Die dramaturgische Konzeption in Platons "Phaidon"


Essay, 2007

5 Seiten


Leseprobe

Platons „Phaidon“ gehört zu dessen bekanntesten und in seiner Gestaltung wohl am interessantesten Dialogen. Neben der inhaltlichen Tiefe ist dieser auch literarisch künstlerisch sehr stark ansprechend. Im Folgenden werde ich die klar umrissene Grundvorstellung des Dialogs in Hinblick auf die äußere Bauform und den Gesetzmäßigkeiten der inneren Struktur, vor allem bezogen auf den bekannten Argumentationsgang, erläutern.

„Phaidon“ augenscheinlich als Dialog zwischen Echekrates und dem Lieblingsschüler des Sokrates konzipiert, verfällt sehr schnell in eine Gesprächswiedergabe im Monolog des Phaidon, welche einen erzählten Dialog im eigentlichen Dialog bildet. Zunächst erläutert Platon im Vorgespräch ( 57a – 59c) den Grund für das Zusammentreffen der Beiden. Echekrates erbittet von Phaidon einen Bericht über die Ereignisse nach Sokrates Verurteilung bis hin zu dem Tag seines Todes im Gefängnis. Dieser einführende Dialog zeigt welche Wichtigkeit die Schilderungen des Phaidon haben werden, da zum einen ein Portrait des Sokrates gegeben wird und zum anderen die Bemühungen des Philosophierens aus der platonischen Perspektive deutlich werden. Die Aufzählung der Anwesenden in der Gefängniszelle verdeutlicht nur erneut den Ernst der Lage. Das folgende Hauptgespräch (59c- 118a) beginnt Platon mit einem gelungenen Prolog des gelassen wirkenden Sokrates, der die These von der Philosophie als Einübung in den Tod aufstellt: „…, die sich auf rechte Art mit der Philosophie befassen, …, nach gar nichts anderem streben als nur zu sterben und tot zu sein.“ (64a). Diese Aussage unterstreicht die Gelassenheit des zum Tode verurteilten. Der Optimismus der an dieser Stelle deutlich wird, lockert meiner Ansicht nach die geschilderte Gefängnisatmosphäre stark auf und der bevorstehende Tod wirkt weniger grausam und unheilvoll. Es folgt dem Prolog der erste Beweis (70b – 77a) seitens Sokrates in welchem Platon die aufgestellte These glaubwürdig erscheinen lassen muss. Dazu beweist er zwei Punkte: erstens, dass die Seele den Körper überlebt, d.h. die Unsterblichkeit der Seele und zweitens, dass diese ihre Intelligenz und Kraft nicht verliert. Schon hier wird deutlich wie wichtig es für Sokrates ist seine Freunde, vor allem Kebes und Simmias, welche ständige Einsprüche gegen Sokrates Reden bringen, von der Richtigkeit seiner Aussagen zu überzeugen. Platon verdeutlicht das indem er beiderseits ständig nachfragen lässt. Sokrates vergewissert sich nach jeder aufgestellten Prämisse nach der Ansicht seiner Freunde. Erwägen diese noch Einwände führt er seine Aussagen fort bis er sie überzeugt hat und nur noch zustimmen können, stimmen sie sofort mit Sokrates Ausführungen überein, wird der Beweis einfach fortgeführt. Der Leser hat so sehr oft den Eindruck, dass viele Behauptungen nicht ausreichend durchdacht wurden. Durch diese gesetzten Aussagen lässt Platon dem Leser viel Raum zum Selbstdenken. Platon zwingt den Leser durch diesen literarischen Kunstgriff sich genau mit den Gedankengängen zu beschäftigen. Außerdem wirkt das Gesagte so eingängiger und klarer, da zu viele detaillierte Ausführungen zu große Verwirrung stiften würden. Bevor Platon Sokrates den zweiten Beweis führen lässt, folgt ein kleines literarisches Zwischenspiel (77d – 78b). Kebes und Simmias fordern Sokrates auf einen weiteren Beweis anzubringen, da diese noch Zweifel hegen: „So tue denn so, als fürchteten wir uns, und versuche, uns zu überreden.“ (77e). Platon fährt mit dem zweiten Beweis (78b – 84b) fort. Dieser Beweis ist der überzeugendste Beweis für die Unsterblichkeit der Seele. Nachdem sich die ersten beiden Beweise vorrangig auf den präzisen philosophischen Begriffen gründen, lässt Platon einen ersten eschatologischen, also das Endschicksal des einzelnen Menschen und der Welt betreffenden, Mythos (80b – 84b). Dieser Mythos über das Schicksal der Seele nach dem Tod lässt das Ziel der Unsterblichkeitsdiskussion erreichen, da der sehr komplexe Plan, den Platon mit „Phaidon“ verfolgte, sich sowohl in der Argumentation als auch in der Reflexion ständig wiederholt. Das folgende Zwischenspiel (84c – 91c) trennt den ersten von dem zweiten Teil, da nun Kebes und Simmias ganz deutlich ihre Einwände und Zweifel zum Ausdruck bringen. Platon teilte vier Phasen ein. Die poetischen Phasen zeigen sich in zwei Metaphern: „…, haltet ihr mich schlechter als die Schwäne, welche, …, sich freuen, dass sie zu dem Gott gehen sollen, dessen Diener sie sind.“ (84e – 85a). Diese Metapher steht erneut für die letzten Worte des Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele vor seinem Tod. Die zweite Metapher von dem Abschneiden Phaidons Haare zeigt die Trauer Sokrates falls seine weitere Argumentation ihr Ziel verfehlen sollte, „Morgen…, wirst du wohl diese schönen Locken abscheren? ... Nicht doch, wenn du mir folgst.“ (89b). Die anderen beiden Phasen sind begrifflicher Natur. Zum einen stehen dort die Zweifel des Kebes und des Simmias (85e – 88b) und zum anderen fordert Sokrates auf der Vernunft zu vertrauen (89c – 91c). Die dialektische Diskussion greift Platon mit der Widerlegung Simmias Einwand auf und führt sie mit der umfangreicheren Widerlegung Kebes Einwände fort, welche eine sehr vereinfachte Darstellung der Ideenlehre Platons beinhaltet und einen dritten und endgültigsten Unsterblichkeitsbeweis (91c – 106d): „Und was der Tod nie annimmt, wie nennen wir das? – Unsterblich, sagt er. – Und die Seele nimmt doch den Tod nie an? – Nein. – Unsterblich also ist die Seele? – Unsterblich.“. Sokrates Ziel ist erreicht, denn er hat seine Freunde überzeugen können. Platon lässt Sokrates also zufrieden nach philosophischer Manier in den Tod gehen. Platon lässt danach noch eine mythische Erzählung folgen über das Schicksal der Seele im Jenseits (107c – 115a). Dieser Mythos und die folgende Reflexion führt Platon viel tiefer aus und wirkt auf mich wie der Gelungenste. Der Dialog schließt mit dem Ende des Sokrates (115b – 118 a). Hier zeigt Platon erneut, dass Sokrates den Tod mit Heiterkeit und großen Erwartungen an sein künftiges Leben anzunehmen wusste. Außerdem zeigt sich in den letzten Worten die Hochachtung die Platon gegenüber Sokrates empfand: „…, der trefflichste war, und auch sonst der vernünftigste und gerechteste.“ (118a).

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die dramaturgische Konzeption in Platons "Phaidon"
Hochschule
Universität Leipzig
Autor
Jahr
2007
Seiten
5
Katalognummer
V88128
ISBN (eBook)
9783638017206
ISBN (Buch)
9783656552574
Dateigröße
334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzeption, Platons, Phaidon
Arbeit zitieren
Anja Thonig (Autor), 2007, Die dramaturgische Konzeption in Platons "Phaidon", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88128

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