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Die Rolle der Sozialisationeinstanz Familie in Richard Sennetts "Der flexible Mensch"

Title: Die Rolle der Sozialisationeinstanz Familie in Richard Sennetts "Der flexible Mensch"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 32 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Silke Wellnitz (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Summary Excerpt Details

Während früher viele Faktoren für das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach als Großfamilie sprachen, da die Familie früher viele Funktionen wie die Aufzucht und Erziehung der Kinder als soziale Sicherung, darüber hinaus die Funktion der Erhaltung des Haushalts, was mit einer Art ökonomischen Funktion einher ging, eine Statuszuweisungsfunktion und auch eine Freizeitfunktion als Ort der Geselligkeit und Regeneration hatte, geht heute der Trend zu einer anderen Form von Familie: der Kernfamilie, die nur noch zwei Generationen umfasst. Betrachtet man die oben genannten Funktionen, so fällt auf, dass die Instanz Familie ihr Monopol an andere Institutionen und Instanzen verloren hat. Allein eine Art „Rückzugsfunktion“ durch die Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit kann ihr als Hauptfunktion nachgesagt werden und auch hier muss man sich fragen, ob dies in einer kinderlosen Partnerschaft nicht auch ausgelebt werden kann. „Manche Wissenschaftler sehen massive Umbrüche, vielleicht gar das Ende der traditionellen Familie; andere wenden sich gegen das, was sie das dauernde Kriegsgerede nennen, und behaupten: die Familie lebt, die Zukunft gehört der Familie; die dritten bewegen sich irgendwo dazwischen, sprechen vorzugsweise von Pluralisierungstendenzen“, stellt Elisabeth Beck-Gernsheim (1994: 115) in Auf dem Weg in die postfamiliale Familie – von der Notgemeinschaft zur Wahlverwandtschaft mit Blick auf die Diskussion fest. Dann greift sie einen Gedanken auf, den Dieter Hoffmeister in Mythos Familie. Zur soziologischen Theorie familialen Wandels wie folgt formuliert: „Letztlich ist es der Mythos von der Existenz einer hinreichend definierbaren Normalität, der Krise[n] immer dann als solche vermuten und erscheinen lässt, wenn sich eine solche Normalität partout nicht einstellen will“ (Hoffmeister 2001: 13). Beck-Gernsheim spricht davon, die „vielen Bunttöne dazwischen [zu] betrachten, die Vielzahl der Lebensformen, diesseits und jenseits der traditionellen Familie“ (Beck-Gernsheim 1994:116), ohne sie an einer „Normalitätskonstruktion“ (a.a.O.:117) messen zu wollen.
In meiner Arbeit möchte ich dem Familienbild folgen, dass der Soziologe Richard Sennett 1998 in Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus zeichnet, und die Probleme beschreiben, die Sennett für die Familie sieht. Welche Auswirkungen hat die flexible Arbeitswelt auf die Familie? (...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Instanz Familie

2.1. Die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf die Familie

2.2. Familie aus funktionalistischer Sicht

2.2.1. Die Reproduktionsfunktion

2.2.2. Die Sozialisationsfunktion

2.2.3. Die Platzierungsfunktion

2.2.4. Die Freizeitfunktion

2.2.5. Die Spannungsausgleichsfunktion

2.3. Deutsche Familien und Lebensformen: Ergebnisse des Mikrozensus 1996-2004

2.3.1. Die Ergebnisse des Mikrozensus zum Lebensformenkonzept in Deutschland

2.3.2. Zusammenfassung der Ergebnisse zum Lebensformenkonzept

3. Erwerbstätigkeit und Familie

3.1. Sennetts Familienbild in Zeiten der Flexibilität:

3.1.1. Das Familienbild in Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus

3.1.2. Probleme der Sozialisationsinstanz in Zeiten der Flexibilität

3.2. Erwerbstätigkeit und Familie in Deutschland: Ergebnisse des Mikrozensus 2004

3.2.1. Ergebnisse des Mikrozensus 2004 zu Erwerbstätigkeit und Familie in Deutschland

3.2.2. Zusammenfassung der Ergebnisse zu Erwerbstätigkeit und Familie

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel der Familienstruktur und deren Funktionen im Kontext einer zunehmend durch den "neuen Kapitalismus" geprägten, flexiblen Arbeitswelt. Dabei wird analysiert, inwieweit moderne wirtschaftliche Anforderungen die Fähigkeit der Familie zur Sozialisation und werteorientierten Erziehung des Nachwuchses beeinflussen, wobei soziologische Theorieansätze durch statistische Daten des Mikrozensus untermauert werden.

  • Wandel von der vorindustriellen Familienform zur modernen Kernfamilie
  • Funktionalistische Betrachtung der Familie (Reproduktion, Sozialisation, Platzierung)
  • Sennetts Theorie des flexiblen Menschen und deren Auswirkungen auf Bindungen
  • Empirische Analyse des Erwerbsverhaltens in Deutschland (Mikrozensus 1996-2004)
  • Vereinbarkeitsproblematik von Familie und flexibler Arbeitswelt

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Das Familienbild in Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus

Richard Sennetts Arbeit Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus wird 1998 in den USA, 2002 dann auch in Deutschland veröffentlicht. Der Soziologe beschreibt den Einfluss der globalisierten Wirtschaft auf den Arbeitnehmer und letzten Endes auf dessen Charakter (vgl. Sennett 2002: 11). Vor allem der Verlust der Langfristigkeit wird zum Problem, denn „wie bestimmen wir, was in uns von bleibendem Wert ist, wenn wir in einer ungeduldigen Gesellschaft leben, die sich nur auf den unmittelbaren Moment konzentriert“ (Sennett 2002: 12)?

Das erste Kapitel tituliert Sennett mit „Drift. Wie persönliche Erfahrung in der modernen Arbeitswelt zerfällt“. Hier werden die Veränderungen der Arbeitswelt anhand des Beispiels eines Vaters und seines erwachsenen Sohnes dargestellt. Die Generation des Vaters war in ihrer Erwerbstätigkeit geprägt vom linearen Ablauf und der Berechenbarkeit ihrer Zeit (vgl. Sennett 2002: 16). Dies vermittelte eine gewisse Sicherheit, denn der Vater wusste mit vierzig Jahren „schon genau, wann er in Rente gehen und über wie viel Geld er verfügen würde“ (ebd.). Es war möglich, eine klare Lebensgeschichte zu formen, in der man sich über psychische und materielle Erfahrungen entwickelte und seinem Leben eine verständliche Linearität verleihen konnte (vgl. Sennett 2002: 16f.). Die Arbeit des Vaters „hatte ein einziges und dauerhaftes Ziel, den Dienst an seiner Familie“ (Sennett 2002: 15). Dies verlieh ihm ein hohes Maß an Selbstachtung. Allerdings schätzten seine Kinder das so geführte Leben als eingeschränkt ein (vgl. Sennett 2002: 19). In ihrer Arbeitswelt gelten andere Prinzipien, unter anderem die Überzeugung, „man müsse offen für Veränderungen sein und Risiken eingehen“ (ebd.). Dafür müssen Nachteile in Kauf genommen werden. Zunächst bringt Flexibilität mit sich, öfter als früher den Job und dafür auch den Standort zu wechseln, also eine gewisse Unstetigkeit in sein Leben zu nehmen (vgl. Sennett 2002: 20).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung des familialen Wandels von der Großfamilie hin zur Kernfamilie und Formulierung der Forschungsfrage nach den Auswirkungen der flexiblen Arbeitswelt auf die Familie.

2. Soziale Instanz Familie: Theoretische Herleitung des Familienwandels und Definition der funktionalistischen Familienrollen, ergänzt durch eine statistische Aufarbeitung der Lebensformen in Deutschland.

2.1. Die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf die Familie: Untersuchung des Wandels von der vorindustriellen Arbeitsgemeinschaft hin zur Bastelbiografie und dem Verlust des Zwangs zur Solidarität.

2.2. Familie aus funktionalistischer Sicht: Detaillierte Analyse der fünf zentralen Funktionen der Familie (Reproduktion, Sozialisation, Platzierung, Freizeit, Spannungsausgleich).

2.2.1. Die Reproduktionsfunktion: Betrachtung der biologischen und sozialen Reproduktion sowie des Wandels hin zur bewussten Familienplanung.

2.2.2. Die Sozialisationsfunktion: Erörterung der familiären Verantwortung bei der Persönlichkeitsbildung und der zunehmenden Delegierung dieser Aufgabe an Institutionen.

2.2.3. Die Platzierungsfunktion: Analyse der sozialen Zuweisung, die heute weniger durch Herkunft als durch Bildungsabschlüsse und berufliche Positionen geprägt ist.

2.2.4. Die Freizeitfunktion: Beschreibung der Familie als Ort gemeinsamer Freizeitgestaltung und deren Wandel in verschiedenen Phasen des Familienlebens.

2.2.5. Die Spannungsausgleichsfunktion: Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Familie als Kompensationsraum für berufliche Belastungen.

2.3. Deutsche Familien und Lebensformen: Ergebnisse des Mikrozensus 1996-2004: Präsentation statistischer Daten zur demografischen Entwicklung deutscher Haushalte und Familienformen.

2.3.1. Die Ergebnisse des Mikrozensus zum Lebensformenkonzept in Deutschland: Detaillierte Auswertung der Zunahme kinderloser Paare und alternativer Lebensformen.

2.3.2. Zusammenfassung der Ergebnisse zum Lebensformenkonzept: Fazit der statistischen Datenlage mit Fokus auf den Anstieg alternativer Familienmodelle.

3. Erwerbstätigkeit und Familie: Übergang zur Analyse des modernen Arbeitsmarktes und dessen Einfluss auf die familiäre Struktur.

3.1. Sennetts Familienbild in Zeiten der Flexibilität: Anwendung von Richard Sennetts Konzepten auf die familiäre Situation in der modernen Ökonomie.

3.1.1. Das Familienbild in Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus: Darstellung des Verlusts der Langfristigkeit und der Identitätsproblematik im flexiblen Kapitalismus.

3.1.2. Probleme der Sozialisationsinstanz in Zeiten der Flexibilität: Zusammenfassung der Konflikte zwischen Flexibilitätsanforderungen und der Notwendigkeit stabiler Erziehungswerte.

3.2. Erwerbstätigkeit und Familie in Deutschland: Ergebnisse des Mikrozensus 2004: Empirische Untersuchung des Einflusses von Kindern auf die Erwerbsbiografien von Frauen und Männern.

3.2.1. Ergebnisse des Mikrozensus 2004 zu Erwerbstätigkeit und Familie in Deutschland: Detaillierte Analyse geschlechtsspezifischer Arbeitsquoten und der Teilzeitbeschäftigung.

3.2.2. Zusammenfassung der Ergebnisse zu Erwerbstätigkeit und Familie: Resümee über die Abhängigkeit des Erwerbsstatus vom Familienstand und der Anzahl der Kinder.

4. Fazit: Zusammenführung der theoretischen und empirischen Befunde zu einem Gesamtbild des aktuellen Wandels der Familieninstanz.

Schlüsselwörter

Familie, Sozialisation, Flexibilität, Mikrozensus, Lebensformen, neuer Kapitalismus, Reproduktionsfunktion, Individualisierung, Erwerbstätigkeit, Familienwandel, Arbeitswelt, Teilzeitarbeit, Identität, Soziale Instanz, Kernfamilie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die soziologische Untersuchung des Wandels der Familie als Sozialisationsinstanz unter den Bedingungen einer zunehmend flexiblen, durch den Kapitalismus geprägten Arbeitswelt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der historische Wandel der Familienfunktionen, die Auswirkungen der Globalisierung auf die individuelle Lebensgestaltung nach Richard Sennett sowie eine statistische Analyse des Erwerbsverhaltens deutscher Familien.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, welchen Einfluss die moderne, flexible Arbeitswelt auf die Struktur der Familie hat und ob die Familie unter diesen Bedingungen ihre klassische Rolle als Sozialisationsinstanz noch ausfüllen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Literaturanalyse soziologischer Standardwerke (u.a. Sennett, Nave-Herz, Beck-Gernsheim), die mit einer Sekundäranalyse statistischer Daten des Mikrozensus kombiniert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition funktionalistischer Familienrollen, eine empirische Bestandsaufnahme der deutschen Lebensformen und die kritische Auseinandersetzung mit den Belastungen durch den flexiblen Kapitalismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Familie, Sozialisation, Flexibilität, Erwerbstätigkeit, Lebensformen und der Wandel der familialen Funktionen.

Welche Rolle spielt der Mikrozensus für die Autorin?

Der Mikrozensus dient der Autorin als empirisches Fundament, um die theoretischen Thesen über den familialen Wandel mit aktuellen Zahlen und Fakten zur Erwerbssituation in Deutschland zu belegen.

Wie bewertet die Arbeit die "Sehnsucht nach Gemeinschaft"?

Die Arbeit folgt Sennetts Argumentation, dass die Sehnsucht nach Gemeinschaft in einer flexiblen Welt oft zu einer "flachen", oberflächlichen Bindung führt, die eher der Angst vor Isolation als echter emotionaler Tiefe entspringt.

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Details

Title
Die Rolle der Sozialisationeinstanz Familie in Richard Sennetts "Der flexible Mensch"
College
Free University of Berlin  (Institut für Soziologie)
Course
Instanzen der Sozialisation
Grade
1.0
Author
Silke Wellnitz (Author)
Publication Year
2006
Pages
32
Catalog Number
V87546
ISBN (eBook)
9783638030694
Language
German
Tags
Rolle Sozialisationeinstanz Familie Richard Sennetts Mensch Instanzen Sozialisation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silke Wellnitz (Author), 2006, Die Rolle der Sozialisationeinstanz Familie in Richard Sennetts "Der flexible Mensch", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87546
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