Westafrika bildet seit jeher keine Einheit. Weder in politischer, linguistischer, noch in ökologischer oder wirtschaftlicher Hinsicht. Bestimmend ist eher die historiographische Quellenlage. Als Quellen zur vorkolonialen Geschichtsforschung kommen sowohl schriftlich tradierte Chroniken oder Quellen, als auch mündliche Überlieferungen zum Tragen. Auch linguistische Daten wie zum Beispiel Entlehnungen, Orts- und Flussnamen oder andere sprachhistorische Erkenntnisse sind von nicht unwesentlicher Bedeutung.
Schriftliche Quellen von Westafrika-Reisenden, meist aus dem arabischen Raum, stehen ab dem 11. Jahrhundert zur Verfügung. Deren Aussagewert hängt von mehreren Faktoren ab, so unter Anderem von der Zielsetzung dieser Reisen, der Beobachtungsgabe der Reisenden, von der Dauer ihres Aufenthaltes und der Art ihrer Kontakte. Demgegenüber stehen die wesentlich ungenauer ausfallenden mündlichen Überlieferungen - meist der ′Griots′.
Trotz der im Vergleich zu Mitteleuropa eher ungünstigen Quellenlage soll der Versuch unternommen werden, die vorkoloniale Geschichte in die Aufarbeitung moderner Konflikte im heutigen Westafrika mit einzubeziehen. Ebenfalls entscheidend für die Situation in dieser Region ist die Rolle der westlichen Kolonisatoren. Das Volk der Asante steht hier exemplarisch für die Vielfalt der Kulturen in Westafrika.
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit wird sich daher mit den geographischen Gegebenheiten, der Herkunft der Asante, ihrer Kultur und Geschichte und vor allem mit dem Aufstieg und Fall ihres Reiches beschäftigen. Im zweiten Teil stehen die Wechselwirkungen zwischen dem auch heute noch äußerst bedeutenden Sozial- und Clanwesen dieses Volkes und den wirtschaftlichen und politischen Systemen in einem unabhängigen Ghana im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Geografie
II.1 Westafrika und Ghana
II.2 Das Gebiet der Asante
II.3 Die Akan–Stämme
II.3.1 Woher kommen die Asante?
II.3.2 Sprachwissenschaft
III. Der Aufbau des Staates
III.1 Traditionelle soziale Ordnung und daraus resultierende Konflikte in der Neuzeit
III.1.1 Sozialgefüge
III.1.2 Matrilinearität und Patrilokalität
III.1.3 Abusua und Ntoro
III.1.3.1Kreuzkusinen-Heirat
III.1.4 Frauen bei den Asante
III.1.5 Religion
III.1.5.1 Traditionelle Religionen
III.1.5.2 Islam und Christentum
III.2 Clanwesen und Staatsgefüge
IV. Aufstieg und Fall des Asante-Reiches
IV.1 Das Militärwesen
IV.2 Der Sklavenhandel
IV.3 Der Goldene Stuhl
IV.4 Der Aufstand der Asante
IV.5 Chronologie der Asantehene
V. Westafrika nach der Unabhängigkeit
V.1 Das Erbe der Kolonialverwaltungen
V.2 Probleme mit der Unabhängigkeit
VI. Die politischen Systeme in Ghana – eine Übersicht
VI.1 Militärregime versus Rechtsstaat
VI.2 Die Bedeutung der Asante für die politische Entwicklung Ghanas
VI.2.1 Drei Fallbeispiele
VI.2.1.1 Lieutenant General Akwasi Amankwa Afrifa
VI.2.1.2 General Ignatius Kutu Kwasi Acheampong
VI.2.1.3 Präsident John Agyekum Kufuor
VI.3 Chronologie der Politischen Systeme in Ghana seit der Unabhängigkeit
VI.4 Chronologie der Präsidenten und politischen Führer in Ghana seit der Unabhängigkeit
VII. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung
VII.1 Bodenschätze und Bergbau
VII.1.1 Die Wirtschaftliche Bedeutung der Rohstoffe für Ghana am Beispiel Gold
VII.2 Agrarwirtschaft
VII.3 Industrialisierung
VII.3.1 Probleme der Industrialisierung am Beispiel Voltastausee
VII.4 Ghanas Wirtschaft in Zahlen
VII.5 Zukunftsaussichten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die vorkoloniale Geschichte der Asante in Westafrika und analysiert deren sozio-ökonomische Strukturen sowie die Wechselwirkungen dieser traditionellen Systeme mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des modernen Staates Ghana.
- Historische Herkunft, Aufstieg und Fall des Asante-Reiches.
- Analyse des traditionellen Familien-, Sozial- und Clanwesens.
- Rolle der Asante in der politischen Geschichte Ghanas seit der Unabhängigkeit.
- Wirtschaftliche Bedeutung von Rohstoffvorkommen und industrialisierte Großprojekte (z.B. Voltastausee).
Auszug aus dem Buch
III.1.1 Sozialgefüge
Den Kernpunkt des sozialen Lebens der Asante bildet die Familie. Position und Machtumfang des Familienoberhauptes gelten als Muster für die Stellung der führenden Personen im Staatsgefüge. Nur aus dieser sozialen Ordnung heraus konnten die Asante zu einer führenden Militärmacht werden, die den Aufstieg ihres Reiches begründete.
Die Großfamilie, zu der mindestens drei Generationen zählen, umfasst neben dem Oberhaupt und seinen Frauen und Kindern (verheiratete, sowie unverheiratete mit ihren Familien), seine Mutter und seine jüngeren Brüder und unverheirateten Schwestern, und bildete ursprünglich einen mehr oder weniger isolierten Verband innerhalb des Stammes der hierarchisch gesehen genossenschaftlich bis demokratisch gegliedert war.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Beschreibt die historiographische Quellenlage in Westafrika und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die vorkoloniale Geschichte der Asante mit modernen Konflikten in Ghana zu verknüpfen.
II. Geografie: Gibt einen Überblick über die geografische Lage Westafrikas, das Siedlungsgebiet der Asante und die sprachwissenschaftliche Einordnung der Akan-Stämme.
III. Der Aufbau des Staates: Beleuchtet die traditionelle soziale Ordnung, das Clanwesen, die Rolle der Frau sowie religiöse Einflüsse und deren Bedeutung für das Staatsgefüge der Asante.
IV. Aufstieg und Fall des Asante-Reiches: Analysiert die historische Entwicklung des Reiches, das Militärwesen, den Sklavenhandel, die symbolische Bedeutung des Goldenen Stuhls und die Auseinandersetzungen mit den Briten.
V. Westafrika nach der Unabhängigkeit: Untersucht die nachkolonialen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der westafrikanischen Staaten sowie das Erbe der Kolonialverwaltungen.
VI. Die politischen Systeme in Ghana – eine Übersicht: Gibt einen chronologischen Überblick über die politische Entwicklung Ghanas seit 1957 und analysiert den Einfluss der Asante auf die Politik anhand von Fallbeispielen.
VII. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung: Behandelt die Bedeutung natürlicher Ressourcen, insbesondere den Goldabbau, die Agrarwirtschaft und die Industrialisierung am Beispiel des Voltastausee-Projekts.
Schlüsselwörter
Asante, Ghana, Akan-Stämme, Sozialgefüge, Kolonialgeschichte, Ashanti Goldfields, Goldabbau, Voltastausee, Politik in Ghana, Traditionelle Religion, Matrilinearität, Unabhängigkeit, Wirtschaftsstruktur, Asantehene, Clanwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der modernen Asante-Gesellschaft im historischen Kontext und ihrer Bedeutung für die sozio-ökonomische sowie politische Entwicklung Ghanas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Asante, ihre sozialen Strukturen, ihre politische Rolle in Ghana und die wirtschaftliche Nutzung von Bodenschätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Bogen von der vorkolonialen Geschichte der Asante bis zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation Ghanas zu spannen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und soziologische Analyse, die auf der Auswertung von schriftlichen Quellen, mündlichen Überlieferungen und historisch-politischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Staatsaufbau der Asante, den Aufstieg und Fall ihres Reiches, die politischen Systeme in Ghana seit der Unabhängigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Asante, Ghana, Goldabbau, Clanwesen, Matrilinearität und politische Entwicklung geprägt.
Warum ist die Matrilinearität für die Asante so wichtig?
Die Matrilinearität definiert die Sippen- und Familienzugehörigkeit über die Linie der Mutter, was zentral für den Erhalt der Identität und des Familienbesitzes im sozialen System der Asante ist.
Welche Rolle spielt der Goldene Stuhl?
Der Goldene Stuhl symbolisiert den Geist und die Seele der Asante-Nation und ist ein zentrales kulturelles Heiligtum, das die legitime Herrschaft des Asantehene manifestiert.
- Arbeit zitieren
- Marc Seifert (Autor:in), 2001, Die moderne Ashanti-Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8742