1. Einleitung
Um 1800 wurden viele Bildungsromane sowohl von Männern, als auch von einigen Frauen verfasst. Eine dieser Frauen war Dorothea Schlegel, die „vornehmlich 2 Gründe für ihre Schriftstellerei“ hatte. „sie wollte Geld, verdienen und sie wollte dem geliebten Mann helfen.“
Ihr „Reise und Stationenroman der Selbstfindung“ wird 1800 unter dem Titel „Florentin. Ein Roman herausgegeben von Friedrich Schlegel. Erster Band“ herausgebracht. Jedoch wird schnell bekannt, dass Dorothea die eigentliche Autorin des Werkes ist.
In ihrem Roman werden Themen wie Liebe, Freundschaft, Ehe und die Geschlechterproblematik aufgegriffen. Diese Themen werden mit der romantischen Auslegung von Kunst in Einklang gebracht.
Der „Held“ ihres einzigen Romans ist der aristokratische Vagabund Florentin, der nach einer unglücklichen und geheimnisvollen Kindheit durch die Länder zieht, um ein Ziel im Leben und die ideale Geliebte zu finden.
In ihrem Roman erschuf Schlegel außerdem „ein Frauenbild, das weit über das Idealisietre ihrer männlichen Romantikerkollegen hinausging.“
In dem von ihr entworfenen Frauenbild, werden die Frauen hauptsächlich in dem „künstlerisch-sozialen“ oder in dem „häuslich-landwirtschaftlich-ökonomischen Bereich“ gezeigt. Dieser Frauentypus wird von den reiferen Figuren der Clementine und der Eleonore dargestellt. Auf seiner Reise begegnet Florentin neben diesen beiden Frauen auch noch Juliane, der Tochter von Eleonore. In diese scheint Florentin kurzfristig verliebt zu sein, findet in ihr jedoch nicht die ideale Geliebte.
In meiner Hausarbeit werde ich mich mit den Hauptfiguren Florentin, Clementine, Eleonore, Juliane und Eduart auseinandersetzen.
Besonderen Stellenwert bei meiner Hausarbeit werde ich auf die weiblichen Elemente dieses Romans und ihre Funktion legen.
1. Nehrin, Wolfgang: Nachwort in: Dorothea Schlegel: Florentin. Philipp Reclam jun. Stuttgart, S.285- 324; hier S. 302
2. Ebd.
3. Becker-Cantarino, Barbara: Schriftstellerinnen der Romantik. Epoche, Werke, Wirkung, S.135
4. Nehring Wolfgang, S. 304
5. Becker-Cantarino, S.149
6. Nehring Wolfgang, S. 309
7. Brantner, Christina E. : Frühromantische Frauengestalten in Dorothea Veits Roman Florentin (1801),
8. S.53
9. Ebd., S. 52
10. Ebd.
11. Becker-Cantarino, S.144
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ELEMENTE DES WEIBLICHEN IN DEN HAUTCHARAKTEREN UND IHRE FUNKTION
2.1. FLORENTIN
2.2. JULIANE UND EDUART
2.4. ELEONORE
2.5. CLEMENTINE
3. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den weiblichen Hauptfiguren und der androgynen Titelfigur im Roman „Florentin“ von Dorothea Schlegel auseinander. Das primäre Ziel ist die Analyse der Funktion dieser weiblichen Elemente innerhalb des Werkes sowie die Untersuchung der Frage, inwieweit die Autorin damit gesellschaftliche Rollenbilder ihrer Zeit reflektiert oder infrage stellt.
- Die Androgynie der Figur Florentin als Mittel zur Hinterfragung von Geschlechterrollen.
- Entwicklung und Reife der Frauenfiguren Juliane, Eleonore und Clementine.
- Die Darstellung von Ehe, Liebe und gesellschaftlicher Erwartung im frühen 19. Jahrhundert.
- Funktion der Charaktere als Spiegel gesellschaftlicher Missstände und Utopien.
- Die Rolle der Weiblichkeit in der romantischen Literatur und Schlegels spezifische Perspektive.
Auszug aus dem Buch
2.1. Florentin
Florentin ist der ‚Held’ des Romans, „der von Anfang bis Ende des Buches fast ununterbrochen vor den Augen des Lesers bleibt.“ Die mysteriöse Herkunft von Florentin wird während des ganzen Romans nicht aufgeklärt. Im Gegenteil, sie wird immer rätselhafter. Es kommen immer neue Personen hinzu, die auf geheimnisvolle Weise mit Florentin verbunden (verwandt?) zu sein scheinen. Seine Herkunft und die seiner Eltern bleiben im Dunkeln und Florentin ist weiterhin der heimatlose Fremdling.
In Florentin begegnet dem Leser ein androgynes Wesen. Er weist sowohl männliche als auch weibliche Charakterzüge auf.
Schon der Vorname ‚Florentin’ deutet auf eine mögliche Androgynie hin. Die Bedeutung des Namen ‚Florentin’ wird in der Sekundärliteratur häufig diskutiert. Umstritten ist, ob der Name eine Frau oder einen Mann benennen soll. Auffällig ist sicherlich, das Florentin weder einen Nachnamen noch einen Titel besitzt. „Denn als Einzelwort bleibt er [der Name] ohne Funktion, ohne Amt und Würde, ohne Geschlecht.“
Der Klang von ‚Florentin’ lässt „sowohl die männliche, als auch die weibliche Form zu: Florentin und Florentine besitzen in ihren Herkunftssprachen dem Italienischen/ Französischen, die gleiche Aussprache, denn das –e am Ende wird verschluckt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in den historischen Kontext der Bildungsromane um 1800 und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der weiblichen Figuren in Dorothea Schlegels Roman.
2. ELEMENTE DES WEIBLICHEN IN DEN HAUTCHARAKTEREN UND IHRE FUNKTION: Untersuchung der androgynen Hauptfigur Florentin sowie der differenzierten Rollen von Juliane, Eleonore und Clementine im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Funktion und Symbolik.
3. SCHLUSS: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche verdeutlicht, dass die vorgestellten weiblichen Ideale im Roman utopisch bleiben und durch die individuellen Biographien der Figuren getrübt werden.
Schlüsselwörter
Florentin, Dorothea Schlegel, Romantik, Bildungsroman, Androgynie, Geschlechterrollen, weibliche Identität, Gesellschaftskritik, Literaturanalyse, literarische Figuren, Frauenbild, Emanzipation, Aufklärung, Familienstruktur, Rollenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Charaktere im Roman „Florentin“ von Dorothea Schlegel, insbesondere die Funktion und Darstellung der weiblichen Figuren sowie die androgynen Züge des Protagonisten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt Themen wie Geschlechterproblematik, soziale Rollenverteilung, romantische Liebe, Ehe, Emanzipation und die Bedeutung individueller Selbstbestimmung in der Epoche der Romantik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, welche Funktion den weiblichen Elementen im Roman zukommt und inwiefern Dorothea Schlegel damit die gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit kritisiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Primärtext in den Kontext der Sekundärliteratur stellt und biografische sowie epochenspezifische Bezüge herstellt.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Protagonisten Florentin, Juliane, Eleonore und Clementine, wobei deren Handeln, Charakterentwicklung und ihr Bezug zum gesellschaftlichen Umfeld detailliert analysiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschlechterrollen, Dorothea Schlegel, Florentin, Identität, Androgynie, Romantik und gesellschaftlicher Wandel definieren.
Wie deutet die Autorin die androgynen Wesenszüge von Florentin?
Die Androgynie Florentins wird als ein gezieltes Mittel interpretiert, um bestehende Geschlechterideale zu unterlaufen und den Protagonisten als eine Figur jenseits starrer gesellschaftlicher Definitionen darzustellen.
Warum bleibt das Ende des Romans laut der Analyse für den Leser rätselhaft?
Da der Protagonist Florentin den Roman einfach verlässt, ohne seine Aufgaben zu klären oder sich zu verabschieden, bleiben viele Fragen offen, was jedoch dem romantischen Ansatz entsprechen könnte, dass jeder Leser seine eigene Vollendung im Roman finden muss.
- Quote paper
- Karsten Grause (Author), 2004, Elemente des Weiblichen in Dorothea Schlegels "Florentin", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87594