Einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn zufolge, stehen in Deutschland aktuell mehr als 70.000 übergabereife Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 50.000 Euro mit insgesamt annähernd 700.000 Mitarbeitern vor der Frage einer Unternehmensnachfolge.1 Auf diesen Umstand wies ebenfalls Peemöller hin und nennt hier ca. 76.000 Unternehmen mit annähernd 1 Million Arbeitnehmern.2
Betroffen hiervon sind in der überwiegenden Mehrzahl kleine und mittlere Unternehmen.
Das IfM Bonn geht ferner davon aus, dass aufgrund der ungelösten Nachfolgefrage die jährlichen Betriebsschließungen signifikant steigen werden und Unternehmen aufgrund der Nachfolge deutlich verstärkt veräußert werden, statt diese familienintern zu übergeben.3 In Anbetracht der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Entwicklung dieser Gruppe, nicht nur für Wirtschaft, sondern auch für Politik, gewinnt die Ermittlung eines angemessenen Unternehmenswertes als Entscheidungsgrundlage in einem Verhandlungsprozess zunehmend an Relevanz.
Die in der Bewertungsliteratur üblichen Bewertungsverfahren konzentrieren sich auf große, börsennotierte Unternehmen und vernachlässigen die bei der Bewertung aufgrund der Besonderheiten von Klein- und Mittelbetrieben erforderlichen spezifischen Behandlungsweisen.4 Im Widerspruch dazu wird in der Praxis auf sehr vereinfachende Verfahren zur Preisfindung für Unternehmen mit Abstand am häufigsten zurückgegriffen. 5 Im Hinblick auf die quantitativ herausgehobene Stellung von KMU in der Unternehmensstruktur Deutschlands, erscheint es nicht nachvollziehbar, dass diese Problematik in der betriebswirtschaftlichen Literatur bisher weitestgehend vernachlässigt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Kennzeichen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
2.1 Quantitative Abgrenzung von KMU
2.2 Qualitative Abgrenzung von KMU
2.3 Arbeitsdefinition KMU
2.4 Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von KMU
3. Grundlagen der Unternehmensbewertung
3.1 Wert und Preis eines Unternehmens
3.2 Objektive Werttheorie
3.3 Subjektive Werttheorie
3.4 Funktionale Werttheorien
3.4.1 Hauptfunktionen und ihre Wertarten
3.4.1.1 Beratungsfunktion
3.4.1.2 Vermittlungsfunktion
3.4.1.3 Argumentationsfunktion
3.4.2 Nebenfunktionen und ihre Wertarten
3.4.3 Funktionslehre des IDW
3.5 Bewertungsanlässe
3.5.1 Dominierte Bewertungsanlässe
3.5.2 Nicht dominierte Bewertungsanlässe
3.6 Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensbewertung
3.7 Prozess der Unternehmensbewertung
3.7.1 Informationsbeschaffung
3.7.2 Vergangenheitsanalyse
3.7.3 Analyse des wettbewerblichen Umfelds
3.7.4 Prognose der Zukunftswerte
3.7.5 Plausibilitätsbeurteilung
3.7.6 Bewertungsgutachten
3.7.7 Abgrenzung zu Due Diligence
4. Kapitalisierung der künftigen finanziellen Überschüsse
4.1 Gesamtbewertungsverfahren
4.1.1 Ertragswert- und DCF Verfahren
4.1.2 Market Approach (Vergleichsverfahren)
4.1.2.1 Comparative-Company-Approach
4.1.2.2 Market Multiples
4.2 Einzelbewertungsverfahren
4.2.1 Substanzwertverfahren auf Basis von Rekonstruktions-werten
4.2.2 Substanzwertverfahren auf Basis von Liquidationswerten
4.3 Mischverfahren
4.4 Bewertungszwecke und Bewertungsverfahren
4.5 Die Wahl des Bewertungsverfahrens in der Praxis
4.6 Ertragswertverfahren
4.6.1 Abgrenzung der Erfolgsgrößen
4.6.2 Ermittlung der Erfolgsgrößen
4.6.3 Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes
4.6.3.1 Basiszinssatz
4.6.3.2 Berücksichtigung des Risikos
4.6.3.3 Berücksichtigung der Ertragssteuern
4.6.3.4 Berücksichtigung von Inflation und Wachstum
4.6.3.5 Anwendungsbeispiel der Ertragswertsmethode
4.6.3.6 Kapitalisierungszinssatz bei subjektiver Unternehmensbewertung
4.7 DCF-Verfahren
4.7.1 Unterscheidung der DCF-Ansätze
4.7.1.1 Entity-Ansätze
4.7.1.1.1 Weighted Average Cost of Capital-Ansatz (WACC-Ansatz)
4.7.1.1.2 Adjusted Present Value-Ansatz (APV-Ansatz)
4.7.1.2 Equity-Ansatz
4.7.2 Bestimmung der bewertungsrelevanten Cash-Flows
4.7.3 Ermittlung der Kapitalkosten
4.7.3.1 Ermittlung der Fremdkapitalkosten
4.7.3.2 Ermittlung der Eigenkapitalkosten
4.7.3.2.1 Basiszinssatz
4.7.3.2.2 Berücksichtigung des Risikos
4.7.3.2.2.1 Betafaktor
4.7.3.2.2.2 Marktrisikoprämie
4.7.4 Berücksichtigung von Inflation und Wachstum
4.7.5 Berücksichtigung von Steuern
4.7.6 Ewige Rente
4.8 Gegenüberstellung Ertragswert- und DCF-Verfahren
4.8.1 Anwendbarkeit verschiedener Bewertungsverfahren
5. Fallbeispiel
5.1 Unternehmensanalyse
5.2 Planung und Prognose der Cash-Flows
5.3 Bestimmung der Diskontierungsfaktoren
5.4 DCF-Bewertung
5.5 Betrachtung der Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit hat zum Ziel, ein valides Instrumentarium für die Bewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu entwickeln. Im Fokus steht dabei die Anwendung und kritische Analyse zukunftsorientierter Gesamtbewertungsverfahren wie der Ertragswert- und der DCF-Methode unter Berücksichtigung der spezifischen Besonderheiten von KMU.
- Charakterisierung und Abgrenzung von KMU
- Grundlagen und Prozess der Unternehmensbewertung
- Vergleich von Ertragswert- und DCF-Verfahren
- Berücksichtigung von Steuern und Risiken in der KMU-Bewertung
- Praktisches Fallbeispiel zur Anwendung der DCF-Methode
Auszug aus dem Buch
3.1 Wert und Preis eines Unternehmens
Die grundsätzliche Aufgabe der Unternehmensbewertung besteht in der Ermittlung des Wertes von Unternehmen. Dabei muss im Wesentlichen zwischen dem Wertbegriff im philosophischen Sinn in Abgrenzung zu einer Wertdefinition im ökonomischen Kontext unterschieden werden. Unter dem betriebswirtschaftlichen Wert eines Unternehmens, Produktes, Dienstleistung oder Information versteht man den Nutzen, den ein Wirtschaftssubjekt einem Gut beimisst. Die Festlegung eines Wertes unterliegt stets einer subjektiven Schätzung, da Individuen Gütern eine unterschiedliche, zeitlich zudem nicht konstante Bedeutung beimessen.
Ein Unternehmen stellt eine Gesamtheit von Gütern und Rechten dar. Der Nutzen besteht dabei in den finanziellen Überschüssen, die dieses Unternehmen erwirtschaftet und an die Anteilseigner ausschüttet und von diesen für die Befriedigung privater Konsumbedürfnisse eingesetzt werden kann. Jedoch kann auch ein Unternehmen für ein Wirtschaftssubjekt einen Nutzen haben, der nicht allein bzw. zusätzlich, durch monetäre Faktoren geprägt ist (z.B. Fortführung eines Familienbetriebes aus Tradition, Unterhaltung eines Unternehmens aus Image- oder Zulieferungsgründen).
Neben der Betrachtung des Wertes eines Unternehmens, ist der Begriff des Preises abzugrenzen. Der Preis ist ein Synonym für einen bestimmten, in Geldeinheiten bezifferten Tauschwert für Güter, der sich in Verhandlungen bzw. auf Märkten durch Angebot und Nachfrage ergibt. Für ein Unternehmen gibt es keinen Marktpreis im herkömmlichen Sinne. Vielmehr steht ein Preis am Ende eines Verhandlungsprozesses zwischen den verschiedenen Wirtschaftssubjekten, deren Handeln durch ökonomische, jedoch auch durch taktische und psychologische Faktoren bestimmt wird.
Wert und Preis eines Gutes stellen somit unterschiedliche Größen dar, eine Interaktion zwischen beiden soll durch den folgenden Vergleich dargestellt werden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Relevanz der Unternehmensnachfolge bei KMU und stellt das Ziel sowie den Aufbau der vorliegenden Arbeit vor.
2. Kennzeichen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): In diesem Kapitel werden quantitative und qualitative Merkmale definiert, die eine Abgrenzung von KMU gegenüber Großunternehmen ermöglichen.
3. Grundlagen der Unternehmensbewertung: Hier werden theoretische Grundlagen wie die Werttheorien, Bewertungsanlässe und der Ablauf des Bewertungsprozesses erläutert.
4. Kapitalisierung der künftigen finanziellen Überschüsse: Dieses Kapitel widmet sich den verschiedenen Bewertungsverfahren, insbesondere dem Ertragswert- und dem DCF-Verfahren sowie deren spezifischer Anwendung.
5. Fallbeispiel: Das Fallbeispiel demonstriert anhand einer exemplarischen Analyse die praktische Anwendung der DCF-Methode auf ein mittelständisches Unternehmen.
6. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Eignung der untersuchten Methoden für KMU.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, DCF-Methode, WACC-Ansatz, Unternehmensnachfolge, Finanzielle Überschüsse, Kapitalisierungszinssatz, Bewertungsanlässe, Due Diligence, Unternehmenswert, Entscheidungswert, Betawert, Tax Shield.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der methodischen Unternehmensbewertung unter besonderer Berücksichtigung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Kontext von Nachfolge- oder Verkaufssituationen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Definition von KMU, die theoretischen Grundlagen der Werttheorien, verschiedene Bewertungsverfahren (Ertragswert, DCF) sowie deren praktische Anwendung in einem Fallbeispiel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Instrumentarium zur Unternehmensbewertung aufzuzeigen und die Anwendbarkeit gängiger Methoden wie Ertragswert- und DCF-Verfahren spezifisch auf KMU zu prüfen und anzupassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse der gängigen Bewertungstheorien und einer darauf aufbauenden anwendungsorientierten Prüfung in einem Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Bewertungsanlässe, Verfahrensarten, die Prognose von Zukunftswerten sowie die Ermittlung von Kapitalkosten und Betafaktoren für nicht börsennotierte Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, DCF-Methode und Entscheidungswert.
Warum spielt die Person des Unternehmers bei KMU eine so große Rolle für die Bewertung?
Aufgrund der oft engen Verflechtung von privatem und geschäftlichem Bereich sowie der zentralen Rolle der Eigentümer-Unternehmer-Persönlichkeit hat deren Ausscheiden oder Verbleib einen massiven Einfluss auf die zukünftigen Erträge.
Wie geht die Arbeit mit der Problematik um, dass KMU meist nicht börsennotiert sind?
Die Arbeit schlägt vor, Betawerte aus einer Peer Group vergleichbarer Unternehmen abzuleiten oder Branchenbetas zu verwenden, wobei spezifische Anpassungen wie Aufschläge für fehlende Fungibilität vorgenommen werden müssen.
Warum wird im Fallbeispiel ein Illiquiditätsabschlag vorgenommen?
Da nicht börsennotierte Anteile an KMU nur eingeschränkt handelbar sind und ein Verkaufsprozess zeit- und kostenintensiv ist, wird zur realistischen Wertermittlung ein Abschlag von 30% auf das Ergebnis vorgenommen.
- Quote paper
- Christian Hillmann (Author), 2007, Unternehmensbewertung bei kleinen und mittleren Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87001