Das Konzept der Schlüsselqualifikationen und die Leittextmethode als Beispiel für ganzheitliche Ausbildungskonzeptionen


Seminararbeit, 2001

44 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Schlüsselqualifikationen
2.1 Zum Begriff der Qualifikation
2.2 Zu Schlüsselqualifikationen
2.2.1 Zum Begriff der Schlüsselqualifikationen
2.2.2. Zur Entstehung des Begriffes Schlüsselqualifikationen
2.3 Zur Begründung der Notwendigkeit von Schlüsselqualifikationen
2.4 Schlüsselqualifikationen und ihre Umsetzung in der Praxis
2.4.1 In der Schule
2.4.1.1 Schlüsselqualifikationen in der Schule
2.4.1.2 Vermittlung von Schlüsselqualifikationen in der Schule
2.4.1.4 Handlungskompetenz und Handlungsorientierter Unterricht im Kontext der Schlüsselqualifikationen
2.4.2 In der Wirtschaft
2.5 Schlüsselqualifikationen im Kontext der gesetzlichen Bestimmungen
2.6 Beispiele für Schlüsselqualifikationen
2.7 Schlüsselqualifikationskonzept nach REFA
2.8 Schlüsselqualifikationskonzept nach Siemens
2.9 Kritik am Konzept der Schlüsselqualifikationen

3. Methoden der betrieblichen Unterweisung
3.1 Methoden der Ausbildung
3.1.1 Verschiedene Ansätze der Industrie
3.1.2 Auflistung der verschiedenen Methoden
3.2 Die Leittextmethode
3.3 Der Leittext
3.3.1 Bestandteile des Leittextes
3.3.2 Erstellung eines Leittextes
3.3.3 Beispiel zum Erstellen eines Leittextes anhand einer Verdrahtungsübung
3.4 Ablaufsplan der Leittextmethode
3.5 Beispiel einer Leittextaufgabe
3.6 Fazit zur Leittextmethode

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Durch immer kürzere Innovationszyklen der Informations- und Kommunikationstechniken vollzog und vollzieht sich in den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik ein stetig fortschreitender Strukturwandel. Zeichnete sich das tradierte Bild des Facharbeiters dadurch aus, dass er als ausführender Mitarbeiter seine Arbeitsaufträge erledigte, so wird zukünftig der kreativ - denkende und selbständig handelnde „Mitdenker“ auf allen Ebenen des Betriebs gefordert sein.

Die Ausbildung muss sich dieser Entwicklung öffnen, will sie mit ihrer Ausbildung dem Anforderungs- beziehungsweise Kompetenzprofil des Facharbeiters von „morgen“ verantwortungsvoll gerecht werden. Unterweisung darf sich daher nicht (mehr) auf die reine Wissensvermittlung isolierter fachlicher Inhalte beschränken. Lernprozesse müssen ganzheitlich angelegt sein, sollen sie berufliches Handeln nach- und abbilden. Das rasante Veränderungstempo von Lerninhalten und die geänderten Qualifikationsprofile fordern zwangsläufig geänderte Unterrichtsmethoden ein.

Dazu ist es erforderlich, zuerst auf die Qualifikations- und Lernanforderungen einzugehen, mit denen sich Mitarbeiter in modernen Arbeitsstrukturen auseinandersetzen müssen. Die Betrachtung bezieht sich dabei vor allem auf Untersuchungen von Tätigkeiten in der industriellen Produktion, da die Entwicklungen dort besonders gut dokumentiert sind (vergleiche Sonntag, 1989, 1996; Schaper, 1995). Die Trends der Anforderungsentwicklung und ihre Konsequenzen für die Gestaltung beruflichen Lernens lassen sich folgendermaßen charakterisieren:

- Komplexität und Informationsvielfalt ist ein wesentliches Bestimmungsmerkmal beruflicher Aufgaben in modernen Arbeitsstrukturen. Die Art der Aufgabenkomplexität und der dabei zu verarbeitenden Information ist aber situativ geprägt und sehr unterschiedlich. Lösungsansätze beziehungsweise - strategien können daher nicht algorithmisiert werden, sondern erfordern die Förderung eines selbständigen, situativ angepassten problemlösenden Handelns und Wissens.
- Komplexe Arbeitsaufgaben in modernen Produktionssystemen stellen außerdem hohe Anforderungen an Wissens- und Expertiseleistungen der Mitarbeiter. Berufsanfänger können diese nur partiell bewältigen und benötigen lange Lern - beziehungsweise Erfahrungsprozesse, um ein entsprechendes Expertenwissen und - können aufzubauen. Da in modernen Arbeitsstrukturen zunehmend weniger Tätigkeiten vorkommen, die auch bei geringem Erfahrungsniveau zu bewältigen sind, bedarf es entsprechender Einarbeitungsprogramme und Lernumgebungen für den Expertiseerwerb bei komplexen Aufgaben / Tätigkeiten.
- Menschliche Eingriffe in komplexe technische Systeme sind bezüglich ihrer Nebenwirkungen nicht immer sicher kalkulierbar und teilweise mit weitreichenden Konsequenzen beziehungsweise hohen Risiken verbunden (beispielsweise Zerstörung von teuren Anlagen). Um Erfahrungen im Umgang mit kritischen Situationen zu erwerben, sind risikolose Möglichkeiten zur Exploration von Systemen bereitzustellen.
- Die Einführung von Gruppen - und Projektarbeit ist ein weiteres zentrales Gestaltungsmerkmal moderner Arbeitsstrukturen und stellt außerdem hohe Anforderungen an die Kommunikations - und Kooperationsfähigkeiten sowie Entscheidungskompetenzen der Mitarbeiter. Die Art der sozialkommunikativen Anforderungen sind in Abhängigkeit von Aufgabentyp, Zusammensetzung und Entwicklungsstand der Gruppe sowie organisatorischer Rahmenbedingungen jedoch recht unterschiedlich. Neben der Vermittlung von Basiskompetenzen für kooperatives Verhalten in Gruppen ist bei weitergehenden Qualifizierungen die Bezugnahme auf diese Kontextbedingungen entscheidend.
Anforderungen an die Mitarbeiter, aktiv an der kontinuierlichen Verbesserung und Weiterentwicklung der Arbeitsprozesse und - systeme mitzuarbeiten, erfordern sowohl Fähigkeiten als auch die Bereitschaft sich kritisch -konstruktiv mit den eigenen Arbeitsbedingungen auseinander zusetzen und innovative Lösungen zu suchen. Zur Unterstützung solcher Aktivitäten ist vor allem die Gestaltung förderlicher Rahmenbedingungen zum Beispiel durch Qualitätszirkel entscheidend.
- Der dynamische Wandel von Arbeitsprozessen in Bezug auf Technologieeinsatz sowie Ablauf - und Organisationsgestaltung erfordern Fähigkeiten zur flexiblen Anpassung und Umstellung auf neue, veränderte Bedingungen und Anforderungen. Die Entwicklung und Förderung von entsprechenden Lern - und Umstellungsfähigkeiten beziehungsweise der Bereitschaft dazu ist wiederum primär durch eine entsprechende Gestaltung von Rahmenbedingungen, im Sinne einer förderlichen Lernkultur im Unternehmen zu erzielen.

Neue Produktionsformen bedeuten also folgerichtig neue Arbeitsinhalte: nicht mehr die Unterordnung unter vorgegebene Anweisungen, sondern selbständiges, eigenverantwortliches Handeln machen den Kernpunkt der Facharbeit von morgen aus. Der Einzug der Mikroelektronik in die Produktion und hohe Investitions - und Ausfallkosten der hochautomatisierten Anlagen erfordern das selbständige Planen, Durchführen, Kontrollieren und Bewerten der eigenen Arbeit. Die Anforderungen haben sich damit nicht nur quantitativ erhöht, sondern auch qualitativ: neben tiefergehenden Kenntnissen der verwendeten Steuerungstechnik ist ein Denken in abstrakten, komplexen und vernetzten Systemen notwendig.

Flexibilität, Selbständigkeit, Reflexions - und Kritikfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und Eigenverantwortlichkeit werden damit zu erklärten Zielen der Ausbildung. Den kompetenten Facharbeiter machen damit nicht mehr nur konkrete und reichhaltige Arbeitserfahrungen aus, sondern die Fähigkeit, komplizierte Arbeitsabläufe gedanklich wie sprachlich nachvollziehen und vorausdenken zu können. Notwendig werden die Fähigkeit zu analytischen, problemlösenden Denken und zur selbständigen Beschaffung, Auswahl und Verarbeitung von Informationen. Neben der Entwicklung einer genauen Vorstellung von Ablauf und Ergebnis von Operationen noch vor dem eigentlichen Handeln und der steten Regulation von Tätigkeiten durch Soll - Ist - Vergleiche gehört hierzu auch eine selbständige, lernfördernde Kontrolle und Bewertung der erzielten Ergebnisse (Skell in Greif / Kurtz, Seite 84 - 86).

Die Fähigkeit, selbständig beobachten, nachdenken, sprachlich formulieren und situationsangemessen reagieren können, erfordert Qualifikationen, die mit den bisherigen Methoden nicht mehr zu leisten sind. Fachwissen und Fachkönnen müssen in einer Weise erarbeitet werden, die den Lernern die Möglichkeit einräumt, weitergehende methodische und soziale Kompetenzen zu erwerben:

„Diese höchst komplexen Fähigkeiten werden vom Lernenden produziert. Sie entstehen individuell über die Auseinandersetzung mit der gegenständlichen, natürlichen, geistigen und sozialen Umwelt. Sie sind nicht äußerlich, haben keinen definierbaren Endzustand und lassen sich weder unmittelbar unterrichten, noch unterweisen. Hier greifen am ehesten indirekte Konzepte, das heißt, es werden Lernsituationen geschaffen, in denen der Lernende diese Fähigkeiten aktiv und individuell ausbilden kann. Alle traditionellen Vermittlungskonzepte gehen vom Modell der Übernahme eines vorfindlichen Wissens und Könnens aus; dies funktioniert hier nicht; der konstruktive Prozess beim Lernenden steht im Mittelpunkt“ (Laur-Ernst, nach Arnold, Seite 302).

Gefragt sind also Qualifizierungsmethoden, die - statt reproduzierbares, dem Verfall unterworfenes Wissen anzuhäufen - die Denkfähigkeit schulen und einen systematisch vorausbedenkenden Arbeitsstil entwickeln. Neben der bewussten Strukturierung, Planung und Kontrolle des eigenen Handelns gehört dazu auch die Förderung der Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Team (Sonntag, Seite 1-3).

2. Schlüsselqualifikationen

2.1 Zum Begriff der Qualifikation

Bei der Suche nach einer allgemeingültigen Definition des Begriffes der Qualifikation, stößt man bei Lektüre der einschlägigen Fachliteratur auf eine Vielzahl von Herangehensweisen, den Terminus „Qualifikation“ zu erklären.

Diese Arbeit stützt sich jedoch auf folgende Definitionen:

- Qualifikation im engeren Sinne: Bündel an Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten,

Einstellungen und Werthaltungen, über die eine Person verfügt oder als Voraussetzung für die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit verfügen soll.

- Qualifikation im weiteren Sinne: Bündel an Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen und Werthaltungen, über die eine Person verfügt oder als Voraussetzung für eine ausreichende Breite in der beruflichen Einsetzbarkeit verfügen soll.

Lediglich letztere Form der Qualifikation bringt durch die Einbeziehung der Formulierung: „ausreichende Breite in der beruflichen Einsetzbarkeit“, den Flexibilitätsaspekt, der auch dem Begriff der Schlüsselqualifikationen innewohnt, zum Ausdruck. Aus diesem Grund ist es dieser Ansatz, der der weiteren Begriffsklärung zu Grunde zu legen ist.

2.2 Zu Schlüsselqualifikationen

2.2.1 Zum Begriff der Schlüsselqualifikationen

Schlüsselqualifikationen sind Fähigkeiten, Einstellungen und Werthaltungen, die über die fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten hinaus reichen und sie überdauern. - Sie sollen dazu befähigen, die Anforderungen von morgen, die wir heute noch nicht kennen, bewältigen zu können.

Sie sollen die Auszubildenden dazu anleiten, veränderten Ansprüchen des gesellschaftlichen und technischen Wandels längerfristig gerecht zu werden und helfen, Veränderungen besser umzusetzen und ihnen ein angemessenes Verhalten zu sichern.

Man hat erkannt, dass nicht nur das Vermitteln von Fachwissen im Vordergrund stehen darf, denn dieses ist in unserer schnelllebigen Zeit rasch wieder überholt und veraltet. Durch das Vermitteln von Schlüsselqualifikationen hingegen, will man die Auszubildenden zu Flexibilität und Mobilität erziehen.

Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wird nicht nur als wichtig für das Bewältigen des Berufslebens, sondern auch für das Bewegen in der Gesellschaft und im Alltag angesehen.

Als Berufsqualifikation sind es funktions- und berufsübergreifende Qualifikationen zur Bewältigung beruflicher Anforderungssituationen. Diese Fähigkeiten, Einstellungen und Haltungen reichen über die fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten hinaus und überdauern sie. Qualifikationsziel ist die berufliche Flexibilität und Mobilität.

Es sind Selbsthilfequalifikationen, mit deren Einsatz der Arbeitnehmer selbständig die Wandlungen in Arbeit und Beruf bewältigen kann, ohne sogleich auf Fremdhilfe angewiesen zu sein. Für den schulischen Bereich kommt hinzu, dass die Kenntnisse, Fähigkeiten nicht nur auf die Berufsqualifikation abzielen dürfen, sondern auch auf eine ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit.

Die während der schulischen und beruflichen Ausbildung erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse (Fachwissen) mögen zwar ausreichen, um kurzfristig funktionsfähig zu sein, nicht aber dazu, langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Nicht berufliches Fachwissen sichert die Beschäftigungsfähigkeit, sondern Schlüsselqualifikationen! Sie dienen der Antizipation und Anpassung an die Qualifikationsanforderungen im Wandel.

Durch diese Entwicklung verändern sich auch die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte, sie müssen die neuen Techniken beherrschen. Sie müssen mit Systemen und Anlagen selbstständig umgehen und Produktionsabläufe überblicken und Funktionsweisen von Maschinen und Anlagen durchschauen können, die nicht mehr unmittelbar sichtbar sind. Das erfordert hohes Abstraktionsvermögen. Zur Vermeidung beziehungsweise schnellen Behebung von Störungen müssen sie zu selbständigem, verantwortungsvollem und kooperativem Handeln fähig sein; sie müssen über ein breites, berufsübergreifendes Grundwissen verfügen und in einem Team von Fachkräften unterschiedlicher Berufe beziehungsweise Fachrichtungen kooperativ arbeiten können. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur schnellen Fehleranalyse und zu problemlösenden Handeln. Von ihnen wird verlangt, vorausschauend denken und planen zu können sowie flexibel und kreativ auf wechselnde Anforderungen reagieren zu können. Die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen wird zu einer wichtigen Voraussetzung, um der technischen Entwicklung standhalten zu können.

Diese gewandelten Qualifikationsanforderungen beschreiben die Qualifikationen, mit denen die Arbeitskräfte künftig seitens der Wirtschaft konfrontiert sind. Sie stellen zugleich aber auch die Voraussetzungen dar, unter denen Facharbeiter/-innen in Zukunft Anschluss an die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt halten können. Auch wenn heute bei weitem noch nicht alle Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe bereits nach neuester technischer Entwicklung eingerichtet sind: Berufliche Bildung ist Zukunftsinvestition. Auszubildende, die heute ihre Prüfung machen, müssen auch in 30 Jahren noch qualifiziert arbeiten können. So müssen bereits heute in der Ausbildung Grundlagen geschaffen werden, die ihnen den Anschluss an die weitere technische und gesellschaftliche Entwicklung ermöglichen.

2.2.2. Zur Entstehung des Begriffes Schlüsselqualifikationen

Die erste Erwähnung fand der Begriff 1974 in einem Artikel von Dieter Mertens, dem

damaligen Direktor für Arbeitsmarkt - und Berufsforschung. Er sah die Gefahr der schnell veraltenden Fachqualifikation auf die Gesellschaft zukommen und verstand die Wortschöpfung „Schlüsselqualifikation“ als eine Art Metapher für die Möglichkeit, einst erworbene Berufsqualifikationen in einem nicht vorhersehbaren, neuen Umfeld auch weiterhin einsetzen zu können. Diese Erklärung wird als das „arbeitsmarktpolitisch begründete Konzept der Schlüsselqualifikationen“ bezeichnet.

Ein anderer, aber dennoch durch das Postulat der benötigten Schlüsselqualifikationen mit dem „arbeitsmarktpolitisch begründeten Konzept“ verbundener Ansatz wird durch das „betriebspädagogisch begründete Konzept der Schlüsselqualifikationen“ dargestellt. Anhand dessen wird argumentiert, dass es aufgrund des zunehmenden Weichens der an Taylor orientierten Arbeitszerlegung hin zu einer integrativen Verzahnung von Tätigkeiten und Aufgabenfeldern zunehmend wichtig wird, das Qualifikationsspektrum der Mitarbeiter unterer Hierarchiestufen zu erweitern, da mit eben dieser Ausweitung der Anforderungen von Arbeitsplätzen auch eine gleichgerichtete Entwicklung in bezug auf die Qualifikationen einhergehen muss. Dies setzt voraus, dass Mitarbeiter über ein gewisses Maß an Schlüsselqualifikationen verfügen, um es ihnen zu erleichtern, Zugang zu den notwendigen Fachkenntnissen zu erlangen.

Eine Hilfestellung zum Verständnis der Schlüsselqualifikationen liefert folgende Zusammenstellung möglicher Bedeutungen des Begriffs:

Inhalte von Schlüsselqualifikationen

- Sie dienen der Erschließung (Schlüssel) wechselnden Spezialwissens
- Sie beinhalten kein spezielles Fachwissen, sondern eine allgemeine berufliche

Leistungsfähigkeit

- Sie stellen berufs - und funktionsübergreifende Qualifikationen mit übergeordneter Bedeutung für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben dar
- Sie sind mehr als die traditionellen „Kenntnisse“ und „Fertigkeiten“, sie beinhalten zusätzliche „Fähigkeiten“
- Sie dienen der Selbsthilfe, indem sie zum selbständigen lebenslangem Lernen

befähigen

Diese neue Zielgröße für die Berufsausbildung wurde von Dieter Mertens kreiert (Mertens 1974), wobei er sich von folgenden Überlegungen leiten ließ: Da die Qualifikationsanforderungen in dem dynamisch gewordenen Beschäftigungssystem nicht konkret prognostizierbar seien, stehe die Bildungsplanung vor der Aufgabe, ein curriculares Konzept zu entwickeln, das den Einzelnen mit den Kompetenzen ausstatte, die er für die Bewältigung von Unvorhersehbaren benötige. Den Flexibilitätserfordernissen der sich wandelnden Arbeitswelt könne nicht durch Differenzierung und Spezialisierung unter Bezug auf gegenwärtige und antizipierte , Anforderungsprofile entsprochen werden, sie verlangten vielmehr nach Verallgemeinerung und Entspezialisierung (Mertens, Dieter: Schlüssel -qualifikationen. In: Mitteilungen zur Arbeitsmarkt - und Berufsforschung, 7. ,Jg. (1974), S. 36-43).

Mertens definiert wie folgt: ,,Schlüsselqualifikationen sind solche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche nicht unmittelbaren und begrenzten Bezug zu bestimmten disparaten Tätigkeiten erbringen, sondern vielmehr

- die Eignung für eine große Zahl von Positionen und Funktionen als alternative Optionen zum gleichen Zeitpunkt und
- die Eignung für die Bewältigung einer Sequenz von (meist unvorhersehbaren) Änderungen von Anforderungen im Laufe des Lebens.

Obwohl oft genug dargestellt, wollen wir die Mertens'schen Schlüsselqualifikationen in Erinnerung rufen:

a) „Basisqualifikationen“, zu denen die Fähigkeit zu logischem strukturierendem, konzeptionellem und dispositivem Denken sowie zu kooperativem Verhalten zählt;
b) die um den Begriff der Information zentriert sind: Wissen über das Wesen von Information, Verstehen und Verarbeiten von Informationen;
c) bei den „Breitenelementen“ handelt es sich um fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die jedoch über breite Felder der Tätigkeitslandschaft erforderlich sind.
d) „Vintage-Faktoren“ meinen einen Kanon allgemeinbildender Inhalte die Gegenstand schulischer Lehrpläne sind oder sein sollen.

2.3 Zur Begründung der Notwendigkeit von Schlüssel -qualifikationen

Unternehmen sehen sich heute durch veränderte ökonomische Rahmenbedingungen vor große Herausforderungen gestellt. Dies betrifft zum einen den durch die zunehmende Globalisierung verschärften Wettbewerb, dem viele Unternehmen durch verstärkte Kundenorientierung, innovative Produkte und Dienstleistungen, variantenreiche Produktion, verbesserte und zuverlässige Qualität, kurzfristige Lieferfähigkeit, kontinuierliche Verbesserungsprozesse in den betrieblichen Abläufen zu begegnen suchen (Dehnbostel 1995b), zum anderen die Entwicklungen im Bereich Technologie. Die Entwicklung neuer Generationen von Geräten geht immer rasanter vonstatten, die Anforderungen an die Bediener neuer Geräte werden immer höher.

[...]

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Details

Titel
Das Konzept der Schlüsselqualifikationen und die Leittextmethode als Beispiel für ganzheitliche Ausbildungskonzeptionen
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Berufspädagogik und Allgemeine Pädagogik)
Veranstaltung
Lehr – und Lernkonzepte in der beruflichen Aus – und Weiterbildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
44
Katalognummer
V87375
ISBN (eBook)
9783638031356
ISBN (Buch)
9783638929165
Dateigröße
1968 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Schlüsselqualifikationen, Leittextmethode, Beispiel, Ausbildungskonzeptionen, Lernkonzepte, Weiterbildung, Lehrkonzepte, Handlungskompetenz, Handlungsorientierung
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Stefan Schwarzwälder (Autor), 2001, Das Konzept der Schlüsselqualifikationen und die Leittextmethode als Beispiel für ganzheitliche Ausbildungskonzeptionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87375

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