte als zentrale Kategorie der Moderne.
Die "Erfindung des Mittelalters": Der Autor untersucht, wie die Abgrenzung zum "dunklen" Mittelalter als notwendiger Kontrastbegriff dazu diente, das moderne, fortschrittsorientierte Selbstverständnis zu etablieren.
Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die historische Epocheneinteilung ein Ergebnis dieser neuzeitlichen Begriffsprägung ist und das Mittelalter stets als Spiegelbild der Moderne fungiert.
Kritische Schlußbemerkung: Der Autor hinterfragt abschließend den Fortschrittsglauben selbst und diskutiert, inwiefern dieser in der Postmoderne als ein zeitgebundener Mythos dekonstruiert wird.
Schlüsselwörter
Fortschritt, Mittelalter, Aufklärung, Geschichtsphilosophie, neue Zeit, Kollektivsingular, Zeitwahrnehmung, Geschichtsbewusstsein, Moderne, Epochenschwelle, Sinnstiftung, Kontrastbegriff, historische Zeit, Transformation, Säkularisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Begriffe "Fortschritt" und "Mittelalter" historisch herausgebildet haben und wie sie im 18. Jahrhundert das Fundament unseres heutigen Geschichtsverständnisses legten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Analyse der Begriffsgeschichte von Fortschritt, die Wahrnehmung der "neuen Zeit", die Verzeitlichung der Geschichte und die Konstruktion des Mittelalters als Gegenbild zur Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den ideengeschichtlichen Zusammenhang zwischen der Aufklärung, der Entstehung des modernen Fortschrittsbegriffs und der damit verbundenen Epocheneinteilung (Mittelalter vs. Neuzeit) kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich vorwiegend auf eine begriffsgeschichtliche Analyse im Sinne von Reinhart Koselleck, um die semantischen Verschiebungen und die Entstehung von Kollektivsingularen zu deuten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die antiken Wurzeln, der Einfluss des Christentums, die Einflüsse der Renaissance und die entscheidenden Transformationen des Fortschritts- und Geschichtsbegriffs während der Aufklärung detailliert aufgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Fortschritt, Mittelalter, Aufklärung, Geschichtsphilosophie, Kollektivsingular, Zeitwahrnehmung und Epochenschwelle.
Warum lehnt der Autor die Bezeichnung "Erfindung des Mittelalters" teilweise ab?
Der Autor empfindet den Begriff "Erfindung" als zu plötzlich und weist darauf hin, dass die Begriffsbildung eine lange Ausformungsgeschichte hatte, weshalb er "Geburt des Mittelalters" als treffender erachtet.
Inwiefern beeinflusste die Zeitwahrnehmung die Epocheneinteilung?
Durch die Öffnung der Zukunft in der Aufklärung wurde Geschichte erstmals als linearer Prozess begriffen, was die Einordnung vergangener Epochen in ein Fortschrittsraster und damit die scharfe Abgrenzung eines "Mittelalters" überhaupt erst möglich machte.
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- Götz Kolle (Author), 2002, Die Geburt des Mittelalters aus der Idee des Fortschritts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8685