Welche Faktoren und Gründe führen zu Familiengewalt?


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Formen von Gewalt

3. Gründe und Faktoren

4. Erklärungsmodelle: Gewalt gegen Frauen

5. Gewalt gegen Kinder

6. Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Gewalt gegen Frauen in Zweierbeziehungen

7. Prävention von Gewalt

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit will ich klären, welche Faktoren und Gründe es für Gewalt in der Familie gibt. Ich werde auf exogene und endogene Faktoren eingehen und gesellschaftlich-strukturelle Gegebenheiten erläutern. Es wird sich herausstellen, dass es sehr schwer ist die wahren Gründe genau zu ermitteln, da es schwer ist die Faktoren voneinander zu trennen, da sich diese oft gegenseitig beeinflussen.

Seit den siebziger Jahren befasst sich Öffentlichkeit und die Wissenschaft ernsthaft mit dem Thema der familiären Gewalt, welche es zu allen Zeiten gegeben hat. Der Umgang mit dem Thema hat sich jedoch gewandelt und befindet sich weiterhin in einem Wandlungsprozess. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Gewalt nur negative Auswirkungen hat (was zu früheren Zeiten nicht galt), erfolgt eine Sensibilisierung diesem Thema gegenüber. Ich werde eine Definition von Gewalt geben und verschiedene Gewaltarten beschreiben. Auch werde ich Gründe und Erklärungsmodelle für die familiäre Gewalt anbieten. Zum Schluss werde ich einen Einblick in bestimmte Präventionsprogramme geben.

2. Definition und Formen von Gewalt

In diesem Abschnitt will ich eine Definition von Gewalt geben, sowie einige verschiedene Formen von Gewalt nennen.

Die Begriffe Macht, Gewalt und Aggression sind häufig nicht deutlich voneinander unterscheidbar, da sie sich oft gegenseitig bedingen. Wenn man Macht dadurch definiert, dass es bedeutet seinen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, dann gelten Aggression und Gewalt als Willensdurchsetzungsmittel. Markefka und Billen-Klingbeil(1989) beziehen sich auf Berkowitz und Gelles/Strauß und unterscheiden Aggression und Gewalt dadurch, dass Aggression ein Verhalten mit der Absicht zur Beschädigung allgemein, und Gewalt ein Verhalten mit der beabsichtigten Verletzung von Personen ist (Markefka/Billen Klingbeil 1989: 345).

Diese Definitionsabgrenzung ist fließend, sowie auch die Definitionen von verschiedenen Gewaltformen, von denen manche schwer voneinander trennbar sind.

Zunächst kann man zwischen struktureller und personaler Gewalt eine grobe Unterscheidung treffen. Zur strukturellen Gewalt zählt soziale Ungleichheit, ungerechte Machtverhältnisse, strukturelle Gegebenheiten, welche die Lebenschancen von Personengruppen oder einzelnen Personen eingrenzen. Inwieweit die strukturelle Gewalt Auswirkungen auf das Gewaltverhalten von Personen hat, wird in einem späteren Kapitel behandelt.

Die personale Gewalt wird von einer Person ausgeführt und richtet sich gegen Personen (andere oder die eigene), Tiere und unbelebte Objekte (Schneewind 2002).

Diese personale Gewaltform kann man nun eingrenzen in Arten der Gewalt, welche in Familien vorkommen oder vorkommen können (Schneewind 2002):

Gewalt zwischen Partnern (Partnergewalt)

Gewalt zwischen Eltern, Stief- oder Pflegeeltern und Kindern

Gewalt zwischen Geschwistern (Geschwistergewalt)

Gewalt zwischen jüngeren und älteren Familienmitgliedern im Erwachsenenalter

Gewalt zwischen gesunden und körperlich oder geistig kranken Familienangehörigen

3. Gründe und Faktoren

In diesem Kapitel versuche ich aufzuzeigen, welche Gründe es für die Ausübung von Gewalt in der Familie allgemein gibt, und welche Faktoren das Gewalt- und Aggressionsverhalten beeinflussen können.

Ich möchte mich zunächst auf Nave – Herz beziehen, die als verursachende Bedingungen für Familiengewalt endogene und exogene Faktoren und individuelle Eigenschaften der Familienmitglieder nennt.

Als endogene Faktoren gelten solche, die in der Familie oder bei der Person direkt vorkommen und nicht durch externe Einflüsse entstehen. Zum Beispiel erhöht die selbsterfahrene Gewalt die Wahrscheinlichkeit selbst Gewalt anzuwenden. Das heißt dass Kinder, welche Gewalt als Konfliktlösungsmittel oder Willensdurchsetzungsstrategie beobachtet und erfahren haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit besitzen, Gewalt als Mittel anzuwenden (Nave – Herz 1994: 80/81). Das Verhalten der Kinder, wie zum Beispiel Quengeleien oder Lärm oder störende Angewohnheiten, können bei den Eltern aggressive Reaktionen auslösen. Von der Norm abweichendes Aussehen sowie Missbildungen des Kindes erhöhen ebenfalls die Wahrscheinlichkeit von aggressivem Verhalten auf Seiten der Eltern. Eine Auswirkung von leistungsbezogener Zuneigung kann zu einem geringen Selbstwertgefühl des Kindes führen, wobei dieses die Wahrscheinlichkeit für Gewaltausübung durch das Kind steigert.

Diesen endogenen Faktoren stehen die exogenen gegenüber. Diese sind externe Faktoren wie: Stress am Arbeitsplatz oder Arbeitsplatzverlust, schlechte finanzielle Lage oder Überforderung durch fehlende Rahmenbedingungen (Erwerbstätigkeit der alleinstehenden Mutter, Pflegefälle) (Nave – Herz 1994: 81).

Es sind jedoch nicht allein die endogenen und exogenen Faktoren, welche einen großen Einfluss auf das Gewaltverhalten in der Familie Einfluss haben. Nave – Herz bezieht sich auf Wahl, um eine strukturelle Theorie mit der These der Modernisierungsfalle zu erläutern. Diese These besagt, dass die Struktur der modernen Familie Gewaltpotentiale entstehen lassen kann durch den Mythos der Moderne, das Weltbild des Fortschritts, das selbstbewusste Individuum und die Idealvorstellung der liebesbegründeten Familie. Wahl vergleicht diese gesellschaftlich anerkannten Ziele mit der Realität der gesellschaftlichen Modernisierung und bemerkt, dass eine Divergenz zwischen Ziel und Realität Gewalt der eigenen Person gegenüber, Depressionen und suizidale Impulse hervorrufen kann. Außerdem könnte das Warten auf Linderung dieses Leids oder des Frusts durch die Familie zu aggressiven Handlungen führen. Die mangelnde Anerkennung oder berufliche Misserfolge führen zu einem verminderten Selbstwertgefühl, welches man durch Machtdemonstrationen Schwächeren gegenüber aufzuwerten versucht (Nave – Herz 1994: 82).

Es bestehen auch weitere strukturelle Bedingungen, wie das von der Gesellschaft gestützte Bild der männlichen Überlegenheit und weiblicher Zurückhaltung. Da der Mann die Rolle des Versorgers zugeschrieben bekommt, wird ein Druck auf ihn gelegt, der dann auch durch Gewalttätigkeiten entladen werden kann, die als Lösungsversuch für familiäre Probleme eingesetzt werden. Der Mann ist jedoch nicht allein von einem gesellschaftlichen Erwartungsdruck betroffen. Auch die Mutter will dem Bild der fürsorglichen und gut erziehenden Mutter gerecht werden. Dieser Druck wird wiederum an das Kind weitergegeben.

Zusätzlich dazu besteht eine Eltern- und Erwachsenenhierarchie, welche als natürlich angesehen wird, die jedoch dem Bild der idealisierten Familie (Aufeinanderangewiesensein, gegenseitige Unterstützung) entgegensteht. Außerdem kommt noch hinzu, dass die Arbeitswelt rationalisiert und die Familie emotionalisiert wird. Die in der Arbeitswelt abhanden kommende Emotionalität wird in der Familie gesucht, was wiederum eine emotionale Überforderung darstellt (Funk 1997: 256). Dies ist ein weiterer Aspekt der von Wahl angesprochenen Modernisierungsfalle. Das in der Familie gesuchte Glück kann durch äußere, schwer beeinflussbare Faktoren verhindert werden. Dies wird als ein individueller Misserfolg gewertet, da man erwartet hat, dass man die individuelle Fähigkeit zur Erlangung des Glücks besitzt (Funk 1997: 256/257). Diese Enttäuschung über den Misserfolg erzeugt eine Hilflosigkeit, aus welcher als Bestrafung ein Gewaltverhalten dem Kind oder Partner gegenüber entstehen kann.

4. Erklärungsmodelle: Gewalt gegen Frauen

Spezielle wissenschaftliche Abhandlungen über die Faktoren für Gewalt gegen Frauen liefern einige Erklärungsmodelle für diesen speziellen Fall der Familiengewalt. Ich will die kollektivistische, individualistische und die kombinierte Theorie erläutern.

Die kollektivistischen Erklärungsmuster für Gewalt gegen Frauen stützen sich nach Markefka/Billen-Klingbeil auf drei Hauptaussagen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Welche Faktoren und Gründe führen zu Familiengewalt?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V88336
ISBN (eBook)
9783638024259
ISBN (Buch)
9783638936910
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welche, Faktoren, Gründe, Familiengewalt
Arbeit zitieren
Magister Artium Wojciech Blaszczak (Autor), 2006, Welche Faktoren und Gründe führen zu Familiengewalt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88336

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