Paraguay ist das einzige Land Südamerikas, in dem die Mehrheit der Bevölkerung, ohne indigener Abstammung zu sein, eine autochthone Sprache spricht, das Guaraní.
Knapp 90% der Bevölkerung sind Paraguayer, von denen Mestizen die Mehrheit bilden und aus Verbindungen spanischer Einwanderer mit der indigenen Bevölkerung hervorgegangen sind. Desweiteren gibt es neben regional bedeutenden Minderheiten von Europäern verschiedene Gruppen indigener Herkunft, unter denen die Guaraní die bedeutendste Gruppe darstellen. Ihre Sprache, ebenfalls Guaraní genannt gilt seit 1992 als offizielle Landessprache und wird von über 80% der nicht indigenen Bevölkerung als Erst- oder Zweitsprache gesprochen. Hingegen wird das Spanische, die zweite offizielle Sprache, von nur etwa 55% der paraguayischen Bevölkerung gesprochen.
Die vorliegende Hausarbeit zum Thema “Sprachpolitik in Paraguay“ konzentriert sich im Wesentlichen auf die Annahme eines Bilingualismus in Paraguay. In Kapitel 2 wird ein historischer Überblick über den Sprachkontakt zwischen dem Spanischen und Guaraní gegeben, welcher sich über einen Zeitrahmen von der Kolonialisierung bis zur Gegenwart erstreckt. Zum besseren Verständnis der Koexistenz beider Sprachen werden die wichtigsten politischen Entscheidungen und historischen Ereignisse dargelegt. Anschließend wird in Kapitel 3 die aktuelle Sprachpolitik Paraguays dargestellt und deren Umsetzung im abschließenden Kapitel 4 untersucht.
Verschiedene historische Ereignisse trugen zu einem stetigen Sprachkontakt zwischen der autochthonen Sprache Guaraní und der allochthonen Sprache Spanisch bei. Im Folgenden werden...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Überblick über den Sprachkontakt zwischen dem Spanischen und Guaraní
2.1. Kolonialisierung bis 1812
2.1.1. Epoche der Jesuiten
2.2. Ca. 1813 bis ca. 1841
2.3. Ca. 1842 bis ca. 1862
2.4. Ca. 1863 bis ca. 1870
2.5. Ca. 1871 bis ca. 1931
2.6. Ca. 1932 bis ca. 1935
2.7. Ca. 1936 bis ca. 1954
2.8. Ca. 1954 bis 1989
3. Sprachpolitik in Paraguay
3.1. Begriffsabgrenzung
3.2. Aktuelle Sprachpolitik in Paraguay
4. Umsetzung der Sprachpolitik
4.1. Sprachgebrauch im Bildungswesen
4.2. Sprachgebrauch in Verwaltung und Politik
4.3. Sprachgebrauch in den Medien
4.3.1. Printmedien
4.3.2. Audiovisuelle Medien
4.3.3. Internet
4.4. Sprachgebrauch in Literatur und Folklore
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachpolitik in Paraguay mit einem besonderen Fokus auf den historischen und aktuellen Sprachkontakt zwischen dem indigenen Guaraní und dem Spanischen. Das Hauptziel besteht darin, die Diskrepanz zwischen der offiziellen Anerkennung des Guaraní als Landessprache und der faktischen Dominanz des Spanischen in öffentlichen und offiziellen Institutionen zu analysieren.
- Historische Entwicklung des Sprachkontakts zwischen Guaraní und Spanisch
- Stellenwert des Guaraní als nationales Identitätssymbol
- Analyse der sprachpolitischen Maßnahmen in der paraguayischen Verfassung
- Umsetzung der Zweisprachigkeit in Bildungswesen, Verwaltung und Medien
- Problematik der fehlenden Standardisierung und Orthografie des Guaraní
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Epoche der Jesuiten
Von besonderer Bedeutung für das Guaraní war die Zeit der Missionarstätigkeit der Jesuiten vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zu deren Vertreibung im Jahr 1767. Die Jesuiten errichteten eigene Siedlungen, sogenannte reducciones, in denen sie zusammen mit den Guaranís lebten und wirtschafteten. Im Laufe der etwa 150-jährigen Missionarstätigkeit der Jesuiten entstanden ca. 30 wirtschaftlich erfolgreiche, unabhängige Gemeinschaften mit schätzungsweise 100.000 Sprechern des Guaraní, in denen verschiedenste Produkte hergestellt und exportiert wurden.
Ziel der Jesuiten war es die indigene Bevölkerung an ein sesshaftes Leben zu gewöhnen und vor allem durch Predigt und Unterricht zu Christen zu erziehen. Die Guaranís zog es in diese Gemeinschaften, da sie dort Schutz vor den aus Brasilien kommenden bandeirantes fanden, welche die Absicht hatten sie zu versklaven.
Sprachlich betrachtet war die Epoche der Jesuiten sehr bedeutend für den Erhalt des Guaraní. Zum einen war von entscheidendem Vorteil, dass die indigene Bevölkerung in den Restriktionen in ihrer Sprache weiterleben konnte, zum anderen, dass die Priester Guaraní erlernten, eine weitere wichtige Voraussetzung für die Christianisierung. Infolgedessen wurden bedeutende religiöse Werke wie z.B. der Katechismus übersetzt.
Neben der Missionierung war ein weiteres Anliegen der Jesuiten die Erforschung der indigenen Bevölkerung und ihrer Sprache. Folglich erschien gegen Mitte des 17. Jahrhunderts schließlich das erste Wörterbuch Tesoro de la lengua guaraní und die erste Grammatik Arte y Vocabulario de la lengua guaraní, welche von dem Jesuiten Antonio Ruiz de Montoya verfasst wurden und eine wichtige Rolle im Hinblick auf die schriftliche Fixierung des Guaraní darstellten. Durch die Arbeit der Jesuiten, der Schaffung eines Alphabetes, auf dessen Problematik in einem späteren Teil der Arbeit noch näher eingegangen wird, sowie der Schaffung von grammatischen Regeln, wurde die Grundlage für eine Weiterentwicklung des Guaraní gelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Sprachsituation Paraguays und Darlegung der Zielsetzung, die Entwicklung des Bilingualismus historisch und aktuell zu untersuchen.
2. Historischer Überblick über den Sprachkontakt zwischen dem Spanischen und Guaraní: Detaillierte Darstellung der sprachhistorischen Phasen von der Kolonialisierung bis zur Ära Stroessner, wobei der Einfluss der Jesuiten und politischer Krisen hervorgehoben wird.
3. Sprachpolitik in Paraguay: Definition des Begriffs Sprachpolitik im wissenschaftlichen Kontext und Analyse der Entwicklung bis zur Verfassungsänderung 1992.
4. Umsetzung der Sprachpolitik: Untersuchung der praktischen Anwendung der Zweisprachigkeit in den Bereichen Schule, Verwaltung, Medien und Literatur.
5. Schlussfolgerung: Fazit zur Diskrepanz zwischen offizieller Anerkennung und der tatsächlichen Dominanz des Spanischen sowie Ausblick auf die Bedeutung des Guaraní im Mercosur.
Schlüsselwörter
Paraguay, Guaraní, Spanisch, Sprachpolitik, Bilingualismus, Sprachkontakt, Jesuiten, Reducciones, Sprachgeschichte, Verfassung, Bildungswesen, Medien, Sprachdiskriminierung, Mercosur, Nationalidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das komplexe Spannungsfeld der Sprachpolitik in Paraguay, insbesondere das Zusammenwirken und die Konflikte zwischen dem indigenen Guaraní und der spanischen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der historische Sprachkontakt, die Rolle der Jesuiten für das Guaraní, die sprachpolitischen Bestimmungen in der paraguayischen Verfassung und die praktische Implementierung der Zweisprachigkeit in der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und in welchem Maße der theoretische Anspruch eines bilingualen Staates in der Realität der paraguayischen Institutionen und Medien tatsächlich umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische und inhaltliche Analyse der Sprachpolitik unter Verwendung von Fachliteratur sowie offiziellen Verfassungsdokumenten und Datenberichten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Chronologie der Sprachentwicklung und eine detaillierte Untersuchung der Umsetzung sprachpolitischer Reformen in den Bereichen Bildung, Verwaltung und Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Paraguay, Guaraní, Sprachpolitik, Bilingualismus und nationale Identität beschreiben.
Warum spielt das Guaraní in den Medien eine eher untergeordnete Rolle?
Trotz des Status als Landessprache wird das Guaraní in den großen Printmedien und im Fernsehen nur marginal genutzt, da das Spanische weiterhin als dominierende Sprache für Fortschritt und offizielle Kommunikation gilt.
Welche Rolle spielt die Orthografie bei der Umsetzung der Sprachpolitik?
Die fehlende Standardisierung einer einheitlichen Rechtschreibung, bedingt durch den Konflikt zwischen wissenschaftlichen und traditionellen Alphabet-Modellen, hemmt die breite schriftliche Anwendung des Guaraní erheblich.
Welche Bedeutung hat das Guaraní im Mercosur für Paraguay?
Die Anerkennung als historische Sprache des Mercosur wertet das Guaraní international auf und verpflichtet zu offiziellen Übersetzungen, was die Hoffnung auf eine langfristige Stärkung des Ansehens der Sprache schürt.
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- Matthias Speth (Author), 2007, Sprachpolitik in Paraguay, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87667