Die Erwartungen an Schule und Lehrer sind höher denn je. Pühse spricht von einem vermehrt festzustellenden Funktions- und Einflussverlustes der Familie. Orientierungslosigkeit ,Ratlosigkeit und fehlende Motivation bei den Jugendlichen ist zum großen Teil, auf die sich entsolidarisierende, immer individualistischer werdende, an ökonomischen Interessen ausgerichtete und vom Medieneinfluss bestimmte Freizeitgesellschaft zurückzuführen. Der Erziehung in der Schule soll wieder mehr Gewicht verliehen werden, um ihre „emotional-soziale Verarmung“ zu überwinden.
Da Erziehung und Unterricht immer in einem sozialen Kontext geschehen, also nicht losgelöst vom faktischen Sozialverhalten der Schüler gesehen werden können, sind Rücksichtsnahme, Kooperation, Gemeinschaftssinn, Empathie und soziale Sensibilität wichtige und notwendige Attribute einer sozialen Institution wie der Schule. Es gibt auch kritische Stimmen, die zwar den immer problematischer werdenden Umgang mit Kindern in der Schule ähnlich einschätzen und auf den gesellschaftlichen Strukturwandel zurückführen, aber nicht der Meinung sind, dass die Schule verstärkt reagieren muss. Sie begrenzen den Aufgabenbereich der Schule auf die Vermittlungsfunktion. Diese Meinung teile ich nicht, daher halte ich es für sinnvoll, ausgehend von den oben erläuterten Forderungen im Rahmen dieser Arbeit folgenden Fragen nachzugehen:
1.Was wird überhaupt unter sozialem Lernen und Sozialerziehung verstanden?
2.Wie sieht wünschenswertes soziales Handeln im Schulsport aus?
3.Hat der Sportunterricht Sozialerziehung betreffend, eine eigene spezifische Funktion?
4.Welche didaktischen Konsequenzen sind sinnvoll?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Soziales lernen
2.1 Sozialisation
2.2 Soziales Lernen
3. Wünschenswertes soziales Handeln im Sportunterricht
4 Spezifische Funktion des Sportunterrichts die Sozialerziehung betreffend
4.1. Sport als positives Modell sozialen Lebens (Grupe 1984):
4.2 Soziales Lernen als kritisches Regellernen (Landau/Dietrich)
4.3 Soziales Lernen als Erwerb der Grundqualifikationen des Rollenhandelns (Ungerer-Röhrich)
4.4 Soziales Lernen als Kultivierung des Sozialleibs(Funke)
5. Didaktische Vorschläge für den Unterricht
5.1 Anregungen Jürgen Funke:
5.2 Didaktische Anregungen Ungerer-Röhrich:
5.3 Vorschlag zur Evaluation didaktischer Maßnahmen
6 Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Umsetzung des sozialen Lernens im Sportunterricht als wesentliche didaktische Komponente. Es wird analysiert, inwieweit der Schulsport spezifische Funktionen zur Förderung von Sozialkompetenz wahrnehmen kann und welche didaktischen Ansätze sich zur praktischen Umsetzung in der Schule eignen.
- Sozialisationsfunktion und Bildungsauftrag im Sport
- Differenzierung theoretischer Ansätze der Sozialerziehung
- Praktische Förderung von Rollenübernahme und Kooperation
- Bedeutung der Lernatmosphäre für sozialen Kompetenzerwerb
- Methoden zur Evaluation von Sozialverhaltenszielen
Auszug aus dem Buch
4.1. Sport als positives Modell sozialen Lebens (Grupe 1984):
Für ein regelmäßiges und nachhaltiges Sporttreiben ist die Entwicklung entsprechender Haltungen und Einstellungen unabdingbar. Durch die Erfahrungen von Spiel und Wettkampf werden insbesondere Hilfsbereitschaft und Fairness entwickelt. Diese Einstellungen sind unverzichtbar, bilden aber nicht die primäre Motivation. Sport darf nicht ideologisiert werden, also nicht ausschließlich für die Entwicklung solch sozialer Einstellungen benutzt werden.
Da sie aber nebenbei zustande kommen lohnt es sich auch erzieherisch darüber nachzudenken.
Soziales Verhalten ist nach Grupe kein pädagogisches Ziel des Sporttreibens, sondern ein sozial bedingtes Bildungsmotiv. Sport soll pädagogisch interpretiert werden, ohne pädagogisch reguliert zu werden.
Die Übertragung in das Alltagsleben ist nach Gruppe zweitrangig. Für ihn stellt sich Sport als Gefäß von Erfahrungen sozialer Art dar, die für das soziale Leben überhaupt Modellcharakter haben und als Beitrag zur Entwicklung angesehen werden können.
Diese, nur auf bloße Einweisung in den Sport bezogene, Sichtweise bezeichnet Funke als sportaffirmatives – funktionales Denken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die sozialerzieherischen Aufgaben des Schulsports und die Notwendigkeit, neben motorischen Fähigkeiten auch Sozialkompetenz zu vermitteln.
2. Soziales lernen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Sozialisation und soziales Lernen und setzt sie in einen theoretischen Zusammenhang.
3. Wünschenswertes soziales Handeln im Sportunterricht: Es werden spezifische Kompetenzen und Ziele benannt, die im Sportunterricht zur Förderung sozialen Handelns angestrebt werden sollten.
4 Spezifische Funktion des Sportunterrichts die Sozialerziehung betreffend: Hier werden verschiedene sportpädagogische Ansätze, wie das sportaffirmative, sportkritische und sportneutrale Denken, gegenübergestellt.
5. Didaktische Vorschläge für den Unterricht: Das Kapitel bietet konkrete methodische Anregungen zur Gestaltung von Lernsituationen und zur Evaluation des Sozialverhaltens.
6 Abschließende Bemerkungen: Das Fazit unterstreicht die Verantwortung der Lehrkräfte, soziale Lernprozesse durch gezielte Planung zu unterstützen, ohne dabei die Grenzen der pädagogischen Beeinflussbarkeit zu überschätzen.
Schlüsselwörter
Soziales Lernen, Sozialerziehung, Sportunterricht, Sozialisation, Sozialkompetenz, Rollenübernahme, Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, Kooperation, Schulsport, Pädagogik, Identitätsfindung, Evaluation, Sportpädagogik, Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle des Schulsports als Raum für soziales Lernen und die Möglichkeiten der Sportlehrer, Sozialerziehung gezielt in den Unterricht zu integrieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen theoretische Begründungen der Sozialerziehung, fachspezifische Ansätze im Sportunterricht, didaktische Maßnahmen zur Förderung sozialer Kompetenzen und Evaluationsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Beitrag des Sportunterrichts zur Sozialerziehung zu analysieren und konkrete didaktische Wege aufzuzeigen, wie soziale Handlungsfähigkeit der Schüler gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufarbeitung verschiedener sportpädagogischer Konzepte sowie der Darstellung praktischer Unterrichtsvorschläge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundfiguren des sportpädagogischen Denkens und leitet daraus konkrete Maßnahmen zur Unterrichtsgestaltung ab, wie z.B. Rollenspiele oder spezielle Organisationsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere soziales Lernen, Sozialerziehung, Sportunterricht, Rollenübernahme, Kooperation und die pädagogische Reflexion.
Welche Rolle spielt die Interaktionistische Rollentheorie in der Arbeit?
Sie dient als theoretische Basis für die von Ungerer-Röhrich vorgeschlagenen Qualifikationen wie Rollenübernahme, Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz.
Was ist mit dem "sportneutralen Denken" nach Funke gemeint?
Es bezeichnet einen Ansatz, bei dem Sport als zufälliger Gegenstand der Sozialerziehung genutzt wird, wobei die eigentliche pädagogische Arbeit an der sprachlichen Reflexion ansetzt.
Warum ist die Evaluation didaktischer Maßnahmen laut der Autorin so wichtig?
Die Evaluation ist notwendig, um einen Überblick über den Stand der Klasse zu gewinnen und wichtige Faktoren für die weitere Unterrichtsplanung zu identifizieren.
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- Jana Wiedeking (Author), 2005, Soziales Lernen als didaktische Komponente im Schulsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88116