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Adamsfall und Adams Fall - Zur Metaphorik in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug"

Title: Adamsfall und Adams Fall - Zur Metaphorik in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug"

Seminar Paper , 2007 , 11 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Schachschal (Author)

German Studies - Modern German Literature
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1 Einleitung
Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochene Krug beinhaltet eine Vielzahl von Metaphern und Anspielungen. „Vom Titel bis zur Schlußszene mit Metaphern befrachtet, aus Metaphern konstruiert, ist ,Der zerbrochene Krug’ als ein Prozess mit Metaphern lesbar.“ [1] Diese Bilder sind nicht nur richtungweisend für unterschiedliche Interpretationsansätze, sondern weisen schon im ersten Auftritt auf den Verlauf des gesamten Dramas hin.
In dieser Arbeit wird zunächst der Beginn des ersten Auftritts auf seine Metaphorik untersucht. Anschließend werden weitere zentrale Metaphern und Anspielungen des Werks benannt und gedeutet, so dass die Dichte, Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Bilder und Anspielungen im zerbrochenen Krug deutlich wird.

2 Die Metaphorik im ersten Auftritt
Während sich der Dorfrichter Adam ein Bein verbindet, tritt laut Regieanweisung der ersten Szene der Gerichtsschreiber Licht auf. Schon die Namen der beiden Figuren sind metaphorisch belegt: Der Name Adam ist eindeutig biblisch konnotiert, wie noch zu zeigen sein wird. Licht ist ein sprechender Name, denn wie sich später herausstellen wird (V. 1701-1703) ist der Schreiber Zeuge von Adams nächtlichen Umtriebigkeiten und erkennt dessen Lügen von Anfang an. Er kann ,Licht' ins Dunkel des scheinbar verworrenen Falls bringen. Sein Name konnotiert die „Hellsicht analytischer Vernunft.“ [2]

[1] Monika SCHMITZ-EMANS: Das Verschwinden der Bilder als geschichtsphilosophisches Gleichnis. ,Der zerbrochene Krug’ im Licht der Beziehungen zwischen Bild und Text. In: Kleist Jahrbuch 2002. Hg. von Günter BLAMBERGER; Sabine DOERING und Klaus MÜLLER-SALGET. Stuttgart 2002. S. 48.
[2] David E. WELLBERY: Der zerbrochene Krug. Das Spiel der Geschlechterdifferenz. In: Walter HINDERER (Hg.): Kleists Dramen. Stuttgart 1997. S. 13

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Metaphorik im ersten Auftritt

3 Adams Lügen und Lichts Enthüllungen

4 Die Metaphorik der Krugbeschreibung

5 Weltliches und göttliches Gericht

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die zentrale Metaphorik in Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“, mit besonderem Fokus auf die biblischen Anspielungen und die symbolische Bedeutung des Titels, um aufzuzeigen, wie diese Bilder bereits den Verlauf des Dramas antizipieren.

  • Analyse der metaphorischen Bedeutung der Namen der Hauptfiguren Adam und Licht.
  • Untersuchung des „Falls“ als zentrales Motiv in physischer, moralischer und biblischer Hinsicht.
  • Deutung der Perücke als Symbol für die kompromittierte richterliche Autorität.
  • Interpretation der Krugbeschreibung als verdecktes Reden über den Verlust von Unschuld.
  • Kritische Beleuchtung der Korruption und der grotesken Darstellung der Gerichtsbarkeit.

Auszug aus dem Buch

Die Metaphorik im ersten Auftritt

Während sich der Dorfrichter Adam ein Bein verbindet, tritt laut Regieanweisung der ersten Szene der Gerichtsschreiber Licht auf. Schon die Namen der beiden Figuren sind metaphorisch belegt: Der Name Adam ist eindeutig biblisch konnotiert, wie noch zu zeigen sein wird. Licht ist ein sprechender Name, denn wie sich später herausstellen wird (V. 1701-1703) ist der Schreiber Zeuge von Adams nächtlichen Umtriebigkeiten und erkennt dessen Lügen von Anfang an. Er kann ,Licht' ins Dunkel des scheinbar verworrenen Falls bringen. Sein Name konnotiert die „Hellsicht analytischer Vernunft.“

Der Dialog beginnt mit Lichts Frage: „Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam! / Was ist mit Euch geschehn?“ (V. 1f.). Bereits das „Ei“ kann vorausdeutend interpretiert werden, wie es in der aktuellen Inszenierung am Schauspielhaus Hannover (Regie: Rafael Sanchez) geschieht. Hier spricht Licht das „Ei“ nicht nur mit einem wissenden und übertrieben mitleidenden Ton, sondern der Regisseur reizt den Beginn weiter aus, indem er (unter Beibehaltung des Versmaßes) das „Ei“ des Schreibers in ironischer Weise wiederholen und anschließend (mit ,hinkendem’ Verßmaß) von Adam nachäffen lässt: „LICHT: Ei ei ei ei ei ei ei! / ADAM: Ei ei ei ei ei ei!“ Adam antwortet, er sei auf dem „glatten Boden“ (V. 4) „gestrauchelt“ (V. 5). Die Figura etymologica „straucheln“/„Strauch“ (V. 3f.) deutet bereits auf den Strauch hin, in den Adam tatsächlich gefallen ist (V. 976ff.). Auf moralischer Ebene steht das Straucheln für Adams Vergehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Metaphern als konstruktivem Prozess in Kleists Drama ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2 Die Metaphorik im ersten Auftritt: Dieses Kapitel analysiert die symbolische Bedeutung der Namen und die zentrale Fall-Metaphorik zu Beginn des Dramas.

3 Adams Lügen und Lichts Enthüllungen: Hier wird der Lügenkatalog des Dorfrichters Adam und die Rolle der Perücke als Symbol richterlicher Autorität untersucht.

4 Die Metaphorik der Krugbeschreibung: Dieses Kapitel interpretiert die Beschreibung des zerbrochenen Kruges als Symbol für den Verlust von Evchens Unschuld.

5 Weltliches und göttliches Gericht: Abschließend wird das Gerichtswesen als groteske Justizkomödie dekonstruiert und der biblische Sündenfall-Bezug final herausgearbeitet.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Der zerbrochene Krug, Metaphorik, Richter Adam, Gerichtsschreiber Licht, Sündenfall, Ödipus-Motiv, Perücke, Justizkomödie, Schuld, Unschuld, Bibelbezug, Symbolik, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die vielfältige Metaphorik und die symbolischen Anspielungen in Kleists „Der zerbrochene Krug“, um den dramaturgischen Aufbau des Werks zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen biblische Motive, die Korruption des Rechtssystems und die symbolische Bedeutung von Gegenständen wie der Perücke und dem Krug.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Kleists Bilder nicht nur schmückendes Beiwerk sind, sondern bereits den Verlauf der Handlung und die Schuld des Richters antizipieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Primärtext mit zeitgenössischen Forschungsergebnissen und dramentheoretischen Ansätzen in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Anfangs, die Lügen Adams, die Bedeutung der Krugbeschreibung und die Kritik an der Gerichtsbarkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Metaphorik“, „Sündenfall“, „Justizkomödie“ und „Richterliche Autorität“ charakterisiert.

Warum spielt die Figur des Licht eine so wichtige Rolle?

Licht fungiert als Hellsicht analytischer Vernunft, der die Lügen Adams von Beginn an durchschaut und ihn systematisch überführt.

Welche Verbindung besteht zwischen dem Krug und dem Sündenfall?

Der zerbrochene Krug wird als Symbol für den Verlust der Unschuld und den Sündenfall gedeutet, wobei das Eindringen Adams in den Garten Eden den sexuellen Akt metaphorisiert.

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Details

Title
Adamsfall und Adams Fall - Zur Metaphorik in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug"
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Course
Proseminar: Heinrich von Kleist
Grade
1,0
Author
Thomas Schachschal (Author)
Publication Year
2007
Pages
11
Catalog Number
V87905
ISBN (eBook)
9783638037648
Language
German
Tags
Adamsfall Adams Fall Metaphorik Heinrich Kleists Krug Proseminar Heinrich Kleist
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Schachschal (Author), 2007, Adamsfall und Adams Fall - Zur Metaphorik in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87905
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