Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Soziale Arbeit im Nationalsozialismus. Exemplarische Konkretisierung zu Professionskonzepten

Titel: Soziale Arbeit im Nationalsozialismus. Exemplarische Konkretisierung zu Professionskonzepten

Bachelorarbeit , 2013 , 46 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Britt Fender (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über die Veränderung der universitären Erziehungswissenschaft und des Ausbildungswesens Sozialer Arbeit und Fürsorge während des Nationalsozialismus einerseits, sowie der praktischen Sozialen Arbeit (damals Fürsorge genannt) andererseits. Des Weiteren wird das allgemeine Verhältnis zwischen Sozialer Arbeit als Profession und Faschismus betrachtet. Wie konnte die Profession der Sozialen Arbeit zum Mittäter des Nationalsozialismus werden? ist die zentrale Fragestellung dieser Bachelorarbeit.

Um das Verhältnis von Sozialer Arbeit und deutschem Faschismus zu verstehen, bedarf es einer Abhandlung, die den Rahmen einer Bachelorarbeit sprengen würde. Sie müsste von der Sozialpolitik über das Menschenbild nationalsozialistischer Pädagogik und den Grenzen der Erziehung, bis zur gesamtdeutschen Geschichte reichen. Und selbst dann hätten wir nur einen oberflächlich und wie aufgeschnappt anmutenden Blick auf das "Wie?" und das "Warum?".

Daher möchte ich mich im Folgenden auf die Veränderung von Professionskonzepten der Sozialen Arbeit beschränken. Denn um sich das Wirken Sozialer Arbeit zunutze zu machen, mussten zunächst Ausbildung und Berufsethik geformt werden. Hierzu werde ich die Veränderungen der Profession Sozialer Arbeit, ihres Ausbildungssystems und ihrer Berufsentwicklung darlegen. Des Weiteren werde ich einen Blick in die universitäre Erziehungswissenschaft wagen, deren Vertreter von enormer Bedeutung für die Berufsethik helfender Berufe sind.

Um ihre Entwicklung zu verstehen ist es unabdingbar die Veränderung im Gesamtgefüge von Universität und Studium zu begreifen, welches sich unter anderem durch die Hochschulzugangsbeschränkungen und die "Zehn Gesetze der studentischen Erziehung" drastisch änderte. Hierzu muss auch der Kern der alles umfassenden "neuen Wissenschaft" betrachtet werden.

Um einen möglichst unverfälschten Blick zu bieten, werde ich meine Ausarbeitung nicht nur auf Literatur, die die Thematik post festum betrachtet stützen, sondern ebenso auf Aussagen aus dem historischen Kontext. Trotz der historischen Bedeutung für das Verständnis des deutschen Faschismus, begegnet die heutige Soziale Arbeit als Profession ihrer Vergangenheit mit größtem Desinteresse. Hier reiht sie sich mit anderen Disziplinen in ein Geflecht aus Mitläufererklärungen und der unausweichlichen Instrumentalisierung bestehender Strukturen ein. Die Soziale Arbeit wird zum unmündigen Werkzeug degradiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Arbeit im Nationalsozialismus – die Veränderung von Profession und Konzepten

2.1 Veränderungen im Ausbildungssystem - die Fürsorgeausbildung im Nationalsozialismus

2.1.1 Neue Aufgaben für die Soziale Arbeit

2.1.2 Entlassungen und Nachwuchsmangel

3. Die Erziehungswissenschaft als Grundpfeiler sozialpädagogischer Professionskonzepte

3.1 Die Gleichschaltung der Universitäten

3.2 Die „neue“ Wissenschaft und ihr Einfluss auf die Soziale Arbeit

3.2.1 Führertum

3.2.2 Eugenik und Rassenhygiene

3.2.3 Die Bedeutung des Leiblichen

3.2.4 Ganzheitlichkeit

3.2.5 Völkische Erziehung

3.2.6 Auslese und Ausmerze

4. Die Identitätskrise der Pädagogik

4.1 Ernst Krieck - Ein Beispiel völkischer Professionskonzepte

4.1.1 Hinwendung zum Nationalsozialismus

4.2 Identifikation deutscher Sozialarbeiter mit dem neuen Regime

4.3 "Ja, aber" - Eine Stellungnahme zum Nationalsozialismus

5. Ein Versuch, nationalsozialistische Pädagogik zu verstehen

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Veränderungen der Professionskonzepte und der Berufsethik in der Sozialen Arbeit während der Zeit des Nationalsozialismus, um aufzuzeigen, wie die Disziplin in das rassistische und ausgrenzende System des NS-Regimes eingebunden wurde.

  • Einfluss der NS-Ideologie auf die Ausbildung und Berufspraxis der Sozialen Arbeit.
  • Die Rolle der Erziehungswissenschaft als theoretisches Fundament nationalsozialistischer Pädagogik.
  • Transformation von Wohlfahrtspflege zu rassenhygienisch orientierter Volkspflege.
  • Identitätskrise und Anpassungsprozesse der Pädagogik und Sozialer Arbeit im politischen Kontext des Dritten Reiches.

Auszug aus dem Buch

3.2.6 Auslese und Ausmerze

Im letzten Punkt nationalsozialistischer Grundpositionen die paradigmatisch für die neue Wissenschaft stehen, findet sich der Auslesegedanke. In ihm laufen alle zuvor genannten Aspekte zusammen. Die Menschenauslese, im positiven wie negativen Wirkungsgrad, ist an ihnen orientiert. Sie stellt den wohl zentralsten Punkt in der Veränderung von Berufsethik, Professionskonzepten und zuletzt auch im Selbstverständnis der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus dar.

Auslese im Sinne einer Elitenförderung, wie sie in den Kindergruppen der NS-Frauenschaft, der Ausbildungseinrichtungen oder der SS und SA stattfanden ist keine nennenswerte Besonderheit. Individuen nach ihrer persönlichen Eignung für einen bestimmten Bereich zu sortieren und der positiven Auswahl Vergünstigungen zuteilwerden zu lassen, ist auch im 21. Jahrhundert noch verbreitet. Etwa im Bereich besonders leistungsorientierter Schul- und Ausbildungsstätten. Eine Unterscheidung finden wir darin, dass die Auslese des Nationalsozialismus einzig der Reproduktion diente. Und dies nicht in einem soziologisch betrachteten Kontext von Ausbildungsförderung und einer Jugend als Zukunft der Gesellschaft, sondern auf die leibliche Perfektionierung des Volkskörpers fokussiert. Im nationalsozialistischen Tenor brachte das auch eine Negativauslese mit sich.

Bereits Langbehn und Lagardes nahmen den Sozialdarwinismus als Grundlage für ein Gedankenkonstrukt, in dem die Menschheit sich in einem ständigen Kampf ums Überleben befindet. Gemeinsam mit den rassistischen Grundzügen der jungkonservativen und nationalrevolutionären Bewegungen vor 1933 wurde daraus ein Rassenkrieg, der nur zu gewinnen oder zu verlieren ist (vgl. Ingenkamp/Laux 1990, S. 51). Im Nationalsozialismus ergab sich daraus die dringende Notwendigkeit die Schwachen innerhalb einer Rasse auszumerzen und die Starken zu fördern, um so das Überleben des Volkes zu sichern (vgl. Assel 1969, S. 34 ff.). Unter die Kategorie „Höherwertig“ fielen nicht nur nach medizinischen Kriterien ausgewählte Personen. Mit Machtergreifung Hitlers wurde die sogenannten Nordische Rasse stilisiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Komplexität des Verhältnisses von Sozialer Arbeit und Faschismus und begründet die Konzentration auf die Veränderung der Professionskonzepte und der Berufsethik.

2. Soziale Arbeit im Nationalsozialismus – die Veränderung von Profession und Konzepten: Dieses Kapitel beschreibt die Umstrukturierung der Fürsorgeausbildung und die inhaltliche Neuausrichtung hin zur rassistischen Volkspflege unter dem Druck des NS-Regimes.

3. Die Erziehungswissenschaft als Grundpfeiler sozialpädagogischer Professionskonzepte: Hier wird analysiert, wie die universitäre Erziehungswissenschaft als ideologischer Wegbereiter fungierte und die sechs Grundpositionen der NS-Pädagogik in die Soziale Arbeit trug.

4. Die Identitätskrise der Pädagogik: Dieses Kapitel beleuchtet die Suche der Pädagogik nach Identität sowie die ideologische Identifikation der Sozialarbeiter mit dem neuen Regime, unter anderem am Beispiel von Ernst Krieck.

5. Ein Versuch, nationalsozialistische Pädagogik zu verstehen: Der Autor nähert sich hier dem schwierigen Begriff der NS-Pädagogik und verdeutlicht, wie diese als Instrument der Macht und der Formung des Volkes fungierte.

6. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Soziale Arbeit im Nationalsozialismus zwar politisiert und instrumentalisierte, jedoch auf Kontinuitäten in der konservativen Pädagogik der Weimarer Zeit aufbaute.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, Nationalsozialismus, Professionskonzepte, Fürsorge, Volkspflege, Rassenhygiene, Erziehungswissenschaft, NS-Pädagogik, Auslese, Ausmerze, Berufsethik, Volksgemeinschaft, Identitätskrise, Ideologie, Ernst Krieck

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie sich die Soziale Arbeit unter dem Nationalsozialismus zu einem Instrument der NS-Ideologie veränderte und welche Rolle die Professionskonzepte dabei spielten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Transformation der Fürsorgeausbildung, der Einfluss der Erziehungswissenschaft auf die Soziale Arbeit sowie die rassistische Neuausrichtung der sozialen Berufsethik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die systematische Einbindung der Sozialen Arbeit in das ausmerzende System des NS-Regimes durch eine Analyse der Professionskonzepte nachvollziehbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur sowie auf zeitgenössische historische Quellen, um die Wandlung der sozialpädagogischen Diskurse darzulegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Wandel der Fürsorgeausbildung, die Rolle der Erziehungswissenschaft, der ideologische Einfluss von Vertretern wie Ernst Krieck und die Identifikation deutscher Sozialarbeiter mit dem Regime diskutiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Volkspflege, Rassenhygiene, Ganzheitlichkeit, Auslese, Ausmerze, Volkskörper und Professionalisierung.

Wie wirkten sich die sogenannten "Bewahrungen" aus?

Bewahrungen waren Instrumente der Zwangsunterbringung und Entmündigung von Personen, die durch das Netz der NS-Sozialpolitik fielen, und dienten der Disziplinierung von Menschen, die sich nicht an die NS-Normen anpassten.

Inwiefern hat die "neue Wissenschaft" die Berufspraxis verändert?

Die sogenannte neue Wissenschaft ersetzte das Postulat der Wertefreiheit durch eine ideologisch geprägte Disziplin, die den Fokus auf Rassenreinheit und die Erhaltung des Volkskörpers legte.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Soziale Arbeit im Nationalsozialismus. Exemplarische Konkretisierung zu Professionskonzepten
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,0
Autor
Britt Fender (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
46
Katalognummer
V882619
ISBN (eBook)
9783346210593
ISBN (Buch)
9783346210609
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialpädagogik Nationalsozialismus Geschichte Soziale Arbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Britt Fender (Autor:in), 2013, Soziale Arbeit im Nationalsozialismus. Exemplarische Konkretisierung zu Professionskonzepten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/882619
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  46  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum