Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins


Seminararbeit, 2003

23 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Das Ziel meiner Hausarbeit

Hauptteil
2. Die Fabel
2.1. Die Akteure der Fabel in der Aufklärung
3. Der Darwinismus
3.1. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin
4. Die Psychoanalyse
4.1. Der dynamische Ansatz (bis1897)
4.2. Der topographische Ansatz (1897-1920/23)
4.3. Der strukturalistische Ansatz (ab 1923)
4.3.1. Das Es
4.3.2. Das Ich
4.3.3. Das Über-Ich
4.3.4. Strukturelle Zusammenhänge
5. Menschen im Werk Albert Ehrensteins
5.1. Welches Bild vom Menschen wird vermittelt?
5.2. Gibt es ein bestimmtes Bild vom Menschen oder sind es verschiedene?
6. Tiere im Werk Albert Ehrensteins
6.1. Welches Bild vom Tier wird vermittelt?
6.2. Gibt es ein bestimmtes Bild vom Tier oder sind es verschiedene? Wofür steht das Tier?
7. Die Beziehung von Menschen und Tieren im Werk Albert Ehrensteins
7.1. Gibt es eine Analogie von Mensch und Tier?
7.2. Welche Beziehung besteht zwischen Mensch und Tier?

Schluss

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

1. Das Ziel meiner Hausarbeit

Das Ziel meiner Hausarbeit soll die Bearbeitung der Thematik „Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins“ sein. Diese Thematik werde ich exemplarisch an einigen Beispielen aus der Primärliteratur, die wir im Seminar besprochen haben (z.B. „Ansichten eines Exterritorialen“, „Selbstmord eines Katers“, „Tai Gin“, usw.) und Prosa von Albert Ehrenstein, die die Thematik behandeln, erläutern, wobei ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben möchte.

Aufgrund ihrer Komplexität werde ich die Thematik anhand einiger expliziter Fragestellungen genauer erarbeiten. Außerdem werde ich sie kritisch und systematisch, unter zu Hilfenahme von Sekundärliteratur und durch Zitate und Fußnoten, analysieren.

Beginnen möchte ich mit einem allgemeinen Vorspann zur Tiergeschichte, der die Thematik aufgreift, sich aber nicht direkt auf das Werk Albert Ehrensteins bezieht. Dieser Vorspann ist aber insofern relevant für meine Hausarbeit, da er Aspekte aufzeigt, die für die Bearbeitung der Thematik „Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins“ im Folgenden ausschlaggebend sind.

Anfangen möchte ich mit einer kurzen Darstellung zum Thema „Fabel“. Da ich im Laufe meiner Arbeit feststellen musste, dass ich leider nur kurz auf die Fabel eingehen kann, habe ich mich für das Thema „die Funktion der Akteure in der Fabel“ entschieden, da mir dieser Aspekt der Fabel wichtig für meine Arbeit erscheint. Alles Weitere würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Weiterhin werde ich im allgemeinen Vorspann „den Darwinismus“ und „die Psychoanalyse“ behandeln, da diese Themen auch im Folgenden relevant für die Bearbeitung der Themen sind, die sich auf das Werk Albert Ehrensteins beziehen. Erarbeiten möchte ich, inwiefern das Menschenbild durch diese Theorien verändert wird und zum Thema „der Psychoanalyse“ besonders die Bedeutung des „Es“ für meine Arbeit.

Daraufhin möchte ich dann auf die Analyse der Thematik „Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins“ eingehen. Wobei ich mit dem Thema „Menschen im Werk Albert Ehrensteins“ beginnen werde und das Thema „Tiere im Werk Albert Ehrensteins“ anschließen möchte.

Abschließend werde ich „Die Beziehung von Menschen und Tieren im Werk Albert Ehrensteins“ auch anhand einiger expliziter Fragestellungen erläutern.

Hauptteil

2. Die Fabel

2.1. Die Akteure der Fabel in der Aufklärung

Meistens sind die Akteure einer Fabel Tiere mit menschlichen Eigenschaften, aber auch die unbelebte Natur und die Menschen- und Götterwelt können Akteure in einer Fabel sein. Im Allgemeinen stehen sich in einer Fabel zwei Akteure gegenüber. Häufig sind es zwei einzelne Tiere, aber es kann auch eine Gruppe sein, die einem Akteur oder einer anderen Gruppe gegenübersteht. Diese Gegenüberstellung wird oft in einem Kontrast der beiden gegenübergestellten Akteure deutlich, der auch gleichzeitig zur Charakterisierung dient (z.B.: „der Wolf und das Lamm“).

Warum der Fabeldichter aber Tiere als Akteure bevorzugt, lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise begründen. Zum Beispiel wird das Moment des „Wunderbaren“ durch Tiere, die sprechen, deutlicher als wenn Menschen in einer Fabel auftreten. Dadurch wird das Interesse und die Aufmerksamkeit der Leser gesteigert. Lessing schränkte diese Theorie Breitingers dahingehend ein, dass das „Wunderbare“ durch sein häufiges Auftreten seine Wirkung verliere. D. h., dass der Leser mehrerer Fabeln das Auftreten von Tieren nicht mehr als „wunderbar“ empfände.

Lessing ist dagegen der Auffassung, dass der Fabeldichter Tiere in seinen Fabeln bevorzugt, da die Charakterzüge der Tiere allgemein bekannt sind, nicht erst näher beschrieben werden müssen und den Leser auch nicht durch zu starke emotionale Bindung an die Figuren am direkten erfassen der Moral hindern.

„Man hört Britannicus und Nero. Wie viele wissen, was sie hören? Wer war dieser? Wer jener? In welchem Verhältnisse stehen sie gegen einander? – Aber man hört: der Wolf und das Lamm; sogleich weis jeder, was er höret, und weis, wie sich das eine zu dem andern verhält. Diese Wörter, welche stracks ihre gewissen Bilder in uns erwecken, befördern die anschauende Erkenntniß, die durch jene Namen, bey welchen auch die, denen sie nicht unbekannt sind, gewiß nicht alle vollkommen eben dasselbe denken, verhindert wird. [...]“[1]

Ein Tier kann in einer Fabel aber für verschiedene Abbilder einer bestimmten menschlichen Eigenschaft oder Verhaltensweise stehen. So kann der Wolf zum einen der Starke oder Mächtige sein, der den Schwachen unterdrückt („Wolf und Lamm“) oder zum anderen der Törichte und Plumpe („Wolf und Fuchs“).

Vielfach wird die Vorliebe der Fabelerzähler für Tiere in ihren Fabeln aber auch auf das Animalische zurückgeführt. „Das Animalische ist keine Verkleidung , sondern Substanz. (...) Es gibt kein besseres Mittel, den Menschen aus seinem Größenwahn herunterzuholen, als dadurch, daß man ihn an seine Animalität erinnert.“[2]

Jeder Mensch hat animalische Züge in sich, was eine Identifizierung mit einem der Tierakteure in der Fabel erleichtert und dadurch auch ein besserer Zugang geschaffen wird, um die Intention der Fabel zu erkennen.

Aufgrund der Intention der Fabel, die herausstechen soll, werden z.B. Aussehensbeschreibungen der Tiere oder Hinweise auf Motive, nur wenn sie für die Aussage wichtig sind, in kürzester Form dargestellt. Ansonsten ist eine solche Darstellung für das Erfassen der „Moral“ unnötig.

Die Fabel möchte also, indem sie unterhält und auf Tiere zurückgreift, die menschliche Verhaltenszüge widerspiegeln, belehren, provozieren und eine Veränderung herbeiführen.

Diese Verwendung von Tieren in der Fabel ist auch in der Aufklärung üblich, allerdings findet häufig eine Verdrehung der ursprünglichen Handlung klassischer Fabeln statt (z.B.: „Der Rabe und der Fuchs“ von Lessing).

3. Der Darwinismus

Mit dem Begriff Darwinismus verbindet man immer eine doppelte Gestalt: Zum einen die wissenschaftliche Theorie von Charles Darwin und zum anderen eine Weltanschauungsbewegung in mannigfaltiger Gestalt (z.B.: Sozialdarwinismus). Obwohl Darwin immer seinen biologisch- wissenschaftlichen Theoriebezug betonte, konnte er nicht verhindern, dass von Anfang an die Diskussion über seine Theorie die rein biologische Grenze überschritt und weltanschauliche und interdisziplinäre Folgen auftraten. Dabei stützte sich die weltanschauliche Bewegung immer auf die wissenschaftliche Theorie des Darwinismus und legte sie zu ihren Gunsten aus. Darwins Selektionstheorie von der natürlichen Auslese wurde auf die Entwicklung von Gesellschaften übertragen und man ging davon aus, dass auch die menschliche Gesellschaft als Teil der Natur sich den Naturgesetzen unterwerfen muss. Die Menschen seien von Grund auf ungleich und im „Kampf ums Überleben“ würden sich nur die „Tüchtigsten“ durchsetzen. Daher komme es auch zur Bildung gesellschaftlicher Hierarchien. Der Sozialdarwinismus diente z.B. zeitweise als Rechtfertigungsideologie für jeweils bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten und für Theorien des Rassismus (wie z.B. Hitlers Rassenlehre, der sich auch direkt auf Darwin bezog).

3.1. Die Evolutionstheorie von Charles Darwin

Die Evolutionstheorie wurde von Charles Darwin mit der von ihm aufgestellten Selektionstheorie zur wissenschaftlichen Fundierung der Deszendenztheorie entwickelt. Nach der Deszendenztheorie vollzog sich in einem langen Zeitraum ein Artenwandel, bei dem Mutationen, Rekombinationen, die natürliche Auslese und die geographische Isolation einer Teilpopulation als ausschlaggebende Evolutionsfaktoren wirksam waren. Als eigentlicher Begründer der Deszendenztheorie gilt Jean Baptiste Lamarck (1744 – 1829). Dieser unternahm in seinem Werk „Philosophie Zoologique“ (1809) den ersten Versuch die Entstehung neuer Arten aus früheren Arten zu erklären. Diese Entstehung neuer Arten, also die heute auf der Erde existierenden Pflanzen- und Tierarten, einschließlich des Menschen, von Lebewesen aus früheren Arten nennt man „biologische Evolution“.

1859 beschrieb Darwin das erst Mal ausführlich seine Evolutionstheorie durch natürliche Selektion in seinem berühmten Werk „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for life“. Diese Theorie war bahnbrechend für die moderne Biologie. Er ging davon aus, dass die Entwicklung neuer Arten aus bestehenden „die natürliche Selektion“ als Hauptmechanismus aufweist bzw. natürliche Selektion plus das Vorhandensein von Variationen, aus denen selektiert werden kann.

Darwins Kenntnisse der Methode und Resultate als Tauben- und Pflanzenzüchter und seine fünfjährige Weltreise (1831 - 1836) als unbezahlter Naturwissenschaftler auf dem Forschungsschiff „Beagle“ waren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Evolutionstheorie. Darwin entdeckte bei seiner Taubenzucht, dass er, um Tauben mit einem dickeren Federkleid zu bekommen, jene Tauben für die weitere Fortpflanzung auswählen muss, die diese Eigenschaft schon so gut wie möglich erfüllen. Dieses vom Züchter gewünschte Ergebnis wird von ihm durch gezielte Selektion erreicht.

Darwin war nun der Auffassung, dass bei der biologischen Evolution ein ähnlicher Vorgang stattfinden müsste und da es keinen Züchter gab, der die Veränderung der Arten beeinflussen konnte, musste eine andere selektierende Instanz dafür verantwortlich sein. Diese nicht bewusst selektierende Instanz ist „die Natur“ bzw. die Umwelt und die Umweltveränderungen. Sie sorgt dafür, dass es nur demjenigen gelingt zu überleben und sich fortzupflanzen, der am besten an die Umwelt angepasst ist. Die Umwelt eines Individuums, also dessen physikalische Umgebung, aber auch Krankheitserreger, Feinde und Parasiten, sorgen für eine natürliche Selektion der Arten.

Diesen Hauptmechanismus der natürlichen Selektion und dass dieser der biologischen Evolution zu Grunde liegt, erschloss Darwin aus drei einfachen Beobachtungen[3]:

1.) In jeder Population gibt es verschiedene Genotypen (z.B.: unterschiedliche Größe, Gewicht, Ausdauer). Daher gleicht kein Individuum völlig dem anderen.
2.) Die Anzahl der Nachkommen ist bei jeder Population größer als notwendig.
3.) Die bestehende Population ist jedoch relativ konstant, da viele vor Erlangung der Geschlechtsreife zugrunde gehen.

Die Individuen, die besser an ihre jeweiligen herrschenden Bedingungen angepasst sind, haben eine höhere Fitness. Dabei werden Individuen mit hoher Fitness positiv selektiert und weisen auch eine höhere Rate überlebensfähiger Nachkommen auf, als solche mit niedriger Fitness.

Darwin erklärt mit seiner Evolutionstheorie durch natürliche Selektion die allmähliche Entstehung der Arten aus Vorläuferarten und weiterhin auch, die gute Anpassung der Lebewesen an ihre jeweilige Umgebung, ohne dass man eine bewusste Planung durch einen Schöpfer annehmen müsste.

Keine Erklärung in seiner Theorie fand die ursprüngliche Entstehung der Artmerkmale und wie innerhalb einer Art die genetische Variation zustande kommt. Darwin nahm an, dass genetisch bedingte, mehr oder weniger der Umwelt gut angepasste Merkmale bereits vorhanden sind und daraus so selektiert wird, dass die besser an die herrschenden Bedingungen angepassten Merkmale ausgewählt werden und damit die Fitness steigern.

Außerdem stellte Darwin auf der Grundlage seiner Evolutionstheorie eine Emotionstheorie auf, in der er die stammesgeschichtliche Herkunft des Ausdrucks von Emotionen nachweisen wollte und besonders die des mimischen Ausdrucks. Dies behandelte er in seinem 1872 veröffentlichten Werk „The Expression of the Emotions in Man and Animals“. 1871 hatte er vorher noch die Monographie „The Descent of Man, and the Selection in Relation to Sex“ veröffentlicht. In dieser Monographie hatte Darwin die Hypothese aufgestellt, dass der Mensch von Tieren abstamme.

„Beim Menschen lassen sich einige Ausdrucksformen, wie das Sträuben der Haare unter dem Einfluß extremer Furcht, oder das Entblößen der Zähne unter dem rasender Wut, kaum verstehen, außer man nimmt an, daß der Mensch früher einmal in einem viel niedrigeren und tierähnlichen Zustand existiert hat. Die Gemeinsamkeit gewisser Ausdrucksformen bei verschiedenen, aber verwandten Arten – wie etwa die Bewegungen derselben Gesichtsmuskeln während des Lachens beim Menschen und bei verschiedenen Affenarten – wird etwas verständlicher, wenn wir annehemen, daß [die Arten] von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen.“[4]

[...]


[1] G.E. Lessing: Sämtliche Schriften. Hrsg. von K. Lachmann. Bd. 7, Stuttgart 31891. S. 451.

[2] Spoerri, Th.: Der Aufstand der Fabel. Nachwort zu La Fontaine: Hundert Fabeln. Übertragen von H. Hinderberger und N. O. Scarpi. Zürich 1965, S. 251.

[3] Der Darwinismus. Die Geschichte einer Theorie. Hrsg. von Günter Altner. Darmstadt 1981. Kapitel I.2.

[4] Darwin, Ch.: Der Ausdruck der Gefühle bei Mensch und Tier. (The Expression of the Emotions in Man and Animals.)Hrsg. von U. Beer. Düsseldorf 1964. S. 12.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Albert Ehrenstein
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V87024
ISBN (eBook)
9783638022187
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschen, Tiere, Werk, Albert, Ehrensteins, Albert, Ehrenstein
Arbeit zitieren
Katharina Meyer (Autor), 2003, Menschen und Tiere im Werk Albert Ehrensteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87024

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