‚Hybridität’ im Kontext der Ars Electronica 2005


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Vorwort

III. Diskurse des Hybriden

IV. Hybrid - Living in paradox: Die Ars Electronica 2005

V. Das (Computer-)Interface – Schnittstelle einer hybriden Welt

VI. „Sampling“ – Musiktechnisches Verfahren und kulturtheoretisches

VII. Hybridität im Kontext von „Virtueller Realität“ und „Interaktiver Kunst“

VIII. Nachwort

IX. Literatur- und Quellenverzeichnis

X. Anhang

II. Vorwort

„Hybrid – Living in paradox“ hat sich die Ars Electronica 2005 zum Thema gemacht. So heißt es in der Einleitung „Hybrid Cultures“: „Hybrid – kein anderes Wort könnte die charakteristischsten Bedingungen unserer Zeit besser beschreiben“ (Schöpf, 2005, S. 12).

Doch was meint ‚hybrid’ in diesem Zusammenhang eigentlich?

Gerfried Stocker und Christine Schöpf führen in der oben genannten Einleitung mit der Aufzählung von Begriffen wie ‚Politik’, ‚Wirtschaft’, ‚Kultur’, ‚Identität’, ‚Kreaturen’ und ‚Ökologie’ gleich mehrere Bereiche an, in denen ‚Hybridität’ und ‚Hybridisierung’ im Zuge der Ars Electronica 2005 thematisiert worden sind (vgl. ebda.).

Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Begriffsdefinition des Wortes ‚hybrid’ im Kontext der Ars Electronica 2005. Hierbei werden die unterschiedlichen Diskurse, die Thema der Ars Electronica 2005 gewesen sind, aufgeführt und anhand von Beispielen, die den Projekten innerhalb der Ars Electronica entnommen sind, näher untersucht. Weiterhin soll gezeigt werden, wie der Begriff in unterschiedlichen Forschungsdiskursen der letzten Jahrzehnte Verwendung gefunden hat und ob sich Gemeinsamkeiten bezüglich seiner Nutzung herausstellen lassen, die ein allgemeingültiges Bild seiner Verwendung erlauben.

III. Diskurse des Hybriden

Im Inhaltsverzeichnis zum Katalog der Ars Electronica 2005 sind die einzelnen Beiträge und Projekte verschiedenen Diskursen des Hybriden zugeordnet, die da wären: „Hybrid Cultures“, „Hybrid Politics“, „Hybrid Ecologies“ und „Hybrid Creatures“.

Im Folgenden soll daher herausgestellt werden, welche Bedeutung der Begriff ‚Hybrid’ im Kontext der verschiedenen Diskurse einnimmt, beziehungsweise wie er von den Teilnehmern der Ars Electronica 2005 in ihren jeweiligen Arbeiten thematisiert wird.

Vorerst beschäftigt sich der folgende Abschnitt aber mit der Darstellung der ursprünglichen Begriffsdefinition. Zudem soll ein Überblick darüber gegeben werden, in welchen Diskursen diese Begriffsdefinition innerhalb der modernen Forschung bisher Verwendung gefunden hat und welche Bedeutung der Begriff dort einnimmt.

In seiner lexikalischen Definition bedeutet ‚hybrid’ „[...] gemischt, aus Verschiedenem zusammengesetzt“ (Der kleine Duden, 1991, S. 169).

Als Fachterminus wird er vor allem in natur- und technikwissenschaftlichen Diskursen eingesetzt. So bezeichnet der Begriff der ‚Hybridsierung’ in der Chemie die „[...] Verschmelzung von Atomorbitalen derselben Hauptquantenanzahl, aber unterschiedlicher Nebenquantenzahlen [...]“ (Neumüller, 2003, S. 316) und in der Biologie (dort: ‚Hybride’) einen „Mischling, [einen] Abkömmling zweier Lebewesen versch. Rasse, Art oder Gattung [...]“ (Der Brockhaus, 2000, S. 79), wobei der Begriff hier hauptsächlich für die Pflanzenwelt Verwendung findet (siehe auch: Ebd., S. 398).

Sowohl in der Chemie und Biologie, als auch in der Medizin und Technik, bezieht sich der Begriff auf eine Kombination verschiedener Elemente, mit dem Ziel, eine Effizienzsteigerung herbeizuführen. Ein wesentliches Merkmal von Hybridisierung in natur- und technikwissenschaftlichen Diskursen ist zudem ein erhöhter Komplexitätsgrad, so zum Beispiel bei der Entwicklung immer komplexer werdender Rechner (vgl. Schneider, 1997, S. 18f.).

Seit der Begriff vor einigen Jahrzehnten auch außerhalb seiner Nutzung als Fachterminus in anderen Forschungsbereichen Einzug gefunden hat, findet man ihn heutzutage in zahlreichen Diskursen innerhalb der Forschung wieder.

Hierzu schreibt Irmela Schneider, dass man „generell [...] zwischen naturwissenschaftlichen, technikwissenschaftlichen, soziologischen, ästhetischen, philosophischen, linguistischen oder medientheoretischen Diskursen des Hybriden“ (ebd., S. 17) unterscheiden könne. Weiterhin führt sie an, dass der Begriff zu den charakterisierenden Merkmalen von Analysen der post-

modernen Gesellschaft gehöre und „Hybridizität [...] sich in der postmodernen Gesellschaft – so eine These von William Bergquist – durch die Kombination von prämodernen und moder-

nen Organisationsformen“ (ebd., S. 13) bilden würde. In dieser Bedeutung lässt sich dem Begriff der ‚Hybridisierung’ der Begriff der ‚Modernisierung’ im Sinne einer linear verlaufenden Entwicklung gegenüberstellen.

Egal ob als Fachterminus - wie in der Chemie oder Biologie - oder im metaphorischen Sinne gebraucht, lassen sich in allen Diskursen des Hybriden gewisse Gemeinsamkeiten in der Verwendung des Begriffes feststellen. Im Wesentlichen meint der Begriff immer eine Vermischung und Kombination verschiedener Elemente, um eine höhere Effizienz, beziehungsweise ein besseres Ergebnis zu erreichen (vgl. ebd., S. 18).

Beispielsweise findet man in der Musik den Begriff der ‚Hybridtechnik’, der hierbei eine Kopplung analoger und digitaler Komponenten meint, mit dem Ziel die als ‚Stärken’ beider Systeme festgelegten Elemente, miteinander zu kombinieren, also zu einer höheren Effizienz zu gelangen (vgl. Burow, 1998, S. 89 und S. 336).

Im Bereich medientheoretischer Diskurse hat die ,Kategorie des Hybriden’ auch die Sichtweise auf die Beziehung zwischen Mensch und Technik verändert. So schreibt Frank Hartmann:

Mensch und Technik als Gegensatz zu denken würde den medientheoretischen Diskussionsstand unterlaufen. Seit die Maschinen des Industriezeitalters ihre Macht an die Medien abgegeben haben, hat auch das einst von Heidegger beschworene Wesen der Technik sich verändert (Hartmann, 2003, S. 41).

In diesem Kontext spricht der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan von der „hybriden Energie“ (vgl. McLuhan, 1995, S. 84), welche sich aus der Beziehung zwischen Mensch und Medien ergeben würde. Auch McLuhan sieht im Prozess der Hybridisierung eine Effizienzsteigerung (vgl. ebda.). Hybridisierung bedeutet für McLuhan „[...] Umbruchphasen in der Medienentwicklung [...]“ (Schneider, 1997, S. 31). Neue Medien würden auf bereits bestehende Medien einwirken, sie verändern, und die daraus resultierende Vermischung (wie weiter oben erwähnt ein Kernelement von Hybridisierung) ließe dann ein klareres Bild der einzelnen Komponenten entstehen, da eine deutlichere Differenzierung als zuvor notwendig sei. Gleichzeitig führt McLuhan an, dass die Hybridsierung von Medien die menschliche Sinneswahrnehmung verändern würde (vgl. McLuhan, 1995, S. 91), wobei sich grundsätzlich zwei Hauptphasen unterscheiden ließen: „Die Entwicklung von der oralen zur Schriftkultur und die Entwicklung zum elektronischen Zeitalter“ (Schneider, 1997, S. 31).

Nimmt man McLuhans Ausführungen als Beispiel dafür wie der Begriff der ‚Hybridisierung’ innerhalb eines wissenschaftlichen Diskurses im metaphorischen Sinne gebraucht wird, so lassen sich eindeutig Gemeinsamkeiten mit seiner Verwendung als Fachterminus feststellen. Auch bei McLuhan meint Hybridisierung einen Prozess, bei dem sich unterschiedliche Elemente miteinander vermischen, Neues entsteht, und es zu einer Effizienzsteigerung und erhöhter Komplexität kommt.

Versucht man nun die Thematisierung der ‚Kategorie des Hybriden’ in den verschiedenen Diskursen bezüglich ihrer Gemeinsamkeiten zu analysieren, so lassen sich letztendlich einige allgemeingültige Punkte aufführen, die jeden Diskurs des Hybriden charakterisieren und gemäß Irmela Schneider wie folgt zusammengefasst werden können:

1. „Hybridisierung gehört als Kulturphänomen seit rund zwei Jahrzehnten zur Signatur der Zeit. Prozesse der Hybridisierung bilden ein verbindendes Merkmal für Entwicklungen, die auf ganz unterschiedlichen Sektoren und in bezug auf sehr heterogene Phänomene zu beobachten sind“ (Schneider, 1997, S. 56).
2. Der Prozess der Hybridisierung ruft eine Steigerung der Effizienz hervor und führt zu größerer Komplexität. Dies lässt sich vor allem im Bereich der Technologie aufzeigen, wo Faktoren wie Multifunktionalität oder erhöhte Prozessorgeschwindigkeit von Bedeutung sind.
3. Die Diskurse des Hybriden machen bisher geltende, grundlegende Unterscheidungen und Trennungen (Dichotomien) ungültig[1] und erfordern eine Theorie des Hybriden, die komplex genug sein muss, um die daraus entstehenden Entwicklungen, welche eben nicht nur linear in Richtung eines der beiden Extreme verlaufen, ausreichend beschreiben zu können.

Dies erfordert vor allem auch eine notwendig gewordene Interdisziplinarität in der Analyse solcher Hybridbildungen, die „[...] nicht analysiert werden [können], wenn man das Denken allein an Disziplinen und Gegenständen ausrichtet“ (ebd., S. 57), sondern eher dann, wenn man Denkkategorien der Problemzusammenhänge folgt. Dies resultiert daraus, dass eine Isolierung von Hybridbildung als Einzelphänomen nicht erfolgen kann (vgl. ebd., S. 56ff.).

[...]


[1] Siehe hierzu auch das Zitat von Frank Hartmann auf Seite 3.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
‚Hybridität’ im Kontext der Ars Electronica 2005
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Abteilung für Musikwissenschaft / Sound Studies)
Veranstaltung
„Welcome to the wired world“ – Digitale Ästhetik im Spiegel der Ars Electronica
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V87670
ISBN (eBook)
9783638022934
ISBN (Buch)
9783638923842
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontext, Ars Electronica, Hybridität, Sampling, Digitalität
Arbeit zitieren
Jeremy Iskandar (Autor), 2007, ‚Hybridität’ im Kontext der Ars Electronica 2005, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87670

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