Der Kindergarten und auch die anderen Betreuungsformen müssen sich stärker an die Entwicklung der Familie und an die gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen, wenn sie zeitgemäße Hilfe bei der Betreuung der Kinder leisten wollen. Die Familienstruktur und die Rollenverteilung in der Familie haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Es gibt im realen Leben nicht mehr häufig die bürgerliche Idealfamilie, die den Vater als Alleinverdiener, und die Mutter als Hausfrau und Betreuungsperson für die Kinder vorsieht, da es die Wirtschaftliche Lage der Familien oft notwendig macht, dass beide Elternteile der Erwerbsarbeit nachgehen müssen. Frauen gehen vermehrt arbeiten, und oft wurde es den Männern erschwert, in Erziehungsurlaub zu gehen, was sich durch die neue Gesetzgebung zumindest auf dem Papier geändert hat. Doch „von seiten der Kollegen wird teilzeitarbeitenden Männern meist nur dann Verständnis entgegengebracht, wenn sie ihre Stundenreduzierung arbeitsmarktpolitisch oder gesundheitlich begründen“, was deutlich die in der Gesellschaft fest geprägte Vorstellung vom „idealen und traditionellen Familienleben“ widerspiegelt. Gerade auch wenn es in unserer modernen und offenen Gesellschaft immer noch so ist, dass „Kinder nach der Scheidung“ zumeist bei den Müttern bleiben, da „es in der traditionellen Kleinfamilie ja auch die Mütter sind, die sich um die Kleinkindererziehung kümmern.“
Durch diese in der Gesellschaft herrschenden Vorurteile und den Mangel an Ganztagesbetreuung werden jedoch immer noch viele Frauen vor die Entscheidung gestellt: Kind oder Karriere, eine Vereinbarkeitsfrage zu der es in einer kinder- und familien-freundlichen Kultur nicht kommen müssen sollte. Kinder sind wichtig. Sie sind die Zukunft diesen und jeden Landes und in sie muss investiert werden.
Diese Arbeit soll auf die Frage nach einem Wandel in der Familienstruktur eingehen, und aufarbeiten inwieweit sich Kindergartenkonzepte daran angepasst haben, und noch anpassen müssen. Hierzu werden die Verschiedenen Familienformen aufgezeigt, wie sie in Industrieller Zeit und in der Moderne vorherrschend waren, bzw. sind. Die Anfänge des Kindergartens als Aufbewahrungsmöglichkeit für den Nachwuchs werden beschrieben, verschiedene neuere Betreuungskonzepte werden vorgestellt, und speziell die Rolle der Sozialpolitik in der Verbesserung der Kindertagesbetreuung soll dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist eine Familie?
2.1 Altes und neues Verständnis
2.2 Familienformen heute
2.1.1 Ehepaare mit Kindern / Kernfamilien
2.2.2 Alleinerziehende / Ein-Elternfamilien
2.2.3 Lebensgemeinschaften, Stieffamilien und Wohngemeinschaften
2.3 Inwieweit hat ein Wandel stattgefunden?
3. Wie haben sich Kindergartenkonzepte verändert?
3.1 Die Anfänge des Kindergartens
3.2 Wie ist Kindergarten heute?
3.2.1 Fröbel
3.2.2 Montessori
3.2.3 Waldorfpädagogik
3.2.4 Curriculare Ansätze
3.3 Der Wandel des Kindergartens im Laufe der Zeit
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Familienstrukturen und analysiert, inwieweit sich Kindergartenkonzepte an diese gesellschaftlichen Veränderungen angepasst haben bzw. anpassen müssen, um dem Erziehungs- und Betreuungsauftrag gerecht zu werden.
- Wandel des Familienbegriffs und der Familienformen
- Historische Entwicklung des Kindergartens von der Bewahranstalt zur Bildungseinrichtung
- Analyse verschiedener pädagogischer Konzepte (Fröbel, Montessori, Waldorf, Curriculare Ansätze)
- Rolle der Sozialpolitik und institutioneller Rahmenbedingungen
- Anforderungen an moderne Kindertageseinrichtungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Anfänge des Kindergartens
Wie Aden-Grossmann beschreibt, machten sich die Menschen schon früh Gedanken um die Erziehung des Kindes, so finden sich „die ersten entwickelten Konzepte zur häuslichen Erziehung des Kindes bis zum 6. Lebensjahr […] im Humanismus“120 und schon im 16. Jahrhundert „schenkte man auch der Erziehung des Vorschulkindes erstmals eine besondere Beachtung.“121 Bereits „Comenius betrachtet Anlagen zur Bildung, Tugend und Frömmigkeit als angeboren, die jedoch erst durch die Erziehung entfaltet werden“122, jedoch wurde erst im Laufe der Zeit „die Kindheit im Bewußtsein der Menschen als eine eigene Periode wahrgenommen“123 und mit ihren spezifischen Bedürfnissen auch ernst genommen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts lagen dann „detaillierte Kenntnisse und Beobachtungen über die kindliche Entwicklung in den ersten Lebensjahren vor“ 124 und die „Notwendigkeit einer absichtsvollen (intentionalen) Erziehung“125 wurde erkannt.
Wie bereits beschrieben waren die vorindustriellen Familien an eine bedarfswirtschaftliche Produktionsweise gebunden, das heißt, die Erwerbsarbeit bestimmte das Familienleben und seine Organisation. Die frühkindliche Erziehung fand bei den Bauern und Handwerkern also im Familienbetrieb statt, die Kinder wuchsen in die Arbeit hinein, und wurden hauptsächlich als potentielle Arbeitskräfte gesehen. Dies wurde als das „große Haus“ bezeichnet, da das Gesinde und die Lehrburschen mit in den Familienalltag integriert waren. Den Kindern wurden so umfassende soziale Kontakte ermöglicht. Es gab natürlich auch die Tagelöhnerfamilien, deren Kinder dann sich selbst überlassen waren, während die Eltern arbeiteten. Das bedeutete häufig Verwahrlosung und zunehmende Kriminalität der Kinder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den steigenden Bedarf an umfassender Kinderbetreuung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen, PISA-Ergebnissen und der Notwendigkeit, Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen.
2. Was ist eine Familie?: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel des Familienbegriffs hin zu einer Pluralisierung von Lebensformen und setzt sich kritisch mit klassischen Definitionen im Kontext moderner gesellschaftlicher Strukturen auseinander.
3. Wie haben sich Kindergartenkonzepte verändert?: Es wird die historische Entwicklung von der frühkindlichen Erziehung und Bewahranstalten bis hin zu spezifischen pädagogischen Ansätzen wie Fröbel, Montessori, Waldorf und curricularen Modellen analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass der Kindergarten eine zentrale gesellschaftliche Bildungseinrichtung ist, die auf strukturelle Herausforderungen und den Wandel der Lebensverhältnisse durch reformierte Konzepte reagieren muss.
Schlüsselwörter
Familienwandel, Kindergartenkonzepte, Frühkindliche Erziehung, Kindertageseinrichtungen, Familienformen, Kernfamilie, Alleinerziehende, Bildungseinrichtung, Sozialisation, Betreuungsbedarf, Vereinbarkeit, Fröbel, Montessori, Waldorfpädagogik, Sozialpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anpassung von Kindergartenkonzepten an den sozialen Wandel der Familienstrukturen und die damit verbundenen Anforderungen an eine moderne Kinderbetreuung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Wandel familiärer Lebensformen, die historische Entwicklung frühkindlicher Bildungseinrichtungen und die Analyse verschiedener pädagogischer Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kindergärten auf die veränderte Familienstruktur reagieren müssen, um zeitgemäße Erziehung und Betreuung sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung vorhandener Fachliteratur, pädagogischer Konzepte und statistischer Daten (z.B. Mikrozensus).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Familienbegriffs, die Vorstellung historischer Anfänge des Kindergartens sowie die detaillierte Darstellung und kritische Betrachtung verschiedener pädagogischer Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Familienwandel, Kindergartenkonzepte, frühkindliche Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die pädagogischen Ansätze von Fröbel, Montessori und Waldorf.
Wie unterscheidet sich die moderne Sicht auf den Kindergarten von der historischen?
Historisch galt der Kindergarten oft als defizitorientierte Notfallmaßnahme zur Verwahrung; heute wird er als essenzielle, familienergänzende Bildungseinrichtung für alle Kinder verstanden.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Kindergartenentwicklung?
Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für einen qualitativen Ausbau der Plätze, längere Öffnungszeiten und eine Professionalisierung der Erzieherausbildung zu schaffen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.
- Citar trabajo
- Anja Mankel (Autor), 2007, Wie kann der Kindergarten auf den Wandel der Familie reagieren?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87051