Der Schulweg mit Bus und Bahn – Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung in der vierten Klasse der Grundschule


Examensarbeit, 2007
69 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Inhalte der Mobilitäts- und Verkehrserziehung
2.1 Aufgaben und Ziele der Mobilitätserziehung
2.1.1 Sicherheitserziehung
2.1.2 Sozialerziehung
2.1.3 Umwelterziehung
2.1.4 Gesundheitserziehung
2.2 Schwerpunkte, Methoden und Umfang in der
Grundschule
2.3 Zusammenarbeit der Schule mit außerschulischen Einrichtungen

3. Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Primarstufe
3.1 Rahmenvorgaben in NRW
3.1.1 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 1 und 2
3.1.2 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 3 und 4
3.2 Schwerpunkt: Öffentliche Verkehrsmittel

4. Der Schulweg
4.1 Unfälle und Gefahren
4.1.1 Daten und Fakten zu Kinderunfällen
4.1.2 Ursachen und Erkenntnisse
4.2 Unfallpräventionen
4.2.1 Fördermaßnahmen
4.2.2 Internationale Programme
4.3 Bus und Bahn als Thema in der Grundschule

5. Der Projektunterricht
5.1 Offener Unterricht
5.2 Der Projektunterricht - Merkmale und Erläuterungen
5.3 Reformpädagogik und Offener Unterricht
5.4 Der Projektgedanke bei DEWEY und KILPATRICK
5.5 Projektunterricht in den Richtlinien
5.6 FREY und die Projektmethode
5.7 GUDJONS und der Projektunterricht

6. „EVAG macht Schule“
6.1 Die Betriebsführung
6.2 Die Mobilitätserziehung und -beratung
6.3 EVAG macht Theater
6.4 Die Haltestellenpatenschaft
6.5 Die EVAG im Internet
6.6 Die Unterrichtsmaterialien

7. Das Bus- und Bahntraining an der Josefschule
7.1. Die Planung des Unterrichts
7.1.1 Die Besprechung mit der Klassenlehrerin
7.1.2 Die Besprechung mit der Schulungsleiterin
7.2 Die Planung des Unterrichts 2
7.3 Die Durchführung des theoretischen Teils
7.4 Die Durchführung des praktischen Teils
7.5 Zusätzliche und ergänzende Projektmöglichkeiten

8. Schlussbemerkung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mobilität und Verkehr sind zwei zentrale Begriffe unseres modernen und alltäglichen Lebens.

Aus dem rasanten Anstieg der Automobilisierung resultieren sowohl positive als auch negative Aspekte. Die Vorteile der Motorisierung wie z.B. die wachsende Wirtschaft werden noch immer überschattet von der Gefährdung unserer Sicherheit und Umwelt. Diese Probleme entspringen dem stetig zunehmenden Individualverkehr und der dementsprechenden hohen Anzahl an angemeldeten Autos. Hinzukommt, dass PKW immer häufiger für kurze Strecken benutzt werden, die in der Vergangenheit mit dem Fahrrad oder zu Fuß bestritten wurden. Dies hat zur Folge, dass die Sicherheit des Menschen dem steigenden Verkehr Rechnung zu tragen hat, unsere Umwelt mit den wachsenden Belastungen zu kämpfen hat und Grünflächen sowie soziale Freiräume zerstört werden.

Dies bezüglich spielen die Entwicklung, die Erziehung und Sozialisation unserer Gesellschaft eine tragende Rolle.

Die Verkehrsteilnehmer[1], die unsere Zukunft in hohem Maße mitbestimmen, sind Kinder bzw. Grundschüler. Damit wird die Notwendigkeit klar Fähigkeiten und Fertigkeiten der heranwachsenden Gesellschaft im Bereich Mobilität und Verkehr zu fördern.

Dem eher negativ besetzten Ruf des öffentlichen Verkehrs muss entgegen gewirkt werden, indem Kinder positive Verknüpfungen mit dem Personennahverkehr ziehen, da der ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) eine umweltfreundliche, sichere Alternative zu individuellen Fortbewegungsmittel ist. Nur positive Erfahrungen mit Bussen und Bahnen in der Lebenswelt der Heranwachsenden könnten es gewährleisten auch in späteren Lebensjahren auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Dies wäre ein erster Schritt, um einen positiven Trend in Richtung mehr Sicherheit und geringere Umweltbelastungen zu setzen.

Im Rahmen einer schulischen Mobilitäts- und Verkehrserziehung soll neben dem üblichen Schulweg- und Fahrradtraining auch dem Aneignen von Nutzungskompetenzen in Bezug auf Busse und Bahnen ein angemessener Stellenwert zugeschrieben werden.

Die Intention meiner Ausarbeitung ist es aufzuzeigen welche Möglichkeiten und Aspekte bei der Verkehrs- und Mobilitätserziehung beachtet werden sollten, um durch einen projektorientierten Unterricht Verkehrskompetenzen zu erlangen, die unter anderem die Sicherheit auf dem Schulweg mit Bus und Bahn gewährleisten soll.

Zudem wird die praktische Umsetzung nicht außer Acht gelassen, die sich in meiner Arbeit auf eine vierte Klasse bezieht.

Das Thema meiner schriftlichen Hausarbeit im Rahmen der ersten Staatsprüfung für Lehrämter lautet Der Schulweg mit Bus und Bahn – Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung in der vierten Klasse der Grundschule. Die Ausführung gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Das nächste Kapitel geht auf die Inhalte der Verkehrs- und Mobilitätserziehung ein, die sich auf die Kultusministerkonferenz von 1994 beziehen.

Das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Rahmenvorgaben für die Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen eins bis vier und geht kurz auf den Themenbereich des öffentlichen Verkehrs ein.

Das vierte Kapitel greift das Thema „Schulweg“ auf und benennt in diesem Zusammenhang Daten und Fakten zu Kinderunfallzahlen sowie Gefahren und deren Ursachen. Weiterhin werden einige Programme und Maßnahmen zur Prävention von Unfällen vorgestellt.

Das fünfte Kapitel erläutert Merkmale und Aspekte des Projektunterrichts vor dem Hintergrund eines offenen Unterrichts und geht auf die Thesen und Ansätze wichtiger Vertreter ein.

Der praktische Teil dieser Ausarbeitung stellt das verkehrspädagogische Projekt „Bus- und Bahntraining“ vor, das durch weitere Möglichkeiten eines projektorientierten Unterrichts ergänzt wird.

Den Einstieg in den praxisbezogenen Teil stellt das Programm „EVAG macht Schule“ dar, in dem die verschiedenen pädagogischen Angebote der Essener Verkehrs AG vorgestellt werden. Des Weiteren wird die theoretische Planung einer Unterrichtseinheit, die die Kinder auf das Thema „Öffentlicher Verkehr“ vorbereiten soll, dargestellt.

Die Umsetzung dieser Unterrichtsstunde an der Josefschule in Essen wird im darauf folgenden Teil beschrieben, der ebenfalls die Durchführung praktischer Übungen in realen Verkehrssituationen beinhaltet.

Vor der Schlussbemerkung gehe ich noch auf einige Ideen und Ansätze ein, die zu einem Projektunterricht unter anderem im Rahmen des Themas „Der Schulweg mit Bus und Bahn“ ausgearbeitet werden könnten.

2. Die Inhalte der Mobilitäts- und Verkehrserziehung

2.1 Aufgaben und Ziele

Da Mobilität und Verkehr neben positiven Aspekten, die unser Leben und die Wirtschaft betreffen auch negative mit sich ziehen, sollte es die Aufgabe der Mobilitäts- und Verkehrserziehung sein, in diesem Themenfeld Aufklärung, Prävention und Bildung zu betreiben. Diese negativen Beeinträchtigungen betreffen unter anderem unsere Sicherheit, Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft. So sollten Schüler der Primar- und Sekundarstufen durch Mobilitätserziehung und -bildung befähigt werden einen verantwortungsvollen, ökologischen und wirtschaftlichen Beitrag zu unserer Verkehrsgesellschaft zu leisten.

Die Lernenden sollten ein Problembewusstsein aufbauen sowie Vorteile und Risiken der verschiedenen Mobilitätsformen und -arten abwägen können. Weiterhin sollen sie in der Lage sein nachzudenken und zu reflektieren, um sich aktiv und kritisch mit dem (zukünftigen) Verkehrsgeschehen auseinanderzusetzen.

Verkehrserziehung sollte die Kinder und Jugendlichen außerdem zu kompetenten Verkehrsteilnehmern und -nutzern machen, die sich sicher „fortbewegen“ können.

Aufgabe der Mobilitätserziehung ist es zudem, die gesamte Vielzahl der Fortbewegungsarten zu benennen. Neben dem Straßenverkehr und den öffentlichen Verkehrsmitteln sollten sämtliche Transportmittel und Möglichkeiten, zu denen unter anderem unsere Füße, Fahrräder, Schiffe, Flugzeuge und der gesamte Güterverkehr zählen, im Unterricht erwähnt und besprochen werden.[2]

Das Erkennen von Folgen, die die einzelnen Verkehrsformen nach sich ziehen, ist ebenfalls von Belang. Diese Folgen können sowohl unserer Gesundheit (zum Beispiele durch Unfälle) als auch der Umwelt (Feinstaub- Belastungen) schaden bzw. diese beeinträchtigen.[3]

Aufgrund dessen benennt die Kultusministerkonferenz folgende Beiträge zur Verkehrserziehung:

2.1.1 Sicherheitserziehung

Sicherheitserziehung dient in erster Linie der Vermittlung von Mobilitätskompetenzen. So sollen die Schüler befähigt werden sicher und bewusst im Straßenverkehr zu agieren, für sich und für andere. So müssen sie in der Lage sein, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen, um sie so zu vermeiden. Dazu zählt auch nach einem eventuellen Unfall korrekt zu handeln.[4]

Die Umsetzung der Sicherheitserziehung geschieht zum Beispiel über den Erwerb eigener Erfahrungen. Nur durch praktisches Handeln vor Ort und die Übertragung des Gelernten auf reale Verkehrssituationen erlangen die Lernenden ein Sicherheitsbewusstsein.[5] Andere Umsetzungsmöglichkeiten wären die Schulung psychomotorischer Fähigkeiten (zum Beispiel im Sportunterricht) oder die Förderung eines vorausschauenden, der Situation angepassten, Verhaltens.[6]

Die Zahl von fast 9000 tödlich verunglückten Menschen im deutschen Straßenverkehr spricht für die Vermittlung und den Ausbau von Sicherheitserziehung in der Schule, der Priorität zukommen sollte. Jedoch geht es nicht nur um Unfallpräventionen im Straßenverkehr, sondern auch um Unfälle verschiedener Art, zu denen auch kriminelle Übergriffe und Angriffe von Tieren zählen. An diese Situation sollte Unterricht anknüpfen und unter Berücksichtigung der Klassenstufen und dessen jeweiligen Verkehrsunfall- und Risikotypen für Vorsorge und Aufklärung sorgen. Dabei wird geraten, ein bis zwei Jahre vor der entsprechenden Nutzung eines Verkehrsmittels, die Nutzung des jeweiligen Verkehrsmittels im Mobilitätsunterricht zu besprechen oder zu begleiten. So ist es also an der Zeit eine vierte Klasse an Bus und Bahn heranzuführen, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Heranwachsenden ihre weiterführende Schule mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen müssen größer ist als in den Jahrgangsstufen der Grundschule.

Um die Zahl von weiteren 3000 kriminellen Übergriffen im Jahr 1994 in Deutschland durch schulischen Sicherheitsunterricht sinken zu lassen, sollte das sicherheitsbewusste Verhalten im gesamten Verkehrsraum geschult werden. Jedoch geht es hier vor allem um die eigene aktive Teilnahme an der Veränderung der bestehenden Situation.[7]

2.1.2 Sozialerziehung

„Schülerinnen und Schüler sollen in der Verkehrs- und Mobilitätserziehung situationsorientiertes flexibles Verhalten, Rücksichtsnahme und Verzicht auf Vorrechte sowie die Antizipation der Handlungen anderer lernen.“[8]

Bei der Sozialerziehung im Rahmen der Verkehrserziehung geht es also unter anderem um die sozialen Begebenheiten während der Nutzung verschiedener Verkehrs- und Mobilitätsformen. Heutzutage sind Rücksichtslosigkeit und Aggressivität unter Verkehrsteilnehmern nicht unüblich. Diese unsozialen Verhaltensweisen sollen die Kinder keinesfalls übernehmen, stattdessen sollen sie sich gemeinschaftlich und human im Verkehrsverbund einbringen und interagieren.

Es geht dabei um mehr als um das Einhalten von gesetzlichen Regeln und Normen. Die Schüler sollen lernen, im Verkehr und im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern verantwortungsvoll zu handeln, Rücksicht auf andere Personen und Gegenstände zu nehmen und flexibel am Verkehr (bzw. generell am Leben) teilzunehmen.[9]

Außerdem sollte die Sozialerziehung Emotionen wie Angst und Stress thematisieren, da diese zur Ablenkung der Kinder beitragen und somit das Unfallrisiko erhöhen. Ein „träumendes“ oder sehr aggressives Kind ist dementsprechend mehr gefährdet als aufmerksame, verantwortungsvolle oder ausgeglichene Kinder.[10]

Die Zahl der Verkehrsdelikte, die unter anderem durch Beispiel Alkohol am Steuer verursacht werden steigt jährlich. Daher ist schulische Aufklärung dringend erforderlich. Den Kindern müssen früh genug Präventionen nahe gelegt werden sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden.

Da die Gründe dieser und anderer Delikte vielfältig sind, muss Schule bzw. Sozialerziehung soziale Kompetenzen schaffen.

Staus und Parkplatzknappheit sind dabei nur zwei Gründe von vielen, die die steigenden Aggressionen der Verkehrsteilnehmer erklären sollen und auf den generellen Anstieg und Verdichtung des Verkehrs zurückzuführen sind.

Ein weiterer Grund ist das vorherrschende Leistungsprinzip unserer Gesellschaft. Dieses Prinzip vermittelt den Lernenden, dass nur die Besten und Stärksten ihr Ziel erreichen. Schule und Unterricht sollte dazu beitragen, ein daraus resultierendes unangemessenes Verhalten zu erkennen und adäquates Handeln fördern.[11]

2.1.3 Umwelterziehung

Die Umwelterziehung sollte zur Förderung eines umweltbewussten Verhaltens beitragen. Schule und Unterricht sollen den Schülern nahe legen, Umweltbelastungen und -zerstörungen durch den Straßenverkehr sowie deren Ursachen zu erkennen. Diese sollten sie sich vor dem Hintergrund einer Verbesserung vor Augen halten. Des Weiteren sollten die Lernenden in der Lage sein über das eigene Verhalten sowie das anderer Menschen im Verkehrsverbund nachzudenken und dieses zu reflektieren.[12] Verkehrserzieherischer Unterricht zielt also darauf ab, umweltorientierte Entscheidungen über die eigene Wahl der Verkehrsformen treffen zu können, um bewusst und ökologisch zu handeln.[13]

Weiterhin soll der Zusammenhang zwischen Verkehr und Umwelt erörtert werden, um deren Folgen zu verdeutlichen. In diesem Bereich sind Unterrichtsthemen wie „Schadstoffbelastungen“, die sich zum Beispiel auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken, „klimatische Veränderungen“ durch Kohlendioxid- Emissionen oder „dem Straßenverkehr zuzusprechende Gefahren für die Tierwelt“ von Interesse.[14]

2.1.4 Gesundheitserziehung

Das Vermittlungsziel der Gesundheitserziehung als Beitrag zur Mobilitäts- und Verkehrserziehung ist eine gesundheitsbewusste Lebensführung. So soll eine optimale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden.

Um so für Prävention zu sorgen müssen neben den negativen Auswirkungen des Straßenverkehrs auf unsere Psyche und unseren Körper auch die Folgen von gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen wie zum Beispiel Alkoholkonsum und Übermüdung benannt werden.[15] Dies ist ein wichtiger Aspekt zum Schutze der eigenen Gesundheit sowie der anderer Verkehrsteilnehmer.

Weiterhin sind folgende Themenbereiche aufzugreifen:

- Verkehrslärm und seine gesundheitlichen Folgen
- Gesundheitsschädigende Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid,

Kohlenmonoxid und Dieselruß.

- Alkohol, Medikamente usw. und ihre Folgen im Verkehr.[16]

Außerdem sollte die Gesundheitserziehung beachten, dass aufgrund von Unfallgefahren und der Ausweitung des motorisierten Verkehrs immer mehr Kinder und Jugendliche ihre Freizeit zu Hause verbringen, statt im Freien zu spielen oder Sport zu treiben. Daraus folgt gegebenenfalls ein Bewegungsmangel, der Haltungsschäden und motorische Beeinträchtigungen zur Folge haben kann.[17]

2.2 Schwerpunkte, Methoden und Umfang im Sekundarbereich I

Die Verkehrserziehung in der Grundschule ist nicht an ein bestimmtes Fach gebunden, sie lässt sich fächerverbindend in den Unterricht einbeziehen. Jedoch wäre es von Vorteil verschiedene Formen der Unterrichtsorganisation zu integrieren. So könnten zum Beispiel Projekte zum Einsatz kommen.

Im Bereich der Grundschule betrifft die Verkehrserziehung vor allem die nahe Umgebung und Umwelt der Kinder.

Inhaltlich gesehen geht es um das Erlangen von Kompetenzen als Fußgänger und Radfahrer sowie als Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel und als Mitfahrer in einem PKW.

Die psychomotorischen Fähigkeiten der Lernenden müssen dabei ebenfalls gefördert werden, um in den Bereichen Wahrnehmung, Anpassung und Reaktion angemessen agieren zu können. Es ist von enormer Bedeutung richtig Hören, Sehen, Laufen und situationsbedingt Handeln zu können, wenn ein Kind sicher und selbstständig am ÖPNV teilnehmen möchte. Die Förderung dieser grundlegenden Fähigkeiten könnte zum Beispiel in Projekten, also durch handlungsorientierte Übungen und Bearbeitungen stattfinden.

Auch der Schulweg und das Radfahren sollten, vor allem in den Eingangsklassen, als Themen erkannt und gemeinsam mit Lehrenden und Eltern verkehrspädagogisch behandelt und trainiert werden.

Besonders der Sport- und Sachunterricht bieten sich an, um die oben genannten Inhalte umzusetzen. Demnach lassen sich der Klassenraum, Sportstätten, der Schulhof etc. als Lernorte nutzen.

Außerdem ist festzuhalten, dass die Kooperation zwischen Schule und Polizei unabdingbar ist. Die Polizei sollte also als „pädagogischer Berater und Helfer“ im Bereich der Verkehrserziehung mitwirken.

Der Umfang des Unterrichts sollte in der ersten und vierten Klasse bei ca. 20 Stunden und in der zweiten und dritten Klasse bei ca. zehn Stunden liegen.[18]

2.3 Zusammenarbeit der Schule mit außerschulischen Einrichtungen

Die Schulen haben die Möglichkeit bei der Umsetzung der verkehrspädagogischen Inhalte außerschulische Einrichtungen wie Verbände, Behörden, Vereine oder Firmen hinzuzuziehen.

Häufig sind diese Einrichtungen im Deutschen Verkehrssicherheitsrat vereinigt. Die Angebote der Unterstützungen sind dabei vielfältig. Von Hilfestellungen bei Schülerlotsen und Unterrichtsmaterialien, über Erste-Hilfe-Kurse und Kooperationen mit der Polizei, die die Sicherheit des Schulweges und des Radfahrens unterstützen sollen, bis hin zu den unterschiedlichsten Kooperationen ergeben sich Möglichkeiten, auf Hilfe und Beratung außerhalb der Schule zurückzugreifen. Diese außerschulischen Zusammenarbeiten sollten stets gepflegt und ausgebaut werden.[19]

3. Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Grundschule

3.1 Rahmenvorgaben in NRW

Das dritte Kapitel dieser Ausarbeitung bezieht sich auf die Rahmenvorgaben zur Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Grundschule in NRW.

3.1.1 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 1 und 2

Im Fokus der Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Primarstufe steht der Ausbau der Fähigkeiten, die zu einem sicheren Fortbewegen vor allem in bereits bekannten Verkehrsumgebungen beitragen.

Weiterhin sollen die Kinder Komplexitäten erkennen, sich an diese anpassen und dementsprechend reagieren können. Die Lernenden sollen sich Selbstsicherheit und Verantwortungsgefühl aneignen und sich kritisch mit der Umwelt auseinandersetzen.

Folgende Abbildungen zeigen die Themenschwerpunkte und deren Ziele in den Jahrgangsstufen 1 und 2 bzw. 3 und 4.[20]

Abb. 1 Themenkreise und Ziele in den Klassen 1 und 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 3 und 4

Abb. 2 Themenkreise und Ziele in den Klassen 3 und 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Schwerpunkt öffentliche Verkehrsmittel

Die Notwendigkeit der Behandlung des Themas „Bus und Bahn“ bzw. öffentlicher Verkehr besteht besonders in den Klassen drei und vier.

Vor allem die Bereiche der Umwelt- und Gesundheitserziehung sollen im Rahmen des Themenkreises Schul- und Wohnumgebung behandelt werden. Die Lernenden sollen ein Bewusstsein für den öffentlichen Verkehr entwickeln und sich mit Vor- und Nachteilen bzw. ihren Nutzungsmöglichkeiten kritisch auseinandersetzen. So würden die Kinder lernen, bei Entscheidungen über ihr Fortbewegen, umweltorientiert zu denken und die möglichen Folgen auf ihre eigene Gesundheit abschätzen zu können.

4. Der Schulweg

4.1 Unfälle auf dem Schulweg

Um die Gefahren auf dem Schulweg der Kinder zu verdeutlichen, werden im Folgenden einige Daten, Zahlen und Fakten genannt, die Aufschluss über Unfälle auf dem Weg zur Schule bzw. über Unfälle in der Lebenswelt von Kindern geben sollen.

Weiterhin möchte ich auf Erkenntnisse und Ursachen von Kinderunfällen eingehen. Fragen wie „Wieso verunglücken Kinder und gibt es typische Merkmale, die zu Unfällen führen?“ sollen dabei beantwortet werden.

4.1.1 Daten und Fakten zu Kinderunfällen

Die Zahl von 140275 ist die Menge aller erfassten Schulwegunfälle im Jahre 2000. Die meisten dieser Unfälle, nämlich 31073 ereignen sich mit dem Fahrrad. Dahinter liegen die Unfälle mit Kraftfahrzeugen (19144). Die Unfälle als Fußgänger schlugen mit 5801 statistisch zu Buche.

Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass mit 4790 Unfällen mit Bus und Bahn diese sich als sicherste Fortbewegungsart bewehrt.

Nicht zu vergessen sind die Unfälle, die aus anderen Situationen wie Stürzen und körperlichen Auseinandersetzen entstehen. Diese Zahl liegt bei 77309 und fließt nicht als Straßenverkehrsunfälle in die Erhebung mit ein.[21]

Aus Perspektive der Kinder gesehen zeigt sich, dass nur 28% der Kinder ihrem Schulweg angstfrei und sicher gegenüberstehen, 72% hingegen weisen ihrem Schulweg Gefahren zu. Dies belegt eine Essener Umfrage von 1347 Kindern der Primarstufe. Die Kinder nennen dabei Gefahren wie:

„- zu schnell fahrende Autos
- unvorsichtig abbiegende Autos
- parkende Autos auf Geh- und Radwegen
- gefährliche Sichtverhältnisse im Bereich von Überwegen
- fehlende oder zu schmale Gehwege
- für Fußgänger ungünstige Ampelschaltungen […]
- fehlende Überquerungshilfen
- fehlende Radwege
- „Rot- Fahrer“ an Ampeln
- „Nicht- Anhalter“ an Zebrastreifen
- rücksichtslose Kraftfahrer an Ein- und Ausfahrten
- mangelnde Beleuchtung von Gefahrenpunkten
- gefährliche Wege zu Bushaltestellen im ländlichen Raum
- überfüllte Schulbusse
- mangelhafte Ausstattung von Bushaltestellen
- mangelhaftes Interesse der Behörden in Bezug auf Gefahren für Kinder […]“[22]

Allgemein ist allerdings zu sagen, dass die Unfallzahlen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Europäischen Gemeinschaftsländern geringer sind als bei anderen Verkehrsmitteln. So spricht nicht nur ein sicheres Fortbewegen für die Wahl öffentlicher Verkehrsmittel, sondern auch die umweltfreundlichen Aspekte von Bussen und Bahnen. Diesbezüglich hat die Verkehrserziehung in der Grundschule die Aufgabe, Kindern dies zu vermitteln.[23]

Aus den Bemühungen der Städte und Gemeinden, die Kinder vor Unfällen auf ihrem Schulweg zu schützen, resultierte bislang nur eine Reduzierung der tödlich endenden Unfälle um 50% in den letzten 20 Jahren. Die Gesamtzahl der Unfälle auf dem Schulweg ist jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu gleich geblieben.

Betrachtet man das Gesamtbild, ergibt sich ein Problem bei den wirklich gültigen Unfallzahlen. Da die Zahlen der Schülerunfallversicherungen und die der polizeilichen Unfallzahlen sehr unterschiedlich sind und nicht einmal deutschlandweit Statistiken erhoben werden, ist es problematisch ein reales Bild zu konstruieren. Nur vereinzelt werden die Schulwegunfälle in den verschiedenen Bundesländern erfasst.[24]

[...]


[1] Begriffe wie Schüler oder Lehrer werden in dieser Arbeit begriffsneutral verwendet und meinen damit sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht.

[2] Vgl.: Limbourg, Maria: Verkehrs- und Mobilitätserziehung im Jugendalter. Vortrag bei der Tagung „Jugendliche, Mobilität und ÖPNV“ in Hannover, Üstra, 2000. Tagesdokumentation, S. 15f.

[3] Vgl.: Limbourg 2000. S. 16.

[4] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 4.

[5] Vgl.: Bleyer, Gunter: Ziele der schulischen Verkehrserziehung. In: Handbuch: Schulverkehrserziehung. Bonn: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) 1993. S. 21.

[6] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 4.

[7] Vgl.: Limbourg. 1999. S. 4.

[8] Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein- Westfalen: Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Schule. Rahmenvorgabe. Frechen: Ritterbach Verlag GmbH 2003. S. 7.

[9] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 4.

[10] Vgl.: ADAC Signale. Informationen und Tipps für die Schule. Hg. v. ADAC- Zentrale München. Ausgabe 20/1999. S. 5.

[11] Limbourg. 1999. S. 6.

[12] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 5.

[13] Vgl.: Limbourg. 2004. S.22.

[14] Vgl.: Limbourg, Maria / Flade, Antje/ Schönharting, Jörg: Mobilität im Kindes- und Jugendalter. Opladen: Leske + Budrich Verlag 2000. S. 163.

[15] Vgl.: Limbourg, Maria: Verkehrserziehung als Gesundheitserziehung. In: Zeitschrift für Verkehrserziehung 1996. Heft 3. S. 8.

[16] Vgl.: Limbourg, Flade, Schönharting. 2000. S. 162.

[17] Vgl.: Limbourg, Maria. 1996. S. 7.

[18] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 5-6.

[19] Vgl.: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. 1995. S. 6.

[20] Vgl.: Ministerium für Schule, Jugend und Kinder des Landes Nordrhein- Westfalen: Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Schule. Rahmenvorgabe. Frechen: Ritterbach Verlag GmbH 2003. S. 9-12.

[21] Vgl.: Limbourg, Maria/ Reiter, Karl: Die Gefährdung von Kindern im Straßenverkehr. In: Kleine, W. (Hrsg.): Kinder auf der Straße. Bewegung zwischen Begeisterung und Bedrohung. Brennpunkte der Sportwissenschaft, Band 26, Academia-Verlag. Sankt Augustin, 2003, S. 73-74.

[22] Vgl.: Limbourg,/ Reiter. 2003, S. 65-66.

[23] Vgl.: www.uni-essen.de/traffic_education/alt/texte.ml/Wien.html (Limbourg, Maria: Mobil und sicher mit dem öffentlichen Verkehr. Verkehrspädagogische Programme für Kinder, Jugendliche und Senioren. Vortrag bei der internationalen Tagung „ Mobilität und Sicherheit“. Wien 1997).

[24] Vgl.: Limbourg, Maria: Müssen Kinder verunglücken, damit Schulwege sicher werden? In: Sicher Leben (Hg.): Bericht über die 2. Tagung „Kindersicherheit: Was wirkt? In Essen 1996. Wien 1997. S. 227.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Der Schulweg mit Bus und Bahn – Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung in der vierten Klasse der Grundschule
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
69
Katalognummer
V87144
ISBN (eBook)
9783638049658
ISBN (Buch)
9783638943642
Dateigröße
3135 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulweg, Bahn, Möglichkeiten, Mobilitätserziehung, Klasse, Grundschule
Arbeit zitieren
Katharina Hardt (Autor), 2007, Der Schulweg mit Bus und Bahn – Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung in der vierten Klasse der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87144

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