Die divergenten Positionen Deutschlands und Frankreichs zu Beginn der Balkan-Krise


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gegenstand der Hausarbeit

3. Historische Rahmenbedingungen: Die Schatten der Vergangenheit
3.1 Frankreich und Serbien
3.2 Deutschland und Kroatien während des Zweiten Weltkrieges

4. Die weltpolitischen Umstände zu Beginn der Balkan-Krise

5. Ein Krieg – Ein Tandem - Zwei Positionen:
konstruktivistische Analysefaktoren geben Aufschluss
5.1 Analysefaktor: Konfliktwahrnehmung
5.2 Analysefaktor nationalstaatliches Eigenverständnis
5.3 Analysefaktor: Historische Reminiszenzen und die Angst vor dem übermächtigen Deutschland

6. Die politische Anerkennung der slowenisch-kroatischen Sezessionsbestrebungen, ihre Umstände und die Konsequenzen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

„Ein beliebter politischer Witz fragte nach dem Tod Titos 1980: Wie viele Staaten wird es im Jahre 2000 in Europa geben?

Antwort: Zehn. Ein vereinigtes West-Europa, ein vereinigtes Ost-Europa und acht mal Jugoslawien.“[1]

1. Einleitung

Vielen Touristenströmen war das als attraktiv und gastfreundlich geschätzte Urlaubsland Jugoslawien bekannt – zu einem schrecklich unbekannten Land transformierte es sich während des Balkankrieges. Auf dem europäischen Kontinent hatte sich in jahrzehntelanger Arbeit das europäische Friedens - und Freiheitsbestreben in Form der Europäischen Gemeinschaft implementiert und Früchte getragen. Plötzlich sollten der europäischen Bevölkerung und der Welt mit Berichten über Genozid, Konzentrationslagern, Massenvergewaltigungen, ethnischen Säuberungen und Flüchtlingsströmen vor Augen geführt werden, dass Krieg und Inhumanität auf europäischem Boden wieder Einzug hielten, und nicht nur grauenvolle Erinnerungen aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs sein sollten. Die staatlichen Unabhängigkeitsproklamationen der jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien am 25.6.1991 legten die Initialzündung in dem multiethnischen Gebiet, das auch als Pulverfass Balkan bezeichnet wird.

„Die bewaffneten ethnischen Konflikte in der aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro und zwei autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo bestehenden, ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien (BRJ) kosteten im Zeitraum von Juni 1991 bis Juli 1999 über 250.000 Menschen das Leben, Hunderttausende wurden verletzt. Mehrere Millionen Menschen wurden vertrieben, eine über Jahre hinweg weitgehend zerstörte Landschaft hinterlassen.“[2]

2. Gegenstand der Hausarbeit

Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist die Darstellung der divergenten Positionen Deutschlands und Frankreichs zu Beginn der Balkan-Krise. Woher rührten die diametralen Positionen des deutsch-französischen Tandems in der Konfliktwahrnehmung und damit die resultierenden Folgen für den eskalierenden Balkankrieg? Als wissenschaftliche Stütze zur Untersuchung der entgegengesetzten Positionen Deutschlands und Frankreichs wird der internationalen Theorie des Konstruktivismus als Erklärungsansatz besonderes Augenmerk beigemessen.

„Der Konstruktivismus geht davon aus, dass die Welt den Akteuren nur durch Wahrnehmung und Deutung zugänglich ist und dass sie diese Welt auf der Grundlage von Ideen und Interpretationen gestalten. Ideen werden dabei nicht bloß als Ausdruck von Interessen oder als ein Filter für die Wahrnehmung von Interessen verstanden [...]. Im Konstruktivismus sind sie mehr: sie ermöglichen und rechtfertigen Handlungen, Handlungsspielräume und Strategien. Interessen werden mit Bezug auf Ideen definiert, ja Akteure konstituieren sich selbst und ihre Interessen erst mit und durch Ideen. Ideen kann man dabei als ein Wissen über die Wirklichkeit begreifen, das nicht nur „harte Daten“ einschließt, sondern auch Normen, ästhetische Urteile und Vorstellungen über die Identität eines Akteurs im Verhältnis zu anderen Akteuren.“[3]

Effektiv soll dargestellt werden, inwieweit insbesonders die Faktoren Perzeption und Interpretation, Identität, kulturelles Eigenverständnis sowie historische Rahmenbedingungen – zentrale Kategorien, denen aus konstruktivistischer Perspektive fundamentale Gewichtung beigemessen werden - im Bereich der politikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem eskalierenden Balkan-Konflikt, Erklärungen für die divergierenden deutschen und französischen politischen Standpunkte liefern können.

Dargestellt wird ferner, eine knappe historische Kontextanalyse der beteiligten Parteien während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Eine Betrachtung der rasanten Umbruchszeit am Ende des 20. Jahrhunderts gibt Aufschluss über die deutsch-französische Konstellation, die auch die jeweilige Stellung gegenüber den Konfliktparteien beeinflusst hat.

3. Historische Rahmenbedingungen: Die Schatten der Vergangenheit

Folgendes Zitat soll die diffizile Komplexität und das Ausmaß an historischem Erbe der Balkanvölker verdeutlichen:

„«Divide et Impera» - mit dieser römischen Maxime wird seit 2000 Jahren Großmachtpolitik auf dem Balkan betrieben inmitten einer verwirrenden Vielfalt von Völkern, Stämmen und Konfessionen. Jede Vormacht in dieser Region hat sich den Narzißmus der kleinen, aber abgrundtief bitter empfundenen Differenzen zunutze gemacht, um seinen Balkananteil unter Kontrolle zu halten. Zuerst Rom, dann Roms östlicher Nachfolger Byzanz, die abendländischen Kaufherren und Kreuzritter, die türkischen Osmanen, die österreichischen Habsburger, das russische Zarenreich, und in unserem Jahrhundert die Sieger des Ersten Weltkriegs, dann die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg und zuletzt- mit großem Erfolg- noch das Sowjetimperium. „[4]

Der Balkanraum lag also jahrhundertelang im Interessen- und Spannungsfeld der Großmächte, sodass im Rahmen der Hausarbeit der französische und deutsche Wirkungsgrad auf dem Balkan, aufgrund des extensiven Ausmaßes an Geschichte, lediglich in einem kurzen Exkurs angeschnitten werden kann.

3.1 Frankreich und Serbien

Mit dem Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau am 28.6.1914, durch die Machenschaften der Geheimorganisation „Schwarze Hand“ („Crna Ruka“), nahm der 1. Weltkrieg seinen Lauf. Von 1914 bis 1918 kämpften die Mittelmächte Österreich-Ungarn und Deutschland gegen die Entente bestehend aus England, Frankreich und Russland.

„Im Ersten Weltkrieg war Serbien ein beachtlicher militärischer Faktor. Seine Armee schlug zweimal das gleichzeitig gegen Russland engagierte Österreich-Ungarn zurück und erlag erst der deutsch-österreichisch-ungarisch-bulgarischen Übermacht 1915, die von drei Seiten eindrang. Der serbischen Armee gelang es, sich in einem dramatischen Wintermarsch über Nordalbanien zur Adria durchzuschlagen, von wo 200 000 Mann die alliierte Salonikifront verstärkten“[5]

„Der Durchbruch der Ententekräfte an der Salonikifront im September 1918 führte zum militärischen Kollaps der österreichisch-ungarischen und deutschen Kräfte in Südosteuropa.“[6]

Mit der aus den Pariser Vorortverträgen 1919/20 territorialen Aufteilung zwischen den Siegermächten, erhielt Serbien für seine Kooperation als „Siegerlohn“ Jugoslawien und entwickelte sich innerhalb der kleinen Entente, die Belgrad, Tschechoslowakei und Rumänien miteinander assoziierte, eine zentrale Stellung in der französischen Ostpolitik.

Zu Beginn der Balkan Krise der ’90iger Jahre hat sich „Francois Mitterrand stets geweigert, zwischen Angreifer und Opfer zu unterscheiden.“[7] Diese Position kann daher rühren, dass Frankreich „sentimentale Motive“ zugunsten Serbiens hegt, die auf die Waffenbrüderschaft an der Front von Saloniki zurückzuführen sind.[8]

Die Präsenz und die Bedeutung historischer Bündnispolitik aus französischer Perspektive wird unter Punkt 6.3 „Historische Reminiszenzen und die Angst vor dem übermächtigen Deutschland“ weitergehend ausgeführt.

3.2 Deutschland und Kroatien während des Zweiten Weltkrieges

Dem 1940 geschlossenen Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan mit dem Ziel der Neuordnung Europas und Ostasiens schlossen sich zunächst Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien an. Jugoslawien, das sich um Neutralität bemüht hatte, war schließlich nicht mehr in der Lage, seine angestrebte Neutralität zu bewahren. Umkreist von den Staaten der Achse Berlin-Rom (Oktober/November 1936) war Jugoslawien gezwungen, sich am 25.03.1941 dem Dreimächtepakt anzuschließen.

[...]


[1] Höfer, Thomas: „Das Ende Jugoslawiens“, S. 44

[2] Karakas, Cemal: „Die Balkankrise als Gegenstand der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)“, S. 42

[3] Krell, Gert: “Weltbilder und Weltordung”, S. 348

[4] Weithmann, W. Michael: „Der Balkan zwischen Ost und West“, S. 8-9

[5] Geiss, Imanuel, S, 42

[6] Troebst, Stefan: „Das hundertjährige Erbe“

[7] Stark, Hans-Peter: „Was sagt der Jugoslawienkonflikt über Frankreichs Ostpolitik?”, S. 133

[8] vgl. Maull, Hanns W./Bernhard Stahl: Krisenmanagement im Jugoslawienkonflikt: Deutschland und Frankreich im Vergleich, S. 251

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die divergenten Positionen Deutschlands und Frankreichs zu Beginn der Balkan-Krise
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Die deutsch-französischen Beziehungen im europäischen Integrationsprozess
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V87914
ISBN (eBook)
9783638037662
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Positionen, Deutschlands, Frankreichs, Beginn, Balkan-Krise, Beziehungen, Integrationsprozess
Arbeit zitieren
Karola Radeljak (Autor), 2007, Die divergenten Positionen Deutschlands und Frankreichs zu Beginn der Balkan-Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87914

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die divergenten Positionen Deutschlands und Frankreichs zu Beginn der Balkan-Krise



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden