Sind die Medien in Deutschland technikfeindlich?

Eine exemplarische Untersuchung am Beispiel der Darstellung der Nutzung verschiedener Primärenergien in der überregionalen Tagespresse Deutschlands


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

29 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsklärung Primärenergie
1.1. Primärenergieträger Kohle
1.2. Primärenergieträger Erdöl und Erdgas
1.3. Primärenergieträger Uran
1.4. Primärenergieträger Wasser
1.5. Primärenergieträger Wind
1.6. Primärenergieträger Sonne
1.7. Primärenergieträger Erdwärme
1.8. Fazit.

2. Inhaltsanalyse
2.1. Codebuch
2.2. Tabellen
2.3. Auswertung

Anhang:

Quellenverzeichnis

Einleitung

Der Mensch braucht Energie. Ohne Energieversorgung ist unser Leben undenkbar. Es gäbe kein warmes Wasser, kein Fernsehen, keine Autofahrt, keine Disko, kein Internet. Die Energie, die wir als Wärme, Strom oder Kraftstoff benötigen, muss aus Primärenergieträgern erzeugt werden.

In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst die unterschiedlichsten Primärenergieträger vorgestellt werden, um ihre Bedeutung für die Energieerzeugung zu erklären, um dann zu untersuchen wie sie über die deutsche Tagespresse kommuniziert werden.

Es soll herausgefunden werden, ob und in wieweit die Printmedien in Deutschland durch ihre Art der Berichterstattung Primärenergieträgern gegenüber technikfeindlich eingestellt sind. Selbstverständlich kann die folgende Untersuchung aufgrund des Umfanges der deutschen Printmedien keinen Vollständigkeitscharakter erfüllen. Es soll anhand exemplarisch ausgewählter Tageszeitungen ein allgemeiner Trend entwickelt werden.

1. Begriffsklärung Primärenergie

Der Begriff Primärenergie bezeichnet die zuallererst „gefundene“ Energie in Form von Rohstoffen. Sie ist die „Eingangsgröße“ bei der Betrachtung des Energieflusses, welcher die Energienutzung durch den Menschen beschriebt1 (s. Abb.: 1).

Abb. 1: Energieformen/Energieflussbild nach L. Müller Handbuch der Elektrizitätswirtschaft, Springer Verlag 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wissenschaftlich wird als Primärenergie der Energieinhalt von Energieträgern, die noch keiner Umwandlung unterworfen worden sind, bezeichnet.2 Primärenergieträger sind z.B.:

- Fossile Energieträger (Braunkohle, Steinkohle, Erdgas, Erdöl, Uran)
- Geothermische Energieträger (Erdwärme)
- Erneuerbare Energieträger (Sonne, Wind, Wasser)

Fossile Energieträger sind im Wesentlichen Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran. Ihre Vorräte sind beschränkt und ihre Lagerstätten müssen oft mit großem Aufwand gefunden und durch Bohrungen in Bergwerken oder im Tagebau erschlossen werden. Die fossilen Energieträger sind in Millionen von Jahren aus Pflanzenresten entstanden. Diese Pflanzenreste wurden auf den Grund urzeitlicher Meere im Sand luftdicht eingeschlossen und durch geologische Bewegungen in die Tiefe gerissen. Dort sorgten chemische Prozesse unter Druck und Temperatur allmählich für die Bildung der energetischen Hauptbestandteile der fossilen Energieträger. Dazu gehören Kohlenstoff, Kohlenwasserstoffe und Methan.

Die ursprüngliche Energiequelle für die fossilen Energieträger ist die Sonne. Sie machte die Photosynthese der Pflanzen möglich. Durch diesen chemischen Umwandlungsprozess wurde die Biomasse gebildet.

Nur die Erdwärme entsteht durch radioaktive Zerfallsprozesse im Erdinneren sowie durch tektonische Bewegungen der Erdmasse. Der große Vorteil der erneuerbaren Energiequellen besteht darin, dass sie sich immer wieder regenerieren. Ihre Nachteile sind aber sowohl ihre ungesicherte Verfügbarkeit als auch ihre geringe Leistungsdichte. Das erhöht den Aufwand für ihre Nutzung. Aber trotzdem glaubt der Weltenergierat, dass im Jahr 2020 die erneuerbaren Energien 17 Prozent des globalen Energiebedarfs decken werden, davon 8 Prozent Holz, 5 Prozent die Wasserkraft sowie 4 Prozent Wind, Sonne und neue Biomasse. Für das Jahr 2050 prognostizieren die Wissenschaftler für die erneuerbaren Energien einen Anteil von 22 Prozent, die Hälfte davon für Sonne, Wind und neue Biomasse.3 Bei all diesen Prognosen darf aber nicht vergessen werden, dass heutzutage die erneuerbaren Energien gegenüber der fossilen Konkurrenz noch keine Chance haben, wenn sie nicht finanziell unterstützt werden.

In Deutschland wird der Primärenergiebedarf derzeit zu etwa 97% von Erdöl, Kohle, Erdgas und Kernenergie gedeckt.4 Ein Teil der Primärenergie wird als Endenergie (Energie die dem Verbraucher letztendlich zur Verfügung steht, nachdem Transportverluste abgezogen wurden) direkt zum Verbraucher weitergegeben z. B. Erdgas für Heizanlagen. Der Rest wird durch chemische oder physikalische Prozesse in so genannte Sekundärenergie umgewandelt, z.B. Kohle zu Strom in Kraftwerken, Erdöl zu Benzin in Raffinerien etc. Als Nutzenenergie bezeichnet man die Energie, die der Endverbraucher zur Erfüllung bestimmter Aufgaben direkt nutzt, im Fall einer Glühlampe wäre dies z. B. die Energie des Lichtes.5

Bei den Vorkommen an Primärenergieträgern wird unterschieden zwischen Reserven und Ressourcen, wobei unter Reserven eindeutig identifizierbare Vorräte verstanden werden, die sich unter heutigen oder in naher Zukunft zu erwartenden Bedingungen technisch und wirtschaftlich abbauen lassen. Es handelt sich demnach um geologische Vorräte, die sicher nachgewiesen sind.6 Ressourcen hingegen bezeichnen Vorräte, die über Reserven hinaus reichen. Sie sind nachgewiesen bzw. wahrscheinlich, aber technisch und/oder wirtschaftlich z. Z. nicht gewinnbar. Zu den Ressourcen gehören ferner noch nicht nachgewiesene, geologisch aber mögliche Lagerstätten.7 (s. Abb.: 2)

Abb.:2 Quelle: Prof. Dr. Wolfgang Stahl „Die weltweiten Reserven der Energierohstoffe: Mangel oder Überfluss?“ BGR Hannover 1998

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1. Primärenergieträger Kohle

Kohle wird im Tage- oder Untertagebau gefördert, abhängig von der Tiefe der Kohlelagerstätten. Steinkohlen, welche sich durch eine hohe Festigkeit und hohen Kohlenstoffgehalt auszeichnen, werden z.B. in Deutschland im Untertagebau gefördert. In der Vergangenheit war das Abschlagen von Kohle Handarbeit, ebenso der Transport durch die verschiedenen Stollen bis zum Schacht. Trotz moderner Maschinen, die die Produktivität wesentlich erhöhen, ist der Abbau von Kohle auch heute noch ein aufwendiges Unterfangen. Kann Steinkohle im Tagebau gefördert werden, ist der Aufwand deutlich geringer. Dies ist bei den heutigen Haupt- Kohleexporteuren der Fall und ein Grund dafür, weshalb in Deutschland im Untertagebau geförderte Kohle nur durch massive staatliche Subventionen konkurrenzfähig gehalten werden kann. Sie verliert damit zunehmend an Bedeutung.8

Braunkohlelagerstätten findet man in deutlich geringerem Abstand zur Erdoberfläche, nach ihnen kann man großflächig graben. Dabei kommen gigantische Baggermaschinen zum Einsatz, die oft viele Quadratkilometer große Gruben in die Erdoberfläche „fressen“. Braunkohle wird üblicherweise im so genannten Tagebau gefördert. Dabei unterliegt die Qualität des natürlichen Rohstoffes großen Schwankungen. Der Aufwand zur Steinkohleförderung in Deutschland ist wesentlich höher als der zur Braunkohleförderung, wird aber gerechtfertigt durch den etwa doppelt so hohen Brennwert der Steinkohle. Diese kann im Gegensatz zur Braunkohle ohne aufwendige Behandlung in Öfen verbrannt werden.

Die Förderung von Kohle bedeutet einen massiven Eingriff in die Natur mit regionalen und überregionalen Auswirkungen. Zum einen entstehen bei der Steinkohleförderung im Untertagebau Hohlräume, die wenn sie nicht entsprechend verfüllt werden zusammenbrechen können, was Auswirkungen bis zur Erdoberfläche haben kann. Zum anderen sind in der Kohlemasse Gase eingeschlossen, die durch den Bergbau zumindest teilweise in die Erdatmosphäre freigesetzt werden und somit zum Treibhauseffekt beitragen. Die Kohleförderung im Tagebau benötigt zudem große Flächen Land, wobei je nach Region ganze Ortschaften weichen müssen. Außerdem führt die massive Entfernung von Material zu einer Entlastung der Erdkruste, was unter bestimmten geologischen Vorraussetzungen zu einer Erhöhung der Erdbebenwahrscheinlichkeit führen könnte.9

1.2. Primärenergieträger Erdöl und Erdgas

Die Primärenergieträger Erdöl und Erdgas können gemeinsam behandelt werden, da sie oft vergesellschaftet auftreten, d.h. sie kommen in den gleichen Regionen als Produkte des gleichen Prozesses vor. Wo es Erdöl gibt, gibt es auch Erdgas. Zudem sind die Methoden zur Förderung und zum Transport der beiden Rohstoffe sehr ähnlich.

Erdöl und Erdgas findet man - wie auch viele Kohlevorkommen - in den tieferen Gesteinschichten der Erdkruste. Die Suche nach diesen Rohstoffen basiert auf sehr teueren Probebohrungen oder auf geologischen Untersuchungsverfahren, wie z.B. der Schallreflexion. Dabei wird an der Erdoberfläche eine Explosion erzeugt, deren Schallwellen durch verschiedene Erdschichten dringen und teilweise von ihnen reflektiert werden. Die Messung dieser reflektierten Schallwellen gibt dann Aufschluss über Art und Zusammensetzung des Materials der verschiedenen Gesteinsschichten und verrät so, wo sich Erdöl und Erdgasvorkommen befinden.

Wird anhand dieser Messungen ein Rohstoffvorkommen vermutet folgt eine Probebohrung zur Ermittlung der Qualität des Materials. Ist diese erfolgreich, kann durch dasselbe Bohrloch mit der Förderung begonnen werden.10 Erdöl und Erdgas können aber auch in Küstennähe oder auf dem offenen Meer (off- shore) gefördert werden. Hierbei werden die Bohrtürme durch Bohrinseln ersetzt, welche schwimmend zum Einsatzort transportiert und dort auf den Boden abgesenkt und verankert werden, um die Nutzung von unter dem Meer liegenden Vorkommen zu ermöglichen. Der Transport der Rohstoffe erfolgt zu Land über Pipelines und Tankfahrzeuge, über Flüsse und Meer in großen Tankern. Große Katastrophen beim Transport von Erdöl mit Tankern können ganze Küstenökosysteme über Jahrzehnte schädigen. Lokale Beeinträchtigungen können entstehen, wenn Erdöl an einem Bohrloch unkontrolliert in den Boden versickert und so ins Grundwasser gelangt. Außerdem kann aus einem undichten Bohrloch Erdgas entweichen, welches zu einem großen Anteil aus Methan besteht, ein hochwirksames Treibhausgas das zur Erhöhung der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre führt und so die Ozonschicht schädigt.11

[...]


1 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 398

2 Vgl. Vorlesung Elektrizitätswirtschaft TU Clausthal [Online-Dokument]:URL: http://www.iee.tu- clausthal.de/Studium/data/Onlineskripte/S8819K2_19_04_04.pdf [11.03.06]

3 Vgl. [Online-Dokument] : http://www.rwe.de) [11.03.06]

4 Vgl. Heinloth, Klaus (1998): S. 101 ff.

5 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 277

6 Vgl. Vorlesung Elektrizitätswirtschaft TU Clausthal [Online-Dokument]:URL: http://www.iee.tu- clausthal.de/Studium/data/Onlineskripte/S8819K2_19_04_04.pdf [11.03.06]

7 Vgl. Vorlesung Elektrizitätswirtschaft TU Clausthal [Online-Dokument]:URL: http://www.iee.tu- clausthal.de/Studium/data/Onlineskripte/S8819K2_19_04_04.pdf [11.03.06]

8 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 80

9 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 83

10 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 84

11 Vgl. Bockhorst, Michael (2002): S. 84

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Sind die Medien in Deutschland technikfeindlich?
Untertitel
Eine exemplarische Untersuchung am Beispiel der Darstellung der Nutzung verschiedener Primärenergien in der überregionalen Tagespresse Deutschlands
Hochschule
Technische Universität Ilmenau  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Interkulturelles in der Technik- und Wirtschaftskommunikation
Note
1,5
Autoren
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V87698
ISBN (eBook)
9783638032940
ISBN (Buch)
9783638931397
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sind, Medien, Deutschland, Interkulturelles, Technik-, Wirtschaftskommunikation
Arbeit zitieren
Helen Liebmann (Autor)Florian Bierlein (Autor), 2006, Sind die Medien in Deutschland technikfeindlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87698

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