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Das Haftkapital der GmbH vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Rechtsordnungen - eine rechtliche und ökonomische Analyse

Die Limited ante portas

Title: Das Haftkapital der GmbH vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Rechtsordnungen - eine rechtliche und ökonomische Analyse

Master's Thesis , 2007 , 148 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Diplom-Ökonomin / Magistra Legum (LL.M) Kristina Werner (Author)

Business economics - Law
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Summary Excerpt Details

Die Auswahl einer geeigneten Unternehmensrechtsform ist ein klassisches betriebswirtschaftliches Entscheidungsproblem. Hierbei sollen die individuellen Zielvorstellungen mit denkbaren organisatorischen Grundformen möglichst übereinstimmen. In Deutschland zeigt sich die Rechtsform der GmbH als außerordentlich beliebt und praktikabel, da sie die günstigste Gesellschaftsform mit Haftungsbeschränkung darstellt.

Gleichwohl wird anlässlich der bei der GmbH gegebenen Kapitalerfordernisse und weiterer rechtlicher Nachteile innerhalb des Gesellschafts- und Insolvenzrechts in Deutschland nach einer flexibleren Gesellschaftsform gesucht, der ebenso eine Haftungsbeschränkung zugrunde liegt.

Seit den EuGH-Urteilen hinsichtlich der Niederlassungsfreiheit von Kapitalgesellschaften ist Unternehmen der Zugriff auf Rechtsformen anderer Mitgliedstaaten der EU möglich. In einem solchen Fall ist zunächst die Gründung einer ausländischen Gesellschaft vorzunehmen, deren Verwaltungssitz anschließend in einen anderen EU-Mitgliedstaat, z.B. nach Deutschland, verlegt wird. Gleichzeitig erfolgt die Eintragung einer Zweigniederlassung im Handelsregister. Unter bestimmten Gesichtspunkten können sich durch Verwendung ausländischer Gesellschaften Vorteile ergeben, die zur Eröffnung des Wettbewerbs europäischer Rechtsordnungen beitragen.

Die dem englischen Gesellschaftsrecht zugrunde liegende Rechtsform der Private Limited Company by Shares sticht aus der Gruppe gleichartiger Rechtsformen aufgrund ihrer außerordentlich hohen Beliebtheit heraus. Dies lässt sich vornehmlich mit der kostengünstigen und unkomplizierten Gründung, dem fehlenden gesetzlichen Mindeststammkapitalerfordernis und der steigenden Bekanntmachung durch eine neu entstandene Dienstleistungsbranche begründen.

Augenblicklich führt die Limited im Wettbewerb gegenüber der deutschen GmbH und allen anderen Gesellschaften innerhalb der EU. Diese Position lässt sich vielseitig begründen. Im Vordergrund steht dabei das geringe aufzubringende Kapital, welches gewöhnlich 1 bis 100 GBP beträgt. Hierdurch eröffnet sich für Unternehmer, die das bei der deutschen GmbH gesetzlich geforderte Mindeststammkapital i.H.v. 25.000 EUR nicht aufbringen wollen oder können, die Möglichkeit, mittels der englischen Limited dennoch eine Gesellschaft, welche infolge der EuGH-Rechtsprechung auch in Deutschland anerkannt wird, zu gründen. Hinsichtlich dieses Sachverhalts erscheint es nötig, eine vergleichende Analyse vorzunehmen.

Excerpt


1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Niederlassungsfreiheit in der EU

2.1 Niederlassungsfreiheit gem. Artt. 43, 48 EGV

2.2 Anknüpfungstheorien des Gesellschaftsrechts in der EU

2.2.1 Sitztheorie

2.2.2 Gründungstheorie

2.2.3 Zwischenergebnis

2.3 EuGH-Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit

2.3.1 Daily Mail-Entscheidung vom 27. September 1988 (Rs. 81/87)

2.3.2 Centros-Entscheidung vom 09. März 1999 (Rs. 212/97)

2.3.3 Überseering-Entscheidung vom 05. November 2002 (Rs. C - 208/00)

2.3.4 Inspire Art-Entscheidung vom 30. September 2003 (Rs. 167/01)

2.3.5 Reaktionen deutscher Gerichte auf die EuGH-Rechtsprechung

2.4 Ergebnis der Rechtsprechung und Folgen für die Praxis

2.4.1 Zuzug ausländischer Gesellschaften

2.4.2 Wegzug inländischer Gesellschaften

2.4.3 Resultat

3 Wettbewerb der europäischen Rechtsordnungen

3.1 Überblick und Rechtsgrundlagen von GmbH und Limited

3.1.1 Entwicklung und Ausgestaltung der deutschen GmbH

3.1.2 Entwicklung und Ausgestaltung der englischen Limited

3.2 Vor- und Nachteile der englischen Limited gegenüber der GmbH

3.2.1 Gründungsverfahren

3.2.2 Organisationsverfassung

3.2.3 Laufende Kosten

3.2.4 Kapitalverfassung

3.2.5 Finanzierungsmöglichkeiten und Eigenkapitalersatzrecht

3.2.6 Durchgriffshaftung

3.2.7 Mitbestimmung

3.2.8 Rechnungslegung und Buchführungspflicht

3.2.9 Besteuerung

3.2.10 Publizitätspflichten

3.2.11 Kreditwürdigkeit

3.2.12 Auftreten im Geschäftsverkehr

3.2.13 Inländische Lizenzen und Genehmigungen

3.2.14 Rechtsformwechsel

3.2.15 Gesellschafterwechsel

3.2.16 Verschiedene Einsatzgebiete der Limited

3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

4 Kapitalschutzsystem von GmbH und Limited

4.1 Begriff und Arten des Kapitals

4.1.1 Stammkapital im Recht der deutschen GmbH

4.1.2 Kapitalarten im Recht der englischen Limited

4.1.2.1 Authorised Share Capital

4.1.2.2 Issued Share Capital

4.1.2.3 Called-up und Paid-up Share Capital

4.1.2.4 Reserve Capital

4.2 Funktionen des Kapitals

4.2.1 Arbeitskapital

4.2.2 Gläubigerschutz

4.2.2.1 Seriositätsschwelle

4.2.2.2 Reduzierung der Insolvenzgefahr

4.2.2.3 Schutz der Vertragsgläubiger

4.2.2.4 Risikoverteilung

4.2.3 Schutz der Gesellschafter

4.3 Kapitalaufbringung

4.3.1 Kapitalaufbringung bei der deutschen GmbH

4.3.1.1 Allgemeines

4.3.1.2 Art und Regeln der Kapitalaufbringung

4.3.1.3 Sondervorschriften

4.3.2 Kapitalaufbringung bei der englischen Limited

4.3.2.1 Allgemeines

4.3.2.2 Art und Regeln der Kapitalaufbringung

4.3.2.3 Sondervorschriften

4.3.3 Zwischenergebnis

4.4 Kapitalerhaltung

4.4.1 Kapitalerhaltung bei der deutschen GmbH

4.4.1.1 Allgemeines

4.4.1.2 Spezielle Kapitalerhaltungsvorschriften

4.4.2 Kapitalerhaltung bei der englischen Limited

4.4.2.1 Allgemeines

4.4.2.2 Spezielle Kapitalerhaltungsvorschriften

4.4.3 Zwischenergebnis

4.5 Alternativen zum gebundenen Mindeststammkapital

4.5.1 Privatautonome Vereinbarungen

4.5.2 Publizitätsvorschriften

4.5.3 Pflichtversicherungen

4.5.4 Insolvenzbezogene Haftung

4.5.5 Situative Ausschüttungssperre

4.5.6 Zwischenergebnis

4.6 Mindestkapital im internationalen Wettbewerb der Rechtsformen

4.7 Ergebnis

5 Reaktionen auf nationaler Ebene in der EU

5.1 Antworten der Gesetzgeber anderer Mitgliedstaaten der EU

5.1.1 UK Company Law Reform

5.1.2 Französische S.A.R.L.

5.1.3 Spanische SLNE

5.1.4 Niederländische B.V.

5.2 Antwort des deutschen Gesetzgebers: Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG-E)

5.2.1 Herabsetzung des Mindeststammkapitals

5.2.2 Beschleunigung und Vereinfachung der GmbH-Gründung

5.2.3 Einfache Handhabung der GmbH-Geschäftsanteile

5.2.4 Möglichkeit der Verwaltungssitzverlegung einer GmbH ins Ausland

5.2.5 Weitere geplante Novellierungen

6 Zusammenfassende Würdigung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die rechtlichen und ökonomischen Auswirkungen des Haftkapitals der GmbH vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der europäischen Rechtsordnungen, insbesondere im Vergleich zur englischen Private Limited Company. Ziel ist es, die Notwendigkeit des deutschen Mindeststammkapitals kritisch zu hinterfragen und die Auswirkungen der EuGH-Rechtsprechung auf die Wettbewerbsfähigkeit der GmbH zu bewerten.

  • Niederlassungsfreiheit und Anknüpfungstheorien in der EU
  • Rechtsvergleich zwischen deutscher GmbH und englischer Limited
  • Kapitalschutzsysteme, Kapitalaufbringung und Kapitalerhaltung
  • Auswirkungen der EuGH-Rechtsprechung (Centros, Überseering, Inspire Art)
  • Reaktionen der nationalen Gesetzgeber auf den Wettbewerb der Rechtsordnungen

Auszug aus dem Buch

3.2 Vor- und Nachteile der englischen Limited gegenüber der GmbH

In rechtlicher Hinsicht wurde die Limited mit der deutschen GmbH vom EuGH gleichgestellt. Mit einer Umkehrung dieser Rechtsprechung ist nicht zu rechnen. Infolgedessen konnte ein außerordentlicher Anstieg der Anzahl an Gründungen von englischen Limiteds mit Verwaltungssitz in Deutschland verzeichnet werden. In der Literatur ist teilweise die Rede davon, dass bereits bei mehr als jeder vierten Gründung einer Kapitalgesellschaft die englische Limited der deutschen GmbH vorgezogen wird. Aufgrund der fortwährend vermuteten steigenden Nachfrage nach Limiteds entwickelte sich inzwischen eigens eine spezielle Dienstleistungsbranche, die abgesehen von der Gründung englischer Limiteds auch laufende Aufgaben i. S. d. Kunden übernimmt. Dabei stellen diese Unternehmen die Vorteile der Limited überwiegend in den Vordergrund.

In diesem Unterkapitel werden die deutsche GmbH und die englische Limited vergleichend dargestellt. Hierfür wird auf einzelne angepriesene Vorteile einer englischen Limited im Vergleich zu einer deutschen GmbH vertiefend eingegangen, wobei im Gegensatz mögliche unterdrückte Nachteile nicht ausgelassen werden sollen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass einer vollständigen Auseinandersetzung bzw. Darstellung im Rahmen dieser Arbeit nicht standgehalten werden kann. Es kann lediglich auf ausgewählte Kriterien mit Ausführungen zu wesentlichen Merkmalen eingegangen werden, die in logischer Reihenfolge aufgezeigt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Unternehmensrechtsformwahl in Deutschland ein und beschreibt den Wettbewerb der Rechtsordnungen sowie das Ziel der vorliegenden Arbeit.

2 Niederlassungsfreiheit in der EU: In diesem Kapitel wird die Entwicklung der EuGH-Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit und deren Auswirkungen auf Anknüpfungstheorien analysiert.

3 Wettbewerb der europäischen Rechtsordnungen: Hier werden die Grundlagen von GmbH und Limited gegenübergestellt und deren Vor- und Nachteile im Wettbewerb sowie für die Praxis bewertet.

4 Kapitalschutzsystem von GmbH und Limited: Dieses zentrale Kapitel befasst sich mit den Begriffen, Funktionen und Regelungen zur Kapitalaufbringung und -erhaltung sowie Alternativen zum Mindeststammkapital.

5 Reaktionen auf nationaler Ebene in der EU: Das Kapitel beleuchtet, wie der europäische Gesetzgeber und insbesondere der deutsche Gesetzgeber durch Reformen auf den Wettbewerb reagieren.

6 Zusammenfassende Würdigung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Wandels der deutschen Gesellschaftsrechtslandschaft unter dem Einfluss der europäischen Integration.

Schlüsselwörter

GmbH, Limited, Niederlassungsfreiheit, Haftkapital, Mindeststammkapital, Gesellschaftsrecht, Gläubigerschutz, Kapitalaufbringung, Kapitalerhaltung, Wettbewerb der Rechtsordnungen, EuGH, Gründungstheorie, Sitztheorie, MoMiG, Unternehmensrechtsform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das deutsche Haftkapital der GmbH im Kontext des Wettbewerbs zwischen der deutschen GmbH und der englischen Limited sowie die rechtlichen und ökonomischen Auswirkungen der Niederlassungsfreiheit in der EU.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit durch den EuGH, ein detaillierter Rechtsvergleich zwischen GmbH und Limited sowie die Analyse der Kapitalschutzsysteme.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, zu klären, ob das deutsche Mindeststammkapital vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Rechtsordnungen notwendig und zweckmäßig ist, und welche Auswirkungen dies auf die deutsche GmbH hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit führt eine rechtsvergleichende und ökonomische Analyse durch, wobei die Kriterien für GmbH und Limited integrativ gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Anknüpfungstheorien, der EuGH-Rechtsprechung, einem umfassenden Vergleich von Vor- und Nachteilen der Limited gegenüber der GmbH sowie tiefgehenden Analysen zur Kapitalverfassung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Limited, GmbH, Niederlassungsfreiheit, Kapitalschutz, Kapitalaufbringung und Gläubigerschutz.

Wie unterscheidet sich die Limited hinsichtlich des Kapitals von der GmbH?

Während die deutsche GmbH ein gesetzlich fixiertes Mindeststammkapital von 25.000 EUR benötigt, kennt das englische Recht für eine Private Limited Company kein gesetzliches Mindestkapitalerfordernis.

Welche Rolle spielt der EuGH in dieser Arbeit?

Der EuGH ist zentral, da seine Urteile (insbesondere Centros, Überseering und Inspire Art) die Niederlassungsfreiheit gestärkt und den Wettbewerb der europäischen Rechtsordnungen erst ermöglicht haben, indem sie die Anerkennung ausländischer Gesellschaften im Inland durchsetzten.

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Details

Title
Das Haftkapital der GmbH vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Rechtsordnungen - eine rechtliche und ökonomische Analyse
Subtitle
Die Limited ante portas
College
University of Kassel
Grade
1,0
Author
Diplom-Ökonomin / Magistra Legum (LL.M) Kristina Werner (Author)
Publication Year
2007
Pages
148
Catalog Number
V88239
ISBN (eBook)
9783638027991
Language
German
Tags
Haftkapital GmbH Hintergrund Wettbewerbs Rechtsordnungen Analyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Ökonomin / Magistra Legum (LL.M) Kristina Werner (Author), 2007, Das Haftkapital der GmbH vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der Rechtsordnungen - eine rechtliche und ökonomische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88239
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