Bedürfnisorientierung und psychodynamische Krankenpflege

Die Pflegetheorien von Virginia Henderson und Hildegard Peplau im Vergleich


Hausarbeit, 2006
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Virginia Henderson
2.1 Historische Hintergründe
2.2 Theorie

3. Hildegard Peplau
3.1 Historische Hintergründe
3.2 Theorie
3.2.1 Das Konzept der Wechselseitigkeit
3.2.2 Das Konzept der Phasenbezogenheit
3.2.3 Bedürfnisse und Stufen der Angst
3.2.4 Das Konzept des Interpersonalen Lernens

4. Metaparadigmen im Vergleich Henderson-Peplau
4.1 Person
4.2 Gesundheit
4.3 Umgebung
4.4 Pflege

5. Abstraktionsniveau und Ziel

6. Pflegeausbildung

7. Kritische Aspekte

8. Schlussbetrachtung
8.1 Virginia Henderson
8.2 Hildegard Peplau

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Pflege gibt es seit Menschengedenken. Seit Jahrhunderten werden Menschen gepflegt, sei es von Familienangehörigen oder professionell. Die Unterstützung der Pflegekraft, die eine Beziehung mit dem Kranken aufbaut und ihm dabei hilft zu genesen ist wichtig.

Besonders in den USA begann man frühzeitig theoretische Grundlagen der Pflege zu untersuchen und zu professionalisieren.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit zwei Pflegetheoretikerinnen aus den USA auseinandersetzen, die grundlegende Meilensteine für die Theorie der Krankenpflege gesetzt haben. Ich werde auf die Theorie und den historischen Hintergrund der Bedürfnistheoretikerin Virginia Henderson und der Interaktionstheoretikerin Hildegard Peplau eingehen (Klassifikation nach Meleis 1999, S.302) Anschließend werde ich mich mit den verschiedenen Aussagen über die Metaparadigmen auseinandersetzen, die Theorie in der Ausbildung darstellen und wichtige Kritikpunkte beider Theorien hervorheben.

Beide Theoretikerinnen sind Pioniere der Pflegetheorie. Sie haben sich als eine der Ersten mit den Fragen. Was ist Pflege? und Wie wird gepflegt? auseinandergesetzt. Beide nähern sich von unterschiedlichen Ausgangspunkten dem Phänomen Pflege und gelangen durch die verbundene Schwerpunktsetzung zu unterschiedlichen Modellen. Ich habe sie ausgewählt um verschiedenen Ansätze der Pflegetheorie zu untersuchen und um die verschiedenen Sichtweisen zu betrachten.

2. Virginia Henderson

2.1 Historische Hintergründe

Virginia Henderson wurde 1897 als fünftes von acht Kindern einer Anwaltsfamilie in Kansas geboren. Ihr Interesse für Krankenpflege entwickelte sich im Zeitraum des ersten Weltkrieges, wo sie von 1918 bis 1921 in der Heeresschule der Krankenpflege in Washington, D.C. arbeitete.

Die wichtigste Erfahrung während ihrer Ausbildung erlangte sie im „Henry-Street–Visiting-Service“ in New York, wo sie in der ambulanten Pflege tätig war.

In ihrer dortigen Tätigkeit wurden ihr besonders die Grenzen der Pflege bewusst. Ihrer Ansicht nach wurden die Lebensbedingungen der Patienten nicht berücksichtigt und das Krankenhaus entlässt die Patienten wieder in eine Umgebung, die möglicherweise genau die Ursache der Erkrankung waren (vgl. Henderson in Steppe 1990 a, S.585).

Henderson beschreibt diese Überlegungen und Feststellungen als erste Skepsis gegenüber der Pflege im Krankenhaus, wo nur die Symptome der Patienten behandelt werden, ohne mögliche andere Problemursachen zu erkennen.

In Columbia begann sie 1927 ihr Studium, welches sie 1929 mit dem Magister als Lehrerin der Pflege abschloss. Dort unterrichtete sie Krankenpflege bis 1948. Ab den frühen fünfziger bis in die achtziger Jahre forschte und unterrichtete sie an der Universität von Yale, wo sie 1955 erstmals ihre eigene Definition der Krankenpflege veröffentlichte.

Die ursprüngliche Quelle für das Pflegemodell war das „Textbook of the principles and Practices of Nursing“ der kanadischen Krankenschwester Bertha Harmer, welches von Henderson überarbeitet wurde. Darüber hinaus ist der Einfluss Maslows mit seinem Konzept des der Bedürfnispyramide in der Konzeptualisierung der vierzehn Grundbedürfnisse deutlich zu erkennen (vgl. van Kampen, 1998, S. 153)

In der Bundesrepublik Deutschland wurde das Modell erst in den späten 60er Jahren durch die deutschsprachige Übersetzung der „Grundregeln der Krankenpflege“ des International Council of Nurses (ICN) bekannt (vgl. Drerup, 1998, S.16). Sie ist am 19. März 1996 im Alter von 99 Jahren verstorben. Henderson beschreibt selbst ihre Arbeit in der Pflege als Definition und nicht als Theorie. Ihre Interpretation sieht sie als „Synthese vieler Einflüsse, sowohl positiver als auch negativer“ (Henderson in Steppe 1990 a, S.585). Virginia Henderson eine der Theoretikerinnen, die bezugnehmend auf das Werk Florence Nightingales in den 50er Jahren den Grundstein für die Etablierung der Pflege als eigene Wissenschaftsdisziplin gelegt hat und damit einen erheblichen Einfluss auf alle folgende Pflegemodelle hatte (vgl. van Kampen, 1998, S.149).

2.2 Theorie

Der Grundgedanke der Theorie ist, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat, die erfüllt werden müssen. Jeder Mensch ist in der Lage diese Bedürfnisse selbst zu befriedigen. Henderson sagt zusätzlich, dass jeder Mensch diese Bedürfnisse und ihre Befriedigung anders erlebt und damit umgeht, unabhängig von seinem kulturellen, sozialen und individuellen Hintergrund. Als Einflussfaktoren der Bedürfnisse sind der soziokulturelle Hintergrund, die psychischen und physischen Faktoren, der Wille, die Energie, die Motivation und das Alter benannt (vgl. Henderson in Kirkevold, 1997, S.52).

Nach Henderson entsteht ein Pflegebedarf, wenn Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in der Lage sind, diese Bedürfnisse selbst zu befriedigen.

Virginia Hendersons berühmte Definition über die einzigartige Funktion der Pflege sagt aus, dass die Aufgabe einer Pflegekraft darin besteht, „dem kranken oder auch gesunden Individuum bei der Verrichtung von Aktivitäten zu helfen, die seine Gesundheit oder Wiederherstellung (oder auch einem friedlichen Sterben) förderlich sind und die er ohne Beistand selbst ausüben würde, wenn er über die dazu erforderliche Stärke, Willenskraft oder Kenntnis verfügte. Sie leistet ihre Hilfe auf eine Weise, dass er seine Selbständigkeit so rasch wie möglich wiedergewinnt“ (Henderson 1997, S.42).

Virginia Henderson hat insgesamt 14 Grundbedürfnisse erstellt, welches die Hauptelemente der Theorie darstellen:

1. normale Atmung
2. ausreichend Essen und Trinken
3. körperliche Abbauprodukte ausscheiden
4. sich bewegen und an der Körperhaltung arbeiten
5. Schlaf und Ruhe
6. passende Kleidung auswählen, sich an- und ausziehen
7. Aufrechterhaltung der Körpertemperatur durch passende Kleidung
8. Sauberhalten des Körpers, sowie Pflege und Schutz der Haut
9. Vermeidung von Gefahren in der Umgebung und Vermeidung der Verletzung anderer
10. Kommunikation mit Anderen durch das Ausdrücken von Gefühlen, Bedürfnissen, Befürchtungen oder Meinungen
11. sich entsprechend seiner Religion betätigen
12. in einer Art und Weise arbeiten, die das Gefühl vermittelt, etwas Sinnvolles zu leisten
13. spielen oder an Freizeitaktivitäten teilnehmen
14. lernen, entdecken oder die Neugier befriedigen, die eine „normale“ Entwicklung und Gesundheit zur Folge hat

Laut Henderson unterstützt die Pflegekraft nur, wenn die Grundbedürfnisse des Patienten nicht selbständig von ihm selbst ausgeführt werden können. Sie sagt, dass die Krankenschwester als selbständige Kraft für die Befriedigung der Bedürfnisse alleine verantwortlich und zuständig ist (vgl.Henderson1997, S.47). Die Pflegekraft muss die Bedürfnisse erkennen und sich voll und ganz in den Patienten hineinversetzen können.

„Sie ist eine Zeitlang für den Bewusstlosen das Bewusstsein, für den Selbstmordgefährdeten die Liebe zum Leben, für den Amputierten das Bein, für den gerade Erblindeten seine Augen, für das Kleinkind das Fortbewegungsmittel, für die junge Mutter Wissen und Zuversicht, für diejenigen, die zu schwach oder zu kontaktarm sind, das „Sprachrohr“…“ (Henderson, 1997, S.43).

Eine Beschleunigung des Heilungsprozesses kann aber nur der Patient durch seine Mitarbeit bewirken. Er muss den erstellten Pflegeplan verstehen, um die Pflegekraft zu unterstützen. Der Patient muss informiert und angeleitet werden, damit er nachvollziehen kann, warum welche Behandlung notwendig ist und um eventuelle Teilaufgaben selbständig durchführen zu können (vgl. Henderson 1997, S. 42).

Pflegende sollen nicht von dieser Hauptaufgabe abgehalten werden und sollen nur in Notsituationen für den Arzt einspringen, was aber in ihrer Auffassung nicht der eigentlichen Funktion der Pflege entspricht. Hiermit grenzt sie pflegerische und ärztliche Tätigkeiten strikt voneinander ab (vgl. Henderson 1997, S.50) und versucht damit Pflege als eigenständige Disziplin zu etablieren. Henderson geht von einer praxisnahen Sichtweise aus. Sie stellt sich die Frage, womit es Pflegekräfte in der Praxis zu tun haben und wie diese Aufgaben systematisch beschrieben werden können. Um einen Patienten wieder in seinen bio-physischen bzw. bedürfnisorientierten Normalzustand zurück zu bringen, stehen sich Medizin und Pflege zwar gegenüber, aber die Rolleverteilung ist klar definiert (vgl. van Kampen 1998, S.186 ff)

3. Hildegard Peplau

3.1 Historische Hintergründe

Hildegard Peplau wurde 1909 in Reading, Pennsylvania geboren. 1931 erwarb sie ihr Krankenpflegediplom und arbeitete dann in Pottsdown Hospital in Pennsylvania im Operationssaal. Im zweiten Weltkrieg war sie Mitglied des „Army Nurse Corps“ und arbeitete in einem Krankenhaus in London.

Nachdem sie die akademischen Grade des B.A. und M.A., sowie den Doktortitel erhielt, arbeitete sie weiter in mehreren Krankenhäusern und privaten Praxen als psychiatrische Krankenschwester. 1954 ging sie an die Universität nach Rutgers, New Jersey, wo sie ab 1960 als Professorin bis zu ihrer Emeritierung 1974 blieb.

[...]

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Details

Titel
Bedürfnisorientierung und psychodynamische Krankenpflege
Untertitel
Die Pflegetheorien von Virginia Henderson und Hildegard Peplau im Vergleich
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Veranstaltung
Gesundheits- und pflegewissenschaftliche Handlungstheorien und -methoden
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V87079
ISBN (eBook)
9783638012119
ISBN (Buch)
9783638917797
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedürfnisorientierung, Krankenpflege, Gesundheits-, Handlungstheorien
Arbeit zitieren
Yvonne Mocker (Autor), 2006, Bedürfnisorientierung und psychodynamische Krankenpflege , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87079

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