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Die Darstellung der Familie Goriot in ihrem gesellschaftlichen Kontext

Title: Die Darstellung der Familie Goriot in ihrem gesellschaftlichen Kontext

Seminar Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christine Reff (Author)

French Studies - Literature
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Im Rahmen der umfassenden Darstellung der Gesellschaft seiner Zeit in der „Comédie humaine“ schreibt Honoré de Balzac 1835 auch den Roman „Le Père Goriot“. Er erzählt die Geschichte eines Vaters von zwei Töchtern in den gesellschaftlichen Umwälzungen der Restauration. Zunächst wird geschildert, wie die Familie Goriots einen so rasanten sozialen Aufstieg erlebt, wie er mit dem Ausklang des 18. Jahrhunderts aufgrund der veränderten Umstände zum ersten Mal möglich wird. Doch Balzac möchte auch darstellen, „wie prekär ein auf Geld gegründeter gesellschaftlicher Aufstieg unter der restaurierten Monarchie ist“ und wie schnell der jähe Absturz folgen kann. Exemplarisch schildert er die Geschichte des Revolutionsgewinnlers Jean-Joachim Goriot und seiner Töchter, deren weiteres Leben in den Romanen „La Maison Nucingen“ und „Gobseck“ fortgeführt wird.
In „Le Père Goriot“ bringt Balzac die Vertreter aller wichtigen gesellschaftlichen Schichten der Restauration schon allein in der Familie von Goriot unter und obwohl der Roman natürlich noch eine große Anzahl weiterer Figuren umfasst, sollen fünf, Vater, Töchter und Schwiegersöhne ausreichen, das Spektrum in seinen Grundzügen zu beschreiben: den Erbadel, den Geldadel und das nach Macht und Prosperität strebende Bürgertum. Anhand dieser Figuren schildert er die gesellschaftlichen Umstände der einzelnen Klassen.
Bei der Betrachtung der einzelnen Figuren in ihrem sozialen Kontext, muss Balzacs „Konzeption des Menschen als eines vom Spiel der gesellschaftlichen Kräfte determinierten Wesens“ berücksichtigt werden. Das heißt, dass Balzacs Charaktere nicht nur durch ihren eigentlichen gesellschaftlichen Kontext, wie auch durch andere rein äußerliche Dinge wie Kleidung und Wohnung, verstanden werden sollen, es soll auch berücksichtigt werden, inwiefern soziale Umstände diese Figuren in ihrem Handeln beeinflussen.
Goriots gesellschaftlicher Aufstieg vom mittellosen Arbeiter zum neureichen Bürger, der vor dem Einsetzen der Handlung stattfindet, wird vor allem im Gespräch von Mme. de Langeais und Mme. de Beauséant wiedergegeben:
In seinen jungen Jahren war Goriot ein einfacher Arbeiter in einer Nudelfabrik. Während der Revolution gelangte er – wie auch M. de Taillefer auf nicht allzu ehrenwerte Weise - zu großem Reichtum, nämlich indem er die Nahrungsknappheit im Volk ausnutzte, um die Preise für Mehl in die Höhe zu treiben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die Exemplarität der Familie Goriot

2. Die Personen in ihrem gesellschaftlichen Kontext

2.1. Jean-Joachim Goriot

2.1.1. Goriots gesellschaftlicher Aufstieg

2.1.2. Goriots gesellschaftlicher Abstieg

2.2. Anastasie de Restaud

2.3. Delphine de Nucingen

2.4. Comte de Restaud

2.5. Frédéric de Nucingen

3. Zusammenfassung

4. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert die Darstellung der Familie Goriot in Honoré de Balzacs Roman „Le Père Goriot“ und untersucht, wie die einzelnen Figuren als Repräsentanten unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten der französischen Restauration fungieren und von ökonomischen Zwängen determiniert werden.

  • Analyse des sozialen Aufstiegs und Abstiegs von Jean-Joachim Goriot.
  • Untersuchung der Verflechtung von familiären Beziehungen und materiellen Interessen.
  • Gegenüberstellung von Erbadel und aufstrebendem Geldadel.
  • Betrachtung der determinierenden Rolle gesellschaftlicher Kräfte auf das Individuum.

Auszug aus dem Buch

2.1.2. Goriots gesellschaftlicher Abstieg

Von seinen Töchtern und deren Ehemännern verstoßen, zieht Goriot in die Pension Vauquer, wo er beim Einsetzen der Handlung bereits mehrere Jahre lebt. Dort vollzieht sich sein gesellschaftlicher Abstieg auf symbolhafte Art und Weise. Denn laut Balzac soll die Pension „les éléments d’une société complète“ widerspiegeln und steht somit stellvertretend für die Gesellschaft.

Zunächst wird Goriot zum Objekt wildester Spekulationen. Die regelmäßigen Besuche seiner eleganten jungen Töchter, die die Pensionäre für seine Geliebten halten, und das Dahinschwinden seines anfangs doch noch ansehnlichen Vermögens geben den Bewohnern Rätsel auf. Mit fortschreitender Handlung wird Goriots mehr und mehr zum Opfer boshaften Gespöttes. Bemerkenswert ist vor allem, dass sich die Anrede vom respektvollen Monsieur Goriot zum abfälligen Père Goriot wandelt. Darin kommt symbolisch die soziale Deklassierung zum Ausdruck.

Außerdem steigt er, um Geld zu sparen, in der Pension schrittweise immer weiter von Stockwerk zu Stockwerk nach oben auf, bis er schließlich in einer verwahrlosten Dachkammer haust. Das ist als Ironie zu interpretieren, da dieser räumliche Aufstieg einen gesellschaftlichen Abstiegs bedeutet.

Ebenfalls bedeutungsvoll ist auch der Wandel in seinem Äußeren, der wohl nicht nur als Folge seiner selbst auferlegten Sparsamkeit, was Essen und Unterkunft angeht, sondern auch als physische Folge der emotionalen Belastung zu interpretieren ist, die aus der finanziellen Ausbeutung durch seine Töchter und der Materialisierung der Vater-Tochter-Beziehung resultiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Exemplarität der Familie Goriot: Einleitung in Balzacs Gesellschaftsdarstellung, die anhand der Familie Goriot das Spektrum der sozialen Klassen in der Restauration abdeckt.

2. Die Personen in ihrem gesellschaftlichen Kontext: Detaillierte Analyse der fünf Hauptfiguren, ihrer sozialen Herkunft, ihres Aufstiegs oder Abstiegs sowie ihrer Verflechtung in materielle Abhängigkeiten.

3. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die Goriot als exemplarischen Emporkömmling und Balzacs Werk als soziologische Bestandsaufnahme des Pariser Lebens einordnet.

4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der wissenschaftlichen Argumentation.

Schlüsselwörter

Honoré de Balzac, Le Père Goriot, französischer Realismus, Restauration, Gesellschaftsschichten, Geldadel, Erbadel, Parvenü, soziale Determinierung, materielle Abhängigkeit, Vater-Tochter-Beziehung, soziale Deklassierung, Paris, Kapitalisierung, soziale Mobilität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Darstellung der Familie Goriot innerhalb des Romans „Le Père Goriot“ von Honoré de Balzac und beleuchtet deren Interaktion im gesellschaftlichen Kontext der französischen Restauration.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der soziale Auf- und Abstieg, die Bedeutung von Vermögen für familiäre Bindungen sowie die Differenzierung zwischen altem Erbadel und neuem Geldadel.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Balzac durch die Schicksale der fünf zentralen Figuren das gesellschaftliche Gefüge seiner Zeit abbildet und kritisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Basis soziologischer Konzepte interpretiert und durch einschlägige Sekundärliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Charakterisierung von Jean-Joachim Goriot, seinen Töchtern Anastasie und Delphine sowie deren Ehepartnern Comte de Restaud und Frédéric de Nucingen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Realismus, Restauration, Kapitalisierung der Lebensbereiche, soziale Determinierung und das Spannungsfeld zwischen Adel und Bürgertum.

Warum wird Goriot als „Emporkömmling“ bezeichnet?

Goriot verkörpert den Aufstieg vom einfachen Arbeiter zu einem reichen Bürger, der sein Vermögen durch Spekulationen während der Revolution erlangt hat.

Welche Rolle spielt das Geld in der Vater-Tochter-Beziehung?

Geld fungiert als fast ausschließliches Mittel für Goriot, um die Zuneigung seiner Töchter zu erhalten, was jedoch in einer emotionalen Entfremdung und Instrumentalisierung endet.

Wie unterscheidet sich der Geldadel vom Erbadel im Roman?

Der Geldadel, vertreten durch de Nucingen, besitzt Kapital und Willenskraft, während der alte Erbadel, vertreten durch de Restaud, durch Arroganz und politische Untätigkeit gekennzeichnet ist.

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Details

Title
Die Darstellung der Familie Goriot in ihrem gesellschaftlichen Kontext
College
University of Augsburg
Course
Der Roman des französischen Realismus
Grade
1,0
Author
Christine Reff (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V88022
ISBN (eBook)
9783638023443
Language
German
Tags
Darstellung Familie Goriot Kontext Roman Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Reff (Author), 2003, Die Darstellung der Familie Goriot in ihrem gesellschaftlichen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88022
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