In der Arbeit wird Erich Frieds Übersetzung von Sylvia Plaths Gedicht "Daddy" untersucht. Besonders eingegangen wird auf den Umgang mit deutschen Wörtern im amerikanischen Original und die Verwendung von Wörtern aus dem nationalsozialistischen Spracharchiv.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BIBLIOGRAFISCHES UND TEXTEXTERNE MERKMALE
3. DADDY VS. PAPI – ERICH FRIEDS ÜBERSETZUNG
3.1. AUFBAU
3.1.1. SYNTAX
3.1.2. INTERPUNKTION
3.1.3. RHYTHMUS
3.1.4. ZUSAMMENFASSUNG
3.2. LEXIK
3.2.1. ERWEITERUNGEN / VERÄNDERUNGEN / HINZUFÜGUNGEN
3.2.2. SLANG-AUSDRÜCKE
3.3. DEUTSCHE SPRACHE UND NATIONALSOZIALISMUS
3.3.1. „AND THE LANGUAGE OBSCENE“ – DEUTSCHE WÖRTER IM ORIGINAL
3.3.2. NATIONALSOZIALISTISCHES SPRACHARCHIV
3.3.3. DER DISKURS ÜBER DEN NATIONALSOZIALISMUS
4. RESÜMEE
5. BIBLIOGRAFIE
5.1. PRIMÄRLITERATUR
5.2. SEKUNDÄRLITERATUR
5.3. WEITERE QUELLEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Erich Frieds deutsche Übersetzung von Sylvia Plaths Gedicht Daddy. Das primäre Ziel ist es, die Qualität und Strategien der Übersetzung zu analysieren, insbesondere in Bezug auf den Erhalt des Rhythmus, die Handhabung der komplexen nationalsozialistischen Symbolik und die Frage nach der Übersetzbarkeit des Werkes.
- Vergleich von Syntax, Interpunktion und Rhythmus zwischen Original und Übersetzung
- Analyse der lexikalischen Anpassungen und Hinzufügungen durch Erich Fried
- Untersuchung der nationalsozialistischen Spracharchive und diskursiven Begriffe
- Bewertung der Intensivierung von Bildern durch die Übersetzung
- Reflexion über Frieds These zur Unübersetzbarkeit des Gedichtes
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Syntax
Daddy ist in vollständigen Sätzen unterschiedlicher Länge geschrieben: Manche bilden nur einen, andere ziehen sich über mehrere Verse, teilweise bestehen ganze Strophen aus nur einem Satz. Besonders charakteristisch für Plath ist, Sätze bzw. andere syntaktische Einheiten über zwei Strophen zu ziehen, so dass der erste Teil den letzten Vers der ersten Strophe bildet und der zweite den ersten der folgenden.
Dadurch entsteht eine sowohl syntaktische als auch semantische Verbindung zwischen den beiden Strophen: „You stand at the blackboard, daddy, In the picture I have of you, A cleft in your chin instead of your foot But no less a devil for that, no not Any less the black man who Bit my pretty red heart in two. I was ten when they buried you.“ (51-57)
Hier erstreckt sich der Relativsatz über beide Strophen, außerdem sind die Verse durch den Reim „who“ - „two“ phonetisch verbunden. Erich Fried übersetzt diese Stelle so: „Gespalten nur dein Kinn, nicht dein Huf. Doch deshalb nicht minder ein Teufel; nein, Nur ein Teufel, mit Stiefeln beschuht. Du Schwarzer Mann trankst mein Herzensblut. Man begrub dich, da war ich zehn.“ (53-57)
In der Übersetzung bleibt der Strophen-übergreifende Satz also nicht erhalten, Fried macht daraus zwei Sätze. Auch an anderen Stellen wendet Plath diese Technik an: „I made a model of you, A man in black with a Meinkampf look And a love of the rack and the screw.“ (64-66)
Hier übernimmt Fried die Technik sehr wohl, verändert aber auch den Satz: „Ich mach ein Modell, das bist du, Ein Mann in Schwarz mit Meinkampfgesicht, Der die Folter liebt und das Blut.“ (64-66)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in Erich Frieds Arbeit als Übersetzer und Definition der Forschungsaufgabe bezüglich Sylvia Plaths Gedicht Daddy.
2. BIBLIOGRAFISCHES UND TEXTEXTERNE MERKMALE: Untersuchung der Entstehungs- und Publikationsgeschichte von Ariel sowie der Rolle von Ted Hughes bei der Anordnung der Gedichte.
3. DADDY VS. PAPI – ERICH FRIEDS ÜBERSETZUNG: Umfassende Analyse der Übersetzung hinsichtlich formaler Aspekte wie Syntax, Interpunktion, Rhythmus sowie lexikalischer Entscheidungen und der Verwendung nationalsozialistischen Sprachmaterials.
4. RESÜMEE: Zusammenfassende Bewertung der Übersetzungsleistung und kritische Auseinandersetzung mit Frieds Einschätzung zur Unübersetzbarkeit des Textes.
5. BIBLIOGRAFIE: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie der Nachschlagewerke.
Schlüsselwörter
Sylvia Plath, Erich Fried, Daddy, Übersetzung, Rhythmus, Nationalsozialismus, U-Reim, Papi, Lyrik, Spracharchiv, Literaturanalyse, Intertextualität, deutsche Sprache, Übersetzungstheorie, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der deutschen Übersetzung des Gedichts Daddy von Sylvia Plath durch den Lyriker und Übersetzer Erich Fried.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung deckt die formale Übersetzung von Rhythmus und Syntax ab sowie die Übertragung von diskursiven Elementen, die mit dem Nationalsozialismus assoziiert sind.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der Qualität von Frieds Übersetzung und die Prüfung seiner eigenen These, das Gedicht sei im Grunde unübersetzbar.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Textstellen des Originals direkt den entsprechenden Passagen in Frieds Übersetzung gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse von Aufbau und Rhythmus sowie eine inhaltliche Analyse der lexikalischen Mittel und der Verwendung historisch aufgeladener Begriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Übersetzung, Rhythmus, Nationalsozialismus und der Vergleich zwischen Sylvia Plath und Erich Fried.
Warum spielt der sogenannte „U-Reim“ eine wichtige Rolle für Fried?
Die Analyse zeigt, dass Fried bei der Übersetzung besonders auf phonetische Aspekte und den „U-Reim“ fokussiert, um die kindliche und bedrohliche Atmosphäre des Originals zu bewahren.
Wie bewertet die Autorin die Verwendung des Wortes „Jud“ durch Fried?
Die Autorin argumentiert, dass die Wahl des nationalsozialistisch konnotierten Begriffs „Jud“ im Kontext von Plaths poetologischem Konzept steht und die beabsichtigte Wirkung der Unterdrückung verstärkt.
Wie wird die Rezeption von Frieds Daddy-Übersetzung durch Elfriede Jelinek eingeordnet?
Die Autorin nutzt Jelineks Paraphrase in Ein Sportstück als Beleg dafür, dass Frieds Übersetzung auch in der zeitgenössischen Literatur als bedeutendes und wirkungsvolles Werk rezipiert wird.
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- Anna Lindner (Author), 2006, "In the German tongue...", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87180