Interaktion und Gefühlsarbeit


Referat (Ausarbeitung), 2007

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Allgemeine Belastungen in Pflegeberufen

3 Vorstellung der Forschungsmethode

4 Forschungsergebnisse
4.1 Leibliche Bedürfnisse
4.2 Hygiene
4.3 Gefühle des Ekels
4.4 Scham- und Peinlichkeitslasten
4.5 Lasten der Beherrschung der eigenen Gefühle
4.6 Entwicklung von Mitleid zu Empathie
4.7 Machtverhältnis zwischen Ärzten und Pflegepersonal

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Gefühlsarbeit in personenbezogenen Dienstleistungsberufen wird täglich und in fast allen Situationen geleistet, die im direkten Kontakt zum Patienten stehen. Oft werden solche Interaktionen zwischen Pflegepersonal und Patient überhaupt nicht als Gefühlsarbeit wahrgenommen oder als diese gedeutet; schließlich sieht das Berufsbild der Pflege es als selbstverständlich vor, in jeder Situation emotional richtig zu handeln und auch bei größten Belastungen (ob durch betriebswirtschaftliche oder andere Faktoren beeinflusst) mit einem freundlichen geduldigen Wesen auf Patienten einzugehen.

Der Begriff Gefühlsarbeit wird als „allgemeingültige deutsche Übersetzung aus meist amerikanischen Veröffentlichungen und Untersuchungen“[1] verwendet, meint jedoch im Ursprung verschiedenste inhaltliche Themen und Bedeutungen. Das heißt, es gibt keine einheitliche Definition für Gefühlsarbeit. Strauss, Anselm et al. deuten Gefühlsarbeit als „die Arbeit, die Angehörige personenbezogener Dienstleistungsberufe im Blick auf die Gefühle anderer erbringen. Dazu gehören z. B. Vertrauensarbeit, Fassungsarbeit und Identitätsarbeit“[2]. Laut Dunkel meint Gefühlsarbeit den „beruflich- fachlichen Umgang mit Gefühlen“[3] Andere Begriffe, die die Bedeutung der Gefühlsarbeit überschneiden sind z. B. Emotionsarbeit (J. Gerhard 1988) und Gefühlsregulierung (B. Badura 1990).

Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich schon oft im täglichen Praxisalltag in der Klinik Situationen erlebt habe, die mich belastet haben, und die mich auch nach Feierabend nicht losließen. Oft denke ich darüber nach, ob ich mich zu sehr in Patienten oder Angehörige einfühle und mich damit belaste, aber andererseits gehört auch diese Arbeit zu meinem Beruf. Um eventuell besser zu verstehen, wie ich mit meinen eigenen Gefühlen und auch der der Patienten umgehen kann, werde ich dieses Thema bearbeiten. Als Grundlage dazu habe ich mich auf die Arbeit „Die Last des Mitfühlens- Aspekte der Gefühlsregulierung in sozialen Berufen am Beispiel der Krankenpflege“ von Gabriele Overlander (Krankenschwester, Soziologin und Sozialpsychologin) bezogen.

2 Allgemeine Belastungen in Pflegeberufen

Der Begriff Belastung wird in der Arbeitsmedizin als „äußere Anforderungen an das Individuum, die in Arbeitszusammenhängen entstehen“[4] definiert. Diese Belastungen können unterschieden werden in direkt messbare Faktoren der Arbeitsbelastung, wie z. B. Lärm, und psychosoziale Arbeitsbelastung, die schwer zu erfassen ist, da das subjektive Empfinden des Befragten immer einen großen Raum einnimmt.

Einige Studien zu verschiedenen Belastungsaspekten erbrachten folgende Belastungsschwerpunkte:

1. Arbeitszeiten in Pflegeberufen:

In der Regel wird die Versorgung der Patienten über vierundzwanzig Stunden am Tag durch Schichtdienste gedeckt. Das bedeutet, ein bis zwei Drittel der Pflegekräfte arbeiten regelmäßig nachts. Dies führt oft zu Befindlichkeitsstörungen durch Störung des Tag- Nacht- Rhythmus`. Weiterhin gibt es soziale Einschränkungen durch Nachtdienste und geleistete Überstunden.

2. Körperliche Belastungen:

Der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen, Infektions- und Strahlungsgefahren, hohe Raumtemperaturen und körperlich schwere Arbeiten, wie Heben von Patienten, spielen hier eine Rolle.

3. Belastungsdruck durch Personal- und Zeitknappheit:

Besonders belastend sind die ständig hohen Konzentrationsanforderungen, der hohe Verantwortungsdruck und stetiger Zeitdruck. Sehr oft müssen Tätigkeiten mehrmals unterbrochen werden und dadurch kommt es zu nur unzureichender Ausführung. Es entstehen über den Tag verteilt Arbeitsspitzen (Diagnostik, Therapie, Operationen) und ständig wechselnde Patientenbedürfnisse (Besuch, Arztanordnungen).

4. Leidbelastungen, psychische Belastung durch Konfrontation mit schwerstkranken und sterbenden Patienten:

In allen Untersuchungen wurden psychische Belastungen als besonders schwerwiegend benannt: Oft entstehen Schuld- oder Defizitgefühle durch Zeitmangel für den Kontakt zum Patienten. Das Pflegepersonal bringt meist ein hohes Maß an Idealismus mit in den Beruf: viel wird von sich selbst in den Beruf eingebracht, was nie in dem Maß von anderen Personen zurückkommt. Diese Tatsache wird auch als asymmetrische Helferbeziehung bezeichnet.

Diese Ergebnisse werden auch von Indikatoren wie der Berufsverweildauer, Krankheitsausfällen, Anzahl der Berufswechsel oder Fluktuationsraten bekräftigt.

3 Vorstellung der Forschungsmethode

Gabriele Overlander betrachtet in ihrer Arbeit die verschiedenen emotionalen Lasten von Personen, die kranke und alte Menschen beruflich pflegen. Dazu gehört als Teil des Pflegeberufs, gesellschaftliche Tabuzonen zu durchbrechen. Das berufliche Selbstverständnis und Selbstbild der Pflege verlangt es, mit dem Gepflegten mitzufühlen, das heißt, Gefühlsarbeit soll geleistet werden.

Ziel der Arbeit soll sein, die Arbeitsbelastungen der Pflegenden durch innere Belastungen um die Kontrolle der eigenen Gefühle zu ergänzen. Gewählt wurde dieses Thema, weil es in Ausbildung und Sozialisation des Berufes keine Behandlung findet.

Die Ausgangsthese dafür ist: berufliche Verhaltensmuster erweisen sich als langfristig sozial geformt und erlernt.

Um diese These zu belegen, wurden die Entwicklungsprozesse von Verhaltensanweisungen zur Gefühlsarbeit über einen Zeitraum von etwa einem Jahrhundert (1874- 1987) in Krankenpflegelehrbüchern untersucht. Dabei wurde die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse (zur Erstellung eines Kategoriesystems und dessen Auswertung) angewendet.

Krankenpflegelehrbücher wurden deshalb verwendet, weil vermutet wurde, dass dort Aussagen über das erwünschte und geforderte beruflich- ethische und gesellschaftlich richtige Verhalten vorzufinden ist.

Die Zielstellung der Analysen sollte eine vergleichbare Zusammenstellung von chronologischen Zitatreihen sein, die direkte Verhaltensvorgaben an das Krankenpflegepersonal beinhalten. Dafür sollten besonders Verhaltensangaben erfasst werden, bei denen eine starke Kontrolle der eigenen Gefühle und des eigenen Verhaltens notwendig ist.

Untersuchte Kategorien waren: Reinlichkeitsstandards, Scham- und Peinlichkeitsgefühle, Ekelgefühle, Aggressionen und Selbstbeherrschung, Empathie und Verhalten Ärzten gegenüber.

4 Forschungsergebnisse

4.1 Leibliche Bedürfnisse

Aufgabe der Krankenpflege ist es, Patienten bei allen Verrichtungen der Aktivitäten des täglichen Lebens (Juchli 1987) zu unterstützen. Dazu gehören z. B. sich waschen und kleiden, essen und trinken und ausscheiden, also sehr körpernahe Tätigkeiten mit allen Körperfunktionen und seinen intimsten Verrichtungen.

Wobei es früher als angesehen und normal galt, nach dem Essen laut aufzustoßen oder zu spucken und schnäuzen, werden heute solche Verhaltensweisen gesellschaftlich verachtet und als widerwärtig betrachtet. Bei Zuwiderhandlung wird man Opfer der eigenen Unlustgefühle (Peinlichkeit, Scham, Ekel, Angst) oder der Gefühle anderer. Die gesellschaftlichen Gebote haben sich zu Selbstzwängen entwickelt, die fordern, dieser vorherrschenden Moral zu entsprechen. So verwendet man beispielsweise Duftsprays, um den Geruch nach einem Toilettengang verschwinden zu lassen oder in öffentlichen Gebäuden werden durch ständiges Abspielen von Musik die Geräusche bei Ausscheidungen übertönt. Diese alltäglichen Beispiele sollen aufzeigen, wie hoch das Maß an Distanz zu mit Peinlichkeitsgefühlen besetzten Verrichtungen heute ist. Diese gesellschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch in der Krankenpflege und vor allem im Verhältnis zwischen Patient und Pflege wider:

Viele Menschen im Krankenhaus sind nicht mehr in der Lage, sich an die gesellschaftlichen Standards in Bezug auf ihren Körper zu halten und sind somit auf das Krankenpflegepersonal angewiesen. Das heißt täglich müssen Tabubereiche angesprochen und überschritten werden, was wiederum zu Unlustgefühlen bei Patient und Pflegepersonal führt. Grundsätzlich befinden sich Pflegende und Gepflegte dabei in den Institutionen hinter den gesellschaftlichen Kulissen. So sind vor allem Langzeitpatienten von den Mitmenschen isoliert, aber ebenso auch das Pflegepersonal, das aufgrund der aufgezeigten Entwicklung kaum jemanden im persönlichen Umfeld finden wird, der über pflegerische Tätigkeiten und ihr Arbeitsfeld gern sprechen wird.

[...]


[1] Overlander 1994, S. 31

[2] Strauss, Anselm et al. 1980

[3] Overlander 1994, S. 32

[4] Overlander 1994, S. 21

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Interaktion und Gefühlsarbeit
Hochschule
Hochschule Hannover
Veranstaltung
Interaktionsprozesse in der Pflege
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V88201
ISBN (eBook)
9783638027953
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interaktion, Gefühlsarbeit, Interaktionsprozesse, Pflege
Arbeit zitieren
Carolin Srocke (Autor), 2007, Interaktion und Gefühlsarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88201

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