Ziel dieser Arbeit soll hauptsächlich die Betrachtung von zwei spanischen Bauwerken im Guadarrama-Gebirge sein - der Escorial und das Valle de los Caidos.
Neben der geografischen Nähe, soll hier auch versucht werden, angesichts der offensichtlichen baulichen wie auch funktionellen Gemeinsamkeiten beider Gebäudekomplexe, eine Brücke zwischen der Ära Philipp II. und der Zeit der Franco-Diktatur zu schlagen. Unter der Betonung des Aspektes der Grablege bedeutender, nicht nur spanischer Machthaber soll der zeitliche Bogen von der Antike bis zur Moderne gespannt und nach gemeinsamen Merkmalen gesucht werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Escorial
1. 1. Einleitung: Die Hintergründe der Grablege im Escorial
1. 2. Totenkult und Baugeschichte
2. Die Grabmäler (Kenotaphe) in der Basilika
2. 1. Die Figuren in der Basilika des Escorial als Pompeo Leonis Hauptwerk
2. 2. Herkunft und Bedeutung der Figurenanordnung
2. 4. Architektur und Inschriften
2. 5. Ausstattung
2. 6. Wappen
3. Die beiden Positionen im Grablegestreit
II. El Valle de los Caídos - Das Tal der Gefallenen
4. Einleitung: Im Tal der Gefallenen
5. Baugeschichte
6. Der Bau
6. 1. Lage
6. 2. Basilika
6. 3. Kreuz
6. 4. Rückseite
III. Diskussion der Beziehung zwischen Tal der Gefallenen und Escorial
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die baulichen und konzeptionellen Gemeinsamkeiten zwischen dem Escorial aus der Ära Philipp II. und dem Valle de los Caídos aus der Zeit der Franco-Diktatur, um die symbolische und ideologische Rezeption des historischen Vorbilds durch das faschistische Spanien zu analysieren.
- Vergleichende Analyse der Grablege-Traditionen und der architektonischen Repräsentation von Macht.
- Untersuchung des "Motivs der ewigen Anbetung" in der Grabmalkunst beider Komplexe.
- Betrachtung der Bedeutung von Sakralbau und Herrschaftssymbolik.
- Analyse der Baugeschichte und der Einflussnahme der jeweiligen Staatschefs auf das architektonische Design.
- Diskussion über die propagandistische Instrumentalisierung historischer Architektur in totalitären Systemen.
Auszug aus dem Buch
2. 1. Die Figuren in der Basilika des Escorial als Pompeo Leonis Hauptwerk
Die zwei mal fünf, im „Motiv der ewigen Anbetung“ knienden, vergoldeten Bronzestatuen stammen aus den Jahren 1592 bis 1600 und gehören nach Contreras „zu den feierlichsten Stätten Europas“7. Oder um die liebevoll formulierte Beschreibung von Bruhns zu zitieren: „Schon die Statuengruppen an sich, in ihrer düsteren, schweren Bronze, die aber mit Gold und edlen Steinen reichlich geschmückt ist; in ihrer lebensnahen Portraithaftigkeit, die aber im Zeremoniell erstarrt ist; mit ihrer Darstellung zweier Generationen, die aber nur das gleiche wollen; mit ihrem Rhythmus, der aber einem Leichenbegängnis entspricht - sie verkünden schon an sich mit tief tönender Stimme die Hoheit dieses Herrscherhauses, aber zugleich seine Demut vor dem Tode und endlich seine Hingabe an den, der Herr auch über den Tod ist.“8
Nicht alle der in der Gruft liegenden Leichnahme werden jedoch in den Kenotaphen berücksichtigt. Die Auswahl der dargestellten Adligen beschränkt sich im Wesentlichen nur auf tatsächlich regierende Familienmitglieder. Die illegitimen und viele der früh verstorbenen Nachkommen werden dagegen ignoriert, so z.B. auch Philipps Halbbruder Don Juan, obwohl die Liste seiner militärischen Erfolge durchaus zu beeindrucken weiß. Sein Grabmal befindet sich seit dem 19. Jahrhundert im Pantheon der Infanten.
Auf der Evangelienseite, also im Norden, besteht die Gruppe aus: Karl V., seiner Frau Isabella von Portugal, seiner Tochter Prinzessin Maria und Karls Schwestern, den Königinnen Leonore und Maria. Diese Figuren wurden in den Jahren 1592-97 erschaffen. Auf der Epistelseite, im Süden, wird Philipp II. „begleitet“ von seiner vierten Frau Königin Anna. Dahinter befindet sich Isabel de Valois (seine 3. Frau) und ganz hinten seine erste Gemahlin Prinzessin Maria von Portugal und der Infant Don Carlos – sein Sohn aus erster Ehe.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Escorial: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Grablege im Escorial, der kunsthistorischen Einordnung der Kenotaphe von Pompeo Leoni und der architektonischen Gestaltung des Herrerastils.
1. 1. Einleitung: Die Hintergründe der Grablege im Escorial: Hier wird der historische Kontext beleuchtet, in dem Karl V. und Philipp II. den Escorial als dynastisches Grabmal und Zentrum des Herrschergeschlechts etablierten.
1. 2. Totenkult und Baugeschichte: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge christlicher Grabtraditionen und die bauliche Entwicklung des Escorial als Ort für Totenmessen und Fürbitten.
2. Die Grabmäler (Kenotaphe) in der Basilika: Hier stehen die monumentalen, vor dem Hochaltar errichteten Kenotaphe im Mittelpunkt, die als bedeutendster Beitrag Philipp II. zur Grablege gelten.
2. 1. Die Figuren in der Basilika des Escorial als Pompeo Leonis Hauptwerk: Dieses Kapitel analysiert die fünf knienden Bronzestatuen pro Seite und ihre künstlerische sowie symbolische Bedeutung im Kontext der Herrscherrepräsentation.
2. 2. Herkunft und Bedeutung der Figurenanordnung: Hier wird die strenge hierarchische Anordnung der Figuren und deren Bezug zum Altar im Kontext der habsburgischen Grabkirchentradition untersucht.
2. 4. Architektur und Inschriften: Dieses Kapitel behandelt die architektonische Lösung durch Herrera, die Nischengestaltung und die lateinischen Inschriften der Kenotaphe.
2. 5. Ausstattung: Hier wird die detaillierte Ausführung der Kleidung und Insignien an den Figuren beschrieben, die als Spiegelbild der formalistischen burgundischen Hofordnung dient.
2. 6. Wappen: Dieses Kapitel thematisiert die monumentalen Wappen über den Figurengruppen als Zeichen von Macht und dynastischer Unvergänglichkeit.
3. Die beiden Positionen im Grablegestreit: Diese Sektion diskutiert die kunsthistorische Debatte darüber, ob der Bau des Pantheons als kontinuierliche Planung oder als konzeptioneller Bruch zu werten ist.
II. El Valle de los Caídos - Das Tal der Gefallenen: Das Kapitel führt in das Denkmal des spanischen Bürgerkriegs ein und beschreibt seine Funktion als Nationalheiligtum und Mausoleum für Franco.
4. Einleitung: Im Tal der Gefallenen: Ein Überblick über die Lage, die Dimensionen des Kreuzes und die Symbolik des Komplexes im Guadarrama-Gebirge.
5. Baugeschichte: Hier wird die Entstehung des Denkmals unter Franco und der Wechsel der Architekten von Muguruza zu Mendez thematisiert.
6. Der Bau: Dieses Kapitel beschreibt die technische und bauliche Realisierung der Anlage, einschließlich der Herausforderungen durch das zerklüftete Gelände.
6. 1. Lage: Hier wird die Bedeutung der geografischen Einbettung in die waldreiche Granitlandschaft für die sakrale Wirkung des Monumentes analysiert.
6. 2. Basilika: Dieses Kapitel beschreibt die unterirdische Gruftkirche, ihre Akustik, die Längenstreckung und die künstlerische Gestaltung der Vierung und Seitenkapellen.
6. 3. Kreuz: Eine detaillierte Betrachtung des 150 Meter hohen Kreuzes als monumentales Sieges- und Herrschaftssymbol.
6. 4. Rückseite: Hier wird die architektonische Ähnlichkeit des Rückportals und des Klosterbereichs mit dem Escorial dargelegt.
III. Diskussion der Beziehung zwischen Tal der Gefallenen und Escorial: Eine abschließende Betrachtung darüber, wie das Valle de los Caídos bewusst als moderne Rezeption des Escorial konstruiert wurde, um Legitimität für das franquistische Spanien zu gewinnen.
Schlüsselwörter
Escorial, Valle de los Caídos, Philipp II., Francisco Franco, Pompeo Leoni, Kenotaphe, Grabmalkunst, Ewige Anbetung, Nationalkatholizismus, Habsburger Dynastie, Monumentalarchitektur, Grabstätte, Herrschaftsrepräsentation, spanischer Bürgerkrieg, Baugeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht zwei zentrale spanische Monumentalbauten – den Escorial aus dem 16. Jahrhundert und das im 20. Jahrhundert errichtete Valle de los Caídos – unter dem Aspekt ihrer Funktion als dynastische bzw. politische Grablege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Architekturtheorie, der Machtrepräsentation durch Sakralbauten, der Funktion der Totengedenken sowie der bewussten Anlehnung des Franco-Regimes an die habsburgische Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Franco-Regime architektonische und zeremonielle Elemente des Escorial adaptierte, um das Valle de los Caídos als ein neues "Pantheon" zu legitimieren und sich in die historische Tradition der spanischen Größe zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die Quellenstudien, Vergleiche architektonischer Pläne und eine Untersuchung kunstwissenschaftlicher Diskurse zur Grablege-Tradition miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Grabmäler des Escorial, eine Beschreibung des Valle de los Caídos sowie eine abschließende Diskussion, die beide Komplexe in Beziehung setzt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind der Monumentalismus, die dynastische Ahnenverehrung, der Nationalkatholizismus, die bauliche Symbolik und die bewusste Nutzung von Historizismus als politisches Instrument.
Warum ist Pompeo Leoni für den Escorial so wichtig?
Leoni schuf die bedeutenden Bronzestatuen der Kenotaphe, die durch ihre Verbindung von lebensnaher Portraithaftigkeit und strengem Zeremoniell die habsburgische Frömmigkeit und Machtansprüche perfekt verkörpern.
Inwiefern diente der Escorial als "Blaupause" für das Tal der Gefallenen?
Die Anlage im Valle de los Caídos übernimmt wesentliche Grundrissstrukturen, die Verwendung bestimmter Materialien wie Granit und die Kombination von Kloster, Krypta und Monumentalkreuz, um die historische Kontinuität zur Ära Philipp II. propagandistisch zu betonen.
Welche Rolle spielt das Motiv der "ewigen Anbetung"?
Es ist ein zentrales ikonografisches Motiv, das Verstorbene in einer permanenten Haltung des Gebets gegenüber dem Allerheiligsten zeigt und so die Rolle der Herrscher als fromme Verteidiger des katholischen Glaubens unterstreicht.
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- Markus Schmidt (Author), 2004, Escorial und Valle de los Caidos - Betrachtung zweier spanischer Bauwerke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87637