Der nationale und internationale Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan

Lässt sich in Afghanistan eine funktionierende private Marktwirtschaft verwirklichen?


Diplomarbeit, 2011

101 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Hinführung auf die Thematik
1.2. Fragestellung
1.3. Zielsetzung dieser Arbeit
1.4. Aufbau und Vorgehensweise

2. Afghanistan - Grunddaten
2.1. Geographie
2.2. Demographie und Sozioökonomie
2.3. Natürliche Ressourcen

3. Analyse der afghanischen Volkswirtschaft
3.1. Wirtschaftssystem
3.2. Makroökonomische Indikatoren
3.2.1. Bruttoinlandsprodukt
3.2.1.1. Wachstumsraten
3.2.1.2. Bilanz in den Wirtschaftssektoren Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistung
3.2.2. Preisindex und Wechselkurs
3.2.3. Handelsbilanzsaldo
3.2.4. Ausländische Direktinvestitionen
3.2.5. Beschäftigung
3.3. Der afghanische Staatshaushalt
3.3.1. Einnahmen
3.3.1.1. Steuer- und Zolleinnahmen
3.3.1.2. Wirtschafts- und Finanzhilfen der Geberländer
3.3.2. Ausgaben
3.3.2.1. Infrastruktur
3.3.2.2. Bildung
3.3.2.3. Gesundheit
3.3.2.4. Landwirtschaft
3.3.2.5. Sonstige Bereiche
3.3.3. Fazit

4. Nationale Ansätze für einen nachhaltigen Wiederaufbau in Afghanistan
4.1. Grundlegende Voraussetzungen für die Nachhaltigkeit eines Wiederaufbaus
4.1.1. Herstellung der Sicherheit und des Friedens
4.1.2. Prinzip der Rechtstaatlichkeit
4.1.3. Einhaltung der Grundrechte
4.1.4. Einführung der Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
4.1.5. Verhältnis zwischen der Zentral- und den Provinzregierungen
4.2. Durchführung von Strukturreformen
4.2.1. Neustrukturierung der öffentlichen Verwaltung
4.2.2. Konsolidierung des Staatshaushalts
4.2.3. Stärkung des privaten Sektors
4.3. Konzept einer effizienten Währungs- und Wechselkurspolitik
4.3.1. Grundbedingungen für eine erfolgreiche Geldpolitik
4.3.2. Festsetzung des Wechselkursregimes
4.3.3. Aufbau eines modernen Finanzsektors in einem zweistufigen Bankensystem
4.3.3.1. Modernisierung der Zentralbank
4.3.3.2. Stärkung des Geschäftsbankensektors

5. Internationale Strategien für die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans
5.1. Einführung in die Entwicklungspolitik
5.1.1. Definitionen
5.1.2. Ziele der Entwicklungspolitik
5.1.3. Entwicklungshilfe als Motor des Wiederaufbaus in Postkonflikt-Situationen
5.2. Ausgewählte Entwicklungsmaßnahmen
5.2.1. Transit-Handel und Stärkung der Binnenwirtschaft
5.2.2. Ausbau und Intensivierung des Außenhandels
5.3. Bedeutung von internationalen Organisationen im Entwicklungsprozess
5.3.1. Rolle der Vereinten Nationen
5.3.2. Rolle der Weltbank
5.3.3. Rolle des Internationalen Währungsfonds
5.3.4. Rolle der Welthandelsorganisation

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Karte von Afghanistan

Abb. 2 Demographische und sozioökonomische Indikatoren

Abb. 3 Wachstumsrate des BIP

Abb. 4 Bestandteile des BIP

Abb. 5 Wachstumsraten (klassiert)

Abb. 6 Inflationsraten (klassiert)

Abb. 7 Wechselkurse

Abb. 8 Handelsbilanzsaldo

Abb. 9 Staatseinnahmen und Staatsausgaben (operativ)

Abb. 10 Staatseinnahmen (operativ)

Abb. 11 Staatsausgaben

Abb. 12 Fiskalindikator 1

Abb. 13 Fiskalindikator 2 (prognostiziert)

Abb. 14 Realer und nominaler Wechselkurs des Afghani

Abb. 15 Zusammensetzung des ARTF 2008/09

1. Einleitung

Wohl kaum ein Staat hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts den Fokus der internationalen Staatengemeinschaft derart auf sich gelenkt wie Afghanistan. Aufgrund vielfältigster Ursachen, auf die im Rahmen dieser Arbeit nicht eingegangen werden kann, hat dieses Land, die „Asiatische Schweiz“1, bewirkt, mit zum Auslöser der historisch einzigartigen Weltwirtschaftskrise am Ende der ersten Dekade dieses Jahrhunderts zu werden.

Die Brisanz dieses aktuell weltpolitischen Umstandes führt zu der Themenstellung mit der entsprechenden Ausformulierung und rechtfertigt somit eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Es wird nicht beabsichtigt, Gesellschaft, Recht, Religion und Politik dieses Staates einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Diese Punkte erfahren insofern nur eine Erwähnung, als dass sie für das Verständnis des Themas von Bedeutung sind. Zentraler Gegenstand dieser Diplomarbeit ist die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans.

1.1. Hinführung auf die Thematik

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht als Problemgegenstand zunächst die aktuelle Situation der Volkswirtschaft Afghanistans und gibt nicht nur wieder, in welchem Zustand sie sich im Jahre 20112 befindet, sondern auch, welche nationalen und internationalen Lösungsbeiträge es geben kann, eben jenem Problemgegenstand zu begegnen. Dabei werden mögliche Ansätze und Strategien aufgezeigt, um Afghanistan aus seinem wirtschaftlichen Dilemma zu entlasten.

Übereinstimmend mit dem Bonner Abkommen3 im Jahre 2001 wurde der Prozess des Wiederaufbaus eingeleitet4. Damit ging einher, dass eine neue Regierung installiert5, eine neue Verfassung in 2004 verabschiedet6 und schließlich in 2010 Parlamentswahlen abgehalten wurden7. Die Weltgemeinschaft unterstützte Afghanistan beim Friedensaufbau mit der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF8. Ein neuer afghanischer Polizeiapparat9 und eine neue afghanische Armee wurden aufgebaut und ausgebildet10. Schließlich wurden Verwaltungs- und Justizreformen11 auf den Weg gebracht12 sowie die Währung Afghani 2002 reformiert13, um der Hyperinflation ein Ende zu setzen, damit der Weg eines friedlichen Wiederaufbaus geebnet werden konnte.

Es ist anzumerken, dass die afghanische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit bis zum heutigen Zeitpunkt sowohl aus der so genannten „licit economy“ als auch der „illicit economy“ besteht14. Während erstere legal und somit erlaubt ist, da sie das „normale Wirtschaften“ darstellt, ist die letzte illegal und somit verboten, da sie u.a. den Handel von und mit Rauschgift einschließt und auch Geschäfte beinhaltet, die Kaufleute gemeinhin nicht als rechtschaffen einstufen.

Dies stellt die ganzheitliche und genaue Betrachtung der afghanischen Volkswirtschaft und vor allem die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema vor ein Problem. Im Rahmen dieser Arbeit unterzieht der Autor daher bewusst die „licit economy“ einer näheren Untersuchung, da nur so dem substanziellen Kriterium der Nachhaltigkeit Rechnung getragen werden kann. Keine Volkswirtschaft der Welt kann auf einem Fundament aufgebaut werden, das durchsetzt ist von unerlaubtem Handel und illegalen Geschäften.

1.2. Fragestellung

Die zentralen Aspekte, die von globalem Interesse sind, beschäftigen sich mit der Frage, ob es dieses Land langfristig schafft, sich aus der Abhängigkeit von den großen Wirtschaftsnationen zu lösen, oder aber weiterhin für längere Zeit auf Finanzhilfen der so genannten Geberländer15 angewiesen sein wird. Die entscheidenden Einzelfragen in diesem Zusammenhang werden sein:

Kann sich Afghanistan aus volkswirtschaftlicher Sicht mittel- und langfristig selber versorgen oder nicht? Welche Ansätze und Strategien sind nicht nur geeignet, sondern auch zukunftsweisend und somit nachhaltig? Ist der Aufschwung wirklich dauerhaft? Lässt sich in Afghanistan eine funktionierende private Marktwirtschaft verwirklichen? Wo liegen spezifische Herausforderungen für die afghanische Wirtschaft? Wie sind internationale Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsperspektiven ohne internationale Fördergelder einzuschätzen? Diese Fragen bilden im Kern den Gang der Untersuchung.

1.3. Zielsetzung dieser Arbeit

Mit dieser wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit wird das Ziel verfolgt, anhand der Beschreibung von speziellen Voraussetzungen Afghanistans zunächst Erklärungen für die Strukturen dieser Volkswirtschaft zu liefern, um ein tieferes Verständnis der Rahmenbedingungen der nationalökonomischen Prozesse zu erlangen. Ferner will diese Arbeit durch eine Analyse der afghanischen Volkswirtschaft Erkenntnisse liefern, die ihrerseits geeignet sind, potentielle Ansatzpunkte als Anker für einen nationalen und internationalen Beitrag zu einem nachhaltigen Wiederaufbau aufzuzeigen, woraus man Reformen, Konzepte und Strategien ableiten kann.

Durch die Beantwortung der in Kap. 1.2 gestellten Fragen soll auf dieses Ziel hingearbeitet werden. Somit wäre ein signifikanter Beitrag geleistet, ein Fundament zu schaffen, welches die Nationalökonomie grundlegend verselbständigt.

1.4. Aufbau und Vorgehensweise

Um dieses Ziel zu erreichen, wählt der Autor explizit folgende Vorgehensweise:

Zunächst sollen in Kap. 2 landesspezifische Aspekte bearbeitet werden. Anhand von Parametern wie Bevölkerung, Lage, Ressourcen (entspräche den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden, Kapital) soll dieses Land beschrieben werden, bevor in Kap. 3 die afghanische Volkswirtschaft analysiert wird. Dafür werden die für eine makroökonomische Analyse wichtigsten Indikatoren abgehandelt. Dieses dritte Kapitel stellt den ersten Block einer insgesamt aus zwei Blöcken bestehenden Arbeit dar.

Im ersten Teil des zweiten Blockes werden in Kap. 4 nationale Ansätze mit der Zielsetzung entwickelt, darzulegen, welche Möglichkeiten die afghanischen Verantwortlichen selber haben, um das Land in seiner relativ betrachtet makroökonomischen Not zu helfen. Im zweiten Teil jenes Blockes bzw. in Kap. 5 werden Strategien formuliert, die zeigen sollen, inwiefern Afghanistan gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft Maßnahmen ergreifen kann, die der wirtschaftlichen Entwicklung Dauer verleihen.

2. Afghanistan - Grunddaten

Bevor in Kap. 3 die afghanische Volkswirtschaft analysiert wird, ist es für das Verständnis der ökonomischen Prozesse in diesem Land wichtig, sich zunächst mit landestypischen Gegebenheiten und spezifischen Voraussetzungen zu beschäftigen, weil gerade diese die volkswirtschaftlichen Kreislaufströme maßgeblich beeinflussen. Darüber hinaus ist klar, dass „Each economic system - even that of an underdeveloped country - has a complicated internal structure. Its performance is determined by the mutual relations of its differentiated component parts, ...”16

2.1. Geographie

Abb. 1 zeigt Afghanistan und die für die ökonomische Entwicklung wichtigsten Städte der Binnenwirtschaft sowie die bedeutendsten Handelspartner der Außenwirtschaft. Diese sind national neben Kabul die Ballungsräume Kandahar, Herat sowie Masar-i-Sharif und international Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, China sowie Pakistan und Indien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Karte von Afghanistan

Quelle: Entnommen aus: GlobalSecurity.org17

In und zwischen den vier Städten sind im Bereich der Binnenwirtschaft die stärksten wirtschaftlichen Aktivitäten festzustellen18. Dies rührt u.a. daher, dass es eine Straßenverbindung zwischen ihnen gibt und man im Gegensatz zu anderen Regionen Güter logistisch effizienter zum Konsumenten transportieren kann als es ohne Verbindung der Fall ist. Ferner sind in diesem Zusammenhang die Wettbewerber bzw. Handelspartner Afghanistans wichtig. Dies wird in Kap. 5 thematisiert.

2.2. Demographie und Sozioökonomie

Die Zahlenübersicht19 in Abb. 2 aus 2009 enthält wesentliche demographische und sozioökonomische Daten. Weil die Zahlen zum großen Teil geschätzt sind, kann aufgrund der Tatsache, dass Afghanistan viele Rückkehrer zu verzeichnen hat20, davon ausgegangen werden, dass mittlerweile infolge des jährlichen Bevölkerungszuwachses von 2,6 Prozent ca. 31 Millionen21 Menschen22 dort leben. Davon leben ca. 13 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Dies ist ein beträchtlicher Anteil, angesichts der Geschichte dieses Landes23 jedoch kein überraschender Umstand. Während knapp ein Viertel der Bevölkerung in Großstädten lebt, gehört gut drei Viertel des Volkes zur Landbevölkerung.

Abb. 2 gibt auch Auskunft darüber, dass die Lebenserwartung ab Geburt bei 44 Jahren, die Kindersterblichkeit24 bei 134 von 1000 lebenden Geburten und die Unterernährung bei den unter 5-jährigen Kindern bei 33% liegen. Außer bei der Unterernährung - hier liegt Afghanistan im internationalen Vergleich im Mittelfeld - ist dieses Land bezüglich der Lebenserwartung ab Geburt und der Kindersterblichkeit im direkten Vergleich zu Ländern aus Südasien bzw. zu anderen Niedriglohn-Ländern stark ins Hintertreffen geraten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Demographische und sozioökonomische Indikatoren

Quelle: Entnommen aus: WB25

Der Diamant in der Abbildung („Entwicklungs- bzw. Wiederaufbau-Diamant“) reflektiert vier Schlüsselkomponenten des gegenwärtigen Zustandes Afghanistans im Vergleich zur Vergleichsgruppe.

Die Zahlen26 belegen, wie afghanisches Humankapital zerstört wurde und nach wie vor wird27. Dies kann u.a. an der geringen Lebenserwartung und am mangelnden Zugang zu sauberem Trinkwasser (geringere Maße des grünen, afghanischen Diamanten28 im Vergleich zum roten, Niedriglohn-Gruppen-Diamanten, d.h. der Schnittpunkt der grünen Linie mit der Ordinate liegt sowohl im positiven als auch im negativen Bereich näher am 0-Punkt) festgemacht werden. Eine volkswirtschaftliche Entwicklung ist aber nur sicherzustellen, wenn die Zerstörung des Humankapitals überwunden wird.

Beim Pro-Kopf-Einkommen hat Afghanistan zu den Vergleichsländern noch den größten Abstand29, wohingegen bei der Schuleinschreibung die Vergleichsgruppe bereits eingeholt ist30 (der Schnittpunkt der grünen Linie mit der Abszisse liegt im negativen Bereich am 0-Punkt, im positiven Bereich am roten Punkt).

Insgesamt betrachtet besteht eine hohe Korrelation zwischen dem BIP und den sozioökonomischen Faktoren31. Je höher das BIP pro Kopf in einem Land ausfällt, desto höher ist in der Regel auch die Lebensqualität pro Kopf.

2.3. Natürliche Ressourcen

Der Nationalökonom Marshall stellte fest, dass „The most obvious forms of such wealth are public material property of all kinds, such as roads and canals, buildings and parks, gasworks and waterworks;...”32. Diese Feststellung kann ohne weiteres auf Bodenschätze33 übertragen werden, die in Afghanistan verfassungsrechtlich geschützt sind34. Es ist anzumerken, dass amerikanische Wissenschaftler riesige Vorkommen von Bodenschätzen35 entdeckt haben36. Die Erschließung dieser Vorkommen ist jedoch aufgrund der schlechten Infrastruktur immer noch schwierig37.

Dabei bescheinigen Geologen Afghanistan ein Potenzial, das dem Land sogar einen Wirtschaftsboom bescheren könnte38. Von einem „Saudi-Arabien für Lithium“39 ist sogar zu lesen. Lithium ist ein sehr begehrter Rohstoff für die Produktion von beispielsweise Mobilfunkgeräten und Notebooks. Amerikanische Forscher behaupten auch, dass Afghanistan auf dem Weltmarkt für Lithium Exportweltmeister werden und somit Spitzenreiter Bolivien hinter sich lassen könnte.

Zudem sind auch gigantische Mengen an Eisen, Kupfer und Niobium40 entdeckt worden41. Es wird des Weiteren auch über Vorkommen von Baryt, Talk und Glimmer berichtet42. Der Wert aller vorgefundenen Rohstoffe wird auf eine Billion US-Dollar taxiert43.

Für eine nachhaltige Entwicklung sind diese Entdeckungen als Quellen und Chancen für den Handel44 unbedingt wahrzunehmen45.

Selbst die Gesellschaft Germany Trade and Invest bescheinigt, dass „es Reserven an fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle sowie an Rohstoffen wie .., Chrom, .., Uran, Edelmetalle, Halbedelsteine und Marmor gibt“46. Sie bemängelt aber, dass „die Rohstoffwirtschaft praktisch nicht existent ist“47 und liefert auch die Ursache für diesen Missstand, indem sie konstatiert, „dass die .. Verkehrsinfrastruktur einen Abbau der Rohstoffe, die .. in schwer zugänglichen Gebieten vorkommen, [für die internationalen Märkte] nicht wirtschaftlich macht“48.

Sie stellt in ihrer Studie aber auch fest, dass das afghanische Wirtschaftsministerium verstärkt versucht, ausländische Investoren für die Erschließung der natürlichen Ressourcen zu gewinnen49. Relativierend muss hinzugefügt werden, dass eine effiziente Nutzbarmachung der Vorkommen nur einen ersten Schritt auf dem Weg Afghanistans in die ökonomische Selbständigkeit darstellen kann und es sehr viel mehr bedarf, um zu nachhaltigem Wachstum zu kommen.

Ferner ist überliefert, dass der chinesische Staatskonzern MCC riesige Kupfervorkommen erschließen will50. Bei Mes Aynak51 liegt offenbar der zweitgrößte Kupfervorrat der Welt. Dieser Drei-Milliarden-Dollar-Vertrag mit den Chinesen ist der lukrativste in der Geschichte des Landes. Das Projekt soll der Regierung Einnahmen und vielen Arbeitskräften ein hohes Einkommen bescheren52. Chinesische Ingenieure bauen zurzeit eine Eisenbahnlinie und ein Kraftwerk. Zudem sollen Häuser für die Minenarbeiter errichtet werden53. Es wird angenommen, dass China insgesamt 200000 Tonnen Kupfer54 gewinnen und Afghanistan 400-450 Mio. US-Dollar55 pro Jahr dafür überweisen wird56.

In diesem Sinne ist Hemmer in Bezug auf die Rohstoffausstattung im Entwicklungsland Afghanistan zu widersprechen57. Dieser kommt zu dem Schluss, „dass das wirtschaftliche Entwicklungspotenzial eines Landes von seinem Bestand an produktiv einsetzbaren Ressourcen abhängt“58. Damit meint er auch die Begrenzung jener Ressourcen, folglich die Begrenzung des wirtschaftlichen Entwicklungspotenzials. Dass die Volkswirtschaft in Afghanistan sich in einem relativ eher schlechten Zustand befindet, ist nicht auf eine Begrenztheit seiner natürlichen Ressourcen zurückzuführen.

Alle in Kap. 2 dargestellten landestypischen Gegebenheiten sind fundamental für die in Kap. 3 durchgeführte Analyse des Zustandes der Volkswirtschaft in Afghanistan und eine Voraussetzung für die in Kap. 4 und 5 dargelegten Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung dieses Landes.

3. Analyse der afghanischen Volkswirtschaft

In diesem Kapitel wird der erste Block dieser Arbeit beschrieben, erläutert und anschließend in einem Fazit ausgewertet. Es geht bei der Analyse der afghanischen Volkswirtschaft darum, den Ist-Zustand zu diagnostizieren59. Wo steht Afghanistan heute? Zunächst jedoch ist es wichtig, zu erklären, was die wirtschaftswissenschaftliche Theorie unter Volkswirtschaft versteht.

Gabler definiert den Begriff Volkswirtschaft als „Gesamtheit aller mittelbar oder unmittelbar auf die Wirtschaft einwirkenden Kräfte, sämtliche Beziehungen und Verflechtungen der Einzelwirtschaften innerhalb eines … abgegrenzten Gebietes … mit .. Währung“60. Wichtig ist das in der Definition gebrauchte verkürzte Wort „Wirtschaft“, denn es gibt in knapper Form das wieder, was das Wort „Volkswirtschaft“ im Titel des 3. Kap. zum Ausdruck bringen will, nämlich das Ergebnis bzw. das Ausmaß („Gesamtheit“) ebenjener „Beziehungen und Verflechtungen“ der afghanischen Produktivkräfte, nämlich Unternehmen61, Haushalte und Staat („Einzelwirtschaften“).

Daher verwendet auch der Autor in seiner Arbeit zur Vereinfachung sehr oft nur das Wort „Wirtschaft“ anstelle von „Volkswirtschaft“. Die Begriffe „mittelbar oder unmittelbar“ könnten neben anderen möglichen Auslegungen auch so interpretiert werden, dass darunter sowohl die inländischen („unmittelbar“) als auch die ausländischen („mittelbar“) Anbieter und Nachfrager zu subsumieren sind. Dies wird vom Autor auch bewusst so aufgefasst und umgesetzt.

Einen hierfür entscheidenden und für die Themenstellung ebenso hilfreichen literarischen Beitrag leistet Samuelson, der seine Ansichten über die Theorie der Volkswirtschaft auf Aspekte wie z.B. den Produktionsfaktor Arbeit („Gesellschaft“) und die Knappheit dessen stützt. „…wie knappe Produktionsmittel … - mit … Gebrauch des Geldes - für die Produktion bestimmter Güter verwendet und wie diese für den gegenwärtigen oder zukünftigen Konsum zwischen verschiedenen Individuen und Gesellschaftsgruppen verteilt werden. …“62, ist seine Aussage.

Dieser Satz enthält einige Elemente, die speziell bei Afghanistan sehr zutreffend sind, weil gerade dort abseits der Ballungszentren verschiedene Ethnien heute - auf Zuwendungen in Form von monetären Mitteln - aber sicherlich auch mittelfristig betrachtet auf in Afghanistan durch Produktionsprozesse hergestellte Erzeugnisse angewiesen sein werden, wie z.B. Lebensmittel und Haushaltswaren.

3.1. Wirtschaftssystem

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass unterschiedliche politische Herrschaftssysteme auch unterschiedliche Wirtschaftssysteme haben. Dies gilt in Folge auch für Afghanistan. Es stellt sich daher die Frage, in welchem wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen sich die makroökonomischen Prozesse abspielen, d.h. unter welchen Voraussetzungen Güter- und Geldströme sich bewegen bzw. unter welchen Bedingungen das volkswirtschaftliche Kreislaufmodell63 abläuft. Denn unbestritten ist der Einfluss des Wirtschaftssystems auf das Ausmaß des Outputs sehr groß.

Selbst der Hauptvertreter der neoklassischen Nationalökonomie Keynes schlussfolgert in „The General Theory Of Employment, Interest And Money“ folgendes: „It means that, with a given organisation, equipment and technique, real wages and the volume of output (and hence of employment) are uniquely correlated, so that in general, an increase in employment can only occur to the accompaniment of a decline in the rate of real wages”64. Da in Afghanistan die Reallöhne im internationalen Vergleich ohnehin relativ gering sind65, ist davon auszugehen, dass die Beschäftigung66 in der Folge bei steigender Auftragslage bzw. Nachfrage überproportional zunehmen wird.

Damit in Afghanistan aber ein substantielles Fundament für den ökonomischen Entwicklungsprozess geschaffen werden kann, ist es aus Sicht des Autors notwendig, Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft67 einzuführen, da sich diese Wettbewerbsordnung in vielen Staaten als wirklich nachhaltig erwiesen hat. Zurzeit existiert in Afghanistan ein Wirtschaftssystem eher liberaler Prägung68, damit Anreize entstehen, die verstärkt Investitionen auslösen und afghanische Existenzgründer in ihren Unternehmungen insgesamt bestärken sollen.

Dieses Wirtschaftssystem jedoch weist ebenso zentralistische Elemente auf, die zum Ausdruck bringen, dass die Zentralregierung bestrebt ist, die wirtschaftliche Kontrolle über ganz Afghanistan zu gewinnen, da auch Wirtschaftssubjekte in Grenzprovinzen vorhanden sind, die fernab jeder Überwachung ihre Geschäfte illegal betreiben und somit dem Staat keine Einnahmen für die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben zukommen lassen69. Dies hat zur Folge, dass die öffentliche Hand die aggregierte Nachfrage nicht durch Konjunkturprogramme stimulieren kann, um zusätzlich Wachstum und Beschäftigung zu erzeugen.

3.2. Makroökonomische Indikatoren

In diesem Kapitel sollen makroökonomische Indikatoren70 dazu dienen, den Zustand der afghanischen Volkswirtschaft mit Daten zu belegen. Die Abbildungen zeigen anhand relevanter Eckdaten die Entwicklung der afghanischen Wirtschaft in den letzten Jahren bzw. den gegenwärtigen Stand. Damit wären dann genügend Erkenntnisse gewonnen, um die Frage, ob sich Afghanistan mittel- bzw. langfristig selber versorgen kann oder nicht, zu beantworten.

3.2.1. Bruttoinlandsprodukt

Das BIP betrug in 2010/11 knapp 17 Milliarden US-Dollar71. Dies ist zwar, wie folgende Grafik zeigt, eine reale Steigerung gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 8,2%, jedoch ist das ökonomische Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Zumal zu berücksichtigen ist, dass der Zuwachs in 2009/10 mit über 20% - zurückzuführen auf eine Rekordernte in der Landwirtschaft sowie auf hohe Zuwendungen aus dem Ausland - außerordentlich war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Wachstumsrate des BIP

Quelle: Entnommen aus: CSO72

Das BIP pro Kopf73 machte im selben Jahr gerundet 557 US-Dollar aus74. Dies ist ein realer Zuwachs von 5,4%. Insgesamt lag das Wirtschaftswachstum über einen zehnjährigen Zeitraum im Durchschnitt stets im zweistelligen Prozentbereich75. Es war jedoch hohen Schwankungen ausgesetzt, die auf den Wirtschaftssektor Landwirtschaft zurückzuführen waren76. Im laufenden Fiskaljahr erwartet man einen ebenso kräftigen Zuwachs, bedingt durch ein solides Output in der Landwirtschaft sowie durch hohe Einnahmen aus dem Dienstleistungssektor77. Nach wie vor ist das afghanische BIP eines der geringsten auf der ganzen Welt. Es werden weiterhin hohe Wachstumsraten vonnöten sein, um es nachhaltig zu erhöhen. Die Armutsrate könnte demzufolge um 20 Prozentpunkte sinken – von 42% der Bevölkerung in 2007/08 auf 22% in 2012/1378.

3.2.1.1. Wachstumsraten

Abb. 4 illustriert das Wachstum der afghanischen Wirtschaft zwischen den Jahren 2004 und 2010 anhand der Bestandteile des BIP (Konsum, Investitionen, Staatsausgaben, Nettoexporte). Es fällt wieder auf, dass die Wachstumsraten Schwankungen unterworfen waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Bestandteile des BIP

Quelle: Entnommen aus: WB79

Auf der Nachfrageseite war der private Konsum der Wachstumstreiber der afghanischen Wirtschaft. Der Ausbau des Sicherheitsbereiches unterstreicht die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen bei Ausrüstung, Einsatz und Unterhalt der nationalen Armee und der nationalen Polizei80. Höhere Ausgaben der Geberländer, einschließlich ihrer Zuwendungen, trugen ebenso dazu bei, dass die Nachfrage stark zunahm81. Der Anteil des staatlichen Konsums am BIP-Wachstum war in 2010/11 mit 1,1% relativ gering, wohingegen die Investitionen über die Jahre im Durchschnitt moderat zunahmen.

Einer Studie82 zufolge braucht Afghanistan über einen Zeitraum von acht Jahren ein durchschnittliches reales Wirtschaftswachstum von neun Prozent pro Jahr, damit es als wirtschaftlich stabil bezeichnet werden kann83. Ferner kommt die Studie zu dem Schluss, dass ein reales Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens von drei Prozent pro Jahr nötig ist, um zu aussichtsreicheren Prognosen für die Zukunft zu gelangen und das Investitionsklima84 dementsprechend zu verbessern85.

3.2.1.2. Bilanz in den Wirtschaftssektoren Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistung

Abb. 5 verdeutlicht, dass die Wirtschaft - aufgeteilt nach Sektoren und Bereichen - in den letzten sieben Jahren im Durchschnitt stark gewachsen ist. Wieder einmal wird klar, dass die Raten in den Wirtschaftssektoren Landwirtschaft, Industrie86 und Dienstleistung einer hohen Volatilität ausgesetzt waren. Die Getreideproduktion zum Beispiel, die ungefähr 75% des landwirtschaftlichen Outputs ausmacht, ist stark von klimatischen Bedingungen abhängig87. Da Afghanistan in 2008 von einer starken Dürre betroffen war, fiel die Ernte dementsprechend gering aus88. Dieser Sektor steuerte dann in 2009 7,3% zum Wachstum bei, das in 2010 wieder auf 2,7% abfiel.

Die Landwirtschaft setzt sich zum größten Teil aus der Getreideernte sowie aus Erträgen aus der Viehhaltung zusammen89. „Etwa 12% der afghanischen Fläche kann landwirtschaftlich genutzt werden, es wird aber nur 5% der Fläche landwirtschaftlich genutzt“90. Die Ausbringungsmenge des Agrarsektors war bedingt durch die starke Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Nutzfläche91 und der meisten Bewässerungssysteme92 von Niederschlägen trotzdem relativ gut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Wachstumsraten (klassiert)

Quelle: Entnommen aus: CSO93

In der industriellen Produktion trugen Handwerk94 und Bauwirtschaft95 (diese wurde und wird nach wie vor stark von Auslandshilfen unterstützt) gleichermaßen zum Wachstum bei. Im Bereich des Dienstleistungssektors zählen Transport, öffentliche Dienste sowie Groß- und Einzelhandel zu den starken Wachstumstreibern96. Insgesamt betrachtet war es auf der Angebotsseite auch ebenjener Dienstleistungssektor, der bestimmend war, weil er in den letzten fünf Jahren knapp die Hälfte des Wachstums ausmachte. Darunter fielen neben den oben genannten Faktoren auch der Kommunikationsbereich mit 45% jährlichem Wachstum sowie Finanzen und Versicherungen mit 27% Wachstum97. Die Erträge aus dem Bergbau98 waren bisher sehr gering.

3.2.2. Preisindex und Wechselkurs

Eine der wichtigsten Errungenschaften im Rahmen des Wiederaufbaus war das Herstellen makroökonomischer Stabilität. Eine erfolgreiche Währungsreform im Januar 2003 und eine kluge Geld- und Fiskalpolitik (keine „over-draft-Politik“99, die Budgetdefizite finanzierte) trugen dazu bei, jene makroökonomische Stabilität zu erreichen, die sich in einem Rückgang der Inflationsrate über die Jahre und einem stabilen nominalen Wechselkurs niederschlug100.

Die Inflationsrate (Overall CPI) in 2010/11 in Höhe von 13,7% bei einer Geldmenge M2 von 4,817 Mill. US-Dollar101 ist auf höhere Kraftstoffpreise sowie auf einen kontinuierlichen Anstieg anderer Rohstoffpreise weltweit, wie z.B. bei den Lebensmitteln, zurückzuführen102. Der stabile nominale Wechselkurs geht mit einer Aufwertung der realen Wechselkurse einher. Dies führte in Afghanistan zu der so genannten „Dutch Disease“103.

Die folgende Grafik zeigt, wie insgesamt (Overall CPI) nach einer Deflation in 2009/10 von 13,2% die Verbraucherpreise bis zu jenen 13,7% stiegen. Insgesamt ist auch festzustellen, dass sich die Kurve im Nonfood-Bereich relativ konstant in der Bandbreite von 0-10% bewegte, während die „Food-Kurve“ im dargestellten Zeitraum von zunächst gut 20% hin zu knapp -30% fiel, um dann wieder auf etwas mehr als 10% zu steigen. Die Inflation im Non-Food-Bereich liegt Anfang 2011 knapp unter, wohingegen die Inflation im Food-Bereich zum gleichen Zeitpunkt knapp über der Overall-Inflation liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Inflationsraten (klassiert)

Quelle: Entnommen aus: CSO, DAB104

Der hohe reale Wechselkurs des Afghani begünstigte zuletzt den Import105 insofern, als er ausländische Güter verbilligte. Dies erfreute zwar die afghanischen Konsumenten, sorgte aber zugleich für Missstimmung bei den afghanischen Produzenten, weil ihre Güter auf den regionalen und globalen Märkten nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Afghanistan weist geringe Exportraten auf106, während der Import aus Nachbarländern, bedingt dadurch, dass er fremdfinanziert war, nach wie vor sehr hoch ist107. Er betrug bis 2009/10 ca. vier Mal so viel wie der Export.

Die Wechselkursverläufe in Abb. 7 hatten sowohl nationale als auch internationale Gründe108. Fortlaufend hohe Finanzhilfen in 2010/11 und unerlaubter Handel werteten den Afghani auf109. Hinzu kam, dass Staatsdefizite in mehreren europäischen Ländern sowie deren geringeres BIP als erwartet den Euro unter Druck setzten, während der US-Dollar aufgrund unsicherer Märkte in Europa und Japan an Wert gewann110. Diesen Umstand konnte der Afghani jedoch mehr als nur auffangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Wechselkurse

Quelle: Entnommen aus: DAB111

Der nominale Wechselkurs legte weiter an Wert zu112. Während des Fiskaljahres 2011/12 stieg der Wert des Afghani zum US-Dollar von 47 Afs/$ auf 45 Afs/$. Ähnlich verhielt es sich mit dem Austauschkurs des Afghani zum Euro. Hier legte der Afghani im selben Jahr von 65 Afs/€ auf 63 Afs/€ zu. Die Währung des engen Handelspartners Pakistan verlor mehr als sieben Prozent zum Afghani.

3.2.3. Handelsbilanzsaldo

Der Handelsanteil am BIP nahm in 2010/11 weiter ab113. Während der Import von seinem 61%-Anteil am BIP auf einen 53%-Anteil am BIP hauptsächlich wegen der geringeren Nachfrage nach ausländischen Gütern für geberfinanzierte Projekte sowie wegen der Handelsstörungen an der afghanisch-pakistanischen Grenze fiel, ging der Export von 17% am BIP auf 15% am BIP nur leicht zurück, bedingt durch eine geringere Abnahme landwirtschaftlicher Produkte bei den Nachbarn.

Es sei jedoch angemerkt, dass die offiziellen Exportzahlen den Transit-Handel114 nicht einschließen, der einen geschätzten Anteil am BIP von 3,1% hat115. Trotzdem ist der Saldo in der Handelsbilanz beträchtlich und wird durch Zuwendungen der Geberländer und durch Finanzhilfen von Exilafghanen finanziert116.

Folgende Darstellung zeigt diesen Saldo der Handelsbilanz, das Verhältnis zwischen Import und Export gemessen am BIP. Leontief stellt im Rahmen seiner Input-Output-Analyse fest, dass „Each of the underdeveloped countries specializes in the massive export of a few agricultural and mineral commodities and depends on imports for the supply of a broad spectrum of manufactured goods”117. Er sagt auch, dass ,,Consequently the full diagnosis of the ills of an underdeveloped country – as well as the formulation of a realistic development plan – requires a detailed quantitative analysis of the dependence of all the domestic industries not only on the configuration of final domestic demand but also on the composition of the country’s foreign trade”118.

Gemessen am BIP nimmt sowohl der Export als auch der Import von Waren und Dienstleistungen in Afghanistan in den letzten Jahren leicht ab. Daran wird sich auf absehbare Zeit wahrscheinlich auch nicht viel ändern, was beim Export nicht als negativ zu werten ist, da man daraus schließen kann, dass die Binnenwirtschaft stärker geworden ist, wenn das BIP insgesamt steigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Handelsbilanzsaldo

Quelle: DAB119

Die wichtigsten Ausfuhrprodukte Afghanistans sind120 Trockenfrüchte, Getreidekörner und Teppiche121 sowie andere Güter aus der landwirtschaftlichen Erzeugung. Bedeutende Importgüter in 2007122 waren u.a. und sind es nach wie vor elektrotechnische Erzeugnisse, Nahrungsmittel, Maschinen, Eisenwaren sowie Fahrzeuge. Exportgarantien wie die mit der Bundesrepublik Deutschland beschränkten sich auf den privaten Sektor mit Auftragswerten von zeitweise maximal 100.000 Euro und Kreditlaufzeiten von nicht mehr als 360 Tagen123. Um das Handelsbilanzdefizit zu beseitigen, sind substantielle Investitionen notwendig, um Afghanistans komparativen Vorteil in bestimmten Gebieten der Produktion zu erhöhen. Langfristig betrachtet stellt dieses Handelsbilanzdefizit ein Problem dar, nicht erst seitdem mangelnde Importsubstitution124 herrscht. Da der afghanische Produktionssektor zumindest im Moment im internationalen Kontext trotz seiner Zuwächse stark beschränkt ist, kann dieser Umstand von Handelspartnern zum eigenen Vorteil genutzt werden.

3.2.4. Ausländische Direktinvestitionen

Afghanistan verfügt über riesige Reserven an noch nicht erschlossenen Bodenschätzen125, die auf ausländischen Märkten abgesetzt werden können. Deshalb sind zum Beispiel afghanische Mineralien sehr gut geeignet, ausländische Direktinvestitionen126 zu begünstigen. Um aus diesem Potenzial jedoch schöpfen zu können, ist die afghanische Regierung versucht, institutionelle und infrastrukturelle Defizite zu beseitigen127. In der Folge kann sie dann in für die Erschließung notwendige Straßenbauprojekte investieren und die Energie- und Wasserversorgung aufrechterhalten. Andere Wirtschaftsbereiche, die in Zukunft auch ausländische Direktinvestitionen anziehen könnten, sind der Luftfahrt-128 und Telekommunikationssektor129.

Insgesamt ist momentan die Attraktivität des Standortes Afghanistan für ausländische Investoren auf privater Basis aufgrund130 der niedrigen Kaufkraft, der geringen Zahl qualifizierter Arbeitskräfte, einer maroden Infrastruktur sowie der Sicherheitslage des Landes jedoch sehr begrenzt.

Anfang 2002 trat sogar ein Investitionsgesetz in Kraft, das diesen Investoren vereinfachte Regularien131 für Investitionen bieten sollte132. Dies wurde aber bisher nicht in der erhofften Form und Häufigkeit genutzt. Zudem wurde Mitte 2003 die private Investitionsagentur AISA gegründet, die für Existenzgründer und Investoren die notwendigen Formalitäten erledigen und somit bürokratische Engpässe beheben sollte133. Darüber hinaus wurden bereits auch bilaterale Investitionsförderungsverträge und Investitionsschutzverträge mit einigen Staaten unterzeichnet, die jedoch noch nicht in Kraft traten134 bzw. in der gewünschten Weise umgesetzt wurden.

3.2.5. Beschäftigung

Ein positiver Impuls für den Arbeitsmarkt könnte aus dem im vorherigen Kapitel dargestellten Sachverhalt, den ausländischen Direktinvestitionen, speziell im Bergbau entstehen. Die gegenwärtig relativ hohe Arbeitslosigkeit135 und die ihr zugrunde liegenden Merkmale implizieren, dass kurz- und mittelfristig nachhaltig hohe Wachstumsraten vonnöten sind, um Beschäftigung zu erzeugen. Abb. 2 ist zu entnehmen, dass die Zahl der Arbeitskräfte in Afghanistan jährlich um 3% wächst.

Hohe Wachstumsraten in den letzten Jahren waren hauptsächlich zurückzuführen auf Auslandshilfen und die mit ihnen einhergehenden volkswirtschaftlichen Aktivitäten, wie z.B. in der Bauwirtschaft136 oder im Transportgewerbe137. In diesen Bereichen entstanden mit die meisten neuen Arbeitsplätze. Es kann somit behauptet werden, dass die Bau- und Transportwirtschaft in Afghanistan Job-Motoren sind. Jedoch ist eine Abhängigkeit von diesen Bereichen zu vermeiden, da diese Bereiche für sich allein betrachtet nicht die Nachhaltigkeit138, die für den afghanischen Arbeitsmarkt nötig ist, aufweisen. Eine Zuwendung hin zu einer privat geführten Sozialen Marktwirtschaft ist essentiell und daher anzustreben.

Eine weitere Möglichkeit, den afghanischen Beschäftigungsmarkt zu stimulieren, stellen indirekt auch Gathmann und Schönberg dar139. Sie kommen in ihrer umfassenden Studie zu dem Schluss, dass der Wechsel von Arbeitskräften zu anderen Berufen durchaus den Arbeitsmarkt verbessern und damit Wachstum generieren kann. Übertragen auf Afghanistan könnten zum Beispiel junge afghanische Arbeiter aus der Landwirtschaft in Zeiten schwacher Ernten nach entsprechender Umschulung im Dienstleistungssektor eingesetzt werden.

Dies wäre prinzipiell eine Möglichkeit, Humankapital140 in Afghanistan zu nutzen und den Beschäftigungssektor somit positiv zu steuern, denn ein Ergebnis hoher Wachstumsraten sollte auch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen bedeuten. In diesem Sinne ist es wichtig, die volkswirtschaftlichen Bereiche mit dem jeweils höchsten Wachstumspotenzial für die Zukunft zu bestimmen, um beschäftigungspolitische Maßnahmen einzuleiten.

3.3. Der afghanische Staatshaushalt

Der afghanische Staatshaushalt wird zunehmend solider. In den letzten drei Jahren stiegen die Staatseinnahmen aus der Binnenwirtschaft dank Anwendung moderner Methoden bei der Zolleintreibung und Steuererhebung141 um durchschnittlich 20%142. Höhere Steigerungsraten werden erwartet, sobald natürliche Ressourcen in Mes Aynak und anderswo erschlossen und die Mehrwertsteuer in 2014/15 eingeführt werden. Doch auch die Staatsausgaben werden in den kommenden Jahren aufgrund höherer Sicherheitsausgaben, Durchführung von Reformen im Staatsdienst und steigender Verpflichtungen bei den geberfinanzierten Projekten zunehmen143.

Abb. 9144 illustriert durch die Darstellung der Differenz der operativen Staatsausgaben zu den Staatseinnahmen aus der Binnenwirtschaft Afghanistans die Basis für die Allokation der Ressourcen145. Interessant ist in diesem Kontext auch die grundsätzliche Aussage Solows: „Nobody doubts that a government can affect the allocation of resources in its economy whenever it makes decisions about taxing and spending“146. Insofern steht es auch in der Macht der afghanischen Regierung, die Ressourcenallokation durch weise Entscheidungen in der Steuer- und Ausgabenpolitik gezielt zu steuern, um das Land fiskalpolitisch aus eigener Kraft aufzubauen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Staatseinnahmen und Staatsausgaben (operativ)

Quelle: Entnommen aus: MoF, WB147

Jene Darstellung zeigt prozentual148, wie bis 2009/10 die operativen Staatsausgaben (im Durchschnitt ca. 10% des BIP) die Staatseinnahmen (im Durchschnitt ca. 6% des BIP) stets übersteigen. Dies wird sich prognostisch bis 2012 nicht ändern149. Es beweist nach wie vor die Abhängigkeit Afghanistans von den Wirtschafts- und Finanzhilfen der Geberländer150. Der operative Saldo beträgt ca. – 840 Mio. US-Dollar151. Daher ist es umso wichtiger, neue Quellen für die Einnahmeseite zu erschließen152 und mit den bestehenden Mitteln rationaler zu wirtschaften, damit langfristig Budgetüberschüsse153 oder zumindest ausgeglichene Staatshaushalte erzielt werden können.

[...]


1 Diese Bezeichnung wird in der Literatur oft für Afghanistan verwendet, so auch bei Michaud, R. u. S., Redard, G. (1978), S. 4.

2 Bei der Zeitrechnung ist zu beachten, dass der afghanische Kalender sich an den islamischen Kalender anlehnt, so dass daraus resultierend in Afghanistan ein Fiskaljahr offiziell anfängt bzw. endet, wenn nach christlich-westlichem Kalender der 21. März beginnt bzw. der 20. März zu Ende geht. Dies erschwert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit volkswirtschaftlichen Arbeiten, da dieser Umstand bei der Untermauerung von Thesen mit Zahlenmaterial zusätzlich berücksichtigt werden muss.

3 Vgl. auch Maley, W. (2008), S. 7-11.

4 Vgl. WB (2004a), S. 4.

5 Vgl. Patel, S. (2008), S. 149.

6 Ebd. Vgl. auch GoA (2004), o.S.

7 Vgl. AREU (2011), S. 82-93.

8 Vgl. Katzman, K. (2011), S. 4.

9 Vgl. auch Steck, R. (2005), S. 365-369.

10 Vgl. ADB et al. (2004), S. 83-85 u. S. 88-90.

11 Vgl. auch Steck, R. (2005), S. 369-371.

12 Vgl. ADB et al. (2004), S. 59-60 u. S. 90-92.

13 Vgl. Rooden, R.v., Dicks-Mireaux, L. (2005b), S. 61-63.

14 Vgl. IMF (2006), S. 43-45.

15 Dazu gehören USA, EU, Japan, Kanada, Indien, Norwegen, Iran, Saudi-Arabien, Australien, Vereinigte Arabische Emirate, Pakistan, China, Türkei, Russland, Schweiz, Korea, Kuwait, Neuseeland, Taiwan, Kroatien, Katar, Oman, Ägypten, Brasilien, Vietnam, Singapur, Brunei, Kasachstan. Zudem leisten auch internationale Organisationen Hilfsleistungen und gehören damit ebenso zu den Geberländern. Darunter zählen u.a. WB, IMF, ADB, Aga Khan-Fonds.

16 Leontief, W. (1966), S. 41-42. Von diesem stammt auch die Aussage: „Recent advances in input-output analysis (diese Analyse untermauert die ökonomische Entwicklungstheorie eines Landes mit empirischen Ergebnissen; Anm. d. Autors) and in the bookkeeping of underdeveloped countries have made it possible to apply the technique to a number of these economies. Their input-output tables show that in addition to being smaller and poorer they have internal structures that are different, because they are incomplete, compared with the developed economies. From such comparative studies a fundamental analytical approach to the structure of economic development is now emerging.” Vgl. Leontief, W. (1966), S. 42.

17 Vgl. http://www.globalsecurity.org/military/world/afghanistan/images/afghanistan_pol_93.jpg, Stand 10.07.2011.

18 Sh. Patel, S. (2008), S. 153.

19 Da in Entwicklungsländern generell keine bzw. unzureichende Volkszählungen durchgeführt werden, ist es umso erstaunlicher, dass in Afghanistan bereits so schnell wieder Daten generiert werden können und diese Interessierten zugänglich gemacht werden, auch wenn sie geschätzt sind. Vgl. auch Hemmer, H.R. (1988), S. 16-17. Die Zahlen GNI betreffend werden hier nicht berücksichtigt.

20 Vgl. hierzu auch Patel, S. (2008), S. 158. Dieser beruft sich auf Zahlen aus dem Statistischen Jahrbuch der UNHCR, wonach allein im Zeitraum 2002-2005 mehr als 4,2 Mio. Flüchtlinge nach Afghanistan zurückgingen.

21 Es gilt zu beachten, dass bei diesen Zahlen aufgrund unterschiedlicher Quellen Abweichungen möglich sind. Im Rahmen dieser Arbeit sollen jedoch diese Größen Gültigkeit besitzen.

22 Obwohl sich das afghanische Volk aus vielen unterschiedlichen Ethnien zusammensetzt, wird auf eine Differenzierung im Rahmen dieser Arbeit verzichtet, da es nicht Gegenstand der Themenstellung ist. Für die Analyse der Volkswirtschaft genügt es, wenn das Volk als ein homogenes Ganzes betrachtet wird.

23 Vgl. hierzu auch Eqbal, E., Nasseh, O.M. (2002), S. 1-27.

24 Hier könnten höchstwahrscheinlich „Sulfa Drugs“, eine scheinbar bahnbrechende medizinische Innovation aus den USA der 30er Jahre Abhilfe schaffen. Dieses Medikament wurde dort erfolgreich an amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern, die an diversen infektiösen Krankheiten litten, getestet. Man fand heraus, dass es signifikant dazu beiträgt, die Sterblichkeitsrate zu senken und somit für eine höhere Lebenserwartung zu sorgen. Neben den in Kap. 3.3.2.3. dargelegten Hilfen könnte auch ein Einsatz dieser oder zumindest ähnlicher Medikamente für eine wesentliche Verbesserung der insgesamt schlechten demographischen und sozioökonomischen Indikatoren sorgen. Vgl. hierzu Jayachandran, S., Lleras-Muney, A., Smith, K.V. (2010), S. 118-146.

25 Vgl. http://devdata.worldbank.org/AAG/afg_aag.pdf, Stand 11.07.2011.

26 Aufgrund der Schwierigkeiten, statistisches Zahlenmaterial über Afghanistan zu generieren, liegen diesbezüglich wenig aktuelle Daten vor. Dies hat seine Ursachen darin, dass zum einen in diesem von jahrzehntelangen Konflikten betroffenen Land noch die Institutionen fehlen, die über genügend eigenes Zahlenmaterial verfügen und statistische Erhebungen durchführen, um vernünftige Aussagen treffen zu können und zum anderen darin, dass dem bereits in Kap. 1.1. erwähnten islamischen Kalender eine andere Zeitrechnung zugrunde liegt. Für die vorliegende wissenschaftliche Arbeit jedoch sind auch Zahlen vor dem Jahr 2009 in Bezug auf die Themenstellung nach wie vor aussagekräftig und daher relevant.

27 Vgl. Byrd, W.A. (2008), S. 92.

28 Wenn Daten fehlen, fängt der Diamant an, Kratzer zu bekommen, d.h. die Linie wird unschärfer.

29 Vgl. hierzu auch Byrd, W.A. (2008), S. 110-111.

30 Ebd.

31 Vgl. Mankiw, N.G. (2004), S. 555-556.

32 Marshall, A. (1959), S. 49.

33 Vgl. auch Wais, A. (2002), S. 237.

34 Sh. Art. 9 der afghanischen Verfassung im Anh. Es ist anzumerken, dass es sich bei der Wiedergabe von Verfassungsartikeln in englischer Sprache lediglich um inoffizielle Übersetzungen handelt. Eine offizielle Version der Verfassung existiert nur in den afghanischen Amtssprachen Dari und Paschtu.

35 Vgl. http://www.bgs.ac.uk/afghanminerals/docs/afghan_supp_final.pdf, Stand 14.07.2011.

36 Vgl. Matern, T. (2010), S. 8.

37 Vgl. WB (2004b), S. 2-3.

38 Vgl. auch Matern, T. (2010), S. 8.

39 Ebd.

40 Niobium ist ein Stoff, der für die Produktion von Stahl benötigt wird.

41 Vgl. auch Matern, T. (2010), S. 8 u. WB (2004b), S. 46.

42 Vgl. Pain, A., Goodhand, J. (2002), S. 28.

43 Vgl. Cusack, J., Malmstrom, E. (2011), S. 22.

44 Vgl. hierzu Kap. 5.2.

45 Vgl. hierzu auch WB (2004b), S. 10-17.

46 https://www.gtai.de/nn_76040/DE/Navigation/Metanavigation/Suche/sucheUebergreifendGT.html, Stand 02.08.2010.

47 Ebd.

48 Vgl. hierzu neben www.gtai.de ebenso WB (2004b), S. 2-3.

49 So auch WB (2004b), S. 18-22.

50 Vgl. Lawler, A. (2010), S.14.

51 Diese Ortschaft liegt in der Region Logar zwischen Kabul und Dschalalabad.

52 Vgl. Dt. BT (2010), S. 38.

53 Vgl. Dt. BT (2010), S. 84.

54 Vgl. Lawler, A. (2010), S. 14.

55 In den Originalquellen im Internet werden zu verschiedenen Themen abwechselnd Angaben in US-Dollar, in Euro oder aber in der einheimischen Währung Afghani gemacht. Eine Umrechnung in eine einheitliche Währung speziell für diese Arbeit wurde nicht vorgenommen. Daher dürfen im Rahmen dieser Arbeit Angaben in verschiedenen Währungen verwendet werden. Vgl. auch Hemmer, H.R. (1988), S. 18-21.

56 Vgl. Dt. BT (2010), S. 84.

57 Vgl. Hemmer, H.R. (1988), S. 134-140.

58 Hemmer, H.R. (1988), S. 121.

59 Da die Datenlage auf der Ebene der Provinzen nur spärlich bis ungenügend ist, kann eine Analyse der afghanischen Volkswirtschaft auf ebenjener Ebene nur unvollständig durchgeführt werden. Insofern beschränkt sich der Autor bei seiner Untersuchung auf Afghanistan als Ganzes.

60 Gabler (1996), S. 1227.

61 Exemplarisch können hier die Mobilfunkunternehmen Roshan und Afghan Wireless, die Fluggesellschaft Ariana Airlines oder das Medienunternehmen des afghanischen Moguls Bayat genannt werden. Vgl. auch WB (2005), S. 70-72.

62 Samuelson, P.A. (1995), zitiert nach Gabler (1997), S. 4224.

63 Vgl. hierzu auch Oppenheimer, F. (1919), S. 470-473.

64 Keynes, J.M. (1936), S. 17.

65 Vgl. IMF (2008), S. 31.

66 Sh. Kap. 3.2.5.

67 Sh. Kap. 4.1.4.

68 Vgl. WB (2004a), S. 5.

69 Vgl. Evans, A., Manning, N. et al. (2004), S. 71-73.

70 Aufgrund unzulänglicher Erhebungen von statistischen Daten in Bezug auf jedes Untersuchungsfeld in Afghanistan ist es leider nicht zu vermeiden, dass im Internet unterschiedliche Zahlen kursieren. Trotz intensiver Nachforschungen und eingehender Untersuchungen der im Rahmen dieser Arbeit verwendeten Übersichten ließ es sich nicht verhindern, dass zum Teil verschiedene Zahlen abgebildet wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass wie bereits erwähnt nach wie vor eine große Schattenwirtschaft existiert, die die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema vor große Hürden stellt. Daher sind die Zahlen mit Vorsicht und besser als Richtwerte zu genießen, als dass man sie für verbindlich erklärt.

71 Da in Afghanistan das Fiskaljahr 1390 (entspricht 2011/12) noch nicht beendet ist, werden Zahlen aus dem Jahr 2010/11 herangezogen. Sh. tabellarische Übersicht ausgewählter makroökonomischer Indikatoren im Anh. Vgl. dazu http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 31.07.2011.

72 Vgl. http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 13.07.2011.

73 Vgl. Hemmer, H.R. (1988), S. 8-16.

74 Sh. Anh.

75 Vgl. auch Byrd, W.A. (2008), S. 94.

76 Vgl. Dt. BT (2010), S. 86.

77 Vgl. WB (2011), S. 2.

78 Schätzungen wurden durchgeführt von der Weltbank.

79 Vgl. http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 13.07.2011.

80 Vgl. WB (2011), S. 3.

81 Vgl. WB (2011), S. 3.

82 Studie SAF

83 Vgl. WB (2005), S. 27.

84 Sh. auch Byrd, W.A. (2008), S. 91.

85 Vgl. ADB, GoA, UNAMA, UNDP, WB (2004), S. 7 u. 10.

86 Vgl. auch Wais, A. (2002), S. 224-225.

87 Vgl. GoA (2008), S. 41.

88 Vgl IMF (2010), S. 5.

89 Vgl. WB (2005), S. 92-95.

90 Vgl. https://www.gtai.de/ext/anlagen/PubAnlage_2945.pdf?show=true, Stand 15.05.2010.

91 Vgl. hierzu auch Nasseh, O.M., Eqbal, E. (2002), S. 70-71.

92 Vgl. hierzu Nasseh, O.M., Eqbal, E. (2002), S. 68-70.

93 Vgl. http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 13.07.2011.

94 Vgl. auch Wais, A. (2002), S. 222.

95 Vgl. WB (2005), S. 12.

96 Vgl. IMF (2008), S. 41.

97 Vgl. WB (2011), S. 2.

98 Vgl. auch Wais, A. (2002), S. 237-238. Sh. auch Kap. 2.3.

99 Vgl. IMF (2004), S. 4.

100 Vgl. Byrd, W.A. (2008), S. 96.

101 Sh. Anh.

102 Vgl. WB (2011), S. 6.

103 Dieser Terminus betrifft Staaten, in denen die Entdeckung natürlicher Ressourcen den Wert der einheimischen Währung erhöht und dadurch die in einheimischer Produktion hergestellten Güter weniger wettbewerbsfähig macht, in der Folge die Importe explodieren, während der Export zurück geht. Der Begriff ist auf die Niederlande zurückzuführen, die unter diesem Phänomen direkt litten als Erdgas in der Nordsee entdeckt wurde. Vgl. Paterson, A. (2006), S. 31.

104 Vgl. http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 14.07.2011.

105 Sh. Abb. 8.

106 Vgl. auch hierzu Abb. 8.

107 Vgl. Kap. 3.2.3.

108 Vgl. WB (2011), S. 4.

109 Vgl. WB (2011), S. 6.

110 Ebd.

111 http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 17.07.2011.

112 Vgl. WB (2011), S. 5.

113 Vgl. WB (2011), S. 3.

114 Sh. Kap. 5.2.1.

115 Vgl. WB (2011), S. 3.

116 Vgl. WB (2011), S. 3.

117 Leontief, W. (1966), S. 64.

118 Leontief, W. (1966), S. 52.

119 Vgl. http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 14.07.2011.

120 Vgl. WB (2011), S. 5.

121 Vgl. hierzu auch Ali, M., Pain, A. (o.J.), S. 4-6 u. 11-33.

122 Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Aussenwirtschaft/Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen/laenderinformationen,did=277744.html?view=renderPrint, Stand 31.07.2011.

123 Ebd.

124 Vgl. auch Krugman, P., Obstfeld, M. (2009), S. 251-257.

125 Vgl. Kap. 2.3.

126 Vgl. auch Wais, A. (2002), S. 224.

127 Vgl. WB (2005), S. 13.

128 Vgl. IMF (2008), S. 94.

129 Vgl. IMF (2008), S. 189.

130 Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Aussenwirtschaft/Bilaterale-Wirtschaftsbeziehungen/laenderinformationen,did=277744.html?view=renderPrint, Stand 31.07.2011.

131 Vgl. auch Patel, S. (2008), S. 152.

132 Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Aussenwirtschaft/Bilaterale-Wirtschaftsbeziehungen/laenderinformationen,did=277744.html?view=renderPrint, Stand 31.07.2011.

133 Ebd.

134 Vgl. http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Aussenwirtschaft/Bilaterale-Wirtschaftsbeziehungen/laenderinformationen,did=277744.html?view=renderPrint, Stand 31.07.2011.

135 Vgl. Agnew, M. (2003), S. 11. Auch wenn diese Quelle aus dem Jahr 2003 stammt, so hat sie dennoch Bestand, da die der afghanischen Wirtschaft innewohnende Arbeitslosigkeit auch struktureller Art ist.

136 Vgl. Byrd, W.A. (2008), S. 123.

137 Vgl. Goodhand, J., Pain, A. (2002), S. 24-25.

138 Vgl. Kap. 4.

139 Vgl. Gathmann, C., Schönberg, U. (2010), S. 1-50.

140 Vgl. auch Stiglitz, J. (2006), S. 50-51.

141 Sh. Kap. 3.3.1.1.

142 Vgl. auch Byrd, W.A. (2008), S. 102.

143 Vgl. WB (2011), S. 9.

144 Die Zahlen bis einschließlich 2009/10 sind bestätigt. Für das Jahr 2010/11 wurden die Daten geschätzt, da das Fiskaljahr in Afghanistan bei der Veröffentlichung der Statistik noch nicht beendet war.

145 Eine theoretische Grundlage zu der Frage, inwiefern die afghanische Regierung durch ihre Fiskalpolitik den Staatshaushalt gestalten soll, liefert Phelps. „The fiscal principle to be investigated here we call the principle of fiscal neutrality. We shall say that tax policy is neutral if it produces the same allocation of resources ... as would be produced if there were no government treasury, hence no taxes and government debt, but only a government agency to conscript resources for use in the production of public goods and an agency to redistribute wealth so as to achieve the desired distribution of lifetime income”. Daraus kann man schließen, dass sich gerade in Afghanistan die Fiskalpolitik nicht neutral darstellt. Es macht in der Tat einen Unterschied, ob eine aktive Steuerpolitik betrieben wird oder nicht, da mit den Steuern nicht nur quantitativ ein signifikanter Mehrbetrag für die Allokation der Ressourcen zur Verfügung stünde als ohne, sondern auch qualitativ die Ressourcenallokation sich ändern könnte. Vgl. Phelps, E.S. (1965), S. 16.

146 Vgl. Solow, R.M. (2004), S. 24.

147 http://siteresources.worldbank.org/AFGHANISTANEXTN/Resources/305984-1297184305854/AfghanistanEconomicUpdateJune2011.pdf, Stand 15.07.2011.

148 Die Zahlen sind gerundet.

149 Die Zahlen 2014/15 betreffend sind grobe Prognosen und daher nicht ausreichend stichhaltig.

150 Vgl. auch Patel, S. (2008), S. 150.

151 Ergänzend kann man hinzufügen, dass der operative Saldo (einschließlich Zuwendungen) ca. 228 Mio. US-Dollar und der Saldo insgesamt (ausschließlich Zuwendungen) ca. – 1,790 Mill. US-Dollar beträgt.

152 Vgl. auch Patel, S. (2008), S. 149.

153 Mankiw, N.G. (2004), S. 268 u. 619.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Der nationale und internationale Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan
Untertitel
Lässt sich in Afghanistan eine funktionierende private Marktwirtschaft verwirklichen?
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
101
Katalognummer
V882636
ISBN (eBook)
9783346185525
ISBN (Buch)
9783346185532
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft Afghanistan Aufbau Entwicklung Volkswirtschaft Nationalökonomie Strategie Ansatz
Arbeit zitieren
Shabir Nayebkhyll (Autor), 2011, Der nationale und internationale Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/882636

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der nationale und internationale Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Afghanistan



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden