In den letzten Jahrzehnten kam es in der Wirtschaft sowie auch der Gesellschaft durch die fortschreitende Dynamisierung, Flexibilisierung und Globalisierung zu einschneidenden Veränderungen. Die Komplexität von Arbeitstechniken/-systemen erhöhte sich und die Entwicklung von neuen Informations- und Kommunikationstechniken ermöglichte andere Formen der Steuerung und Kontrolle. All diese und weitere Veränderungen beeinflussten das Verständnis von Arbeit und tun dies immer noch. Arbeit als Phänomen bleibt dabei zwar das Gleiche, jedoch verändern sich die Anforderungen an den Einzelnen sowie die Bedingungen unter denen gearbeitet wird. Als Folge veränderte sich das, was unter dem Begriff Arbeit verstanden wird.
Innerhalb des Themenkomplexes der ‘Entwicklungsperspektiven von Arbeit’ wird sich im ersten, theoretischen Teil dieser Arbeit mit dieser Veränderung des Verständnisses von Arbeit auseinandergesetzt und vor allem betrachtet, was diese Veränderungen für den Einzelnen für Folgen haben. Dabei wird der Taylorismus beziehungsweise Fordismus vorgestellt und erläutert, inwiefern es dabei zu Diskrepanzen zwischen den Bedingungen dieser Theorien und den Anforderungen der Gegenwart gekommen ist. Des Weiteren wird erörtert, inwiefern die Lösung der Diskrepanzen in der (Re-)Subjektivierung der Arbeit (vor allem auch von qualifizierter Arbeit) gesucht wurde, aber ebenfalls, und das wird ein Schwerpunkt des ersten Teils sein, wie diese Subjektivierung nur scheinbar diese ist, da sie in großem Maße wiederum objektiviert wurde. Dieser Prozess der Objektivierung subjektivierter Arbeit, findet unter dem Deckmantel der Humanisierung (Subjektivierung) großen Anklang, da er in Konformität zu unserer wissenschaftlichen, rational denkenden Gesellschaft steht. Ebenso aber führt er zu neuen großen Konfliktfeldern, welche darzulegen versucht werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Subjektivierung der Arbeit
2.1. Die Krise des Fordismus
2.2. Krise des Kommandosystems
2.2.1. Indirekte Steuerung
2.2.2. Selbstorganisation
2.2.3. Subjektivierung
2.2.4. Die Ambivalenz der neuen Freiheit
2.3. Der richtige Umgang mit der Paradoxie
3. Objektivierung subjektivierter Arbeit
3.1. Objektivierendes Handeln
3.2. Selbststeuerung nach objektiver Maßgabe
3.2.1. Entwicklung von Informations- und Steuerungssystemen
3.2.2. Steuerung über Kennzahlen
3.3. Neue Formen der Kontrolle und Macht
3.3.1. Handlungsspielräume als Äquivalent zu Befehl und Gehorsam
3.3.2. Ersetzen der Kontrolle durch Kontrollierbarkeit
3.4. Verwissenschaftlichung handlungsleitender subjektiver Orientierungen
3.5. Grenzen der Objektivierbarkeit
4. Wo bzw. wie existiert Autonomie?
4.1. Vom Einfachen zum Komplexen
4.2. Funktionaler vs. Struktureller Freiraum
4.3. Handlungs- und Entscheidungsfreiraum
4.4. Der Einfluss der Führung
4.5. Bring- und Holschuld der Autonomie
5. Steuerungsmechanismen der Autonomie – Formen der Objektivierung
5.1. Das grundsätzliche Kontrollproblem
5.2. Standardisierung von Prozessen
5.3. Festlegung von Rahmenbedingungen
5.4. Zielvereinbarungen
5.4.1. Aufbau und Bedeutung Zielvereinbarung
5.4.2. Individualität
5.4.3. Entgeltwirksamkeit
5.4.4. Umgang mit Risiko – wenn Ziele nicht erreicht werden
5.4.5. Bedeutung von qualitativen Zielen
5.5. Dokumentationspflichten
5.5.1. Transparenz durch Dokumentation
5.5.2. Weniger ist mehr?
5.5.3. Entwicklung von Dokumentationssystemen
5.6. Projektmanagement
5.6.1. Dokumentation im Projektmanagement
5.6.2. Freiräume in der Projektarbeit
5.7. Kennzahlen
5.7.1. Abhängigkeit des Steuerungspotentials
5.7.2. Wie viel Rechnen ist notwendig?
5.7.3. Die andere Seite der Kennzahlen
6. Schatten der Objektivierung
6.1. Akzeptanz Nicht-Objektivierbarer Anteile des Handelns
6.1.1. Forderung nach dem Mensch als Subjekt
6.1.2. Erfahrungswissen und Kooperation
6.2. Abbild oder Transformation des Objektiven
6.2.1. Messbarkeit von Zielen
6.2.2. Quantifizierung über Abgleich des Selbst- und Fremdbildes
6.2.3. Erzeugung von Schein-Objektivität
6.2.4. Mehraugen-Objektivität
6.3. Mehr Druck durch mehr Freiheit
6.3.1. Ausprägungen von Druck
6.3.2. Mehr Freiheit durch mehr Druck?
6.4. Freiheit und Innovation
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Transformation der Arbeitswelt von tayloristisch-fordistischen Strukturen hin zu dezentraler Steuerung und Selbstmanagement. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie das Subjekt in modernen Organisationen durch neue Kontrollmechanismen, trotz gewonnener Handlungsspielräume, erneut objektiviert wird, und wie dies das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Druck und Innovationskraft beeinflusst.
- Krise des Fordismus und Übergang zur Subjektivierung der Arbeit
- Methoden der indirekten Steuerung und Selbstorganisation
- Die Dialektik von Autonomie und neuer Objektivierung durch Kennzahlen und Dokumentation
- Einfluss von Unternehmenskultur und Führung auf die Wahrnehmung von Handlungsspielräumen
- Die Rolle der vorberuflichen Sozialisation für das Arbeitsverhalten
Auszug aus dem Buch
3.1. Objektivierendes Handeln
Wenn wir uns mit objektivierendem Handeln befassen, so verstehen wir darunter im weitesten Sinne das, was Max Weber als zweckrationales Handeln bezeichnet. Um ein genaueres Verständnis davon zu bekommen, was damit gemeint ist, werden wir im Folgenden die Implikationen des zweckrationalen Handelns darstellen, die für das selbstregulierte, autonome Handeln von Bedeutung sind.
„Grundlegend für zweckrationales Handeln ist seine ‚verstandesmäßige’ Regulierung“ (Boehle in: Moldaschl 2002, S.11). Es ist somit strikt abzugrenzen von affektuellem und emotionalem Handeln. Des Weiteren erfordert es eine „verstandesmäßige Abschätzung und Abwägung von Zielen (Zwecken), Mitteln und Folgen“ (Boehle in: Moldaschl 2002, S.11), wofür ein dem Handeln vorausgehendes Wissen und hierauf beruhenden Entscheidungen benötigt wird. Die Prämisse „erst denken und planen, dann handeln“ (Boehle in: Moldaschl 2002, S.11) steht somit im Vordergrund des zweckrationalen Handeln, wobei deutlich wird, dass dem Körper und den Sinnen in diesem Kontext ein untergeordneter Stellenwert zukommt, da sie ‘nur’ an der Ausführung und Durchführung, nicht aber an der geistigen Planung beteiligt sind. „Das eigentlich ‚Menschliche’ ist der ‚geistige’ Anteil und entsprechend die Planung und (rationale) Regulierung wie auch Kontrolle praktischen Handelns (Boehle in: Moldaschl 2002, S.12). Das körperliche dient somit nur der Ausführung des Geplanten und auch die sinnliche Wahrnehmung ist für rationales Handeln nur begrenzt brauchbar, da sie ebenso wie Gefühle dem Problem subjektiver Verzerrung und Täuschung unterliegen. All diesem zu Trotz beinhaltet rationales Handeln jedoch die kognitive sowie praktische Auseinandersetzung mit der Umwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Themenfeld der sich wandelnden Arbeit durch Flexibilisierung und Globalisierung vor und erläutert den Fokus auf die Objektivierung subjektivierter Arbeit.
2. Subjektivierung der Arbeit: Analysiert die Krise fordistischer Strukturen und den Wandel hin zu indirekter Steuerung, die Autonomiegewinn mit neuen Anforderungen verknüpft.
3. Objektivierung subjektivierter Arbeit: Untersucht die theoretischen Grundlagen des objektivierenden Handelns und wie Selbststeuerung durch neue Systeme strukturiert wird.
4. Wo bzw. wie existiert Autonomie?: Diskutiert basierend auf Experteninterviews, in welchen Bereichen Autonomie real existiert und wie sie von Komplexität und Organisation abhängt.
5. Steuerungsmechanismen der Autonomie – Formen der Objektivierung: Detaillierte Darstellung von Instrumenten wie Zielvereinbarungen, Dokumentation und Kennzahlen als Kontrollwerkzeuge.
6. Schatten der Objektivierung: Beleuchtet die negativen Auswirkungen und Ambivalenzen der neuen Freiheit, insbesondere im Hinblick auf Druck und Innovationspotenziale.
7. Fazit: Fasst zusammen, dass eine Balance zwischen Objektivierung und Freiraum notwendig ist, um in einer komplexen Welt innovativ bestehen zu können.
Schlüsselwörter
Subjektivierung, Objektivierung, Fordismus, Taylorismus, Indirekte Steuerung, Selbstorganisation, Autonomie, Handlungsspielräume, Zielvereinbarungen, Kennzahlen, Dokumentationspflichten, Projektmanagement, Arbeitsorganisation, Innovation, Zweckrationales Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Arbeitswelt von tayloristischen Strukturen hin zur sogenannten Subjektivierung der Arbeit, bei der Mitarbeiter mehr Autonomie erhalten, aber gleichzeitig durch indirekte Steuerungsmechanismen neu objektiviert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Krise des Kommandosystems, die Bedeutung von Kontextsteuerung, der Einsatz von Kennzahlen sowie das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Leistungsdruck und Innovationskraft in modernen Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen trotz erhöhter Handlungsspielräume der Mitarbeiter die Kontrolle wahren und welche Konsequenzen dies für das Individuum – etwa in Bezug auf Leistungsdruck und psychische Belastung – hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der theoretische Rahmen basiert auf arbeitswissenschaftlicher Literatur, während der praktische Teil die Ergebnisse aus Interviews mit 13 verschiedenen Unternehmen und Expertenberatern qualitativ auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert Steuerungsmechanismen wie Zielvereinbarungen, Dokumentationspflichten und Projektmanagement und diskutiert deren Wirkung auf die Objektivierung von Arbeitsprozessen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Subjektivierung, Objektivierung, Indirekte Steuerung, Selbstorganisation, Autonomie, Kennzahlen und Innovationspotenzial beschreiben.
Wie gehen Unternehmen mit dem Konflikt zwischen Kreativität und Standardisierung um?
Die Experteninterviews zeigen, dass Unternehmen versuchen, für kreative Prozesse (z. B. F&E) größere Freiräume zu lassen, während Standardprozesse (z. B. Vertrieb) eher strikt durch Zielvorgaben und Kennzahlen gesteuert werden.
Warum wird Dokumentation oft als Instrument der Kontrolle wahrgenommen?
Dokumentation dient primär dem Wissensmanagement und der Qualitätssicherung, bietet aber durch die Nachvollziehbarkeit von Handlungen (ex post Kontrolle) eine Basis für sanktionierbare Transparenz, was von Mitarbeitern häufig als indirekte Überwachung empfunden wird.
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- Thomas Luister (Author), 2007, Dezentrale Steuerung und Selbstmanagement. Herausforderungen der Unternehmensführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87252