Diese Arbeit untersucht die Bedingung unter denen eine Satellitengebühr wohlfahrtssteigernd ist. Hierzu werden zweiseitige Märkte definiert und der Fernsehübertragungsmarkt als einer identifiziert. Dieser wird daraufhin anhand des „canonical model“ zweiseitiger Märkte von Rochet und Tirole (2004) mathematisch dargestellt. Dabei wird herausgearbeitet, dass eine Satellitengebühr solange die Wohlfahrt steigert, bis die Semi-Elastizität der Anzahl der Konsumenten bezüglich ihres „per-interaction-prices“ der der TV-Sender gleicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zweiseitige Märkte
2.1 Eigenschaften und Definition zweiseitiger Märkte
2.3 Das „canonical model“ zweiseitiger Märkte
3. Die Satellitengebühr im zweiseitigen Fernsehübertragungsmarkt
3.1 Modellierung des Fernsehübertragungsmarktes
3.2 Wohlfahrtsauswirkungen einer Satellitengebühr
4. Fazit, Kritik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Bedingungen, unter denen die Einführung einer Satellitengebühr im Fernsehsektor wohlfahrtssteigernd wirkt, indem sie den Fernsehübertragungsmarkt als zweiseitigen Markt modelliert.
- Charakterisierung des Fernsehübertragungsmarktes als zweiseitiger Markt
- Mathematische Modellierung mittels des „canonical model“ von Rochet und Tirole
- Analyse der Wohlfahrtswirkungen durch eine Satellitengebühr
- Untersuchung der Preisstrukturoptimierung und Semi-Elastizitäten
- Kritische Würdigung der Modellannahmen im Partialmarkt
Auszug aus dem Buch
2.1 Eigenschaften und Definition zweiseitiger Märkte
Zwei- bzw. mehrseitige Märkte sind zum einen dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen ein Intermediär existiert, dessen Plattform notwendig ist, um zwischen unterschiedlichen Endnutzergruppen – bspw. Käufer und Verkäufer – Transaktionen zu ermöglichen (Vgl. Evans, 2003). Die Endnutzer treten also nicht miteinander in direkten Kontakt und können somit nicht miteinander verhandeln. Die vermittelten Transaktionen stiften ihnen einen Nutzen und der Intermediär lässt sich diese Vermittlung entlohnen. Der Intermediär agiert dabei zwischen den Endnutzern und ist somit mit beiden Seiten in Kontakt. Im Gegensatz zu der üblichen vertikalen Sicht auf Märkte, bei der die Plattform nur mit einer Seite in Kontakt steht (siehe Abbildung 1), ergibt sich daher eine horizontale Sicht, wie in Abbildung 2 dargstellt.
Zum anderen ist ein zweiseitiger Markt dadurch charakterisiert, dass der Intermediär versucht, die zu verbindenden Seiten durch eine adäquate Gebührenstruktur und Gebührenaufteilung „an Bord“ zu holen. Das Merkmal adäquat sagt aus, dass die Gebührenaufteilung zwischen den Endnutzen entgegen dem Coase-Theorem nicht neutral ist. Diese Nichtgültigkeit ist dann gegeben, wenn die Endnutzer keine effiziente Ressourcenalokation durch Verhandlungen erreichen können (Vgl. Rochet & Tirole, 2004, S. 14) und ist notwendige – wenn auch nicht hinreichende – Bedingung für einen zweiseitigen Markt (Vgl. Rochet & Tirole, 2004, S. 10).
In zweiseitigen Märkten hängen die Netzwerkeffekte und damit der Nutzen eines Mitglieds einer Marktseite davon ab, wie viele Nutzer auf der anderen Seite auf derselben Plattform agieren (Vgl. Armstrong, 2004, S.1). Somit treten Netzwerkeffekte nicht (nur) innerhalb einer Gruppe von Endnutzern auf, sondern (auch) zwischen den jeweiligen Gruppen an Endnutzern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Debatte um die Einführung einer Satellitengebühr durch SES Astra und private TV-Sender dar und führt in die wissenschaftliche Problemstellung ein.
2. Zweiseitige Märkte: Das Kapitel definiert zweiseitige Märkte, grenzt sie von klassischen Modellen ab und führt das „canonical model“ von Rochet und Tirole ein.
3. Die Satellitengebühr im zweiseitigen Fernsehübertragungsmarkt: Hier wird das Modell auf den TV-Markt angewendet, um die wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen einer Satellitengebühr zu analysieren.
4. Fazit, Kritik und Ausblick: Der Abschnitt fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Einschränkungen der Partialanalyse und gibt einen Ausblick auf komplexere Modellierungsansätze.
Schlüsselwörter
Zweiseitige Märkte, Satellitengebühr, Fernsehübertragungsmarkt, Netzwerkeffekte, Preisstruktur, Wohlfahrtsökonomie, Canonical Model, Rochet und Tirole, Medienökonomik, Semi-Elastizität, Intermediär, Wohlfahrtsoptimum, Plattformökonomie, TV-Oligopol, Marktallokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Konsequenzen einer geplanten Satellitengebühr für frei empfangbare Fernsehsender in Deutschland aus einer wissenschaftlichen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Theorie zweiseitiger Märkte, die Preisstruktur auf Plattformen mit indirekten Netzwerkeffekten sowie die Wohlfahrtsökonomie im TV-Sektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedingung zu identifizieren, unter der eine Satellitengebühr die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt steigern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet das „canonical model“ der zweiseitigen Märkte nach Rochet und Tirole (2004) zur mathematischen Modellierung und Herleitung einer optimalen Preisstruktur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung des Modells auf den Fernsehmarkt, wobei sowohl Konsumenten als auch TV-Sender als Marktseiten betrachtet werden, um den Einfluss von Preisänderungen auf die Wohlfahrt zu berechnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind zweiseitige Märkte, Netzwerkeffekte, Wohlfahrtsmaximierung, Preisstruktur und die Modellierung von Übertragungsplattformen.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise in dieser Arbeit von klassischen Mikroökonomie-Modellen?
Im Gegensatz zur klassischen Mikroökonomie erkennt das Modell an, dass Preisstrukturen auf zweiseitigen Märkten nicht neutral für die Wohlfahrt sind und Externalitäten durch den Intermediär internalisiert werden müssen.
Welche zentrale Erkenntnis ergibt sich hinsichtlich der Satellitengebühr?
Die Einführung einer Satellitengebühr ist wohlfahrtssteigernd, solange die Semi-Elastizität der Anzahl der Konsumenten bezüglich ihres Preises kleiner ist als die der TV-Sender.
Warum wird eine Partialanalyse durchgeführt?
Dies dient der Vereinfachung des Modells, da eine Totalanalyse unter Einbeziehung von Werbemärkten die Komplexität massiv erhöhen würde, ohne zwingend grundlegend andere Erkenntnisse zur Preisstruktur zu liefern.
- Quote paper
- Ingo Fiedler (Author), 2007, Die Fernsehübertragung als zweiseitiger Markt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88331