Mobilität und Verkehr sind zwei zentrale Begriffe unseres modernen und alltäglichen Lebens.
Aus dem rasanten Anstieg der Automobilisierung resultieren sowohl positive als auch negative Aspekte. Die Vorteile der Motorisierung wie z.B. die wachsende Wirtschaft werden noch immer überschattet von der Gefährdung unserer Sicherheit und Umwelt. Diese Probleme entspringen dem stetig zunehmenden Individualverkehr und der dementsprechenden hohen Anzahl an angemeldeten Autos. Hinzukommt, dass PKW immer häufiger für kurze Strecken benutzt werden, die in der Vergangenheit mit dem Fahrrad oder zu Fuß bestritten wurden. Dies hat zur Folge, dass die Sicherheit des Menschen dem steigenden Verkehr Rechnung zu tragen hat, unsere Umwelt mit den wachsenden Belastungen zu kämpfen hat und Grünflächen sowie soziale Freiräume zerstört werden.
Dies bezüglich spielen die Entwicklung, die Erziehung und Sozialisation unserer Gesellschaft eine tragende Rolle.
Die Verkehrsteilnehmer , die unsere Zukunft in hohem Maße mitbestimmen, sind Kinder bzw. Grundschüler. Damit wird die Notwendigkeit klar Fähigkeiten und Fertigkeiten der heranwachsenden Gesellschaft im Bereich Mobilität und Verkehr zu fördern.
Dem eher negativ besetzten Ruf des öffentlichen Verkehrs muss entgegen gewirkt werden, indem Kinder positive Verknüpfungen mit dem Personennahverkehr ziehen, da der ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) eine umweltfreundliche, sichere Alternative zu individuellen Fortbewegungsmittel ist. Nur positive Erfahrungen mit Bussen und Bahnen in der Lebenswelt der Heranwachsenden könnten es gewährleisten auch in späteren Lebensjahren auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Dies wäre ein erster Schritt, um einen positiven Trend in Richtung mehr Sicherheit und geringere Umweltbelastungen zu setzen.
Im Rahmen einer schulischen Mobilitäts- und Verkehrserziehung soll neben dem üblichen Schulweg- und Fahrradtraining auch dem Aneignen von Nutzungskompetenzen in Bezug auf Busse und Bahnen ein angemessener Stellenwert zugeschrieben werden.
Die Intention meiner Ausarbeitung ist es aufzuzeigen welche Möglichkeiten und Aspekte bei der Verkehrs- und Mobilitätserziehung beachtet werden sollten, um durch einen projektorientierten Unterricht Verkehrskompetenzen zu erlangen, die unter anderem die Sicherheit auf dem Schulweg mit Bus und Bahn gewährleisten soll.
Inhaltsverzeichnis
2. Die Inhalte der Mobilitäts- und Verkehrserziehung
2.1 Aufgaben und Ziele der Mobilitätserziehung
2.1.1 Sicherheitserziehung
2.1.2 Sozialerziehung
2.1.3 Umwelterziehung
2.1.4 Gesundheitserziehung
2.2 Schwerpunkte, Methoden und Umfang in der Grundschule
2.3 Zusammenarbeit der Schule mit außerschulischen Einrichtungen
3. Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Primarstufe
3.1 Rahmenvorgaben in NRW
3.1.1 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 1 und 2
3.1.2 Verkehrs- und Mobilitätserziehung in den Klassen 3 und 4
3.2 Schwerpunkt: Öffentliche Verkehrsmittel
4. Der Schulweg
4.1 Unfälle und Gefahren
4.1.1 Daten und Fakten zu Kinderunfällen
4.1.2 Ursachen und Erkenntnisse
4.2 Unfallpräventionen
4.2.1 Fördermaßnahmen
4.2.2 Internationale Programme
4.3 Bus und Bahn als Thema in der Grundschule
5. Der Projektunterricht
5.1 Offener Unterricht
5.2 Der Projektunterricht - Merkmale und Erläuterungen
5.3 Reformpädagogik und Offener Unterricht
5.4 Der Projektgedanke bei DEWEY und KILPATRICK
5.5 Projektunterricht in den Richtlinien
5.6 FREY und die Projektmethode
5.7 GUDJONS und der Projektunterricht
6. „EVAG macht Schule“
6.1 Die Betriebsführung
6.2 Die Mobilitätserziehung und -beratung
6.3 EVAG macht Theater
6.4 Die Haltestellenpatenschaft
6.5 Die EVAG im Internet
6.6 Die Unterrichtsmaterialien
7. Das Bus- und Bahntraining an der Josefschule
7.1. Die Planung des Unterrichts 1
7.1.1 Die Besprechung mit der Klassenlehrerin
7.1.2 Die Besprechung mit der Schulungsleiterin
7.2 Die Planung des Unterrichts 2
7.3 Die Durchführung des theoretischen Teils
7.4 Die Durchführung des praktischen Teils
7.5 Zusätzliche und ergänzende Projektmöglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung für Schüler der vierten Grundschulklasse, um diese sicher und kompetent an die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel heranzuführen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie durch handlungsorientierten Unterricht Verkehrskompetenzen vermittelt werden können, die den Schulweg sicherer machen und eine positive Einstellung zum ÖPNV fördern.
- Grundlagen der Mobilitäts- und Verkehrserziehung
- Analyse von Kinderunfällen und Unfallprävention
- Didaktik und Methoden des Projektunterrichts
- Vorstellung von Praxismodulen der Essener Verkehrs AG (EVAG)
- Dokumentation eines praktischen Bus- und Bahntrainings
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Erkenntnisse und Ursachen
Um sich im Straßenverkehr sicher bewegen zu können braucht der Mensch gewisse Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese Vorraussetzungen bilden sich erst mit der Zeit bzw. in einem bestimmten Kindesalter.
Im sechsten Lebensjahr weisen Kinder ein „akutes Gefahrenbewusstsein“ auf, dass jedoch meist nicht vor dem Unfall schützt, sondern lediglich eine Situation als Gefahr ausweist. Erst im Alter von acht Jahren entwickelt sich ein „voraus schauendes Gefahrenbewusstsein“, welches den Kindern ermöglicht Gefahren einzuschätzen, um einen daraus resultierenden Unfall zu vermeiden. Weiterhin entsteht mit ca. zehn Jahren ein Präventionsverständnis. Hierbei können die Heranwachsenden Maßnahmen ergreifen, die den Unfallhergang bzw. dessen Folgen zu minimieren versuchen.
Kinder, die sichere Straßenverkehrsteilnehmer werden möchten, müssen sich also aufmerksam und konzentriert verhalten, sich nicht ablenken lassen, ihren eigenen Körper und Bewegungsablauf kontrollieren können. Sie müssen den Straßenverkehr samt allen Teilnehmern aufmerksam wahrnehmen und ablenkende Emotionen sowie Objekte wie Hunde etc. außen vor lassen, um ein sicheres Fortbewegen gewährleisten zu können. Dazu gehören auch Fähigkeiten wie ein Perspektivenwechsel und eine ausgereifte Psychomotorik.
Um Unfälle bei Kindern zu erklären und deren Ursachen zu finden müssen auch bestimmte Charaktermerkmale benannt werden, die die Gefahren erhöhen. So sind zum Beispiel Kinder mit dem Hang sich schnell ablenken zu lassen, unruhige, quirlige oder verhaltensgestörte junge Menschen, besonders gefährdet.
Hinzufügen muss man allerdings dabei, dass an einigen der Unfälle nicht die Kinder selbst, sondern ein unangepasstes Verhalten von Autofahrern oder Begleitpersonen ursächlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Die Inhalte der Mobilitäts- und Verkehrserziehung: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Ziele der Verkehrserziehung wie Sicherheits-, Sozial-, Umwelt- und Gesundheitserziehung und deren Einbettung in die Grundschule.
3. Verkehrs- und Mobilitätserziehung in der Primarstufe: Hier werden die spezifischen Rahmenvorgaben für Nordrhein-Westfalen analysiert, inklusive der Themenschwerpunkte für die verschiedenen Klassenstufen.
4. Der Schulweg: Dieses Kapitel beleuchtet Unfallstatistiken, Gefahrenquellen sowie präventive Maßnahmen und internationale Ansätze zur Erhöhung der Kindersicherheit.
5. Der Projektunterricht: Es werden theoretische Grundlagen des Projekt- und offenen Unterrichts sowie die Ansätze bedeutender Pädagogen wie Dewey, Kilpatrick und Gudjons dargestellt.
6. „EVAG macht Schule“: Vorstellung verschiedener verkehrspädagogischer Angebote der Essener Verkehrs AG, wie Betriebsführungen, Busschule und Unterrichtsmaterialien.
7. Das Bus- und Bahntraining an der Josefschule: Ein Praxisbericht über die Planung und Durchführung eines konkreten Bus- und Bahntrainings mit einer vierten Klasse, inklusive theoretischer Einführung und praktischer Übungen.
Schlüsselwörter
Mobilitätserziehung, Verkehrserziehung, Grundschule, Schulweg, Projektunterricht, Unfallprävention, ÖPNV, Bus und Bahn, Verkehrskompetenz, Handlungsorientierung, Kindersicherheit, Mobilitätsbildung, Verkehrsgesellschaft, Verkehrssicherheit, Projektmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und praktischen Umsetzung einer projektorientierten Mobilitätserziehung für Grundschüler der vierten Klasse, um sie sicher und umweltbewusst an die Nutzung von Bus und Bahn heranzuführen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Verkehrserziehung, die Analyse von Schulweggefahren, Methoden des offenen Unterrichts und die Kooperation zwischen Schule und Verkehrsunternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Schülern durch praktisches Training die notwendigen Kompetenzen für eine eigenständige und sichere Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr zu vermitteln und Ängste abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zur Pädagogik und Verkehrserziehung sowie auf eine Fallstudie, in der ein Bus- und Bahntraining praktisch an einer Grundschule durchgeführt und evaluiert wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Mobilitätserziehung und Projektunterricht sowie einen praktischen Teil, der das Programm „EVAG macht Schule“ und die Durchführung des Trainings an der Josefschule detailliert beschreibt.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die wichtigsten Schlagworte sind Mobilitätserziehung, Schulwegsicherheit, Projektunterricht, Handlungsorientierung und Verkehrskompetenz.
Was macht das Projekt „EVAG macht Schule“ so besonders?
Es bietet eine handlungsorientierte und praxisnahe Vernetzung zwischen theoretischem Schulunterricht und der realen Verkehrswelt durch Module wie Betriebsführungen, Theater und ein spezifisches Bus- und Bahntraining.
Warum ist das Alter der Schüler (4. Klasse) entscheidend für das Projekt?
Kinder in diesem Alter stehen kurz vor dem Übergang auf weiterführende Schulen, wo sie den Schulweg häufiger selbstständig mit Bus oder Bahn bewältigen müssen, was die Notwendigkeit dieser Kompetenzförderung unterstreicht.
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- Katharina Hardt (Author), 2007, Der Schulweg mit Bus und Bahn – Möglichkeiten einer projektorientierten Mobilitätserziehung in der vierten Klasse der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87144