Der Aufbau des Essays ist wie folgt gestaltet: Ähnlich der Aufgabenstellung geht der Text, nach einer kurzen Begriffserläuterung, auf den Inhalt von Anthony Giddens entwickelter Theorie der Strukturierung und Steven Lukes Machtkonzept ein. Anschließend werden auch die Machtbeziehungen im Giddens’schen Sinne erläutert, und im Schlussteil beide Standpunkte anhand zweier Beispiele diskutiert. Der Begriff Struktur ist eines der Gebiete, mit denen die Soziologie arbeitet, um den
Gegenstand der Gesellschaft zu beschreiben. Struktur bezeichnet „das Gefüge von
Erwartungen, Normen, Positionen, Rollen, Gruppen, Organisationen, Institutionen,
Schichten oder Klassen, aus deren Vorschriften, Rechten, Verpflichtungen,
Zugehörigkeiten und Mitgliedschaften sich Regelmäßigkeiten und
Funktionszusammenhänge, aber auch Konflikte, Störungen und Wandel der sozialen
Beziehungen ergeben.“ Dies ist aber nur eine mögliche Bedeutung des Begriffs,
denn in der soziologischen Theorie gibt es neben den hier vorgestellten
Konzeptionen noch weitere.
Der englische Soziologe Anthony Giddens zählt zu den bedeutendsten
Sozialtheoretikern der Gegenwart. Seine Mitte der 70er Jahre entwickelte Theorie
der Strukturierung bemüht sich um die Überwindung der heute noch in den
Sozialwissenschaften dominierenden Entgegensetzung von subjektivistisch
orientierten Handlungs- und objektivistisch ausgerichteter Struktur- bzw.
Systemtheorien. Für Giddens entspricht die soziale Wirklichkeit einem Prozess, in
dem Struktur und Handeln ineinander greifen.
Die Strukturierungstheorie entwickelte Anthony Giddens in seinem Werk ,,Die
Konstitution der Gesellschaft“. In einem Interview bezeichnet er die Gesellschaft als
eine Synthese eigener Art: „Sie löst neue Erscheinungen aus, die von denen im
Bewusstsein der Einzelnen verschieden sind.“ Erscheinungen stehen demnach
außerhalb des individuellen Bewusstseins, wobei Akteure nicht getrennt voneinander
existieren, und die Gesellschaft sie nicht in gleicher Weise umgibt wie die Natur. Das Giddens’sche Bild von den Gesellschaftsmitgliedern erinnert stark an das des Symbolischen Interaktionismus und der Phänomenologie. Als Forschungsfeld
dienen ihm die über Zeit und Raum geregelten gesellschaftlichen Praktiken, wobei er
Handlungen stets auf bekannte Werte zurückführt. Dabei bilden die Handelnden in
und durch ihr Handeln die Bedingungen, die ihr Handeln ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufgabenstellung
2. Vorwort
3. Essay
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Problem der Vermittlung von Handeln und Struktur durch einen theoretischen Vergleich der Konzepte von Anthony Giddens („Die Konstitution der Gesellschaft“) und Steven Lukes („Power“). Ziel ist es, die Perspektiven auf Macht und Handlungsspielräume kritisch gegenüberzustellen und anhand soziologischer Beispiele zu diskutieren.
- Vergleich der Strukturierungstheorie von Anthony Giddens mit dem Machtkonzept von Steven Lukes.
- Analyse der Dualität von Struktur und der „Macht zu etwas“ bei Giddens.
- Untersuchung der dreidimensionalen Machttheorie von Lukes („Macht über Andere“).
- Diskussion der Wechselwirkung von Handeln, Struktur und Macht anhand praktischer Fallbeispiele.
Auszug aus dem Buch
Essay
Der Begriff Struktur ist eines der Gebiete, mit denen die Soziologie arbeitet, um den Gegenstand der Gesellschaft zu beschreiben. Struktur bezeichnet „das Gefüge von Erwartungen, Normen, Positionen, Rollen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Schichten oder Klassen, aus deren Vorschriften, Rechten, Verpflichtungen, Zugehörigkeiten und Mitgliedschaften sich Regelmäßigkeiten und Funktionszusammenhänge, aber auch Konflikte, Störungen und Wandel der sozialen Beziehungen ergeben.“ Dies ist aber nur eine mögliche Bedeutung des Begriffs, denn in der soziologischen Theorie gibt es neben den hier vorgestellten Konzeptionen noch weitere.
Der englische Soziologe Anthony Giddens zählt zu den bedeutendsten Sozialtheoretikern der Gegenwart. Seine Mitte der 70er Jahre entwickelte Theorie der Strukturierung bemüht sich um die Überwindung der heute noch in den Sozialwissenschaften dominierenden Entgegensetzung von subjektivistisch orientierten Handlungs- und objektivistisch ausgerichteter Struktur- bzw. Systemtheorien. Für Giddens entspricht die soziale Wirklichkeit einem Prozess, in dem Struktur und Handeln ineinander greifen.
Die Strukturierungstheorie entwickelte Anthony Giddens in seinem Werk „Die Konstitution der Gesellschaft“. In einem Interview bezeichnet er die Gesellschaft als eine Synthese eigener Art: „Sie löst neue Erscheinungen aus, die von denen im Bewusstsein der Einzelnen verschieden sind.“ Erscheinungen stehen demnach außerhalb des individuellen Bewusstseins, wobei Akteure nicht getrennt voneinander existieren, und die Gesellschaft sie nicht in gleicher Weise umgibt wie die Natur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufgabenstellung: Definition der Zielsetzung des Essays, nämlich den Vergleich der Macht- und Handlungsbegriffe von Steven Lukes und Anthony Giddens anhand soziologischer Beispiele.
2. Vorwort: Kurze Skizzierung des methodischen Vorgehens, das mit einer Begriffserläuterung beginnt und in eine Diskussion beider Standpunkte mündet.
3. Essay: Eingehende Analyse der Strukturierungstheorie von Giddens und des dreidimensionalen Machtbegriffs von Lukes, gefolgt von einer kritischen Diskussion der Konzepte an Fallbeispielen.
Schlüsselwörter
Soziologie, Herrschaft, Handeln, Struktur, Anthony Giddens, Steven Lukes, Macht, Strukturierungstheorie, Power, Sozialtheorie, Handlungspotential, Machtdimensionen, Nichtentscheidungen, soziale Praxis, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Frage, wie die Beziehung zwischen menschlichem Handeln und sozialen Strukturen sowie die Ausübung von Macht theoretisch zu begreifen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Strukturierungstheorie nach Giddens, das Konzept der „radikalen“ Machtansicht von Lukes sowie das Verhältnis von Akteuren zu ihren sozialen Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die vorgeschlagenen Lösungen von Giddens und Lukes zum Problem der Vermittlung von Handeln und Struktur zu vergleichen und deren Gültigkeit anhand praktischer Beispiele zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode ist der theoretische Vergleich und die kritische Diskussion soziologischer Primärliteratur, ergänzt durch die Anwendung auf konkrete Beispiele wie das Hausmeister-Verhältnis oder Tarifmodelle der Bahn.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erläutert zunächst Giddens’ Theorie der Strukturierung (inkl. Dualität von Struktur) und danach Lukes’ dreidimensionales Machtmodell, bevor beide Ansätze gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Macht, Struktur, Handeln, Giddens, Lukes, Strukturierungstheorie und soziale Praxis.
Wie unterscheidet sich Giddens’ Machtbegriff von dem Lukes’?
Während Lukes sich primär auf die „Macht über Andere“ und das Verhindern von Konflikten konzentriert, betont Giddens das positive Konzept der „Macht zu etwas“ als Ermöglichungsbedingung für Handeln.
Welche Rolle spielen „Nichtentscheidungen“ bei Steven Lukes?
Lukes nutzt das Konzept der Nichtentscheidungen, um zu zeigen, dass Macht auch dadurch ausgeübt wird, dass Interessenkonflikte gar nicht erst zugelassen oder durch die Beeinflussung von Präferenzen unterdrückt werden.
Was verdeutlicht das Beispiel der Deutschen Bahn im Text?
Das Beispiel illustriert den Übergang von einer einseitigen Machtausübung des Unternehmens auf die Kunden hin zu einer wechselseitigen Beeinflussung, bei der die Akteure durch Koalitionen und Ressourcenveränderungen ihre Handlungsspielräume erweitern.
- Citation du texte
- Diplom-Soziologin Susann Kindel (Auteur), 2003, Das Problem der Vermittlung von Handlung und Struktur bei Anthony Giddens und Steven Lukes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87418