Das Property-Rights Konzept und Investitionsentscheidungen ärmerer Haushalte in Entwicklungsländern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das theoretische Konzept: Die Property Rights Theorie
2.1. Institutionenökonomie
2.2. Bodenrechte und ihre Investitionsfördernden Wirkungen

3. Empirische Befunde
3.1. Vorstellung der Studien
3.2. Korrelation und Eindeutigkeit der Kausalitätsrichtung
3.3. Kreditangebotseffekt

4. Kritische Würdigung
4.1. Effektivität von Eigentumsrechten
4.2. Effizienz von Eigentumsrechten

5. E. Fazit

1. Einführung

Ein primäres Ziel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ist die Bekämpfung der Armut. Nicht nur die UN in ihren Millennium Development Goals[1] hat dieses Ziel an die Spitze der zu lösenden Probleme gestellt. Viele Projekte und Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, möglichst günstige Voraussetzungen zu schaffen, um die Ungleichverteilung der Einkommen zu mindern, eine ausreichende Ernährung sicherzustellen und damit fundamentale Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern zu decken.

Im Hinblick darauf, dass die große Mehrheit der Armen in ländlichen Gebieten lebt, ist eine effiziente und nachhaltige Landbewirtschaftung von großer Bedeutung. Produktivitätssteigerungen durch technischen Fortschritt und Erosionsschutz auf der einen und nachhaltige, Ressourcen schonende Anbauweisen auf der anderen Seite sollen höhere Erträge und wirtschaftliches Wachstum bewirken.

Dazu sind Anreizstrukturen nötig, die gemäß den Aussagen der Property-Rights-Theorie vorhanden sind, wenn die Landwirte mit wohl definierten, gesicherten, exklusiven Eigentumsrechten ausgestattet werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, anhand empirischer Forschungsergebnisse diese Aussage zu überprüfen und vor allem die Frage zu beantworten, ob gesicherte (Boden-)Eigentumsrechte das Investitionsverhalten von Landwirten positiv beeinflussen.

Es soll nicht auf die verschiedenen Formen von Eigentumsrechten und ihre sinnvolle Implementierung eingegangen werden. Auch das inhärente Konfliktlösungspotential oder andere Nutzeneffekte von Rechtssicherheit sind nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Im ersten Abschnitt werden die institutionenökonomischen Aussagen hinsichtlich der investitions-fördernden Wirkungen von Eigentumsrechten erläutert. Auf dieser Basis folgt in Teil C die Auseinandersetzung mit den empirischen Studien. Abschließend werden die Ergebnisse einer kritischen Würdigung bezüglich ihrer Bedeutung für die Aussagen der institutionellen Ökonomik unterzogen.

2. Das theoretische Konzept: Die Property Rights Theorie

2.1. Institutionenökonomie

Die Neue Institutionenökonomie, eine Weiterentwicklung der Neoklassischen Theorie, konzentriert sich bei der Analyse und Erklärung ökonomischer Austauschprozesse vor allem auf die Bedeutung von Institutionen. Sie erweitert die traditionellen restriktiven Annahmen, indem Transaktionskosten, die durch Unsicherheit und unvollkommene Information entstehen, einbezogen werden.[2]

Transaktionskosten sind als “Reibungsverluste”[3] des ökonomischen Systems zu verstehen, die allokative Ineffizienzen bewirken können. Sie fallen zum Beispiel in Form von Verhandlungs- und Informationskosten über Vertragspartner, Preis und Qualität des verhandelten Gutes an.

Institutionen dienen der Verringerung dieser Kosten. Es sind Spielregeln menschlicher Interaktion - sei es politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Art. Diese Regeln, formell (erdachtes, geschriebenes Recht) und informell (Einstellungen, Sitten), beschränken den Handlungsspielraum oder die Verhaltensmöglichkeiten der Menschen. Sie schaffen Richtlinien, sie definieren und limitieren den Wahlbereich menschlichen Verhaltens, indem sie aus der unendlichen Vielzahl von Handlungsalternativen einige wenige als akzeptabel aussondern und die übrigen verwerfen.[4] Sie erschaffen somit eine stabile Ordnung. Die nachhaltige Regelhaftigkeit, mit der eine Institution individuelles Handeln anleitet, erzeugt normative Erwartungen verlässlichen Verhaltens bei denjenigen, deren individuelle Handlungsmuster vom Vertrauen in diese Institutionen geprägt sind.[5] Unsicherheiten werden verringert, Interaktionen im täglichen Leben erleichtert und somit Transaktionskosten gesenkt.

Eine wichtige Rolle innerhalb der Neuen Institutionenökonomie spielt der Property-Rights-Ansatz. Dieser beschäftigt sich mit der Ausgestaltung von wohl definierten, exklusiven Eigentums- und Verfügungsrechten. Eigentumsrechte sind definiert als “effektive Machtstellung eines Individuums in Bezug auf die Kontrolle knapper Ressourcen und die Nutzung ihrer unterschiedlichen wertvollen Eigenschaften”.[6] Ein Individuum besitzt exklusives Verfügungsrecht, wenn es eigene Handlungsentscheidungen sicher durchsetzen kann. Dieses Verfügungsrecht ist umfassend und beinhaltet das Recht, die Sache zu nutzen - auch sie zu zerstören, aus der Sache Früchte zu ziehen, z.B. Einkommen durch Miete oder Pacht, sowie Besitz und Eigentum an der Sache zu übertragen, insbesondere sich ihren Marktwert im Wege der Veräußerung anzueignen.[7]

Für andere hat das Recht Handlungsbeschränkenden Charakter. Erst die Existenz exklusiver Verfügungsrechte sichert die Tauschfähigkeit des Gutes, indem sie Tauschanreize schaffen. Ökonomische Transaktionen werden nur durchgeführt, wenn man dadurch in den Besitz von Gütern kommen kann, die man sonst nicht erhielte.

Auch die Nichtexistenz exklusiver Eigentumsrechte hat - meist negative - Wirkungen auf die individuelle Anreizstruktur und auf die Allokation. Wenn niemand physisch und rechtlich von der Nutzung ausgeschlossen werden kann, können alle Nutzungsansprüche geltend gemacht werden, was zu einer Übernutzung, Verschwendung und Zerstörung des Gutes führen kann.[8] Dieses Problem ist bekannt als “tragedy of the commons”.

Der Wert von Eigentumsrechten ist die Differenz aus dem Nutzen der Verfügungen und ihren (Transaktions-)Kosten. Wenn die Kosten den Nutzen aus der ungestörten Verwendung, Veräußerung etc. übersteigen, so ist ökonomisch Eigentum nicht mehr gegeben.[9]

Im Folgenden sollen Eigentumsrechte nun konkreter als Nutzungs-, Ausschluss- und Transferrechte der Ressource Boden verstanden werden.

2.2. Bodenrechte und ihre Investitionsfördernden Wirkungen

Boden ist neben Arbeit und Kapital ein nicht vermehrbarer volkswirtschaftlicher Produktionsfaktor. Vor allem in Ländern mit einem hohen Anteil an armer Bevölkerung in Lateinamerika, Asien und Afrika stellt die Ressource Boden eine Schlüsselgröße für die künftige ökonomische und soziale Entwicklung dar. Nach Auffassung der institutionenökonomischen Theorie ist die Ursache rudimentärer Agrarwirtschaft das Fehlen von gesicherten Verfügungsrechten.

Bodenrechtsunsicherheit, als Funktion der persönlichen Wahrnehmung der Wahrscheinlichkeit, Land oder bestimmte damit verbundenen Rechte in einer zukünftigen Periode zu verlieren[10], führt zu Planungsunsicherheit und zu einem gedämpften Investitionsverhalten. Eine Investition stellt für die Landwirte eine in der Regel langfristige Kapitalbindung zur Erwirtschaftung zukünftiger Erträge dar. Wenn die Rendite in Form der erwarteten Rückflüsse aufgrund eines hohen - wenn auch nur subjektiv wahrgenommenen - Ausfallrisikos, das heißt unter Unsicherheit, gering ist, wird die Maßnahme unter der Annahme rationalen Verhaltens nicht durchgeführt werden, auch wenn sie unter Sicherheit lohnenswert wäre.

Bei landwirtschaftlichen Investitionen in unbewegliches Anlagevermögen liegt zudem oft Faktorspezifizität vor, so dass die gesamten Erträge den Charakter von Quasirenten haben. Im Fall eines Rechteverlustes sind diese Geldeinlagen als versunkene Kosten unwiederbringlich verloren.

Durch Unsicherheit werden die stabilisierende Wirkung institutioneller Arrangements und die Vertrauensbasis für ökonomische Transaktionen gestört. Boden- und Pachtmärkte können nicht funktionieren. Die Lage wird dadurch zusätzlich schwieriger, wenn Landwirte aufgrund mangelnder Kreditwürdigkeit keinen Zugang zu Kreditmärkten haben, um ihre Vorhaben zu finanzieren.

Das Problem, dass die Property-Rights-Theorie hier aufdeckt, ist differenziert. Zur Schaffung von Anreizen zu erwünschtem Investitionsverhalten der Landbevölkerung ist die Ausstattung mit individuellen Verfügungsrechten eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung. Voraussetzung dafür, dass Eigentumsrechte ihre Funktion erfüllen, ist eine eindeutige, Vertrauen schaffende und berechenbare Gesetzgebung, sowie die Möglichkeit der institutionalisierten Durchsetzung von Rechtsansprüchen an Land in Konfliktsituationen und die Beschränkung und Berechenbarkeit staatlichen Handelns (siehe Abbildung 1).[11]

[...]


[1] United Nations, Millennium Development Goals: “Goal 1 - Eradicate extreme poverty and hunger; Target: To halve, between 1990 and 2015, the proportion of people whose income is less than $1 a day”. www.un.org/milleniumgoals

[2] vgl. Schmidt (2003), S. 141

[3] vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 14. Auflage (1997): Stichwort: Transaktionskostenökonomik

[4] vgl. Bonus (1996), S. 4

[5] vg. Gabler Wirtschaftslexikon, 14. Auflage (1997): Stichwort: Verfügungsrechte

[6] Eggertson (1994), Zitiert nach Knüpfer, Judith (2001)

[7] vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (1997): Stichwort: Verfügungsrechte

[8] vgl. Pasche (1992), S.17

[9] vgl. Lexikon der Volkswirtschaft (1994): Stichwort: Property-Rights

[10] vgl. Knüpfer (2001)

[11] vgl. GTZ (1997)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Property-Rights Konzept und Investitionsentscheidungen ärmerer Haushalte in Entwicklungsländern
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Entwicklungs- und Agrarökonomik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V88222
ISBN (eBook)
9783638033268
ISBN (Buch)
9783638929639
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Property-Rights, Konzept, Investitionsentscheidungen, Haushalte, Entwicklungsländern
Arbeit zitieren
Diplom-Ökonom Rudolf Witt (Autor), 2004, Das Property-Rights Konzept und Investitionsentscheidungen ärmerer Haushalte in Entwicklungsländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88222

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