Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern -ein Thema, dass seit 1989 nicht mehr aus den Schlagzeilen kommt. Rostock und Hoyerswerda sind traurige Beispiele dafür, wie der Hass gegen Fremde in seiner schärfsten Form zum Ausdruck kam.
Erst seit dem Fall der Mauer wurde bekannt, wie Ausländer und Minderheiten in der DDR lebten, welchen Problemen und Anforderungen sie gegenüberstanden.
Seitdem versuchen Sozial- und Gesellschaftswissenschaftler das Phänomen Fremdenfeindlichkeit nach der "Wende" in den neuen Bundesländern zu erklären.
Da die Vermutung nahe liegt, dass Fremdenfeindlichkeit schon als ein latentes Problem in der DDR bestanden hat, gilt es zu untersuchen, welche Ursachen und Gründe es dafür gab. Wie konnte es demnach sein, dass spätestens seit Mitte der 80er Jahre die Ausgrenzung von "Fremden" zunehmend offener und gewalttätiger geschah, obwohl die SED - Führung und DDR - Regierung jahrzehntelang den Anspruch erhoben, eine Politik zu betreiben, die Frieden und Völkerfreundschaft anstrebe, dem Antifaschismus und Internationalismus verpflichtet sei und die der Verbreitung von Rassismus, Ausländerhass und Antisemitismus den entscheidenden Kampf ansagte?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es eine spezielle interkulturelle Pädagogik in der Deutschen Demokratischen Republik nicht gab. Die DDR sah sich selbst als einen homogenen deutschen Staat an, in dem es höchstens zu vernachlässigende Minderheiten gab.
Folglich ist die Quellenlage zu diesem Thema relativ dürftig, zumal mit Ausländern oft nur die, in der DDR arbeitenden ausländischen Arbeitskräfte gemeint waren. Trotzdem war die DDR-Erziehung auf Internationalismus und Völkerfreundschaft ausgerichtet. In dieser Hausarbeit sollen die Bemühungen der DDR im Hinblick auf internationalistische Erziehung beleuchtet werden. Da die DDR ein totalitärer sozialistischer Staat war, werden hier ideologische Elemente unzweifelhaft auch eine wichtige Rolle spielen.
Weiterhin soll das Leben der Ausländer in der DDR und ihre Einstellung, beziehungsweise ihre Position zum gegenseitigen Miteinander, mit Bürgern der DDR dargestellt werden.
Zum Schluss wird die Frage diskutiert, wie es zu einer sich steigernden Ablehnung von Ausländern in den achtziger Jahren kommen konnte. Verschiedene Gründe und Erklärungsansätze sollen angesprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ideologische Erziehung in der DDR unter dem Aspekt der Völkerfreundschaft
2.1 Das sozialistische Verständnis von Internationalismus und Kosmopolitismus
2.2 Der Ethnozentrismus des Gleichheitsprinzips
2.3 Antirassistische Erziehung
2.4 Antifaschistische Erziehung
3. Ausländer in der DDR
3.1 Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Ausländern in der Deutschen Demokratischen Republik
3.2 Ausländerfeindlichkeit in der Deutschen Demokratischen Republik
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogischen und ideologischen Ansätze der DDR im Umgang mit "Fremden" sowie die tatsächliche Lebenssituation ausländischer Arbeitskräfte. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie trotz der staatlich verordneten Ideologie von Internationalismus und Völkerfreundschaft eine zunehmende Ausländerfeindlichkeit in den 1980er Jahren entstehen konnte.
- Ideologische Fundierung von Internationalismus und Völkerfreundschaft
- Analyse des staatlichen Umgangs mit dem Begriff des Kosmopolitismus
- Rolle von Antirassismus- und Antifaschismus-Erziehung in der DDR
- Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Vertragsarbeiter
- Ursachenkomplex für das Aufkommen von Ausländerfeindlichkeit in den 1980er Jahren
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Ausländern in der Deutschen Demokratischen Republik
Über die politische soziale und rechtliche Lage der Ausländer in der DDR gibt es verschiedene Auffassungen. Ein Problem hierbei ist, die relativ dünne Quellenlage, die es nicht immer gestattet ein objektives Bild aller, sich in der DDR aufhaltender; Ausländer zu vermitteln. Hauptsächlich wird in den zeitgenössischen Quellen auf die in der DDR arbeitenden Ausländer eingegangen, während ausländische Studenten, Praktikanten und Asylberechtigte oft außer acht gelassen werden.
Ausländer besaßen in der DDR entsprechend § 4 des Ausländergesetztes von 1979 die gleichen Rechte wie DDR Bürger, soweit diese nicht an die Staatsbürgerschaft der DDR gebunden waren. Das Problem bestand aber darin, die Gleichberechtigung in der Praxis zu realisieren. Das sogenannte Prinzip der Inländergleichberechtigung nutze den Ausländern aufgrund einer ungeordneten Gesetzeslage, eines unbegrenzten Verwaltungsermessens und einer vagen Verfassungssituation recht wenig.
Bis 1989 wuchs die Zahl der Ausländer mit einem ständigen Wohnsitz in der DDR auf rund 40000 an. Sie waren den Inländern rechtlich relativ gleichgestellt. Der Großteil dieser Ausländer setzte sich aus Vietnamesen, Mocambiquanern und Kubanern, also Angehörige befreundeter sozialistischer Staaten, zusammen.
Sie waren in die Gesellschaft integriert, wobei ihnen die berufliche Qualifizierung und die zunehmende Beherrschung der deutschen Sprache zugute kam.
In beruflicher Hinsicht hatten die ausländischen Arbeitskräfte die gleichen beruflichen Aufstiegmöglichkeiten wie Inländer, wenn man von höheren Leitungspositionen absieht. In Anbetracht der relativ umfassenden Gleichstellung sahen es viele auch als unnötig an, die Staatsbürgerschaft der DDR zu beantragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Ausländerfeindlichkeit in der DDR ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen für die zunehmende Ablehnung von Fremden trotz ideologischer Internationalismus-Vorgaben.
2. Die ideologische Erziehung in der DDR unter dem Aspekt der Völkerfreundschaft: Das Kapitel erläutert, wie sozialistische Begriffe ideologisch umgedeutet wurden, um eine selektive Völkerfreundschaft zu begründen und den "Klassenfeind" abzugrenzen.
2.1 Das sozialistische Verständnis von Internationalismus und Kosmopolitismus: Es wird dargelegt, warum der Begriff des Kosmopolitismus in der DDR verworfen und durch den ideologisch besetzten Begriff des proletarischen Internationalismus ersetzt wurde.
2.2 Der Ethnozentrismus des Gleichheitsprinzips: Das Kapitel analysiert, wie ein "Gleichheitsraster" dazu diente, Völker anhand sozialistischer Kriterien positiv oder negativ zu bewerten.
2.3 Antirassistische Erziehung: Hier wird untersucht, wie die DDR Rassismus ausschließlich als Problem des kapitalistischen Systems darstellte, während individueller Rassismus im eigenen Land tabuisiert wurde.
2.4 Antifaschistische Erziehung: Die Analyse zeigt auf, dass der Antifaschismus als Identifikationsmuster diente, um sich vom "Anderen" abzugrenzen, ohne die eigene Geschichte kritisch aufzuarbeiten.
3. Ausländer in der DDR: Dieses Kapitel betrachtet die reale Situation von Ausländern in der DDR, insbesondere unter dem Aspekt ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Einbindung.
3.1 Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Ausländern in der Deutschen Demokratischen Republik: Es wird die Integration von Vertragsarbeitern aus befreundeten sozialistischen Staaten sowie deren Alltag und Arbeitsbedingungen beschrieben.
3.2 Ausländerfeindlichkeit in der Deutschen Demokratischen Republik: Das Kapitel diskutiert verschiedene Erklärungsansätze für die zunehmende Ausländerfeindlichkeit gegen Ende der 1980er Jahre.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke zur Untersuchung.
Schlüsselwörter
DDR, Internationalismus, Völkerfreundschaft, Ausländerfeindlichkeit, Sozialismus, Antifaschismus, Ideologie, Vertragsarbeiter, Rassismus, DDR-Geschichte, Klassenbewusstsein, Fremdenfeindlichkeit, Alltag in der DDR
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Umgang der DDR mit dem Thema Fremdheit und Ausländern vor dem Hintergrund ihrer offiziellen Ideologie der Völkerfreundschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ideologische Erziehung, die politische Definition von Internationalismus und die Lebensbedingungen ausländischer Arbeitskräfte in der DDR.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Entstehung von Ausländerfeindlichkeit in den 1980er Jahren in der DDR zu ergründen, obwohl der Staat sich offiziell als antifaschistisch und internationalistisch definierte.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung zeitgenössischer Dokumente und Lehrpläne basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die ideologischen Grundlagen (Internationalismus, Antirassismus), die Lebenssituation der Vertragsarbeiter und die verschiedenen Theorien zur Entstehung der Ausländerfeindlichkeit analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Internationalismus, DDR-Ideologie, Vertragsarbeiter und Ausländerfeindlichkeit charakterisiert.
Warum gab es laut der DDR-Ideologie keinen Rassismus im eigenen Land?
Da Rassismus als rein kapitalistisches Phänomen definiert wurde, galt er als dem sozialistischen System grundsätzlich wesensfremd, was dazu führte, dass Probleme im eigenen Land bagatellisiert wurden.
Was war die sogenannte "Importtheorie" in der DDR?
Die Importtheorie war eine staatlich vorgegebene Erklärung, die besagte, dass der aufkeimende Ausländerhass ausschließlich von außen, durch kapitalistische Staaten, in die DDR "importiert" wurde.
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- Rene Hoffmann (Autor), 2002, Interkulturelle Pädagogik in der DDR, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8753