Die Beschäftigung mit dem Phänomen der Körpersprache birgt insbesondere für Menschen in sozialen Berufen, in denen es hauptsächlich um zwischenmenschliche Kommunikation geht, ein großes Potential. Da die Körpersprache oft unbewusster Bestandteil der eigenen Person ist, gleichzeitig aber wichtige Informationen vermittelt, die sogar den verbalen Informationsgehalt überdecken, verfälschen oder behindern können, sollten Lehrer und insbesondere Sportlehrer einen geschärften Blick für diese Form der Kommunikation in den Unterricht mitbringen. Ziel dieser Hausarbeit ist eine Sensibilisierung für die unterschiedlichsten Weisen sich seines eigenen Körpers zu bedienen und damit auch die Weisen der anderen verstehen zu können.
Um diesen Sensibilisierungsprozess in Gang zusetzen beginne ich mit dem Versuch unser aller Abhängigkeit in Bezug auf die uns umgebende Gesellschaft zu erläutern. Unter Zuhilfenahme der Autoren Heinemann und Mauss beginne ich mit der kulturspezifischen Vermittlung und Übernahme von Körpertechniken sowie mit deren Klassifizierung. In einem zweiten Teil wird es dann um die verschiedenen körper- sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten einschließlich ihrer unterschiedlichen Kanäle und deren Decodierung gehen.
Letztendlich versuche ich, ein Fazit zu treffen, welches besonders den späteren Beruf als Lehrer berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER KÖRPER ALS SOZIALES GEBILDE
3 KÖRPERTECHNIKEN
3.1 DEFINITION
3.2 ERLÄUTERUNGEN ZUM VERSTÄNDNIS
3.3 DER EINFLUSS DER ERZIEHUNG
3.4 BEZIEHUNGEN ZWISCHEN MAGISCHEN VORGÄNGEN UND DEN TECHNIKEN DES KÖRPERS
4 KLASSIFIKATIONSPRINZIPIEN DER TECHNIKEN DES KÖRPERS (MAUSS)
5 BIOGRAPHISCHE AUFZÄHLUNG NACH MAUSS
6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN ZUM THEMA KÖRPERTECHNIKEN
7 KÖRPERSPRACHE
8 WELTWEITE ÄHNLICHKEITEN
9 KANÄLE DES KÖRPERSPRACHLICHEN AUSDRUCKSVERHALTEN
9.1 VISUELLER KANAL
9.2 PROXEMIK
9.3 KULTURELLE UNTERSCHIEDE
10 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der zentralen Rolle von Körpersprache und Körpertechniken in der menschlichen Kommunikation. Ziel ist eine Sensibilisierung für den unbewussten Einsatz des eigenen Körpers, um dadurch sowohl das eigene Verhalten als auch das der Mitmenschen bewusster wahrnehmen und verstehen zu können, mit besonderem Fokus auf die Anwendung im Lehrerberuf.
- Soziologische und biologische Grundlagen des Körpers als soziales Gebilde
- Klassifizierung und Bedeutung von Körpertechniken nach Marcel Mauss
- Analyse körpersprachlicher Ausdrucksformen und deren Dekodierung
- Einfluss kultureller Unterschiede auf nonverbale Kommunikation
- Praktische Implikationen und Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Einfluss der Erziehung
Jedes Verhalten des Körpers ist abhängig von dem Gelernten und Vermittelten Einfluss der jeweiligen Kultur, in der ein Individuum aufwächst. Jede Gesellschaft hat also seine eigenen Gewohnheiten. Mauss geht so weit, dass er behauptet, er könne Engländer und Franzosen an ihrem Gang unterscheiden. Das würde bedeuten, dass die Stellung der Arme und Hände während des Gehens eine soziale Eigenheit darstellt und nicht einfach das Produkt irgendwelcher individuellen, fast ausschließlich psychisch bedingter Handlungen und Mechanismen ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nicht nur für spezifische Körpertechniken wie Sportarten, sondern auch für alltägliche lebensnotwendige Bewegungen in unterschiedlichen Gesellschaften voneinander abweichende Erziehung stattfindet. Mauss spricht von einem „sozialen Habitus“ den jedes Individuum entwickelt. Er variiert nicht nur durch individuelle Nachahmung, sondern vor allem mit den Gesellschaften und somit mit den unterschiedlichen Erziehungsweisen, Schicklichkeiten, Moden und dem jeweiligen Prestige.
„Man hat darin Techniken und das Werk der individuellen und kollektiven praktischen Vernunft zu sehen, da, wo man gemeinhin nur die Seele und ihre Fähigkeiten der Wiederholung sieht.“
Erst das Beherrschen eines Repertoires von allgemein gültigen Körpertechniken befähigt das Individuum, sich in seiner Gesellschaft zurechtzufinden und ein wichtiges Mitglied zu sein. Auch individuelle Meinungsfindung bzw. Persönlichkeitsentwicklung ist nur dann möglich, wenn Konventionen und Anforderungen an den Lernenden herangetragen werden, die er dann wiederum hinterfragen und gegebenenfalls ablehnen oder annehmen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung der Körpersprache als nonverbales Kommunikationselement und Zielsetzung der Sensibilisierung für angehende Lehrkräfte.
2 DER KÖRPER ALS SOZIALES GEBILDE: Theoretische Kategorisierung des Körpers durch Heinemann in vier Bereiche, einschließlich der „Techniken des Körpers“ und des „Körperethos“.
3 KÖRPERTECHNIKEN: Definition und Erläuterung der „Technikgebundenheit“ menschlicher Bewegungen sowie deren Abhängigkeit von Erziehung und gesellschaftlicher Tradition nach Mauss.
4 KLASSIFIKATIONSPRINZIPIEN DER TECHNIKEN DES KÖRPERS (MAUSS): Vorstellung der vier Kriterien zur Ordnung von Körpertechniken: Geschlecht, Alter, Leistung und Überlieferung.
5 BIOGRAPHISCHE AUFZÄHLUNG NACH MAUSS: Systematische Einteilung der Körpertechniken nach Lebensphasen, von der Geburt über die Kindheit und Adoleszenz bis zum Erwachsenenalter.
6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN ZUM THEMA KÖRPERTECHNIKEN: Fazit zur Bedeutung der Körpertechniken als Basis für das gesellschaftliche Zurechtfinden und Überleitung zum Thema Körpersprache.
7 KÖRPERSPRACHE: Abgrenzung menschlicher nonverbaler Signale von tierischen Reaktionen durch die Komponente der Absicht und erlernte Kommunikation.
8 WELTWEITE ÄHNLICHKEITEN: Untersuchung der Frage nach universalen, angeborenen Körpersignalen, insbesondere im Bereich der Gefühlsausdrücke und Begrüßungsformen.
9 KANÄLE DES KÖRPERSPRACHLICHEN AUSDRUCKSVERHALTEN: Detaillierte Betrachtung verschiedener Kommunikationskanäle wie Mimik, Gestik, Proxemik und kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung.
10 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT: Anwendung der Erkenntnisse auf den Lehrerberuf zur Förderung eines positiven Unterrichtsklimas und Sensibilisierung der Schüler.
Schlüsselwörter
Körpersprache, Körpertechniken, Nonverbale Kommunikation, Sozialisation, Mauss, Habitus, Erziehung, Mimik, Gestik, Proxemik, Unterrichtsgestaltung, Sensibilisierung, Interkulturelle Kommunikation, Ausdrucksverhalten, Soziales Gebilde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Körpersprache und erlernten Körpertechniken als essenzielle Bestandteile der zwischenmenschlichen Kommunikation und deren gesellschaftliche Prägung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Einordnung von Körperbewegungen, die Klassifizierung nach Marcel Mauss, die Analyse nonverbaler Kanäle und die praktische Anwendung im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Sensibilisierung für den unbewussten Einsatz des Körpers, um sowohl eigene Handlungen als auch das Verhalten anderer Menschen im sozialen und professionellen Umfeld bewusster reflektieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bedeutender Forscher wie Mauss, Argyle und Heinemann, um Theorien zur Körperkultur und Kommunikation theoretisch fundiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Körpertechniken und eine detaillierte Analyse körpersprachlicher Ausdruckskanäle wie Mimik, Gestik und Distanzverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Körpersprache, Körpertechniken, Sozialisation, nonverbale Kommunikation und pädagogische Professionalität charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die menschliche Kommunikation von der tierischen?
Laut Argyle liegt der Hauptunterschied in der bewussten Absicht des Menschen, sich mitzuteilen, während tierische Signale oft rein instinktive Reaktionen auf spezifische Reize sind.
Warum ist die Auseinandersetzung mit Körpersprache für Lehrer besonders wichtig?
Lehrer stehen ständig unter der Beobachtung ihrer Schüler. Ein geschärfter Blick für die eigene Körpersprache und die der Schüler hilft dabei, Missverständnisse zu vermeiden, Authentizität zu vermitteln und ein förderliches Lernklima zu schaffen.
- Citation du texte
- Jana Wiedeking (Auteur), 2005, Körpersprache und Körpertechniken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88117