Medien bieten „[…] Möglichkeiten der Einflussnahme auf Wissen, Einstellungen, Verhalten und Entscheiden von Menschen durch Kommunikation."
Kommunikation erzeugt Wirkungen beim Individuum (Stimulus-Response-Modell) und hat somit Funktionen für die Gesellschaft. In einer Massendemokratie ist politische Kommunikation zum größten Teil medienvermittelt. Regierung und Parteien verfügen nicht über eigene Medien und kommunizieren selbst mit ihren Mitgliedern zum großen Teil über Massenmedien. Diese wählen einen winzigen Ausschnitt
der Wirklichkeit aus und stellen diesen in spezifischer Weise dar. Somit prägen Massenmedien das Bild, das Politiker und Bürger von der Politik haben. Politik und Medien stehen daher in einem Spannungsverhältnis.
Einerseits benutzt, beobachtet und beeinflusst Politik die Medien andererseits prägen diese wiederum das öffentliche Bild von Politik durch ihre Art der Präsentation. Sie personalisieren, visualisieren und
veranschaulichen politische Entscheidungen, welche in Demokratien der Zustimmung und des Vertrauens der Bürger bedürfen.
Die vorliegende Forschung soll Unterschiede in der Printmediennutzung zur politischen Informationsbeschaffung von Männern und Frauen aufzeigen. Des Weiteren soll herausgefunden werden, ob die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von politischen Akteuren mit steigender
Mediennutzung sinkt und ob es einen Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss eines Menschen und seiner Selbsteinschätzung im Bezug auf Einflussmöglichkeiten die Politik betreffend gibt.
Die Daten der Untersuchung aus einer mehrstufigen Zufallsstichprobe wurden mittels einer Katibefragung und einem dafür angefertigten Fragebogen im Jahr 2003 in der Bundesrepublik Deutschland erhoben. Der
Katifragebogen setzt sich aus drei Teilen zusammen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Mediennutzung von TV und Print im Allgemeinen sowie im Bezug auf die politische Informationsbeschaffung der Befragten.
Der zweite Teil des Fragebogens beinhaltet Fragen zu Vertrauen und Wertorientierungen gegenüber politischen Institutionen, politischen Akteuren und der Demokratie in Deutschland. Der dritte Teil der Katibefragung untersucht die allgemeine Internetnutzung der Teilnehmer.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fragestellung und Hypothesen
3 Deskription der Daten
3.1 Kennwerte der Variablen der Hypothese
3.1.1 Kennwerte der Unterschiedshypothese (Hypothese 1)
3.1.2 Kennwerte der Zusammenhangshypothese (Hypothese 2)
3.1.3 Kennwerte der gerichteten Hypothese (Hypothese 3)
3.2 Ergebnisse zur Wertorientierung
3.2.1 Ausprägungen der Wertorientierung
3.2.2 Printmediennutzung der Typen
4 Ergebnisse der Hypothesen
4.1 Ergebnis der Unterscheidungshypothese
4.2 Ergebnis der Zusammenhangshypothese
4.3 Ergebnis der gerichteten Hypothese
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Mediennutzungsmustern und individuellen Wertorientierungen auf das Vertrauen der Bürger in politische Institutionen und Akteure in Deutschland. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob bestimmte Mediennutzungsarten zur politischen Informationsbeschaffung mit einer sinkenden Vertrauenswürdigkeit korrelieren und welche Rolle sozioökonomische Faktoren sowie das politische Interesse dabei spielen.
- Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Vertrauen in die Politik
- Einfluss geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Printmediennutzung
- Analyse der Wertorientierungen (Freiheit, Gleichheit, Sicherheit)
- Überprüfung der Videomalaise-Theorie im deutschen Kontext
- Einfluss von Bildungsabschluss auf die politische Einflussüberzeugung
Auszug aus dem Buch
Bedeutung der Mediennutzung für Demokratie und Politik
Ausgehend von den funktionalistischen Systemtheorien lassen sich die modernen Medien der heutigen Zeit als Leistungssysteme der Öffentlichkeit beschreiben. Sie dienen ihr als beobachtendes, informierendes, aufklärendes, Transparenz schaffendes, kommentierendes, oder schlicht unterhaltendes Funktionssystem. Sie ermöglichen Partizipation und Meinungsbildung. Dienen den Bürgern als ‚Wächter’ der Demokratie, verkörpern die öffentliche Meinung.
Gestützt und gleichzeitig begrenzt werden sie in ihrer Funktion durch einen rechtlichen Rahmen aus staatlich garantierter Pressefreiheit (Art. 5 GG Meinungsfreiheit), den jeweiligen Landespressegesetzen und Rundfunkstaatsverträgen.
Medien bieten „[…] Möglichkeiten der Einflussnahme auf Wissen, Einstellungen, Verhalten und Entscheiden von Menschen durch Kommunikation“1. Kommunikation erzeugt Wirkungen beim Individuum (Stimulus-Response-Modell) und hat somit Funktionen für die Gesellschaft2.
In einer Massendemokratie ist politische Kommunikation zum größten Teil medienvermittelt. Regierung und Parteien verfügen nicht über eigene Medien und kommunizieren selbst mit ihren Mitgliedern zum großen Teil über Massenmedien. Diese wählen einen winzigen Ausschnitt der Wirklichkeit aus und stellen diesen in spezifischer Weise dar. Somit prägen Massenmedien das Bild, das Politiker und Bürger von der Politik haben. Politik und Medien stehen daher in einem Spannungsverhältnis. Einerseits benutzt, beobachtet und beeinflusst Politik die Medien3, andererseits prägen diese wiederum das öffentliche Bild von Politik durch ihre Art der Präsentation. Sie personalisieren, visualisieren und veranschaulichen politische Entscheidungen, welche in Demokratien der Zustimmung und des Vertrauens der Bürger bedürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Bedeutung der Massenmedien für die politische Meinungsbildung und skizziert das Forschungsinteresse sowie den Datensatz.
2 Fragestellung und Hypothesen: Hier werden die drei zentralen Forschungshypothesen formuliert, die geschlechtsspezifische Mediennutzung, den Zusammenhang von Fernsehkonsum und politischem Vertrauen sowie den Einfluss des Bildungsniveaus untersuchen.
3 Deskription der Daten: In diesem Kapitel erfolgt die statistische Aufbereitung und deskriptive Analyse der verwendeten Variablen, einschließlich der Erstellung von Typologien zur Wertorientierung.
4 Ergebnisse der Hypothesen: Das Kapitel präsentiert die empirische Überprüfung der aufgestellten Hypothesen mittels T-Tests und Regressionsanalysen unter Einbeziehung von Kontrollvariablen.
5 Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass keine der drei aufgestellten Hypothesen durch die erhobenen Daten bestätigt werden konnte.
Schlüsselwörter
Mediennutzung, politische Kommunikation, Videomalaise, Vertrauen, Parteien, Wertorientierung, Freiheit, Gleichheit, Sicherheit, Bildungsabschluss, Einflussüberzeugung, empirische Forschung, SPSS, Massendemokratie, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Mediennutzung, individuellen Wertorientierungen und dem Vertrauen der Bürger in die Politik und Demokratie in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Themenfelder umfassen die politische Informationsbeschaffung durch TV und Print, das Vertrauen in Parteien sowie die Selbsteinschätzung politischer Einflussmöglichkeiten in Abhängigkeit vom Bildungshintergrund.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, welchen Einfluss bestimmte Mediennutzungsmuster und Werte auf die Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von politischen Akteuren wie dem Bundestag oder der Regierung haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden empirische Methoden der Kommunikationsforschung angewandt, insbesondere univariate Häufigkeitsanalysen, T-Tests für unabhängige Stichproben sowie bivariate Rangkorrelationen und lineare Regressionsanalysen mittels SPSS.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte deskriptive Darstellung der Daten, die Erstellung von Typologien zur Wertorientierung und die anschließende statistische Überprüfung der drei aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mediennutzung, Videomalaise, politische Partizipation, Vertrauen und empirische Analyse charakterisieren.
Was besagt die Videomalaise-Theorie in diesem Kontext?
Die Theorie geht davon aus, dass insbesondere das Medium Fernsehen für eine Zunahme an Politikverdrossenheit verantwortlich gemacht werden kann, was in der Arbeit empirisch auf ein mögliches Sinken des Vertrauens bei steigender Mediennutzung geprüft wird.
Warum konnte keine der aufgestellten Hypothesen bestätigt werden?
Die statistischen Auswertungen ergaben bei allen drei Hypothesen keine signifikanten Unterschiede oder Zusammenhänge, weshalb die Nullhypothesen beibehalten werden mussten.
Welche Rolle spielen die Kontrollvariablen bei der Analyse?
Kontrollvariablen wie Alter, Einkommen und politisches Interesse wurden eingeführt, um den kausalen Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Einflussüberzeugung bereinigt von Drittvariablen zu untersuchen.
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- Helen Liebmann (Author), 2005, Der Einfluss der Mediennutzung und Wertorientierung auf die Vertrauenswürdigkeit von Politik und Demokratie in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87691