Forscher und ihre Experimente in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten


Hausarbeit, 2002
20 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Aufgaben von Ärzten in Konzentrationslagern

3. Dr. med. Kurt Heißmeyer – ein SS-Arzt
3.2. Die Tbc-Versuche des Dr. med. Heißmeyer
3.2.1 Vorbereitungen
3.2.2 Der Ablauf der Versuche
3.2.3. Überlegungen

4. Die Rolle zweier Institute am Beispiel der Unterdruckversuche
4.1. Versuche zur Rettung aus großen Höhen – Dr. Rascher
4.1.2. Überlegungen
4.2. Die Angeklagten im Prozess
4.2.1. Prof. Georg August Weltz
4.2.2. Dr. Siegfried Ruff
4.2.3. Dr. Wolfgang Romberg
4.2.4. Überlegungen

5. Auswertung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „Menschenversuche in Konzentrationslagern“. Zunächst sollen einige Versuche und ihre durchführenden Forscher dargestellt werden. Es gibt drei größere Kategorien, in die sich die Menschenversuche einordnen lassen. Diese sind: Versuche von Instituten, SS-Versuche und Wehrmachtsversuche. Auf die ersten beiden Kategorien werde ich in meiner Arbeit eingehen.

In Vorabüberlegungen werden zu jedem einzelnen Forscher beziehungsweise Versuchshergang erste Ansätze zu einer Auswertung gemacht. Im abschließenden Teil der Arbeit werden diese Ansätze zusammengetragen, die unter verschiedenen Fragestellungen ausgewertet werden. Es soll die Frage beantwortet werden, welche sozialen, wissenschaftlichen und politischem Umstände dazu führten, dass solche Versuche durchgeführt wurden. Gab es eine Entwicklung hin zu solch menschenverachtenden Versuchen?

Es ist wichtig, dass Konsequenzen aus diesen Versuchen gezogen werden. Wie sahen diese Konsequenzen nach 1945 aus und kann man einen Gegenwartsbezug herstellen?

2. Allgemeine Aufgaben von Ärzten in Konzentrationslagern

Neben den Ärzten, die von anderen Anstalten beauftragt waren in Konzentrationslagern (KZ) Versuche durchzuführen, gab es noch Ärzte die Angehörige der SS (Schutzstaffel) waren. Sie hatten folgende Aufgaben:

1. „KZ – Ärzte selektieren Arbeitsunfähige zur Tötung.“[1]

Ein Verfahren war, den Finger, ohne weiteren Kommentar auf den Häftling zu zeigen, der in die Gaskammer geschickt werden sollte.

2. „KZ – Ärzte überwachen Misshandlungen und Folter („Prügelstrafe“).“[2]

Der Lagerarzt musste vor dem Vollzug einer Strafe die Häftlinge auf ihren Gesundheitszustand überprüfen.

3. „KZ – Ärzte überwachen die Hinrichtungen.“[3]

Die Vorschriften in Dachau besagten, dass bei Erhängungen ein Arzt anwesend sein müsse. Außerdem hatten Zahnärzte die Aufgabe, den getöteten Häftlingen die Goldzähne herauszubrechen.

4. „KZ – Ärzte töten.“[4]

Hauptsächlich töteten KZ – Ärzte durch das Spritzen („abspritzen“) von Substanzen zuerst in die Blutgefäße, später direkt in das Herz.

Diese hier dargestellten Aufgaben der Ärzte hängen allesamt mit dem Tod und dem Töten von Häftlingen zusammen. Dennoch war es keinem SS – Angehörigen offiziell erlaubt, Häftlinge nach eigenem Ermessen zu misshandeln oder gar zu töten. Jede Entscheidung über Leben und Tod eines Staatsfeindes lag in der Hand des Führers. Für die Konzentrationslager (offizielle Abkürzung: KL) war hier der „verlängerte Arm“ des Führers die Dienststelle „Inspekteur der KL“. Ihr unterstand der Lagerkommandant, der für die Konzentrationslager verantwortlich war. Er war ermächtigt über die Bestrafung der Häftlinge zu entscheiden.

Ihre Ausbildung erhielten die SS-Ärzte in einer SS-Akademie in Graz.[5] Hier wurden teilweise neue Ärzte ausgebildet, aber auch Ärzte aus bestimmten Fachrichtungen umgeschult. Das KZ Dachau war der Lehrbetrieb der angehenden Ärzte. Vor allem Chirurgen haben hier an meist gesunden Häftlingen Übungsoperationen vorgenommen, die während oder nach der Operation meist verstorben sind, bzw. so geschwächt waren, dass sie selektiert wurden.[6]

Allerdings waren nicht alle SS-Ärzte schlecht ausgebildete Mediziner. Es gab auch Ärzte im KZ, die gar keine Ausbildung als Mediziner hatten. Diese waren zumeist selber Häftlinge und „arbeiteten“ in den Krankenrevieren (Revier = Lazarett). Das taten sie so Klee, damit möglichst viele Häftlinge „krepieren“[7] Erst 1945 wird beispielsweise zum Röntgen ein Fachmann eingesetzt.

3. Dr. Kurt Heißmeyer – ein SS-Arzt

3.1 Die Struktur des SS-Arztwesens in den Konzentrationslagern

Die Verantwortung für die SS- Versuche in den Konzentrationslagern hat der SS-Obergruppenführer Reichsarzt-SS Prof. Dr. Ernst-Robert Grawitz. Er ist Himmler unmittelbar unterstellt. Ein weiterer mächtiger Mediziner ist Prof. Dr. med. Karl Brandt. Er ist „Bevollmächtigter für das Sanitäts- und Gesundheitswesen“ und Hitler direkt unterstellt. Brandt wurde ab 1939 mit der Organisierung des Massenmordes an Kranken und Behinderten beauftragt. Er wird von Hitler am 25.August. 1944 zum „Reichskommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen“ ernannt.

3.2. Die Tbc-Versuche des Dr. med. Kurt Heißmeyer

3.2.1. Vorbereitungen

Dr. Kurt Heißmeyer ist ein ausgebildeter Facharzt für Lungenkrankheiten. 1934 zieht er von Freyburg nach Hohenlychen. Seiner Ansicht nach ist es nicht der Tuberkelbazillus, der für die Krankheit Tuberkulose verantwortlich ist, sondern eine krankhaft vererbte Konstitution. Folglich geht er noch einen Schritt weiter und vertritt die Ansicht, dass „eine unbegrenzte Kurdauer nur dem Kranken zugesprochen werden darf, der die Forderungen rassischer Art erfüllt.“[8] Da die Krankheit auf immunbiologischem Wege bekämpft werden muss und sie wie schon gesagt auch rassisch bedingt ist, fordert Heißmeier die Versuche an Häftlingen durchzuführen, da Tierversuche keine brauchbaren Resultate erzielen. In einer Besprechung mit Conti, dem Reichsgesundheitsführer, und Grawitz kann er diese von seiner Meinung überzeugen, so dass die Weichen für die Versuche gestellt werden. Die Versuche sollen im KZ Neuengamme stattfinden.

3.2.2. Der Ablauf der Versuche

Die Versuche beginnen im Sommer 1944. Von der Baracke 4 wird ein Teil abgetrennt und 4a genannt. Zuerst werden von Heißmeier 100 Häftlinge auf ihre Tauglichkeit überprüft. Unter ihnen sind auch Freiwillige, da die Versuchspersonen relativ gut ernährt werden. Der Häftlingsarzt war der Pole Dr. Zygmunt Szafranski. Später wurde er von den französischen Ärzten Prof. Florence, Dr. Quenouvill und Dr. Billiet ersetzt.

Am 27 November 1944 der Transport von 20 jüdischen Kindern aus Ausschwitz in das Lager Neuengamme. Sie kommen am 29. November im Lager an. Mit ihnen kommen 4 Krankenschwestern die sie auf dem Transport betreut hatten. In Neuengamme wurden sie nicht mehr gebraucht. Sie wurden vermutlich am 5. Dezember 1944 im Bunker der KZ’s gehängt.

Die Kinder werden in die Baracke 4a gebracht. Jedes Kind bekam ein eigenes Bett, an dessen Ende später die Fieberkurve hing, und eine Nummer. Innerhalb der Umzäunung der Baracke befand sich außerdem ein Meerschweinchenstall. Jedes Meerschweinchen hatte eine Nummer, die jeweils dieselbe eines Kindes war.

Den Versuchspersonen werden von Heißmeier virulente (d.h. ansteckende) Tuberkulose-Bazillen in die rechte oder linke Schulter injiziert oder in offene Wunden (teilweise durch Eigensputum (d.h. Auswurf)) eingerieben. Ein drittes Verfahren ist es, den Häftlingen eine Sonde in die Lunge einzuführen und mit Hilfe einer Injektionsspritze ansteckendes Serum zu spritzen.

Nach der Infizierung tritt hohes Fieber auf. Die folgende Schwellung der Axillardrüsen wird dazu „genutzt“ um diese herauszuschneiden und ihre Veränderung festzustellen. Die Präparate wurden zu diesem Zweck nach Hohenlychen geschickt, wo Heißmeier sie mit dem dort tätigen Pathologen untersuchte.

Die Versuche wurden bis zur Befreiung des KL durchgeführt. Die noch lebenden Kinder wurden in ein Hamburger SS-Gebäude gebracht und dort erhängt.

Heißmeyer vergräbt im April 1945 Krankenakten und Fotos in einer Zinkblechkiste in Hohenlychen. Dann flüchtet er nach Sandersleben zu seinen Eltern und hilft dort bis zum Mai 1946 in der väterlichen Praxis. Daraufhin zieht er nach Magdeburg und eröffnet eine Praxis und eine Klinik für Lungenkranke, die er bis zu seiner Festnahme 1963 betreibt.

Heißmeyer wird vom Bezirksgericht Magdeburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.[9]

[...]


[1] Aussage Dr. Heinrich Schmitz vom 06.02.1946. Flossenburg-Prozess Case No. 000-50-46-3, P-Ex 9., zitiert aus Klee, S. 20

[2] zitiert aus Klee, S. 20

[3] Aussage Dr. Heinrich Schmitz, a. a. O., zitiert aus Klee, S. 21

[4] zitiert aus Klee, S. 21

[5] vgl. Klee S. 34

[6] vgl. Klee S. 36

[7] zitiert aus Klee, S.27

[8] Heft 1/1943, S. 34 ff. , zitiert aus Klee S. 168,169

[9] vgl. Klee, S. 172

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Forscher und ihre Experimente in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten
Hochschule
Universität Bremen  (Geschichte)
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V8825
ISBN (eBook)
9783638156950
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forscher, Experimente, Konzentrationslagern, Nationalsozialisten
Arbeit zitieren
Bastian Homann (Autor), 2002, Forscher und ihre Experimente in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8825

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