Soziale Unterstützung nach Diewald am Beispiel eines querschnittgelähmten Patienten


Hausarbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Querschnittlähmung
2.2 Soziale Unterstützung

3. Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung nach Diewald
3.1 Konkrete Interaktionen
3.2 Vermittlung von Kognitionen
3.3 Vermittlung von Emotionen

4. Inhaltsangabe des Fallbeispiels

5. Untersuchung des Fallbeispiels auf Aspekte der sozialen Unterstützung nach Diewald
5.1 Konkrete Interaktionen
5.2 Vermittlung von Kognitionen
5.3 Vermittlung von Emotionen

6. Zusammenfassung

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Soziale Unterstützung war und ist ein sehr wichtiges und viel diskutiertes Thema, welches z. B. in der Politik oder den Wissenschaften immer öfter zur Sprache kommt. In einer Zeit von Geburtenrückgang, Anonymität unter den Menschen und stetig wachsender Verarmung der Bevölkerung spielt soziale Unterstützung eine immer größer werdende Rolle.

Um zu zeigen, was soziale Unterstützung eigentlich bedeutet und wie sie theoretisch aussehen kann, habe ich mich entschieden, Martin Diewalds inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung in dieser Hausarbeit vorzustellen. Dazu werde ich vorab einige Begriffe klären. Weiterhin möchte ich anhand eines autobiographischen Berichts eines querschnittgelähmten Patienten untersuchen, ob Diewalds inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung überhaupt praktisch anwendbar ist und ob der Patient nach Diewalds inhaltlicher Typologie soziale Unterstützung erhalten hat.

2. Begriffsklärungen

2.1 Querschnittlähmung

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie definiert Querschnittlähmung als „ein aus einer kompletten oder inkompletten Schädigung des Rückenquerschnitts resultierendes Lähmungsbild mit Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Funktionen unterhalb der Läsion mit primär schlaffer motorischer (spinaler Schock), später meist spastischer Lähmung (spinale Automatismen) und Störung der urogenitalen und Enddarmfunktionen“.[1]

In der Bundesrepublik Deutschland werden pro Jahr 1300- 1500 Patienten mit einer neu erworbenen Querschnittlähmung gezählt, die in 24 Zentren mit ca. 1200 Betten behandelt werden können. Mit einem Verhältnis von drei zu eins sind Männer dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Zu 70 Prozent werden Querschnittlähmungen durch Unfälle, also traumatisch, hervorgerufen. Als weitere Ursachen können Tumoren, Entzündungen und degenerative, sowie gefäßbedingte Erkrankungen genannt werden.

Querschnittlähmungen werden unterteilt in komplette (das Rückenmark ist vollkommen getrennt bzw. zerstört) und inkomplette (einzelne Nervenfasern bzw. –stränge sind erhalten) Lähmungen. Weiterhin wird unterschieden nach dem Ort der Rückenmarksläsion: Je höher die Läsion, desto mehr Körperteile des Patienten sind gelähmt. So ist ein Tetraplegiker (wie im später beschriebenen Fallbeispiel) ein Patient, dessen Arme und Beine vollständig gelähmt sind, wobei diese komplette Lähmung durch die Schädigung im Halsmarkbereich zustande kommt.

2.2 Soziale Unterstützung

Da soziale Unterstützung seit Jahrzehnten Untersuchungsthema zahlreicher

Wissenschaftler ist, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionsformulierungen,

die inhaltlich nicht zusammengefasst werden können. Da keine einheitliche Definition existiert, werde ich im Folgenden einige Definitionen verschiedener Autoren vorstellen:

Cobb beschreibt soziale Unterstützung als die Information, die eine Person veranlasst zu glauben, dass man sich um sie kümmere, dass sie geliebt und geschätzt wird und dass sie ein Mitglied in einem Netzwerk von gegenseitigen Verpflichtungen ist. Weiterhin schließt er materielle Hilfe dabei aus.[2]

Hornung und Lächler definieren soziale Unterstützung als „Hilfe, die aus dem sozialen Netzwerk eines Menschen stammt und die ihm hilft, Krankheit zu bewältigen und Gesundheit aufrecht zu erhalten.“[3]

Dagegen lässt sich laut Veiel soziale Unterstützung als eine Funktion der sozialen Umwelt einer Person bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse auffassen[4].

House unterteilt soziale Unterstützung in folgende vier Aspekte:

1. Emotionale Unterstützung (emotional support): Diese Klasse beinhaltet Verhaltensweisen wie z. B. Empathie, Mitfühlen, Liebe und Vertrauen.
2. Instrumentelle Unterstützung (instrumental support): Hierbei handelt es sich um die direkte Hilfe einer Person, wie z. B. Güter und Dienstleistungen.
3. Informative Unterstützung (informational support): Diese Form umschreibt die Unterstützung einer Person durch Zuführen von Informationen, die zu Problemlösungen beitragen können (Hilfe zur Selbsthilfe).
4. Beurteilungs- Unterstützung (appraisal support): Dieser Bereich beschreibt das Nutzen von Informationen, die der Selbstevaluation der Person dienen soll.[5]

3. Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung nach Diewald

3.1 Konkrete Interaktionen

Die folgenden Aspekte sozialer Unterstützung haben als Gemeinsamkeit beobachtbare, konkrete Interaktionen (s. Abb. S. 23), die auch als „objektive Unterstützung“ bezeichnet werden können.

Arbeitshilfen

Als Arbeitshilfen können eine Reihe unterschiedlicher breit gefächerter Arbeiten verstanden werden, die je nach Anlass, Umfang und erforderlicher Qualifikation anfallen können. Dabei kann nach dem Arbeitsprozess unterschieden werden, ob die Arbeiten vom Hilfeleistenden komplett übernommen werden, oder ob bei der Verrichtung der Arbeiten nur geholfen wird (teilweise Übernahme). Zu den Arbeitshilfen zählen weiterhin personenbezogene (z.B. Aufsicht), sowie güterbezogene Dienstleistungen (z.B. Hilfe im Haushalt).

Pflege

Pflege meint hier die Hilfe, die nicht nur für, sondern an einem Interaktionspartner geleistet wird, z.B. bei teilweiser oder vollständiger Handlungsunfähigkeit.

Materielle Unterstützung

Es werden zwei Arten materieller Unterstützung unterschieden: Unterstützung durch Geld und Unterstützung durch Sachleistungen (z.B. bestimmte Gegenstände bis hin zur Unterkunft).

Intervention

Interventionen beziehen sich nicht direkt auf die Zielperson selbst, sondern werden für die Zielperson bei anderen Personen oder Institutionen durchgeführt. Sie können innerhalb des persönlichen Netzwerks der Zielperson erfolgen, oder außerhalb des persönlichen Netzwerks bei Personen oder Institutionen, die für die Zielperson nicht (direkt) erreichbar sind. Interventionen bedeuten also meist das Hinzuziehen von Dritten in eine Problematik.

Information

Informationen sind hier als praktisches Wissen oder Auskünfte zu verstehen, also handelt es sich um sachbezogene Informationen (z.B. Standorte von Spezialkliniken). Nicht gemeint werden Ratschläge, Vermittlung von Verhaltensanforderungen oder Normen.

Beratung

Beratung beinhaltet persönliche Ratschläge, sowie die Sammlung von Informationen bei mehreren Personen (aber keine Annahme aller Ratschläge).

Unterschieden werden kann die Beratung bei sachlichen und persönlichen Problemen.

Geselligkeit

Geselligkeit wird zur sozialen Unterstützung gezählt, da sie allgemein zur positiven Gemütslage beitragen kann. Dazu gehören z.B. Aktivitäten wie Ausflüge, Besuche und Unternehmungen, die gezielt als Bewältigungsstrategien genutzt werden können, um den Weg aus einer depressiven Verstimmung oder Isolation zu erleichtern oder diese gar zu verhindern.

Alltägliche Interaktionen

Alltägliche, ritualisierte Interaktionen können durchaus verhaltensstabilisierend und haltgebend wirken. Sie vermindern den Druck, ständig Entscheidungen treffen zu müssen und bilden eine Konstante im Alltagsleben. Diese Funktionen bleiben jedoch meist unterhalb der Bewusstseinsschwelle der Person und ein Stabilitätsverlust wird erst bei Wegfall realisiert.

3.2 Vermittlung von Kognitionen

Folgende Aspekte sozialer Unterstützung zielen auf das kognitive Bewusstsein (s. Abb.

S. 23):

Vermittlung von Anerkennung

Anerkennung kann auf zwei Ebenen vermittelt werden: auf der Ebene der persönlichen

Wertschätzung und der der Status- Vermittlung. Die Vermittlung personenbezogener Wertschätzung bezieht sich auf die Vermittlung eines personenbezogenen Selbstwertgefühls über die Beeinflussung von Deutungs- und Bewertungsprozessen. Es wird eine Beziehung vermittelt, d.h. die Person erfährt, dass sie als Mensch akzeptiert, geschätzt oder gar bewundert wird. Bei der Status- Vermittlung fällt die Betonung auf die Bestätigung einer Position und der damit verbundenen Rollenerwartungen.

Orientierung

Orientierung ist zu verstehen als Vermittlung umfassender Verhaltensmodelle und sozialer Normen, die allgemeine Bedeutung für die Lebensführung beinhalten. Als mögliche Schattenseite spielt hierbei evtl. die soziale Kontrolle, also das Aufzwingen von Verhaltensweisen eine Rolle. Wichtig ist Orientierung vor allem für chronisch kranke Menschen, die nach der Stellung der Diagnose oft ihr Leben völlig anders strukturieren müssen und dafür wegweisende Informationen benötigen.

[...]


[1] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und Bundesverband der Ärzte für Orthopädie 2002

[2] Vgl. Cobb 1976, S. 300- 314

[3] Hornung/ Lächler 1999, S. 313

[4] Vgl. Veiel 1987, S. 397- 99

[5] Vgl. House 1981

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Soziale Unterstützung nach Diewald am Beispiel eines querschnittgelähmten Patienten
Hochschule
Hochschule Hannover
Veranstaltung
soziale Unterstützungssysteme
Note
1,4
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V88202
ISBN (eBook)
9783638070676
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Unterstützung, Diewald, Beispiel, Patienten, Unterstützungssysteme
Arbeit zitieren
Carolin Srocke (Autor), 2006, Soziale Unterstützung nach Diewald am Beispiel eines querschnittgelähmten Patienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88202

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Soziale Unterstützung nach Diewald am Beispiel eines querschnittgelähmten Patienten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden