Das Auftreten von Obdachlosigkeit wird oftmals mit den persönlichen Eigenschaften der Betroffenen in Verbindung gebracht. Der Aufsatz zeigt, dass dieser Zusammenhang statistisch entkräftet werden kann. Daher untersucht der Aufsatz im Weiteren drei ökonomische Erklärungsansätze. Es wird mit Hilfe der Nutzenmaximierungshypothese dargelegt, dass die ökonomischen Parameter Miet-Einkommens-Verhältnis, Pro-Kopf-Einkommen, Arbeitslosenrate, Mietkosten und Wohnungsleerstandsrate die Höhe der Obdachlosigkeit beeinflussen, soweit unfreiwillige Obdachlosigkeit vorliegt. Unabhängig von einer Nutzenmaximierung wirken darüber hinaus auch Marktzugangsbedingungen auf das Auftreten von Obdachlosigkeit. Die Verhaltensfunktion stellt den ökonomischen Parameter bei freiwilliger Obdachlosigkeit dar. Auf der Grundlage des Nutzenmaximierungsziels wird beleuchtet, wie die Instrumente Wohngeld und Arbeitslosenunterstützung Obdachlosigkeit fördern. Aufgrund der Ursachenvielfältigkeit ist zur Reduzierung der Obdachlosigkeit auf ein Optimum eine Kombination verschiedener wirtschaftspolitischer Maßnahmen notwendig. Die beiden untersuchten Instrumente sollten dabei Teil des Maßnahmebündels sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Obdachlosigkeit
2.1 Deinstitutionalisierungs-Hypothese
2.2 Ökonomische Erklärungsansätze für Obdachlosigkeit
2.2.1 Obdachlosigkeit verursacht durch relevante Parameter auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt
2.2.2 Obdachlosigkeit als freiwillige Entscheidung
2.2.3 Obdachlosigkeit als Folge eines Marktzugangsproblems
3. Wirtschaftspolitische Maßnahmen als Konsequenz der ökonomischen Erklärungsansätze
3.1 Ansätze für wirtschaftspolitische Maßnahmen
3.2 Wohngeld
3.3 Arbeitslosenunterstützung
4. Ergebnisdarstellung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die ökonomischen Ursachen von Obdachlosigkeit und leitet daraus wirtschaftspolitische Maßnahmen ab, um diese auf ein gesellschaftlich vertretbares Optimum zu senken. Die Forschungsfrage konzentriert sich dabei auf das Zusammenspiel von Einkommen, Mietkosten und Arbeitsmarktindikatoren als Determinanten des Wohnverlusts.
- Nutzenmaximierungshypothese als theoretisches Erklärungsmodell
- Analyse ökonomischer Parameter wie Miet-Einkommens-Verhältnis und Arbeitslosenrate
- Differenzierung zwischen unfreiwilliger und freiwilliger Obdachlosigkeit
- Evaluierung von Wohngeld und Arbeitslosenunterstützung als staatliche Instrumente
- Untersuchung von Marktzugangsproblemen für spezifische Bevölkerungsgruppen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Obdachlosigkeit verursacht durch relevante Parameter auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt
Das folgende Modell zur ökonomischen Erklärung von Obdachlosigkeit geht von der Annahme aus, dass die Individuen der Konsumentensouveränität unterliegen und somit eigenständig über ihren Konsumverbrauch hinsichtlich der Güterart und –menge entscheiden dürfen. Weiterhin unterstellt das Modell, dass die Individuen rational handeln und demnach ihre Entscheidungen mit dem Ziel der Nutzenmaximierung treffen. Allerdings wird der Entscheidungsspielraum des Individuums von seiner Budgetbeschränkung begrenzt. Ferner verhält es sich als Mengenanpasser. Das Individuum muss deshalb unter Berücksichtigung seines Einkommens mit dem Ziel der Nutzenmaximierung Umax eine Nutzenabwägung zwischen der Anmietung einer Wohnung zu einer bestimmten Qualität H mit dem Preis P(H) sowie dem Konsumverbrauch von anderen lebensnotwendigen Gütern C durchführen.
Formal lautet das Modell für den optimalen Konsumplan wie Folgt: Max U(H,C) = U(H, Y-B[H,Y]) u.d.N. Y = P(H) + C mit C, H ≥ 0. Die Nutzenfunktion stellt die Zielfunktion des Modells dar und drückt die Präferenzen des Individuums hinsichtlich der o.a. Güterarten Wohnungsanmietung und Konsumverbrauch aus. Der Nutzen steigt jeweils mit zunehmender Konsumierung (UH > 0, UC > 0, UHC=UCH> 0) allerdings mit abnehmender Grenzrate (UHH < 0, UCC < 0). Die Nebenbedingung gibt die Budgetbeschränkung sowie die Einkommensverwendung des Individuums wieder. Danach kann das Individuum sein Einkommen Y für die Bezahlung des Mietpreises P(H) und den Verbrauch lebensnotwendiger Güter C, bewertet zu Einheitspreisen, einsetzen. Das Mietpreisangebot steigt mit zunehmender Wohnqualität (PH[H] > 0) und bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt. Mit zunehmendem Nachfrageüberschuss steigt der Preis. Ein Angebotsüberschuss, d.h. ein Wohnungsleerstand, bewirkt dabei ein Sinken des Preises P, allerdings nur bis zu dem untersten Preisniveau Pmin, bei dem die Einnahmen gerade die Wohnungshaltungskosten des Vermieters decken, d. h. bis zur Höhe der Grenzkosten. Somit spiegelt das Mietpreisangebot Knappheiten auf dem Markt wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Obdachlosigkeit ein, begründet die Relevanz des Themas im Kontext der Sozialen Marktwirtschaft und skizziert den Aufbau der ökonomischen Analyse.
2. Erklärungsansätze für die Entstehung von Obdachlosigkeit: Hier werden konkurrierende Theorien wie die Deinstitutionalisierungs-Hypothese und ökonomische Erklärungsmodelle analysiert, die Obdachlosigkeit als Resultat von Marktparametern oder individuellem Nutzenkalkül betrachten.
3. Wirtschaftspolitische Maßnahmen als Konsequenz der ökonomischen Erklärungsansätze: Dieses Kapitel diskutiert staatliche Instrumente wie Wohngeld und Arbeitslosenunterstützung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Vermeidung von Obdachlosigkeit.
4. Ergebnisdarstellung: Im Fazit wird festgehalten, dass aufgrund des komplexen Ursachenspektrums nur ein Bündel an Maßnahmen eine Reduktion der Obdachlosigkeit auf ein gesellschaftliches Optimum ermöglichen kann.
Schlüsselwörter
Obdachlosigkeit, Nutzenmaximierung, Miet-Einkommens-Verhältnis, Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt, Wohngeld, Arbeitslosenunterstützung, Konsumentensouveränität, Budgetbeschränkung, Marktzugangsproblem, Soziale Marktwirtschaft, Preismechanismus, Sozialpolitik, Wohnqualität, Verhaltensfunktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Obdachlosigkeit unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, um ökonomische Erklärungsansätze für deren Entstehung zu identifizieren und wirtschaftspolitische Interventionsmöglichkeiten zu bewerten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Nutzenmaximierungstheorie, den Determinanten des Wohnungsmarktes, der Wirkung von Transferleistungen wie Wohngeld sowie der Rolle des Arbeitsmarktes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, ökonomische Parameter zu definieren, die Obdachlosigkeit verursachen, um daraus staatliche Maßnahmen abzuleiten, die das Auftreten von Obdachlosigkeit auf ein Optimum senken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt modelltheoretische Ansätze, insbesondere die Nutzenmaximierungshypothese und Lagrange-Optimierung, um das Entscheidungsverhalten von Individuen zwischen Wohnkonsum und Obdachlosigkeit zu erklären.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Ursachen (unfreiwillige/freiwillige Obdachlosigkeit, Marktzugang) und eine anschließende politikwissenschaftliche Evaluierung spezifischer Instrumente wie Wohngeld und Arbeitslosenunterstützung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nutzenmaximierung, Miet-Einkommens-Verhältnis, Konsumentensouveränität und marktwirtschaftliche Instrumente.
Warum reicht Wohngeld allein nicht aus, um Obdachlosigkeit zu eliminieren?
Wohngeld beeinflusst lediglich den ökonomischen Parameter der Mietkosten. Da Obdachlosigkeit jedoch ursachenvielfältig ist (z.B. Marktzugangsprobleme, freiwillige Entscheidung, soziale Gründe), kann ein einzelnes Instrument das Problem nicht vollständig lösen.
Inwiefern beeinflusst die "freiwillige Obdachlosigkeit" die politischen Ansätze?
Da freiwillige Obdachlosigkeit auf einer spezifischen Verhaltensfunktion basiert und nicht primär aus einer finanziellen Notlage resultiert, sind klassische wirtschaftspolitische Transferinstrumente für diese Gruppe weitgehend ungeeignet.
- Citation du texte
- Katja Schaefer (Auteur), 2005, Ökonomische Erklärungsansätze für Obdachlosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88410